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10.02.12

Crowdfunding: Eine schleichende Revolution

Wieder sorgt ein erfolgreiches Crowdfunding-Vorhaben für Schlagzeilen. Der Trend zur Vorfinanzierung von physischen und digitalen Produkten durch die Konsumenten kommt einer Revolution gleich.

 

Die Rekordfinanzierung eines neuen Spieletitels von Game-Designer Tim Schafer sorgt gerade für Schagzeilen. Für die Entwicklung seines neuen Titels "Double Fine Adventure" wollte er über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter 400.000 Dollar von an dem Spiel interessierten Personen einsammeln. Bis zum 13. März gab sich Schafer, eine Legende in der Gamer-Community, zum Erreichen dieser Summe. Doch schon acht Stunden später überschritt das Gesamtvolumen der Zusagen die anvisierte Marke. Etwas mehr als 24 Stunden später steht der Zähler bereits bei über 1,2 Millionen Dollar. Fast 35.000 Personen haben ihre Unterstützung signalisiert.

Marcel Weiss beschreibt bei neunetz.com, was der entscheidende Punkt dieser Meldung ist: nicht die Geschwindigkeit, mit der das Geld eingesammelt wurde, sondern die Tatsache, dass ohne Probleme möglich wird, was über traditionelle Finanzierungswege und trotz einer offensichtlichen Nachfrage nicht machbar war. Das von Schafer geplante Point-and-Click-Adventure würde nämlich heute kein Spiele-Publisher mehr veröffentlichen, stellt René Walter bei Nerdcore fest.

Erst kürzlich machte die deutsche Comedyserie Stromberg durch eine Crowdfunding-Kampagne auf sich aufmerksam. Innerhalb einer Woche steuerten Fans eine Million Euro als Teilfinanzierung eines Stromberg-Kinofilms bei. Und auch in der Startup-Welt feiert Crowdfunding Erfolge: Jüngst sammelte smarchive in weniger als drei Tagen 100.000 Euro von Privatinvestoren ein, und gerade gelang Lingoking dieses Kunststück innerhalb von lediglich fünf Stunden.

Zwar unterscheiden sich die gewählten Modelle - bei Kickstarter-Aktionen erwerben Spender keine Anteile an dem geplanten Produkt, sondern setzen sich primär für dessen Entstehung ein, weil sie es selbst verwenden möchten, während es sich bei Startup-Crowdfunding um wirkliche Mini-Investments mit Renditechance handelt - dennoch eint sie der gemeinsame Grundgedanke des Crowdfundings, dass mit vielen kleinen finanziellen, über das Netz koordinierten Beiträgen aus privater Tasche die Entstehung von neuen Produkten ermöglicht wird.

Bei dem Spiel von Tim Schafer handelt es sich nur um eines der zahlreichen Projekte, die in letzter Zeit auf Kickstarter genug Unterstützer gefunden haben. Faszinierend ist in diesem Zusammenhang ein Tweet von Technologie-Visionär Tim O'Reilly (via), in dem dieser Kickstarter als das möglicherweise wichtigste Tech-Unternehmen seit Facebook bezeichnet und der Crowdfunding-Plattform langfristig sogar eine potenziell noch entscheidendere Rolle einräumt.

Das New Yorker Startup wurde 2008 gegründet und erregte erstmals mit der erfolgreichen Finanzierung des dezentralen sozialen Netzwerks diaspora internationales Aufsehen. Das Geschäftsmodell basiert auf einer fünfprozentigen Provision, die Initiatoren von Projekten an das Unternehmen zahlen, sofern sie ihr Spendenziel erreichen.

Crowdfunding im Allgemeinen und Kickstarter im Speziellen können zu tragenden Säulen einer demokratisierten, nachhaltigen und bedarfsorientierten Konsumgesellschaft werden. Statt dass Firmen mit dem Kapital institutioneller Investoren Güter und Dienste entwickeln, die anschließend auf Teufel komm raus und mit millionenschweren Marketingbudgets in den Markt gedrückt werden, sorgt das Crowdfundingmodell dafür, dass nur verwirklicht wird, woran eine tatsächliche Nachfrage besteht.

Das Beispiel des gefloppten Social Networks diaspora zeigt zwar, dass auch dann kein dauerhafter Erfolg garantiert ist. Dennoch wird es für Kreative, Hobby-Tüftler, Startups ohne Funding und leidenschaftliche Erfinder mit Kickstarter & Co deutlich einfacher, das benötigte Kapital einzutreiben, ohne sich dabei zu verschulden - oder eben frühzeitig einzusehen, dass absolut kein Bedarf an dem beschriebenen Produkt besteht.

Um bei Kickstarter eine eigene Crowdfunding-Aktion starten zu können, ist ein US-Bankkonto notwendig. Zwei deutsche Alternativen heißen mySherpas und Startnext.

(Foto: stock.xchng/datarec)

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