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27.01.11Leser-Kommentare

Content Fleet: Das Netz bestimmt die Inhalte

Das Hamburger Startup Content Fleet generiert und vertreibt Onlinecontent ausgehend von Themen, die im Netz gerade populär sind. Das Konzept klingt stark nach Demand Media, aber CEO Mattias Protzmann sieht einen entscheidenden Unterschied.

 

Inwieweit ist es möglich, Suchmaschinenoptimierung durch hochwertige journalistische Arbeit zu erzielen? Diese Frage hatte ich in der vergangenen Woche diskutiert und in diesem Zusammenhang auch so genannte Contentfarmen wie das US-Unternehmen Demand Media kritisiert, die Fließbandinhalte ausgehend von aktuellen Suchtrends generieren und den Nutzwert für Leser hinter die Suchmaschinentauglichkeit stellen.

Der Artikel hat nicht nur zu einer sehr lesenswerten Kommentardiskussion mit vielen guten Anregungen und Hinweisen geführt, sondern auch das Startup Content Fleet aus Hamburg dazu veranlasst, sich bei uns zu melden. In meinem Beitrag verglich ich Content Fleet mit Demand Media. Das im vergangenen Jahr gegründete und von Neuhaus Partners mit Venturekapital in Millionenhöhe ausgestattete Unternehmen wollte diese Gegenüberstellung nicht unkommentiert lassen - eine perfekte Gelegenheit für uns, Content Fleet-Gründer und CEO Mattias Protzmann zu dem Konzept und der Arbeitsweise zu befragen.

Content Fleet-CEO Mattias ProtzmannContent Fleet sieht sich nach den Worten von Protzmann "als moderner Publisher, der mit Hilfe eigener Technologien Trends aufspürt und Inhalte gezielt redaktionell erstellt". Außerdem könne das Unternehmen in kurzer Zeit "hochwertige Portale für Kunden an den Start bringen", die zur Publikation der von Content Fleet erstellten Inhalte genutzt werden. Content Fleet verantwortet hierbei zumeist auch das Design und generelle Konzept, nicht nur die Bereitstellung des Inhalts.

Die erste Eigenentwicklung der Hamburger ist spieleradar.de, das mittlerweile eine Million monatliche Visits erreicht und nach den Worten von Protzman eine wachsende Fangemeinde hat. 2011 sollen weitere eigenentwickelte Sites hinzukommen. Zu den externen Partnern, die von Content Fleet produzierte Inhalte und Konzepte anbieten, gehören Portale des Axel-Springer-Verlags sowie der Deutschen Telekom.

Den Vorteil für Unternehmen, sich von Content Fleet beliefern zu lassen, statt die gesamte Inhalteproduktion und Portalentwicklung selbst zu übernehmen, sieht Content Fleet-Chef Protzmann in der technologiebasierten Fähigkeit zum Aufspüren von thematischen Trends und der angeschlossenen, kostengünstigen Bereitstellung und Umsetzung von dazu passenden Inhalten und Konzepten.

Dass ein Vergleich von Content Fleet mit Demand Media angesichts dieser Beschreibung nahe liegt, damit muss sich das Unternehmen aus der Hansestadt abfinden - die Grundidee ist einfach zu ähnlich. Doch Mattias Protzmann, der Journalismus an der Universität Hamburg studiert hat, auf eine Reihe von Karrierestationen im Verlags- und Medienwesen zurückblickt und Gesellschafter beim Statistikdienst Statista ist, unterstreicht den seiner Meinung nach wesentlichen Unterschied: die Qualität der Inhalte.

Demand Media, das am Mittwoch seinen Einstand an der New Yorker Börse gab und mit fast zwei Milliarden Dollar bewertet wird, ist bekannt für seine kurzsichtige, ausschließlich an guten Suchmaschinenpositionierungen und weniger an inhaltlicher Qualität ausgerichtete Generierung von Artikeln und Videos - was mittlerweile sogar Google veranlasst, sich stärker gegen den Optimierungsdrang der Contentfarmen zur Wehr zu setzen.

Content Fleet hingegen setzt laut Protzmann auf nachhaltigen Traffic: "Mit minderwertigen Artikeln können wir keine User zum Bleiben überzeugen. Google ist eine tolle, aber bestimmt keine sichere Trafficquelle. Letzteres können uns nur treue User bieten, die unsere Angebote ständig und vor allem gern nutzen."

Die Parallelen zu Demand Media liegen seiner Ansicht nach vor allem im Bereich der Trenderkennung und darin, dass das Netzwerk aus mehreren hundert freien Autoren zusammen mit einigen kleinen internen Redaktionsteams ausschließlich Artikel schreiben, die entweder hinsichtlich Monetarisierung oder Reichweite Potenzial besitzen. Die Indikatoren dazu erhält das Unternehmen von seiner eigenen Technologie, die Trends und Daten aus dem Web sammelt und Redakteuren über ein CMS zur Verfügung stellt.

Inwieweit das, was gemeinhin (und nicht in der Rhetorik mancher Verleger auf Lobbyausflug für Paid Content) als journalistische Qualitätsinhalte gilt, stets eine der zwei Anforderungen erfüllt, darüber darf man sicherlich getrennter Ansicht sein.

Hinsichtlich der Qualitätsaspekte macht Content Fleet-CEO Protzmann aber deutlich, dass die deutsche Sprache zu komplex und umfangreich sei, um mit hundertprozentig SEO-optimierten Artikeln Leser zufriedenstellen zu können. Abstriche zugunsten von Information und Lesbarkeit sind daher seiner Aussage nach notwendig. Welch hohen Stellenwert SEO für Content Fleet angesichts dieser Worte allerdings hat, sollte klar sein.

Vor einem Bedeutungszuwachs von Social Search, also der Suche auf Basis von Empfehlungen der persönlichen Kontakte, und den damit verbundenen veränderten Spielregeln für Anbieter, die Inhalte anhand von Suchtrends erstellen, fürchtet sich Protzmann nicht: "Die User sind im Endeffekt unsere wichtigste Stütze. Wir möchten Inhalte erstellen, die genau auf entsprechende Nachfrage trifft. Insofern ist Social Search ein für uns durchweg positiv besetztes Thema."

Kommentare

  • Stefan Wolpers

    27.01.11 (09:15:28)

    Das "Netz" benötigt keine Kuratoren; Themen & Trends entstehen von allein. Mich interessieren daher authentischen Inhalte, nicht jedoch Suchmaschinen optimiertes Geschreibe, welches selbigen hinterherläuft. Qualität und Contentfarm ist ein Widerspruch in sich und daher bestenfalls als "USP" im VC-Pitch nützlich, ist ansonsten aber nur ein Kostenfaktor in dem Geschäft. Zieht man dies in der Betrachtung ab, bleibt ein DemandMedia-Klon. Und dann sind wir wieder beim Suchmaschinen-Spam.

  • eric

    27.01.11 (10:28:30)

    Sehr spannend! Und, so schwer es mir auch fällt: Ich muss sagen, dass die spieleradar.de im Vergleich zu einigen "Qualitäts-Seiten" von Print-Verlagen sogar recht gut aussieht. Ich kann die Gamerei inhaltlich nicht bewerten (wegen keine Ahnung) aber vielleicht kann man feststellen, dass dieses Vorgehen in einem solchen Bereich vielleicht doch funktioniert. Das könnte bei einer Wirtschaftsnews-Seite gleich mal ganz anders aussehen. Aber das werden die Kollegen ja schon auch selber wissen... Und eines möchte ich noch anmerken: Es gibt verdammt viele Meinungen darüber, was 100%iges SEO ist. Und meiner Meinung nach, hat das mit komplizierter Sprache nichts zu tun. Wenn ich gute Texte schreiben kann, kan ich auch redaktionelles SEO machen. Klar: Man kann in Deutsch nicht in 15 Minuten 200 Wörter ausspucken - aber soviel ich weiß, geht das in Englisch irgendwie auch nicht...

  • Oliver Springer

    27.01.11 (17:51:26)

    Herauszufinden, welche Themen gerade viele Menschen interessieren, um entsprechende Inhalte zu produzieren, ist doch vollkommen vernünftig. Jedes Medium, das auf Reichweite angewiesen ist, muss sich darüber Gedanken machen. Zum Problem wird es, wenn der Content so minderwertig ist, dass die Besucher gleich wieder verschwinden. Solange der User mit dem Gefundenen zufrieden ist, funktioniert es. Wer als Blogger seinen Traffic auswertet und zu gut gehenden Themen mehr schreibt, macht letztlich nichts anderes.

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