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20.12.13Kommentieren

Comeback nach Qype-Ende: Plazaa will Yelp eine "sympathische Alternative aus Deutschland" entgegensetzen

Bei der Verschmelzung von Qype und Yelp ging viel Vertrauen hiesiger Geschäftsinhaber zu Bruch. Das Kölner Startup Plazaa verspricht für sein vor dem Relaunch stehendes Empfehlungsportal, die Interessen aller Beteiligten zu berücksichtigen.

Das deutsche Empfehlungsportal Qype ist Geschichte. Käuferin Yelp hat die Inhalte in die eigene Plattform einfließen lassen und viele hiesige Einzelhändler und Restaurantbetreiber mit einem schwächenbehafteten Migrationsprozess vor den Kopf gestoßen. Der kleine Kölner Konkurrent Plazaa will nun mit einem unerwarteten, aber zeitlich sehr passenden Comeback von der allgemeinen Unzufriedenheit der Qype-Community über Yelp profitieren. Die Wiederauferstehung von Plazaa ist durchaus eine Überraschung. Nachdem der Gründer Alexander Kaiser seine Position im Frühjahr 2012 aufgab, lag die im Jahr zuvor von der Beteiligungsgesellschaft crossventures sowie Media Ventures mit einem Betrag im niedrigen sechsstelligen Bereich finanzierte Site im Prinzip brach. Doch nun soll es unter dem von crossventures schon vor Kaisers Abgang einberufenem Geschäftsführer René Kaute mit voller Kraft wieder los losgehen. Auch Alexander Kaiser ist noch beratend mit an Bord. Zudem konnten die Kölner zwei Qype-Angestellte der ersten Stunde anheuern. Mit diesem Team möchten die Rheinländer nun ihre Vision eines Bewertungsportals verwirklichen, bei dem nach den Worten von René Kaute "der vertraute und menschliche Umgang miteinander im Vordergrund steht".

War Plazaa zu seinem Debüt im Jahr 2010 eine Art "Anti-Qype", könnte man es daher nun entsprechend als "Anti-Yelp" bezeichnen. Im Gegensatz zu dem Riesen mit seinen vielen Millionen Anwendern strebt Plazaa laut Kaute einen persönlicheren Charakter an, bei dem sowohl die Anliegen der Mitglieder als auch der Unternehmen, deren Geschäfte bei dem Dienst bewertet werden, Berücksichtigung finden. Eine eindeutige Spitze gegen den US-Kontrahenten, der schon aufgrund seiner schieren Größe bei der Verschmelzung mit Qype viele frustrierte Portalnutzer zurückließ.

Kaute, der mit seinen Kollegen seit dem Sommer am Relaunch von Plazaa arbeitet, ist der festen Überzeugung, dass im Markt der Empfehlungsportale mehrere Anbieter Platz haben. Plazaa sei die "sympathische Alternative aus Deutschland", deren Fokus auf Empfehlungen von Freunden liege. Vorläufig wollen sich die Kölner auf den deutschsprachigen Raum konzentrieren. Über eine Million Restaurants, Geschäfte und Dienstleistungsbetriebe befinden sich hier bislang in der Datenbank, derzeit ausschließlich für Städte in Deutschland. Die neue Version von Plazaa soll zusammen mit der Community weiterentwickelt werden, der Launch einer öffenlichen Preview ist für die nächsten Tage vorgesehen. Die Monetarisierung von Plazaa erfolgt über ein Premium-Modell für Geschäftsinhaber.

Das Timing für den Neustart könnte natürlich kaum besser sein. Yelp verhielt sich bei der Migration der Inhalte wie ein Elefant im Porzellanladen. Viele über dieses Verhalten verärgerte Geschäftsinhaber werden über frischen Wettbewerb im Segment der Empfehlungsportale dankbar sein und sich neugierig bei Plazaa umschauen. Andererseits muss der Dienst beweisen, dass er mit seinem Kleine-Brötchen-Ansatz etwas bewegen und Geschäftsinhabern Reichweite bieten kann. Zwar ist die Gelegenheit ideal, um verzweifelte Yelp-Anwender und -Unternehmen aufzulesen und ihnen zu zeigen, dass mit ihnen woanders besser umgesprungen wird. Wenn dieser Ehrgeiz und Tatendrang dann aber nach ein paar Monaten wieder erlischt, dann hat niemand etwas davon.

Sämtliche alten Blog- und Facebook-Beiträge sowie Tweets von Plazaa wurden gelöscht. Das Team wünscht sich augenscheinlich  einen echten Neuanfang. Es liegt an ihnen, zu zeigen, dass sie es wirklich ernst meinen und die Aufmerksamkeit und das Engagement von Geschäftsinhabern und Nutzern wert sind. /mw

Link: Plazaa

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