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12.04.12Leser-Kommentare

Carsharing-Startup vs Autovermietung: tamyca provoziert Abmahnung von Sixt

Der Carsharingdienst tamyca, bei dem Privatpersonen ihr Auto vermieten können, vergleicht auf seiner Website die eigenen Preise mit denen der Autovermietung Sixt. Die damit provozierte Abmahnung ließ nicht lange auf sich warten.

 

Für Startups, die mit einem neuen, durch das Netz angetriebenen Geschäftsmodell frischen Wind in eine etablierte Branche bringen wollen, sind juristische Auseinandersetzungen mit alteingesessenen Unternehmen Ärgernis und Chance zugleich: Einerseits kann ein Rechtsstreit teuer werden, anderseits garantiert er fast immer mediale Aufmerksamkeit und nicht selten auch Sympathien - wer neigt beim Kampf David gegen Goliath nicht zur Unterstützung des kleinen David.

Nachdem sich im Februar der junge Berliner Hotelbuchungsdienst JustBook mit der Branchengröße HRS stritt und schließlich eine einstweilige Verfügung gegen das Kölner Unternehmen erwirkte, ist nun erneut ein aufstrebendes Internetunternehmen aus Deutschland bei einem Platzhirschen angeeckt:

tamyca, ein Ende 2010 gegründeter P2P-Carsharingdienst aus Aachen (also ein "Airbnb für Autos"), der wie diverse andere Startups die Mobilitätsrevolution vorantreibt, hat sich mit einem Preisvergleich auf seiner Startseite eine Abmahnung vom Autovermieter Sixt eingehandelt.

Die Rheinländer stellen verschiedene auf ihrem Onlinemarktplatz von Privatpersonen vermietete Fahrzeuge und Preise den ihrer Meinung nach vergleichbaren Sixt-Angeboten gegenüber. Der jeweilige Sixt-Mietwagen kommt dabei immer deutlich schlechter weg als das über tamyca angebotene Gefährt.

In einem längeren Blogbeitrag beschreibt das von Michael Minis, Andreas Krüger, Justus Lauten und Markus Harmsen gegründete Unternehmen seine Beweggründe für den Vergleich und wieso sich die in Pullach bei München beheimatete Sixt AG an diesem stört. Nach Ansicht des Mietwagenkonzerns sind die Angebote nicht vergleichbar, weil Sixt-Mietwagen im Gegensatz zu tamyca-Kfz immer an festen Standorten abzuholen sind. Zudem seien die Fahrzeuge des Autovermieters nicht älter als ein oder zwei Jahre und würden regelmäßig von Fachwerkstätten gewartet, professionell gesäubert und aufbereitet.

Das Startup aus Aachen hingegen ist der Meinung, dass "ein Krümel auf dem Beifahrersitz oder ein Schlammspritzer auf der Seitentür" Carsharing-Nutzer nicht empört. Der typische "tamycaner" erwartet „funktionstüchtige Fahrzeuge“ und bekommt diese auch, so das Unternehmen. Zudem sei der jeweilige Standort eines Autos auf dessen Profilseite sofort ersichtlich. tamyca-Nutzern sei ganz einfach klar, dass sich die Fahrzeuge nicht unbedingt an den "Hotspots" befinden, an denen Sixt seine Niederlassungen hat, und nicht zu jedem Zeitpunkt verfügbar sind, so die Argumentation des Dienstes.

tamyca wird Sixt-Forderung nicht folgen

Das tamyca-Team hält deshalb an dem Preisvergleich auf seiner Startseite fest und wird ihn nicht wie von Sixt gefordert entfernen. Man habe schriftlich zu der Abmahnung Stellung genommen, heißt es im Blogbeitrag.

Im Gegensatz zum Fall JustBook vs HRS, bei dem das altehrwürdige Hotelbuchungsportal sich ganz generell am Konzept des in seinen Markt eindringenden Startups störte, handelt es sich im aktuellen Fall um eine eindeutige Provokation von tamyca. Zwar ist vergleichende Werbung in Deutschland seit zwölf Jahren erlaubt, darf aber nicht in die Irre führen und muss objektiv nachprüfbar sein.

Das Startup aus Aachen hat sicher Recht damit, dass mit dem tamyca-Prinzip vertraute Nutzer das notwendige Grundverständnis für die vorhandenen Einschränkungen in der Vergleichbarkeit der Angebote mitbringen. Bei Anwendern, die erstmalig auf einem Marktplatz landen, auf dem Privatpersonen ihre Autos vermieten, könnte allerdings tatsächlich ein falscher Eindruck entstehen, tamyca biete die gleichen Rahmenbedingungen wie eine klassische Autovermietung wie Sixt.

tamyca habe es nicht auf einen Rechtsstreit mit Sixt - das selbst häufig mit polarisierenden Werbekampagnen auffällt - angelegt, beteuert Marketingchefin Celine Jungbluth. "Als Startup haben wir dafür gar kein Geld. Mit dem Preisvergleich auf der Startseite wollten wir unseren Nutzern lediglich eindeutig zeigen, dass privates Carsharing mit tamyca günstiger ist als klassische Autovermietungen wie SIXT. Häufig denken die Leute, dies sei nicht so und dem wollten wir mit dem neuen Design entgegenwirken."

Nun liegt es an Sixt, die Risiken einer Klage gegen tamyca (eventueller Imageschaden, Publicity für tamyca) abzuwägen. Das könnte noch spannend werden.

tamyca gibt an, mittlerweile 2500 Autos in 650 deutschen Städten anbieten zu können. Das Unternehmen erhielt im November eine Kapitalspritze vom Frühphasen-Investor Kizoo. Die Konkurrenten heißen unter anderem AutonetzerNachbarschaftsauto und  rent-n-roll .

Update 18:00 Uhr: tamyca hat den Preisvergleich nun doch entfernt. Im Blogbeitrag wird dies mit "aktuellen Ereignissen" begründet, weitere Details sollen folgen.

Kommentare

  • Jürgen Auer

    12.04.12 (18:07:18)

    Tamyca schreibt nun im Blog: 12.04.12, 17:20 Uhr: Aufgrund aktueller Ereignisse mussten wir den Preisvergleich von unserer Website entfernen. Nähere Informationen folgen in Kürze. http://blog.tamyca.de/post/20954920811/post-von-sixt-tamyca-wird-abgemahnt Ich hätte eigentlich gedacht, daß Sixt mit einer pfiffigen "Gegengrafik" reagiert, die Sache also sportlich nimmt und das macht, womit Sixt bis jetzt bekannt geworden ist: Mit hinreichend guter Werbung.

  • Martin Weigert

    12.04.12 (18:24:33)

    Danke für den Hinweis. Da sind sie jetzt aber schnell umgefallen...

  • Markus T.

    13.04.12 (08:58:39)

    Gratulation! Das Beste was einem Start Up passieren kann: Von einem Goliath abgemahnt zu werden. Neben der Publicity ist das ist eine tolle Bestätigung dafür, dass man das richtige Geschäftsmodell hat (siehe DeinBus etc.).

  • Daniel

    13.04.12 (16:16:23)

    Spontaner Gedanke: Das Startup ist sympathisch, die vergleichende Werbung auf den ersten Blick eine nette Idee – aber ebenfalls bereits auf den ersten Blick "Oha". Nach dem Lesen des Tamyca-Blogartikels kann ich die Argumente gut verstehen – und zwar die von Sixt. Evtl. "ungeschickt" vom großen Konkurrent, aber sicher nicht ganz aus der Luft gegriffen, sich da zu "wehren".

  • Xenia

    06.07.12 (17:31:11)

    Hallo, für meine wissenschaftliche Arbeit suche ich gerade nach Freiwilligen, die bereits privates Carsharing (tamyca, nachbahrschaftsauto, autonetzer etc.)" genutzt haben und bereit wären, an einem kurzen Interview teilzunehmen. Als Belohnung verlose ich unter Teilnehmern einen 20€ Amazon GUTSCHEIN. Wenn ihr euch angesprochen fühlt oder jemanden kennt, der gerne mitmachen würde, meldet euch bei mir unter masterarbeit.carsharing@gmail.com. Danke im Voraus!

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