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07.09.10

clickworker.com: Crowdsourcing für Momente, in denen Algorithmen versagen

Amazon hat es mit seinem Dienst "Mechanical Turk" vorgemacht: Aufträge von Unternehmen werden in Minijobs zerlegt und von digitaler Arbeitskraft rund um den Globus erledigt. Mit clickworker.com gibt es einen ähnlichen Service aus Deutschland.

 

Egal wie groß die Liebe für Computer und Algorithmen auch ist - ab und an stößt der Einsatz moderner Technik dennoch an seine Grenzen. Häufig dann, wenn es um Informationsbeschaffung oder Prozesse geht, bei denen ein gewisses Verständnis für semantische Zusammenhänge notwendig ist. So weit ist die künstliche Intelligenz noch nicht vorangeschritten, auch wenn seit Jahren am semantischen Web getüftelt wird.

Für Situationen wie diese hat Amazon 2005 seinen Service "Mechanical Turk" gestartet, einen Marktplatz für Tätigkeiten, die menschliche Intelligenz erfordern. Firmen und Entwickler können bei Bedarf auf den Amazon-Dienst zugreifen und notwendige Aufgaben von Usern auf aller Welt erledigen lassen, die sich so ein Zubrot verdienen. Verwandte Anbieter wie myGengo (für Übersetzungen) oder CrowdFlower (für physische Arbeit) verfolgen einen ähnlichen Ansatz.

Gemein haben diese Anbieter das On-Demand-Prinzip, bei dem (ähnlich wie vom Cloud Computing bekannt) Ressourcen nur dann angezapft und bezahlt werden, wenn tatsächlicher Bedarf besteht, sowie das Vorhandensein einer API, mit der sich die Services in andere Anwendungen und Onlineservices integrieren lassen.

Per Mail wurden wir auf den deutschen Dienst clickworker.com aufmerksam gemacht, der ebenfalls auf das Crowdsourcing von menschlicher Intelligenz sowie auf die Aufsplittung von großen Aufträgen in so genannte "Mikrojobs" setzt.

Vor einem Jahr startete die Dortmunder humangrid GmbH das Angebot mit 800 "Clickworkern", mittlerweile haben sich 54.000 Nutzer weltweit als Clickworker auf der Plattform registriert und damit ihre Bereitschaft zur Mithilfe signalisiert. Der Dienst bezeichnet sich als Europas erfolgreichstes Unternehmen für bezahltes Crowdsourcing und ist seit einigen Monaten auch auf dem natürlich deutlich wettbewerbsintensiveren US-Markt aktiv.

Die Kernleistungen von clickworker.com sind das Erstellen von Texten & Inhalten, das Ordnen und Strukturieren von beliebigen Daten sowie das Recherchieren nach spezifischen Informationen. Die Referenzen auf der Website erwähnen als Anwendungsbeispiele das Erstellen von Software-Beschreibungen für ein Onlinemagazin, die Recherche von 15.000 Ansprechpartnern sowie das Testen einer Buchsuchmaschine mit angeschlossener Community.

clickworker.com richtet sich damit offenkundig vorrangig an kleine und mittelgroße Unternehmen aus der IT-, Medien-, und Webwelt, denen es an eigenen Kapazitäten fehlt, um plötzlich auftauchende Aufgabenstellungen innerhalb kurzer Zeit zu erledigen. Aber auch Privatpersonen können bei clickworker.com Aufträge einstellen.

Wer einen Auftrag über clickworker.com abwickeln möchte, registriert diesen mit Anweisungen zur Bearbeitung sowie den gewünschten Qualitätskriterien über die Website oder die API. clickworker.com zerlegt die Tätigkeiten dann in Mikrojobs und sucht für die jeweilige Aufgabe geeignete Clickworker, die zuvor umfangreichen Qualitäts- und Qualifikationsprüfungen unterzogen sowie bewertet wurden (hier sieht clickworker.com seine besondere Stärke im Vergleich zu Mechanical Turk). Das fertige, wieder zu einer Datei zusammengefügte Ergebnis kann anschließend heruntergeladen werden. Um die Initiierung von Großaufträgen oder sehr speziellen Services, die nicht automatisiert erfasst werden können, kümmert sich das clickworker.com-Team persönlich.

Die Preise für das Erledigen von Aufträgen sowie die Honorare von Clickworkern variieren je nach Umfang. Eine Recherche von 100 Adressen gibt es z.B. ab 45 Euro. Ein Text mit 100 Wörtern wird auf der Website mit einem Mindestpreis von 1,57 Euro beworben. Von den Einnahmen behält clickworker.com eine nicht näher definierte Provision.

Bezahlte Crowdsourcing-Dienste wie clickworker.com oder Mechanical Turk sind immer ein zweischneidiges Schwert. Einerseits erlauben sie das flexible, schnelle und mit keinen Fixkosten verbundene Erledigen von Aufgaben und ermöglichen es Personen mit Computer und Internetzugang, sich etwas Geld nebenbei zu verdienen. Andererseits besteht das Risiko, dass die digitalen Arbeiter ihre Kompetenz unter Wert verkaufen und dass lose, unsichere und schlechter vergütete Arbeitsverhältnisse (im Vergleich zu einer Festanstellung) immer stärkere Verbreitung finden.

Der von clickworker.com versprochene Qualitätsfokus und die Zuweisung von Aufträgen nur an qualifizierte Clickworker scheint angesichts dessen ein sinnvoller Ansatz. Je höher die Ansprüche an Clickworker sind, desto mehr Forderungen können diese an clickworker.com bezüglich ihres Honorars stellen.

Habt ihr Erfahrungen mit clickworker.com oder Mechanical Turk gemacht?

Link: clickworker.com

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