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15.08.07Leser-Kommentare

.ch erzeugt Gegenmassnahmen

.ch, die Gratiszeitung, die ab dem 19.09.2007 in Miniboxen direkt vor Schweizer Häusern platziert wird, bringt Bewegung in den Schweizer Markt für täglich vollgeschriebene Blätter: Die Verlage Basler Zeitung Medien, Tamedia und Espace Medien planen eine weitere Gratiszeitung.

Wie die neue Zeitung der drei Verlage heisst, ist noch nicht klar. Klar ist aber, dass sie sich gegen das in gut einem Monat startende Projekt von Sacha Wigdorovits wendet. Man fürchtet sich vor diesem .ch, auch wenn es noch mit Problemen bei der Zustellung kämpft, einen verwirrend uneindeutigen Namen hat, bei der Google-Suche noch versagt ("Punkt CH": Platz 3/5/4, ".ch": nicht unter den ersten 200) und eine Website hat, die meinen Browser zum Absturz bringt, wenn ich mir die pdf-Nullnummer ansehen will.

Dieses Gegenprodukt werde .ch zerstören, ist zu vernehmen. Und dazu die Preise für die Inserate. Gibt es doch neben 20 Minuten (täglich morgens) und Heute (täglich abends) nun noch zwei Player, die sowohl um Leser, als auch um Inserate buhlen. Beide geben dazu an, ihre Produkte mit längeren und anspruchsvolleren Texten als die bisher bekannten Gratisprodukte auszustaffieren.

Das ist schön, aber das wollen wir erstmal sehen.

 

Das Portal des Tages-Anzeiger, tagesanzeiger.ch, titelt "'Tages-Anzeiger' lanciert Pendlerzeitung":

 

Die neue Zeitung soll sie sich auf relevante News konzentrieren und im Gegensatz zu den bisher hier zu Lande erscheinenden Gratisblättern längere Texte und weniger Bilder aufweisen. Zudem wird sie sich durch ein klassisches, dezentes Design auszeichnen. Erscheinen wird das neue Produkt ebenfalls im Tabloid-Format. So will das Blatt eine junge, gut gebildete und kaufkräftige Leserschaft ansprechen, die sich für die Aktualität aus ihrer Region interessiert.

Das Portal der Basler Zeitung titelt "Basler Zeitung plant Pendlerzeitung":

 

Inhaltlich setzt die neue Gratiszeitung auf News für Schnellleser. Hintergrundinformationen und Kommentare sowie die Informationen aus der Region finden sich weiterhin exklusiv in der baz.

Das Portal der Berner Zeitung, espace.ch, titelt "Neue Gratiszeitung für die Schweiz" und zitiert dabei nur eine sda-Meldung:

 

Hinter der neuen Pendlerzeitung stehen die Basler Zeitung Medien ( «Basler Zeitung «), die Zürcher Tamedia ( «Tages-Anzeiger «) und die Espace Media Groupe ( «Berner Zeitung «), wie die drei Verlage auf ihren Websites meldete. Das neue Blatt soll eine klare Verbindung zur «Basler Zeitung», zum «Tages-Anzeiger» und zur «Berner Zeitung» herstellen.

In einer anderen Meldung von espace.ch ("Neue Gratiszeitung für die Deutschschweiz") steht gar:

 

Die Pendlerzeitung könnte noch in diesem Jahr in den Regionen Basel, Zürich und Bern auf den Markt kommen, wie aus Verlagskreisen zu erfahren war.

Da fragt sich, was genau der Unterschied zu 20 Minuten sein wird. Und ob sich die drei Zeitungen überhaupt einig sind. Die Berner Zeitung scheint ja witzigerweise nur aus "Verlagskreisen" von ihrer eigenen Gratiszeitung zu wissen.

So richtig freuen kann sich darauf jedenfalls niemand. Die Inserenten nicht, die nun nicht mehr wissen, welches Blatt der angesprochene Leser liest. Der Leser nicht, der nun vermutlich mehreren vergleichbaren Durchschnittsprodukten entgegensieht. Die Bezahlzeitungen nicht, deren Produkte im Wust von Altpapier versenkt werden. Und die anderen Gratiszeitungen auch nicht, da noch mehr Konkurrenz da ist. Am wenigsten freuen werden sich die Bäume, deren Beschützer und diejenigen, die das ganze Altpapier wegräumen müssen. Traurig, wieder ein bedruckter Baum.

Der Verdacht, unausgelastete Druckmaschinen hätten etwas zu tun mit der freimütigen Lancierung von Gegenprodukten, die nach Zerstörung des Gegners wohl wieder eingestellt werden, liegt nahe. Irritierenderweise werden alle Produkte von Schweizer Verlagen immer wieder in Basel, Bern, Zürich und deren Agglomerationen verteilt. Als gäbe es nicht im Wallis oder in Obwalden nicht auch Leser, die gerne Gratiszeitungen hätten.

Ich halte den Entscheid für kurzsichtig. Während sich alle Welt für den grossen Online-Auftritt rüstet, geben die neben Ringier grossen Schweizer Verlage ihr Geld aus, um ein Gratiszeitungsprojekt zu bekämpfen. Tamedia ist wohl der Meinung, dass es am Morgen nur 20 Minuten geben darf. Man hätte sich mit diesem Geld lieber mal etwas Online-Knowledge eingekauft, zum Beispiel für die Websites der Bezahlzeitungen der betreffenden Verlage. Das wird dann in ein paar Jahren gemacht, wenn man merkt, dass die Konkurrenz uneinholbar weg ist.

Wieso die Tamedia überhaupt auf die Idee kommt, eine Gratiszeitung der Konkurrenz mit einer neuen eigenen Gratiszeitung zu bekämpfen, wenn man doch schon eine eigene erfolgreiche hat, ist mir schleierhaft. Und dazu wollen alle weiterhin Geld mit Bezahlzeitungen verdienen. Den Leser interessiert es nicht. Er wird sich für das für ihn beste Produkt entscheiden, auf Papier oder online. Wenn er dafür nichts bezahlen muss, freut er sich.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Martin Berger

    15.08.07 (19:32:12)

    Ob eine Gratiszeitung, deren Verteilung über Miniboxen direkt vor Schweizer Häusern erfolgt, überhaupt Startchancen hat, muss stark bezweifelt werden. So sind die Vorbehalte vieler Liegenschaften-Besitzer und -Verwaltungen sehr gross, ganz besonders der vorzusehenden Sauordnung wegen. Und ob der Herausgeber dieser Gratiszeitung die verursachte Sauordnung auch wirklich aufräumt, muss sich noch erst erweisen. Denn schlimmstenfalls könnten die enormen Aufräumkosten das Budget völlig sprengen. Hiermit stellt sich auch die Frage, wozu hat denn jeder Haushalt ein Brief- bzw. Zeitungsfach? Wozu also noch eine zusätzliche Gratiszeitungbox vor jedem Haus? Allerdings stellt sich hier dann die Frage, wie weit kann und darf ein Unternehmen, sei es in Form von Werbeprospekte, sei es in Form von Gratiszeitungen diese Brief- und Zeitungsfächer mit unerwünschten Drucksachen vollstopfen. Gratis heisst nicht kostenlos, und die Kosten werden bei dieser Gratiszeitung in Form einer Sauerei entstehen.

  • Ronnie Grob

    15.08.07 (19:42:32)

    @Martin Berger: Der Widerstand des Hauseigentümerverbands ist jedenfalls schon mal gebrochen. Und mir persönlich ist es lieber, wenn ich täglich an einem Kasten vorbeilaufen kann, als wenn ich täglich etwas aus meinem Briefkasten fischen muss, dass ich gar nicht will. Das soll aber der Fall sein. Es braucht offenbar dafür nicht mal die Zustimmung eines Verbands. Ob da die "Keine Werbung"- oder "Keine Reklame"-Aufkleber von den Verteilern wahr- und ernstgenommen werden? Die Kästen sollen ja täglich beim Befüllen aufgeräumt werden. Mir scheint diese Lösung sauberer. Aber warten wir doch bis Ende September.

  • Sven

    20.08.07 (14:26:23)

    Eine neue Gratiszeitung wird nur dann eine Chance haben, wenn sie etwas Neues bietet, das sich klar vom bisherigen Angebot unterscheidet. Bei ".ch" ist dies allerdings höchst fraglich. Mit "20 Minuten", "heute" und dem Wirtschaftsblättchen im Boulvard-Stil "Cash daily" sind bereits drei sich ergänzende Gratiszeitungen auf dem Markt. Das eine für den morgendlichen, das andere für den abendlichen Pendlerverkehr, und das dritte für eine eher anspruchslose Leserschaft im Bereich Wirtschaftsnews, das aber seinen grösseren Bruder "Cash" abgelöst hat. Somit haben alle drei Gratiszeitungen ihren Platz und ihre Leserschaft. Martkführer ist mit ganz grossem Abstand "20 Minuten", das dazu eine hochprofessionelle und eine der meistbesuchten Schweizer Homepages überhaupt betreibt, die weit über das Anbieten von News geht. Will ".ch" eine reelle Überlebens-Chance haben, so wird sich der Herausgeber von ".ch" etwas mehr einfallen lassen müssen, als die Verteilung in Miniboxen vor der Haustür. Ohne eine professionelle Online-Version werden die Überlebens-Chancen eher Richtung null tendieren.

  • V. Grüninger

    20.08.07 (18:41:55)

    Möchte an den letzten Satz des Vorschreibers anknüpfen. Denn genau das Online Angebot wird je länger je mehr der ausschlaggebende Punkt überhaupt sein. Gerade heute hat das "heute" über dieses Thema ein Bericht veröffentlicht, wonach Leser und TV-Zuschauer ins Internet abwandern. Hier z.B. aktuellsten Online-Nutzungsdaten von NET-Metrix für den Monat Juli 2007: 20minuten.ch 6'221'194 Besuche, 72'275'830 Seitenaufrufe, 7:40 min durchschnittliche Aufenthaltsdauer heute-online.ch 366'769 Besuche, 5'466'712 Seitenaufrufe, 9:23 min Blick Online 9'144'093 Besuche, 80'737'259 Seitenaufrufe, 6:40 min NZZ Online 6'757'710 Besuche, 30'490'976 Seitenaufrufe, 6:44 min tagesanzeiger.ch 4'482'071 Besuche, 20'102'627 Seitenaufrufe, 7:01 min Dass die Printausgabe des 20 Minuten eine stärkere Auflage als der hauseigene Tages-Anzeiger hat, ist angesichts der Gratisausgabe des 20 Minuten absolut logisch. Überraschend hingegen ist, dass die Homepage von 20 Minuten gleich um Längen mehr besucht wird als diejenige des hauseigenen Tages-Anzeiger. Ebenfalls überraschend, dass selbst die Homepage der NZZ gleich um 50% (!) mehr besucht wird, als diejenige des Tages-Anzeiger, obschon die Printausgabe des Tagi auflagenstärker ist. Der Konkurrenzkampf unter den Zeitungen wird sich je länger je mehr Online abspielen. Ob es angesichts des rasant technologischen Wandels (z.B. TV/Internet via Handy) noch Sinn macht, eine, oder gar zwei neue Gratiszeitungen in Printform zu lancieren, ist höchst fraglich.

  • Florian Steglich

    20.08.07 (19:27:32)

    » V. Grüninger: "Ebenfalls überraschend, dass selbst die Homepage der NZZ gleich um 50% (!) mehr besucht wird, als diejenige des Tages-Anzeiger, obschon die Printausgabe des Tagi auflagenstärker ist." Dabei würde mich allerdings interessieren, wie hoch der Anteil der Zugriffe von außerhalb der Schweiz ist. Daß die Website der NZZ zahlreiche Besucher aus Deutschland und anderen Ländern hat, was ich vermute, dürfte diesen Unterschied recht schnell erklären.

  • V. Grüninger

    20.08.07 (20:05:46)

    @ Florian Steglich Das steht ja auf der Homepage NET-Metrix, wieviel % der Seitenaufrufe aus der Schweiz stammen. Bei der NZZ Online sind es 70-74% und bei tagesanzeiger.ch 75-79 %. Die Ausland-Anteile unterscheiden sich mit 1-9% somit nur unwesentlich, und sind sicher nicht der Grund, weshalb NZZ Online gleich um satte 50% (!) mehr besucht wird als tagesanzeiger.ch.

  • A. Kuhn

    21.08.07 (07:46:17)

    "Somit haben alle drei Gratiszeitungen ihren Platz und ihre Leserschaft." Ihren Platz haben alle drei, ihre Leserschaft hingegen nur "20 Minuten". "Ebenfalls überraschend, dass selbst die Homepage der NZZ gleich um 50% (!) mehr besucht wird, als diejenige des Tages-Anzeiger, obschon die Printausgabe des Tagi auflagenstärker ist." Das duerfte an den Finanzinformationen liegen. "Der Konkurrenzkampf unter den Zeitungen wird sich je länger je mehr Online abspielen." Auch online gibt es einen Konkurrenzkampf, aber nicht von Zeitungen, Zeitungen gibt es online nicht. Online gibt es Publikationen, aber bloss weil sie auch den Namen von Zeitungen enthalten, sind sie keine Zeitungen. Die Onlineangebote von NZZ und Tagi beispielsweise haben sehr wenig mit den beiden Zeitungen zu tun. Und die 1:1-Kopie der Zeitungen (E-Tagi oder wie der Muell heisst) sind online eine Zumutung. Und nochmals zur NZZ: Vorsicht, auch sie kocht nur mit Wasser, und Fehler macht man anscheinend nicht, zumindest werden sie nicht korrigiert: http://www.stefan-niggemeier.de/blog/chronologie-einer-falschmeldung-iv/

  • Jean-Claude

    21.08.07 (07:48:59)

    Klingt ja alles interessant. Nur: Wer finanziert online? Darauf kommt es letztlich an. Bisher ist das noch immer der print. Das Werbeaufkommen online ist im Vergleich zu den übrigen Medien noch immer minimal. Ich sehe auf lange, lange Sicht keine Chance, dass sich online selbst finanzieren könnte. Im print entstehen die grossen Kosten nicht durch das physische Bedrucken von Papier oder durch die Logistik. Die grossen Kosten verursacht das Bereitstellen von Inhalten, für die User bereit sind, Geld zu bezahlen bez. die attraktiv genug für Werbung sind. Diese Bereitstellungskosten sind der weitaus grösste Brocken. Sie fallen an, unabhängige davon , auf welchem Weg die Inhalte verbreitet werden. Dieses Grunddilemma des Internets hat bisher noch niemand gelöst. Und es ist fraglich, ob es dafür überhaupt eine Lösung gibt, zumindest aus heutiger Sicht.

  • A. Kuhn

    21.08.07 (08:15:33)

    Mein Kommentar von vorhin erscheint leider nicht. Deshalb nochmals ganz ganz kurz: Die NZZ hat mehr Hits als der Tagi wegen den Finanzinformationen. Von den Gratiszeitungen ist heute nur 20 Minuten relevant, Heute und Cash Daily kann man vergessen. Und Zeitungen sind offline, nicht online. Online gibt es Websites mit Namen von Zeitungen, aber das ist keine Konkukrrenz von Zeitungen mehr.

  • V. Grüninger

    21.08.07 (11:51:07)

    @ A. Kuhn Ihr Beitrag enthält zwei grundlegende Überlegungsfehler. Zum einen hat in der heutigen Medienwelt das Wort "Zeitung" eine viel weitere Bedeutung als einfach eine auf Papier gedruckte Zeitung. Zum anderen verschieben sich die Inserate, aber auch die Werbung, immer mehr von der Print-Version auf das Internet. Was die Inhalte betrifft, so sind die meisten Artikel, die in der Printausgabe gedruckt sind, meist schon am Vorabend Online aufgeschaltet. Zudem werden die Online-Artikel aktualisiert und oft auch mit Hintergrundinformationen ergänzt. Der ganz grosse Pluspunkt liegt also auch darin, dass die Online-Version sehr flexibel ist und sehr schnell über das aktuelle Tagesgeschehen berichtet werden kann, während dem die Print-Version nur das Tagesgeschehen vom Vortag wiedergeben kann, was nun wirklich nicht mehr zeitgemäss ist. Der zweite ganz grosse Pluspunkt liegt bei den Inseraten, wo die online Wohn-Inserate schon seit einigen Jahren einen höheren Marktanteil und v.a. eine höhere Beachtung haben als in den Printmedien. Die gleiche Entwicklung ist auch bei den Stellen-Inseraten feststellbar. Selbst die Kulturangebote haben sich ins Internet verschoben, so hat die NZZ ihr "NZZ Ticket" (das Gegenstück des Züritipp vom Tagi) als Druckausgabe letzten November eingestellt und dafür ihre Kultur-Rubrik im Internet stark ausgebaut. Was die 3 aktuellen Gratiszeitungen betrifft, so ist die Spitzenstellung von 20 Minuten kaum antastbar, nicht einfach wegen der Printausgabe, sondern v.a. wegen dem hochprofessionellen Internetauftritt, das eine Hülle und Fülle an Informationen und v.a. an Services bietet, die eine Printversion nie und nimmer bieten kann.

  • Roger

    21.08.07 (13:42:11)

    Angesichts der Aussagen von Herrn/Frau A.Kuhn, muss man sich schon fragen, in was für einer Welt, diese(r) eigentlich lebt. So könnte die Aussage ?Die Onlineangebote von NZZ und Tagi beispielsweise haben sehr wenig mit den beiden Zeitungen zu tun.? kaum noch falscher sein. Die Onlineangebote von NZZ und Tagi haben inhaltlich sehr wohl mit der entsprechenden gedruckten Zeitungsausgabe zu tun, denn praktisch sämtliche Artikel sind in ihrer voller Länge schon am Vorabend online aufgeschaltet. Was die Aktualität betrifft, so ist die gedruckte Zeitungsausgabe ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten, das eine Nachricht meist als letzter bringt. Aktuellstes Beispiel gerade heute: Dass sich der französische Detailhandelsriese Carrefour aus der Schweiz zurückzieht und Coop die 12 Carrefour-Märkte übernimmt, ist in der Onlineausgabe des Tagi bereits um ca 11:00 veröffentlicht und 15:08 aktualisiert worden. Wogegen in der gedruckten Tagi-Ausgabe das erst morgen stehen wird, nachdem schon sämtliche Medien (Internet, Radio, TV) längst ausführlich darüber berichtet haben.

  • Jean-Claude

    21.08.07 (17:51:45)

    @ Roger,das sehe ich völlig anders. Die zwei Medientypen ergänzen sich, je besser es online- und print-Redaktionen verstehen, sich zu vernetzen (gemeinsamer Newsroom etc.) Da liegt die Zukunft,und nicht im Entweder /Oder. Konkret: Schauen wir mal, was morgen der Tagi aus dem Thema macht. Wenn er gut ist, und davon gehe ich aus, wird er nicht am News kleben bleiben, sondern z.B. die Quasi- Monopolsituation im CH-Lebensmittelhandel analysieren und untersuchen, was das für die Konsumenten bedeutet, Vergleiche zum Ausland etc. Ich glaube, es ist ein weit verbreiteter Irrtum, Medienkkonsumenten seien an möglichst raschen News rund um die Uhr interessiert. Im Gegenteil, das Kurzatmige geht vielen auf den Nerv. Sie wollen die News verstehen und nicht einfach runterschlucken: kanalsiert, eingeordnet und gewichtet. Das kann man nicht nullkommasofort. Es setzt auch eine gewisse Kompetenz voraus. Breaking news sind nur in den seltensen Fällen wirklich breaking news.

  • Roger

    21.08.07 (18:09:48)

    @Jean-Claude Klar, noch ist es sicher eine Ergänzung. Was das Thema bezüglich Coop/Carrefour betrifft, so sind schon jenste Analysen und Hintergrundberichte auf der Onlineausgabe des Tagi aufgeschaltet. Morgen wird nichts anderes im Tagi stehen, was heute schon in der Onlineausgabe zu lesen war. Onlineausgaben sind übrigens alles andere als nur "Überbringer" einer Breaking news, sondern liefern eine sehr breite Auswahl an Hintergrund-Informationen. Empfehle dir daher 'mal auf tages-anzeiger.ch zu gehen, und du wirst schnell merken, dass deine Aussage nicht wirklich den Tatsachen entspricht.

  • Bernd Reinburger

    21.08.07 (18:53:38)

    Die Überlegenheit der Online-Portale auch in der Hintergrund-Berichterstattung lässt sich auf ganz eindrückliche Weise z.B. auf Spiegel Online oder auf dem Online-Portal der renomierten Frankfurter Allgemeine beobachten. Wer glaubt, Online-Portale beschränken sich nur auf die Wiedergabe von Breaking News, hat ganz offensichtlich die rasante Entwicklung nicht wirklich mitbekommen.

  • Jean-Claude

    22.08.07 (08:53:39)

    @Roger, @Bernd: Ist doch kein Glaubenskrieg. Man hat ja das Gefühl, man hätte es mit zwei Religionen zu tun. Darum geht es doch nicht. Bei Tagi online fiel mir durchaus auf, dass der substanzielle Bericht und Kommentar von Tagi-Journalist Regenass übernommen wurde, aus seiner Printversion. Das andere war Agenturstoff. Das ist für mich einer der wesentlichen Unterschiede: Es ist ein anderes Verständnis von Journalismus. Online muss nullkommanichts reagieren und lebt von der raschen Interaktivität. Das ist ja auch prima so. Aber es ist eben etwas ganz anderes. Kürzlich las ich (ich glaub es war in einer der letzten CASH-Nummern) ein Interview mit Stefan Aust vom Spiegel, ein bekennender Internetfan und Chef des wohl besten deutschsprachigen Medienportals. Er sagte:"Für mich ist die Flucht von Medienunternehmen ins Internet eine Flucht aus dem Journalismus." Genauso sehe ich das auch. Nicht der Weg der Uebermittlung, ob digital oder Papier, ist das entscheidende. Entscheidend ist, was transportiert wird. Und da die Welt nun mal nicht im Internet stattfindet, sondern ganz real draussen, muss man die Welt halt auch draussen suchen. Das ist kein philosophischer Ansatz, sondern ein ganz praktischer. Im konkreten Fall: Herr Regenass geht jeden Tag raus und redet mit Leuten aus der Wirtschaft und sieht sich um. Man kann mit ihm reden, kann ihn verantwortlich machen, wenn etwas schief läuft. Als Leser und ist man froh, dass es Journalisten wie ihn noch gibt. Er ist greifbar. Das ist keine Kleinigkeit, sondern essentiell. Es ist ein gewisses Vertrauenverhältnis da. Oder eben nicht, wenn er als Journalist eine Flasche wäre. Aber ich kann es als User einigermassen überblicken. Das kann ich im Internet nicht. So etwas wird mmer wichtiger, je komplexer die Welt wird, die auf uns einstürmt. Natürlich könnten online-Journalisten auch so arbeiten wie er und seinesgleichen. Aber sie tun es nicht oder nur sehr vereinzelt. Sie haben gar nicht die Möglichkeit dazu. Sie leben in der virtuellen Welt. Das ist keine Wertung der Qualität, überhaupt nicht, sondern einfach die Feststellung, dass da zwei Medientypen in einer Symbiose leben, also gegenseitig von einander abhängen. Und zwar noch gaaaanz lange, übrigens auch ökonomisch.

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