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18.01.11

Car-on-Demand: Wie Startups das eigene Auto überflüssig machen wollen

Das Auto verliert seine Eignung als Statusobjekt. Startups aus Deutschland nutzen dies, um alternative, technologiegestützte Mobilitätslösungen zu etablieren.

 

Deutschland gilt im In- und Ausland als Autofahrerland, einer tragenden Rolle bei der Entwicklung des Automobils sowie einer großen Zahl von innovativen Automobilherstellern und -zulieferern sei Dank. Da ist es nur konsequent, dass diese Tradition auch im Rahmen der Etablierung neuer Nutzungsformen und der Verknüpfung mit digitalen Technologien ihre Fortsetzung findet.

Im Oktober berichteten wir über flinc, ein Startup aus Darmstadt, das mit einer Verbindung von Navigationssystemen und Smartphones den Markt der Mitfahrgelegenheiten (auch "Ridesharing" genannt) revolutionieren und in diesem Jahr seine Testphase in Friedrichshafen auf weitere Regionen ausweiten möchte.

Doch flinc ist nicht das einzige Jungunternehmen aus Deutschland, das 2011 zum Jahr der nachhaltigen, technologiegestützen Mobilität machen will: Mit ZebraMobil schickt sich auch ein neues Startup aus München an, Verbrauchern zu beweisen, dass es ohne eigenes Automobil geht.

Die von Matthias Hoene und Michael Ohr gegründete Firma will einen Car-on-Demand-Service auf die Beine stellen, der in den nächsten Monaten in München starten soll. ZebraMobil betritt damit den immer populäreren Markt des Carsharings, will diesen jedoch mit Hilfe webbasierter und mobiler Lösungen von seinen bisherigen Begrenzungen befreien:

ZebraMobil wird stationsunabhängig agieren. Fahrzeuge müssen nicht an festen Standorten zurückgelassen oder abgeholt werden, sondern lassen sich an jedem Ort im Geschäftsgebiet abstellen oder anmieten. Über GPS wird die Position der Autos ermittelt, die von Kunden über die ZebraMobil-Website sowie mobile Lösungen abgerufen werden kann. ZebraMobil vergleicht sein Angebot daher mit den bekannten "Call-a-Bike"-Fahrrädern der Deutschen Bahn.

Der ZebraMobil-Ansatz hat Ähnlichkeiten mit der Idee des US-Startups Zipcar, verzichtet jedoch auf die Notwendigkeit der bei Zipcar erfordlichen Vorab-Reservierung. Wer ein freies ZebraMobil-Fahrzeug auf der Straße sieht, kann dies mit der nach der Registrierung bei dem Dienst erhaltenen Chipkarte sofort öffnen und losfahren. Zudem will ZebraMobil minutengenau abrechnen - eine Stunde soll zwischen 12 und 15 Euro kosten, Benzin inklusive.

Konkurrenzlos ist ZebraMobil in Deutschland nicht: Während Daimler sich mit Europcar zusammentut und nach einem Bericht des Münchner Merkur in diesem Jahr ein ähnliches Angebot starten will, plant auch BMW in Kooperation mit Sixt eine vergleichbare On-Demand-Lösung für Carsharing.

Im rund 150 Kilometer von München entfernten Ulm ist On-Demand-Carsharing bereits Realität: Dort (und im texanischen Austin) fährt bereits eine Flotte von smart fortwo coupés der Daimler-Tochter car2go durch die Stadt und kann spontan und ortsungebunden von registrierten Kunden angemietet werden. Pro Minute kostet dies 0,19 Euro, pro Stunde fallen maximal Kosten von 9,90 Euro an, Kraftstoff inbegriffen. Wo sich die Zweisitzer der Firma, die ihren Betrieb 2011 auch in Hamburg aufnehmen will, gerade befinden, kann jederzeit auf dieser Karte eingesehen werden.

ZebraMobil will das Thema Car-on-Demand einer größeren Zielgruppe öffnen und plant, seinen Fuhrpark mit dem Audi A3 zu bestücken, der bis zu fünf Personen Platz bietet.

Speziell bei jungen Menschen verliert das Auto seine Eignung als Statusobjekt, meinen Experten. Hält dieser Trend an, dürfte Car-on-Demand-Diensten und anderen alternativen Mobilitätslösungen eine rosige Zukunft bevorstehen.

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