<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

18.10.11

Couchfunk: iPad-App für alle, die ungern alleine fernsehen

Couchfunk ist eine Social-TV-App für das iPad, die Zuschauerkommentare zu Programmen sammelt. Die Anwendung des Startups aus Sachsen macht einen guten ersten Eindruck.

 

86 Prozent der mobilen Internetnutzer in den USA werfen laut einer Yahoo-Studie von Anfang 2011 zumindest gelegentlich einen Blick auf ihr Smartphone, während sie sich vom Fernsehprogramm berieseln lassen. 25 Prozent davon steuern Onlineinhalte rund um die jeweilige Sendung an. Wer in der TV-Primetime einen Blick auf die eigene Twitter-Zeitleiste wirft, den wird diese Statistik nicht verwundern: Nach 20:00 Uhr häufen sich Tweets mit Bezug auf aktuelle Fernseh-Events.

Couchfunk, ein Startup aus Radebeul bei Dresden, richtet sich mit einer iPad-App (zum Start nur im deutschen App-Store verfügbar) an alle, die gerne mit dem Tablet vor der Mattscheibe sitzen. Die Gründer Uz Kretzschmar und Frank Barth bezeichnen ihre kostenlose Anwendung als persönlichen Social-TV-Service, mit dem sich TV-Zuschauer vom Fernsehprogramm auf völlig neue Art begeistern lassen sollen.

Couchfunk ist teils Social Programmguide, teils eine zusätzliche, sendungsspezifische Oberfläche für Twitter. Wer die App startet, wird mit einer Übersicht häufig diskutierter Programme (derzeit von ARD, ZDF Kabel 1, Pro Sieben, RTL, RTL II, SAT.1, VIVA, VOX) und aktueller Sendungen sowie einer Suchmaske präsentiert.

Zu jedem Programm gibt es eine Profilseite mit einer kurzen Beschreibung sowie einen chronologischen Stream von Zuschauerkommentaren - sowohl solche, die auf Basis redaktionell gepflegter Hashtags aus Tweets importiert werden, als auch direkt über die Couchfunk-App veröffentlichte.

Eventuell in Zuschauerkommentaren enthaltene Links werden sehr elegant direkt in der App geöffnet. Wer will, kann eine Sendung vom jeweiligen Programmprofil aus kommentieren - entweder nur innerhalb der Couchfunk-App, oder parallel als Tweet. Die Applikation zeigt eine passende Liste an relevanten Hashtags an, aus der man sich bedienen kann (nur notwendig, sofern ein Kommentar auch per Twitter publiziert wird).

[photos title="Couchfunk in Bildern"]

Um bestimmte Fernsehprogramme und die öffentliche Meinung dazu dauerhaft auf dem Radar zu behalten, bietet Couchfunk eine Möglichkeit, diese in einer Favoritenliste zu speichern. Da iPads nicht selten als Familiengeräten fungieren und in den Händen mehrerer Anwender landen, erlaubt Couchfunk das Einrichten unterschiedlicher Profile. So können verschiedene Personen in einem Haushalt schnell auf ihre Liste favorisierter Sendungen zugreifen.

Couchfunk ist eine sympathische App mit einem clever gewählten Namen, die allen iPad-Besitzern gefallen könnte, die gerne einen Blick auf die Zuschauerkommentare rund um spezifische TV-Ereignisse werfen. Abgesehen von dem klaren Einsatzzweck überzeugt die Anwendung auch durch eine sehr ansprechende optische Gestaltung und eine intuitive, durchdachte Bedienung.

Wünschenswert wäre für die Zukunft noch eine Integration der eigenen Twitter-Timeline auf Basis programmspezifischer Hashtags - ganz allgemein dürfte an den Aussagen der von einem abonnierten Twitter-Anwender ein größeres Interesse bestehen als an den fremder Nutzer. Vorstellbar ist auch eine Erweiterung der Programmprofile um zusätzliche Informationen über den Beschreibungstext hinaus - speziell visuell hübsch aufbereitete Statistiken rund um die bisherigen Reaktionen im Social Web würden gut zum bisherigen Bild von Couchfunk passen.

Schade ist, dass die Streams jeweils nur einmal pro Minute aktualisiert werden. Ein Testtweet von mir zur Serie "How I Met Your Mother" mit dem passenden Hashtag tauchte gar nicht auf der entsprechenden Programmseite auf. Hier scheinen noch Nachbesserungen notwendig zu sein.

Mit dem Bestreben, Fernsehen über den "Second Screen" sozial zu machen, ist Couchfunk nicht allein: Mit Zapitano und TunedIn stehen zwei der Beschreibung nach zu urteilen vergleichbare Services aus Deutschland in den Startlöchern, sind aber noch nicht verfügbar.

Die Couchfunk-Gründer Frank Barth und Uz Kretzschmar arbeiten seit September 2010 an der Entwicklung des Dienstes und finanzieren dies bisher aus eigenen Mitteln. Im Juni dieses Jahres habe man von den zwei Konkurrenten erfahren und freue sich nun, trotzdem als Erster ein fertiges Produkt lancieren zu können, so Barth. Die Monetarisierung soll in erster Linie durch eine Werbevermarktung erfolgen, andere Ansätze wolle man aber auch nicht ausschließen.

Konzeptionell erinnert Couchfunk auch an den einstigen Dienst Telewebber - dieser war seiner Zeit jedoch etwas voraus. Mittlerweile hat sich "Social TV" zu einem bedeutenden Trend entwickelt. Couchfunk will die Aufmerksamkeit für das Thema nutzen und liefert dabei bereits in der ersten Fassung ein rundes Produkt ab.

Link: Couchfunk

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer