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24.02.14Leser-Kommentare

Chat-Apps mit höheren Sicherheitsstandards: Threema und Telegram erobern weltweit die Downloadcharts

Die höheren Sicherheitsstandards folgenden Chat-Apps Threema und Telegram profitieren von der Aufregung über Facebooks WhatsApp-Übernahme: Beide konnten in vielen Dutzend Ländern die Spitzenplätze der iOS- und Android-Downloadcharts erobern.

Threema &amp; TelegramWie zu erwarten war, profitieren WhatsApp-Alternativen von gestiegener Beachtung im Zuge der Milliardenübernahme durch Facebook. Zwei Anbieter stechen besonders hervor - und erfreulicherweise ist einer davon genau der, den ich seit einigen Monaten in meinem eigenen privaten Umfeld zu etablieren versuche: Threema. Der Schweizer Chat-Service bietet mit End-to-End-Verschlüsselung etwas, das WhatsApp sowie alle anderen einschlägig bekannten Rivalen (Line, Kik, WeChat etc.) fehlt. Das Feature erschwert das Auslesen von Nachrichten durch Unbefugte. Meinen Entschluss, einige Freunde (erfolgreich) zur Kommunikation mittels Threema zu bewegen, traf ich im Zuge der Enthüllungen von Edward Snowden. Zwar muss man sich als Laie in Sicherheitsfragen immer auf die Urteile von anderen verlassen und zudem sollte man ohnehin davon ausgehen, dass keine hundertprozentig sichere Onlinekommunikation existiert. Dennoch ist Threema ein Schritt in die richtige Richtung.

Threema ist laut Downloadcharts globales Phänomen

Dass nicht der Überwachungsskandal Threema groß ins Gespräch brachte sondern Facebooks WhatsApp-Akquisition sowie der am Wochenende folgende mehrstündige Ausfall des Smartphone-Messengers, ist durchaus bedenklich. Aber den Zürchern kann es letztlich egal sein, aus welchem Motiv die Nutzer kommen. Fakt ist: Sie strömen gerade zu dem Service, zumindest wenn man mit dessen bisherigem Wachstum vergleicht: Innerhalb von 24 Stunden konnte Threema seine Nutzerzahl zum Ende der vergangenen Woche von 200.000 auf 400.000 verdoppeln, berichtete sueddeutsche.de. Die meisten neuen Nutzer seien Deutsche, war zu lesen. Eine Meldung, die TechCrunch aufgriff, und die den (seit Snowden plötzlich positiv konnotierten) Stereotyp des datenschutzkritischen Deutschen als Aufhänger nutzte.

Doch anzunehmen, dass Threema nur in Deutschland Aufmerksamkeit zuteil wird, wäre ein Trugschluss: Ein Blick auf die App-Store-Statistiken von AppAnnie deutet auf ein globales Phänomen hin: Zum aktuellen Zeitpunkt konnte die App in 53 Ländern den ersten Platz in der Kategorie "Social Networking" (kostenpflichtig, wohlgemerkt) erklimmen, darunter auch in den USA. In 13 Ländern ist Threema die am häufigsten heruntergeladene Bezahl-App überhaupt. Im Google Play Store belegt Threema aktuell in 27 Ländern den ersten Platz im Ranking der Bezahlapps. Noch am Donnerstag befand sich Threema lediglich in wenigen Ländern Europas auf den Spitzenplätzen. In Deutschland rangiert die App allerdings schon seit langem in den Top 5.

Threema führt in 27 Ländern die Downloadcharts von Google Play an

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iOS-Nutzer strömen zu Telegram

Auch WhatsApp- und Threema-Wettbewerber Telegram verzeichnet laut eigenen Angaben einen Nutzeransturm. Mehr als 1,8 Millionen Menschen sollen sich in den letzten Tagen registriert haben. AppAnnie zeigt eine besonders hohe Popularität bei iOS-Nutzern: In 56 Ländern führt Telegram die Social-Networking-Kategorie im App Store an, in 49 davon ist der Dienst sogar die am häufigsten heruntergeladene App. Da die von den Machern von Russlands größtem sozialen Netzwerk VK in den USA entwickelte Anwendung nichts kostet (und bislang kein Geschäftsmodell hat), muss sie sich gegen viele reichweitenstarke Free-Apps behaupten. Insofern kann man hier wirklich von einem beachtlichen Erfolg sprechen. Bei Google Play läuft es für Telegram weniger gut: Gemäß AppAnnie führt die App lediglich in zwei Ländern die Downloadcharts an.

Telegram steht besonders bei iOS-Nutzern hoch im Kurs

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Aktuell scheint sich Threema demnach als bevorzugte Ausweichlösung von Android-Nutzern zu entwickeln, während Telegram eher bei iOS-Anwendern hoch im Kurs steht.

Die Nachfrage ist da

Ein plötzliches Ansteigen der Downloadzahlen von Threema und Telegram sagt noch nicht viel über das langfristige Wachstumspotenzial dieser Anbieter aus. Dennoch belegen die Downloadrekorde, dass Threema nicht ausschließlich eine Gewissenstherapie für den typischen kritischen Geist aus Deutschland darstellt, und dass sich die Schweizer zusammen mit dem ebenfalls hohe Verschlüsselungsstandards für sich reklamierenden US-Dienst Telegram in keiner Weise Sorgen darüber machen müssen, mit einem gesättigten Markt konfrontiert zu sein. Im Chat-Segment ist Raum für viele Anbieter.

Links: ThreemaTelegram

In einer ursprünglichen Fassung des Artikels hieß es, Threema habe funktionelle Rückstände gegenüber ähnlichen Apps. Doch anders als zu lesen war, funktionieren Gruppenchats mittlerweile auch mit iOS. Und die Tatsache, dass Push-Nachrichten nicht den eigentlichen Inhalt anzeigen, ist auf den hohen Verschlüsselungsstandard zurückzuführen. 

Kommentare

  • Elysium

    24.02.14 (08:15:56)

    Herr Weigert, Sie sollten sich noch das Interview mit Hr Kasper von Kasper Systems Gmbh anhoeren: http://games4linux.de/die-positive-wahrheit-hinter-threema-entwickler-im-interview/ Da wird zB erklärt, dass eine iPhone-Push kein Text anzeigen kann, der verschlüsselt ist, weshalb da auch kein Chattext in der Vorschau sein kann. Das ist iOS bedingt.

  • Benny

    24.02.14 (13:27:29)

    [...] Push-Nachrichten enthalten (auf iOS) nicht den eigentlichen Text der Nachricht[...] Dies kann und wird auch nie funktionieren, da der Text erst auf dem iPhone in der App entschlüsselt wird. Die Push wird vom Threema Server über Appe-Server verschickt und beide können den Inhalt nicht lesen (was auch gut so ist). Wenn es bei Android funktioniert, dann nur aus dem Grund dass die App selbst die Benachrichtigung verschickt. Denn nur Sie hat zugriff auf den Inhalt.

  • Martin Weigert

    24.02.14 (16:24:09)

    @ Elysium und Benny Danke, ich hatte das als Grund schon vermutet. Gut es bestätigt zu wissen. Ich habe den Artikel aktualisiert. Mein Informationsstand über Gruppenchats war auch nicht ganz aktuell - die funktionieren mittlerweile auch unter iOS.

  • Martin Weigert

    24.02.14 (16:30:49)

    Sehr interessantes Interview!

  • Chris

    24.02.14 (16:35:07)

    " zudem sollte man ohnehin davon ausgehen, dass keine hundertprozentig sichere Onlinekommunikation existiert" Roooahhhr. Danke für diesen Satz, im Bezug auf diese Sache. Seelenbalsam, echt mal. Und ich frage jetzt NICHT, warum man dann überhaupt wechseln sollte! ;)

  • Timo W

    24.02.14 (18:44:20)

    Als ich die Nachricht von der Übernahme mitbekam ging mir auch sofort ein "Oh ich muss den Messenger wechseln" durch den Kopf. Doch das hatte nichts mit Datenschutz zu tun, sondern an meiner Ablehnung von Facebook. Ich möchte möglichst wenig mit Facebook zu tun haben. Ich kann auch für einge Bekannte sprechen, denen es genauso geht. Mir fehlte dieser Aspekt in dem Artikel. Ansonsten Schöne Grüße :-)

  • Tim

    25.02.14 (05:43:25)

    hehe es ist wie ein Fluch, zuerst habe ich meinen Facebook Account gelöscht, weil ich dort seit Monaten nichts mehr sinnvolles gemacht habe... und dann kauft plätzlich Facebook whatsApp - bin sofort zu threema gewechselt :)

  • Bohm

    25.02.14 (08:40:22)

    Kann mir jemand einen Tip geben, wo man die Google Play Download Charts finden kann?

  • Chris Grock

    25.02.14 (08:48:43)

    HIKE ist trotz alledem die bei weitem unterhaltsamste Alternative zu whatsapp und co. Das steht wohl außer Frage.

  • GS

    25.02.14 (09:19:10)

    Man sollte erwähnen, dass Threema closed Source und closed Protocol ist. Bei Telegramm kann jeder eine App schreiben, da die API offen ist. Auch handelt es sich hier um ein echtes Team bzw. Firma, die auf Kritik eingeht, und nicht eine one-man-Show wie bei Threema. Telegramm ist übrigens ein Berliner Unternehmen!

  • Ich

    25.02.14 (10:06:54)

    Die frage ist ob ein offenes API wirklich sicherer ist. Und Threema ist keine one Man show.

  • Kody

    25.02.14 (10:32:48)

    warum wird eigentlich auch nicht auf myENIGMA mit eingegangen ? Finde ich pers. auch ganz gut gemacht, kommt zwar nicht an die Optik von Whatsapp und Telegram heran , aber hat secure Gruppenchat und sogar ne secure SMS Funktion(falls mal die myENIGMA Server ausgefallen sind) Programm kommt auch aus der Schweiz

  • Thomas

    25.02.14 (10:53:01)

    Netter Artikel, leider schlecht recherchiert (und in Erstfassung falsch!). Wieso achtet man hier nicht auf bessere Qualität? Wieso kann hier jeder, der leider nur wenig Ahnung hat, einen Artikel veröffentlichen - und wird auch noch ernst genommen, selbst wenn der Artikel grob fehlerhaft ist?

  • Martin Weigert

    25.02.14 (17:25:12)

    Das Internet und so. Früher war es halt besser.

  • Martin Weigert

    25.02.14 (19:45:00)

    Weil myEnigma nicht die gleiche Wachstumsentwicklung durchmacht.

  • Martin Weigert

    25.02.14 (19:52:57)

    Und das mit Berlin erscheint mir ziemlich dubios. Ich bin da gerade ein wenig am recherchieren. Zwar steht in der FAQ, das HQ sei in Berlin. Aber dafür fehlt auf telegram.org schon einmal ein Impressum. Die Whois-Adresse ist anonymisiert. Und auch sonst deutet wenig darauf hin, dass Telegram tatsächlich in Berlin sitzt. Wie soll man den Sicherheitsversprechen eines Dienstes vertrauen, der so geheimniskrämerisch agiert? Ich habe dort einmal angefragt. Mal sehen was dabei rauskommt.

  • Uli

    26.02.14 (08:58:48)

    Ich habe auch schon ein paar Artikel über Threema gelesen. Was ich dabei schade finde ist, dass Threema mein zwei Jahre altes Android schon als zu veraltet einstuft und mich somit nicht bedient. Wie mir wird es noch vielen gehen, die ihr Handy nicht als „Wegwerfartikel “ ansehen. Das könnte bei Bewertungen mal mit beachtet werden!

  • Andreas

    26.02.14 (17:29:09)

    Hallo Bohm, die Google Play Top Charts findest du hier: https://play.google.com/store/apps/top?hl=de Da steht momentan Telegram auf Platz 1 im kostenlosen Bereich und Threema auf Platz 1 im kostenpflichtigen Bereich.

  • Muxmax

    27.02.14 (07:24:58)

    Die Nachteile von Threema (kein offenenr Quellcode im Zusammenhang mit Firmenservern) sind gravierend, wenn man bedenkt, dass es genügend wirklich sichere Messenger gibt. Warum soll man auf wirtschaftlich denkende Unternehmen vertrauen, wenn es genügend alternativen gibt? Surespot ist quelloffen. Ob es sicher ist, weiß man nicht, da sich bislang noch niemand über den Quellcode hergemacht hat, d.h. es können sowohl Backdoors (unwahrscheinlich) als auch Sicherheitslücken (nicht unwahrscheinlich) drin stecken. Gruppenchat ist nicht möglich, wird aber bei Whatsapp von sehr vielen Leuten genutzt und ist deshalb auch wichtige Option, um eine Alternative zu etablieren. Sprachnachrichten sind kostenpflichtig, auch nicht so der Hit. Außerdem werden nur maximal die 1000 aktuellsten Nachrichten auf den Servern gespeichert, d.h. die älteren sind verloren - was bei größeren Gruppenchats und überhaupt extensiver Nutzung nicht lange dauert. Beispiel textsecure: - komplette End-to-end-Verschlüsselung, weder auf den Messenger-Servern noch bei deinem Provider sind irgendwelche Metadaten zu sehen. - quelloffen - GANZ GROSS: Neben dem herkömmlichen Messengerweg kann man bei textsecure auch den SMS-Weg wählen, also auf gleiche Weise verschlüsselte SMS versesnden. Ein riesiger Vorteil zum Beispiel, wenn man im Ausland unterwegs ist und keine Internetverbindung zur Verfügung steht! - Cyanogenmod, die beste freie Android-Distribution hat in ihren neueren Versionen (ab 10.2.) die SMS-Verschlüsselung über textsecure bereits integriert. - Gruppenchat inkl. Dateiversand - keine Speicherbegrenzung Ich würde also in diesem Fall ganz eindeutig textsecure empfehlen. Und solange sich die Messenger-Sparte so wie jetzt gerade im Umbruch befindet, sollte man meiner Meinung nach auch versuchen das möglichst Beste, Praktischste und Sicherste zu etablieren, wenn es nur irgendwie geht. Übrigens : zu behaupten es gäbe letztlich keine sicherte online Kommunikation, ist Schwachsinn, Balsam auf die Seelen von What's app und Co. Und zeugt davon, dass der Autor keine Lust hat, sich genauer mit der Frage auseinander zu setzen! Natürlich gibt es sichere online Kommunikation! Es ist nur immer alles in Bewegung, Dh kein System das heute sicher ist, ist es morgen auch noch. Aber "heute" und "morgen" ist durchaus in Jahren zu denken...

  • Martin Weigert

    27.02.14 (07:32:29)

    Du hast recht, ich hätte bei dieser Frage noch die Wörtchen "praktischen, alltagstauglichen" einfügen sollen. Sicherlich geht 100-prozentig sichere Kommunikation. Damit müsstest du dich aber im Prinzip von sämtlichen reichweitenstarken, bekannten und verbreiteten Diensten verabschieden. Und sofern nicht alle deine Freunde gleichgesinnt sind (und technisch das notwendige Know-how haben), wird das nichts mehr mit der digitalen Kommunikation mit ihnen. Was manche Security-Evangelisten (und du glaube ich auch) gerne vergessen: Die breite Masse fordert simple Lösungen und nichts, womit sie ewig rumfriemeln muss. Das wird sich niemals ändern. Textsecure ist bislang nur für Android erhältlich. So wird das nichts mit dem großen Erfolg.

  • Till

    28.02.14 (12:11:19)

    Schade Herr Weigert, Sie empfehlen auch nur was sie gerade so mögen, schauen nicht genauer hin, besonders nicht über den Tellerrad und widersprechen sogar Ihren eigenen guten Vorsätzen. Eines Ihrer wichtigsten Argumente ist die Reichweite. Wenn Sie schon nicht an 100% sichere Onlinekommunikation glauben, so haben Sie doch Recht mit der Vermutung, dass Userbequemlichkeit und besonders die Reichweitenstärke eine Rolle spielen. Aber Sie wissen schon, dass dieser WhatsApp/Facebook Deal einen internationalen gesellschaftlichen Ruck erzeugt hat? Angereichert von den Snowden Leaks, der die Leute jetzt sorgsamer auswählen lässt. Wir nehmen diese Gelegenheit wahr, viele back to SMS, manche mit mehreren Chat-Clients, um zu sehen wer gewinnt, andere wie die Lemminge auf Threema, weil es die Mainstream Medien verbreiten. Spannende Zeit. Aber wir haben zum Glück eine heterogene Welt. Also warum geht Telegram so durch die Decke? Weil es umsonst ist? Auch, aber letztendlich würde man die <2€ berappen, selbst die Kids. Weil Telegram geschickter wirbt? Nö, Threema wird auf allen Kanälen angeblasen und das russische Umfeld bei Telegram süffisant betont. Nix Genaues weiß man zwar nicht von den Threema Verbindungen, aber der Russe bedient wenigstens alle Vorurteile. Es sind viele Faktoren bei Telegram, doch eines wird immer seltsam verschwiegen: es ist offen für die Windows Plattformen, Threema nicht! Es gibt bei Telegam Clients für die Desktops (auch Mac und Linux), was saupraktisch ist und es gibt gleich mehrere Clients für Windows Phone. Gut bei Telegram und Threema leiden noch so allerlei technische Zinken, manches ist Beta, der Run auf Telegram hat gelegentliche Staufolgen. Aber das gute Gefühlt, einen Kommunikator geladen zu haben, der alle Plattformen unterstützt, das versöhnt ein wenig im Freundeskreis. Denn wir sitzen plattformübergreifend alle in einem Boot und stopfen gerade die Löcher.

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