<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

06.02.14Kommentieren

Startup-Crowdinvesting: So wuchs der deutsche Markt im Jahr 2013

2013 war ein gutes Jahr für die großen deutschen Crowdinvesting-Plattformen Seedmatch, Companisto, Innovestment und Bergfürst. Sogar der Koalitionsvertrag sieht die Schaffung eines Rechtsrahmens für Crowdinvesting vor. Die alternative Investitionsform vor allem für junge Unternehmen ist somit auch ins Bewusstsein der Politik gerückt.

CrowdinvestingIm gleichen Atemzug wie Crowdinvesting wird auch oftmals Crowdfunding genannt. Aber was genau ist der Unterschied zwischen beiden Anlageformen? Beim Crowdfunding wird ein Projekt von einer Vielzahl an Unterstützern finanziert, die dann im Gegenzug einen so genannten Perk, das heißt eine Gegenleistung meist in Form eines Produkts des Unternehmens erhalten. Bekannte Crowdfunding-Plattformen sind beispielsweise KickstarterIndiegogo und das deutsche Startnext. Crowdinvesting ermöglicht hingegen Privatinvestoren, Beteiligungen an einem Unternehmen im Rahmen einer Funding-Kampagne zu erwerben. Diese sind meist stille Beteiligungen, durch die die Investoren jedoch die Chance auf eine hohe Rendite im Falle des Erfolgs beziehungsweise Verkaufs des Unternehmens haben. Vor allem Startups nutzen diese Art der Finanzierung durch Privatinvestoren.

Nach Aussage des Crowdinvesting-Monitors von Für-Gründer.de wurden im vergangenen Jahr circa 15 Millionen Euro in insgesamt 66 Crowdinvesting-Finanzierungsrunden in Deutschland investiert. Dies entspricht einer Steigerung von 250 Prozent gegenüber 2012. Seedmatch nahm mit 49 Prozent Marktanteil die eindeutige Vorreiterrolle ein, Bergfürst erreichte 20 Prozent Marktanteil, Companisto 17 Prozent und Innovestment sieben Prozent. Letztere Plattform verlor im Gegensatz zu 2012 an Marktanteil, Companisto hingegen konnte seinen ausbauen. Seedmatch als klarer Platzhirsch

In Deutschland ist Seedmatch immer noch der Platzhirsch unter den Crowdinvesting-Plattformen. Nach eigener Aussage verzeichnete die Plattform 2013 insgesamt 21.018 registrierte Nutzer (Stand: 9. Januar 2014). Diese investierten 7,42 Millionen Euro bei einer Mindestbeteiligungssumme von 250 Euro, das bedeutet eine Steigerung von 166 Prozent im Vergleich zu 2012. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 25 Projekte gefördert, wobei sich auf Seedmatch vor allem Startups in der Seedphase Kapital einwerben. Das Verhältnis zur Gesamtzahl von 52 geförderten Projekten seit dem Launch von Seedmatch im August 2011 zeigt die generell gestiegene Bedeutung des Crowdinvesting.

Auf Seedmatch investieren die Unterstützer anhand des partiarischen Nachrangdarlehens in Unternehmen. Dieses ermöglicht den Investoren zwar eine stille Beteiligung, jedoch kein Mitspracherecht. Normalerweise gilt eine Mindestbindung von fünf Jahren. Erst danach kann die Beteiligung aufgekündigt werden. Falls das Unternehmen in dieser Zeit einen Wertzuwachs zu verzeichnen hatte, werden entsprechende Bonuszinsen ausgezahlt. Gleiches geschieht beim erfolgreichen Exit oder Börsengang des Unternehmens. Im Falle einer Insolvenz des Unternehmens werden allerdings im ersten Schritt die Gläubiger mit Eigenkapitalanteilen ausgezahlt. Falls dann noch etwas übrig bleibt, kommen die stillen Teilhaber an die Reihe, das heißt die Crowdinvestoren.

Erfolgreich wurde im vergangenen Jahr unter anderem Honestly zum zweiten Mal auf Seedmatch mit einer Fundingsumme von 160.000 Euro und einem zu 160 Prozent erreichten Seedlevel finanziert, das heißt der möglichen Finanzierungsspanne nach Erreichen der Fundingschwelle. Changers.com sicherte sich eine Summe von 108.250 Euro und übertraf das Seedlevel zu 216 Prozent. Protonet erreichte mit 200.000 Euro Investment sogar 400 Prozent des Seedlevels. Einen Rekord stellte e-volo im vierten Quartal 2013 auf. Das Unternehmen mit dem neuartigen Leichtbau-Helikopter konnte die Investoren für insgesamt 1.200.000 Euro und somit einem 1200-prozentigen Seedlevel begeistern. Die Mehrheit der auf Seedmatch erfolgreichen Projekte sammelte weitaus mehr Kapital ein, als anfangs anvisiert waren. Aktuell laufen auf der Plattform Projekte von Paymey, Geile Weine und fraisr, die allesamt bereits weit über ihrer Fundingschwelle liegen.

Companisto und Innovestment liefern vielversprechende Zahlen

Auf Companisto wurden seit der Gründung 2011 bereits mehr als 4.200.000 Euro investiert. Diese verteilen sich auf 26 Startups von über 13.000 Investoren oder so genannten Companisten. Unter den Projekten waren unter anderem Sommelier Privé, Meine-Spielzeugkiste und Wonderpots, letztere mit einer Rekord-Fundingsumme für Companisato von 500.000 Euro.

Auch bei Companisto beteiligen sich Investoren über das partiarische Nachrangdarlehen mit der Chance auf eine Gewinnbeteiligung und eventuelle Exitbeteiligung  an den Unternehmen. Derzeit laufen unter anderem Projekte von readfy mit bereits mehr als 129.000 Euro Investition und noch 28 Tagen Fundingzeit für die Zielsumme von 20.000 Euro sowie von BiteBox, die mit mehr als 485.000 Euro eingesammeltem Kapital ihr Fundingziel von 500.000 Euro auch schon fast erreicht haben.

Innovestment bedient sich, anders als Seedmatch und Companisto, stiller Beteiligungen. Die Besonderheit liegt hier darin, dass die Investoren an einer Auktion in drei Phasen teilnehmen. Falls die Beteiligungen sehr stark nachgefragt sind, können die Investoren auch andere Bieter durch ein höheres Gebot verdrängen. Innovestment kommuniziert wie alle anderen Plattformen offen einerseits das Risiko und den möglichen Verlust des investierten Kapitals, andererseits aber auch die mögliche hohe Rendite im Rahmen der Investition.

Momentan läuft unter anderem ein Projekt von Chocri mit einer Fundingschwelle von 100.000 Euro und einer Mindesteinlage von 10.000 Euro auf Innovestment. Das Unternehmen hat ein Fundingziel von 200.000 Euro definiert, wovon bisher 80.000 Euro eingesammelt wurden. Mit dem Geld soll die Europa-Expansion vorangetrieben werden. Die vier anderen Kampagnen, die derzeit auf Innovestment um Kapital werben, entwickeln sich weniger positiv. Alle vergangenen Projekte wie zum Beispiel von Paper C, Lumindo und WeGreen waren jedoch erfolgreich.

Bergfürst zieht mit erstem großvolumigem Projekt nach

Die Plattform Bergfürst konzentriert sich auf Unternehmen in der Wachstumsphase und sammelt für sie Kapital in A-Runden-Größe ein. Die Plattform hat im Jahr 2013 nur ein Projekt von Urbanara, dem Online-Shop für Heimtextilien und Accessoires, erfolgreich finanziert. Das allerdings direkt mit einem großen Investitionsvolumen von 2,99 Millionen Euro.

Auch bei Bergfürst liegt die Beteiligung bei mindestens 250 Euro. Bergfürst versteht sich allerdings als Aktienhandelsplattform, auf der man als Investor Unternehmensaktien mit Eigenkapitalbeteiligung erwirbt, verbunden mit einem Mitspracherecht. Außerdem gibt es nach der Aktienausgabe die Möglichkeit, weiter zu handeln. Eine Mindesthaltedauer der Aktien besteht nicht. Das Geld der Investoren wird auf ein Guthabenkonto eingezahlt, mit dem die Investoren dann die Aktien kaufen können. Unternehmen zahlen bei Bergfürst jedoch keine Gewinnbeteiligungen aus, sondern reinvestieren im Falle eines Gewinnes.

Derzeit läuft kein Crowdinvesting-Projekt auf Bergfürst, sondern eine Spendenaktion für Tausend und eine Rampe des Sozialhelden e.V. Weiterhin können aber Aktien von Urbanara beobachtet und gekauft werden. Das nächste Crowdinvesting-Projekt wurde bisher noch nicht angekündigt.

Ausblick auf 2014

Nach Aussage des Crowdinvesting-Monitors wird 2014 nochmals ein Anstieg des Finanzierungsvolumens auf den einschlägigen Plattformen erwartet. 20 bis 25 Millionen sind wohl insgesamt realistisch. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob weitere Player den Markt betreten und den schon etablierten Plattformen Marktanteile abnehmen werden. Zudem wird sich erst mittelfristig zeigen, ob Crowdinvesting für die Investoren auch tatsächlich lukrativ ist - nämlich wenn die ersten ihre Unternehmenbeteiligungen wieder veräußern.

Update, 14.04.2014: In der ursprünglichen Version des Textes war zu lesen, dass Innovestment mit dem partiarischen Nachrangdarlehen den gleichen Weg wie Seedmatch und Companisto geht. Dies war jedoch nicht korrekt, weshalb wir dies korrigiert haben.

Foto: Business man hand drawing a graph, Shutterstock

Kommentare

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer