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30.04.14Leser-Kommentar

Clevere Workarounds: Truecaller und Line testen die Grenzen von iOS aus

Im Gegensatz zu Android bleibt Entwicklern von iOS-Apps der Zugriff auf Kernfunktionen des Betriebssystems verwehrt. Das Crowdsourcing-Telefonbuch Truecaller und die Personalisierungs-App Line Deco haben kreative Ausweichlösungen gefunden.

iOSEs mag viele Gründe geben, die dafür sprechen, im Falle begrenzter Ressourcen zuerst eine App für iOS zu entwickeln. In einem Punkt aber ist Android aus Entwicklersicht dem Apple-System haushoch überlegen: Es bietet Apps deutlich weitreichendere Freiheiten, um auf Kernfunktionen das Betriebssystems zuzugreifen. Die Folge: Manche Applikationen werden schlicht aufgrund mangelnder Umsetzbarkeit nicht für iOS angeboten, andere verzichten auf Features ihrer Android-Variante - oder bedienen sich kurioser Workarounds. Zwei ganz aktuelle Fälle illustrieren die kreativen, unkonventionellen Wege, die App-Macher gehen müssen, um ihre Dienste doch für iOS zugänglich zu machen. Das aus Schweden stammende Startup Truecaller, eine Art auf Crowdsourcing basierendes Telefonbuch mit nach eigenen Angaben 55 Millionen Nutzern, war bislang gezwungen, seine "Caller ID" genannte Vorzeige-Funktion zum sofortigen Anzeigen von Informationen zu einem Anrufer Usern mit iPhone vorzuenthalten. Denn iOS bietet für Entwickler keine Zugriffsmöglichkeit auf die Telefoniefunktionalität. Doch mit ein wenig Tüftelei sind die Nordeuropäer, deren Dienst sich vor allem in Indien zu einem Nutzermagnet entwickelt hat, auf eine clevere Idee gekommen, um Caller ID auch auf das iPhone zu bringen:

Wenn Besitzer des Apple-Smartphones einen Anruf einer ihnen nicht bekannten Nummer erhalten, müssen sie mit einem gleichzeitigen Betätigen von Home- und Power-Knopf einen Screenshot des die Nummer anzeigenden Bildschirms anfertigen. Dieser wird umgehend von der im Hintergrund laufenden Truecaller-Applikation erkannt. Sofern sich die Nummer in Truecallers umfangreicher, von Usern zusammengetragener Datenbank befindet, meldet sich anschließend eine Siri-Stimme mit dem Namen des Anrufenden.

Inwieweit das Verfahren tatsächlich bei Anwendern der App regelmäßig zum Einsatz kommen wird, bleibt abzuwarten. Der Prozess soll zwar nur wenige Sekunden dauern, dennoch erfordert er von Usern zusätzliches Engagement. Der von Truecaller nun implementierte Prozess kann aber auch als Mittel gesehen werden, um Druck auf Apple auszuüben, die iOS-Schnittstellen so zu erweitern, dass Services wie Truecaller in Zukunft Direktzugriff auf das Telefoniemodul erhalten.

Parallel zu Truecaller testet auch der aus Japan stammende Messaging-Dienst Line die Grenzen von iOS aus. Vor einem Monat lancierte der Service, der wie viele andere US-Webfirmen auf eine Multi-App-Strategie setzt, eine kostenfreie Android- und iOS-App zur "Dekoration" und Personalisierung des Smartphone-Homescreens. Weil Apple jedoch für iPhone und iPad keine Möglichkeit zum Austausch von App-Ikonen vorsieht, haben die Japaner für Line Deco eine andere Herangehensweise gewählt: User, die in der enormen Sammlung kostenfreier sowie kostenpflichtiger App-Logos einen Favoriten finden, installieren diesen als Homescreen-Bookmark zu einer Website. Das Icon repräsentiert also genau genommen nicht die App, der es mittels Line Deco zugeordnet wird, sondern einen Web-Link. Dieser wiederum enthält den Befehl zum Öffnen der jeweiligen Applikation auf dem iPhone/iPad.

Line Deco

Das Benutzererlebnis ist freilich nicht vergleichbar mit der Betätigung eines nativen App-Logos - denn erst öffnet sich eine Sekunde der Browser, bevor dieser die Anweisung zum Aktivieren der jeweiligen App gibt. Auch können Benutzer die Original-App samt Logo nicht von ihrem Smartphone oder Tablet löschen, da dann die Anwendung an sich verschwinden würde.

Doch trotz dieses umständlichen und nur bedingt zufriedenstellenden Verfahrens verkündete das Unternehmen jüngst, innerhalb von weniger als einem Monat die unglaubliche Marke von 100 Millionen App-Downloads durchbrochen zu haben. Dir Mehrzahl dürfte allerdings auf Android entfallen, wo Line nicht zu umständlichen Umwegen gezwungen ist. /mw

Kommentare

  • Jakob

    01.05.14 (08:00:50)

    Leider setzt die Nutzung von Truecaller einen Account von Twitter oder Facebook voraus. Schade, denn daher für viele sicherlich nicht nutzbar. Warum fehlt eine solche Information in diesem Artikel hier ?

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