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03.03.09Leser-Kommentare

Browser: Flock wird von Firefox auf Google Chrome umsteigen

Der Web-2.0-Browser Flock wird von Firefox auf Chrome für die zugrundeliegende Plattform umsteigen. Noch ist nicht klar, wann das geschehen wird. Die nächste Version erscheint noch auf Firefox-Basis.

Wie Michael Arrington auf Techcrunch unter Berufung auf mehrere Quellen berichtet, wird Flock für die Grundlage seines Browsers von der Mozilla-Plattform des Open-Source-Browsers Firefox auf die Open-Source-Plattform des letzten September veröffentlichten Google-Browsers Chrome umsteigen.

Flock startete bereits 2005 mit dem Anspruch der Browser der Web-2.0-Welt zu werden. Bei Flock arbeitete man immer daran, Webdienste möglichst gut mit dem Browser zu verschmelzen. Flock war seinerzeit etwa der erste Browser mit direkt integriertem Editor zum Verfassen und Veröffentlichen von Blogeinträgen. Eine Funktion, die bald von Firefox-Addons kopiert wurde. Der Erfolg des Projekts Flock war bis heute angesichts der Ambitionen eher mittelmäßig.

 

Halb so aufwändig?

In den Kommentaren auf TechCrunch melden sich ehemalige Flock-Entwickler zu Wort, welche die Portierung auf die Chrome-Basis als nicht so komplex ansehen, wie auf den ersten Blick vermutet. Flock sei hauptsächlich in JavaScript geschrieben. Das Portieren sei nicht so umfangreich. 'Lediglich' die XUL-spezifischen Teile muss man logischerweise anpassen. XUL ist die Mozilla-eigene Beschreibungssprache für grafische Benutzeroberflächen.

Selbst wenn die Komplexität und der Umfang des Umstiegs sich in Anbetracht des Wechsels auf eine komplett andere Basis in vertretbaren Grenzen hält, ist dieser Schritt äußerst radikal für Flock.

 

Keine Addons, kein Spass

Besonders die Tatsache, dass es für Chrome und seine Plattform noch keine Plugins gibt, um spezifische Funktionen von Webdiensten in den Browser zu integrieren, ist schwer mit dem Flock-Prinzip vereinbar. Flock selbst kann nicht jeden Webdienst integrieren, braucht also die Erweiterbarkeit von Drittanbietern, um den Markt abzudecken.

Wahrscheinlich wird die erste Chrome-basierte Flock-Version dann auch erst erscheinen, wenn Chrome die versprochene Erweiterbarkeit erhalten hat. Pluginfähigkeit wurde von Google schließlich bereits angekündigt. Flock erscheint in der nächsten Version (Version 2.1) noch mozillabasiert, wie Flock-CEO Shawn Hardin in den TechCrunch-Kommentaren anmerkt.

 

Gut für Chrome

Auf jeden Fall zeigt dieser Schritt von Flock auch, dass Googles Entscheidung, Chrome in einer Open-Source-Version als Plattform für andere Anbieter bereitzustellen, für das Internet-Ökosystem positiv ist. Letztlich ist es genau das, was Google von Anfang an mit Chrome beabsichtigte: Den Browsermarkt insgesamt und damit das Web besser zu machen. Anbieter wie Flock bekommen so eine Wahlmöglichkeit, die für sie besser geeignete Plattform zu wählen. Wie ich im Dezember letzten Jahres zum Abschluss der Chrome-Betaphase schrieb:

[..]ist Chrome für Google in erster Linie eh Mittel zum Zweck:

Man will das Web und da besonders Webapplikationen besser benutzbar machen. Die mit Chrome unter Open Source verfügbar gemachten Weiterentwicklungen und ihre Auswirkungen auf die Browserlandschaft sind Google letztlich wichtiger als ein hoher Marktanteil im Browsergeschäft.

 

Gut genug für Flock?

Flock hat nach mit eigenen Angaben sechs Millionen Downloads eine nicht geringe Nutzerbasis. Angesichts des gesamten Browsermarktes ist das aber auch kein nennenswerter Marktanteil.

Flock richtet sich allerdings auch nur an eine Teilmenge der Internetnutzer: User, welche mehrere Social-Media-Dienste quasi jeden Tag nutzen und diese deshalb so weit wie möglich mit dem eigenen Brower verzahnt sehen möchten. Ob Flock mit dem Umstieg auf die Chrome-Basis insgesamt als Browser mehr Erfolg beschieden sein wird, bleibt abzuwarten. Mehr Vielfalt und vor allem Experimentierfreudigkeit im Browsermarkt ist auf jeden Fall eine gute Sache.

Kommentare

  • wortwart

    03.03.09 (17:04:57)

    Mutige Überschrift ... Wenn man den Kommentar des Flock-CEO auf Techcrunch liest, würde ich dem Arrington-Gerücht nicht mehr glauben als den periodischen Google-kauft-Twitter-Geschichten der Web-2.0-Klatschtanten.

  • Francis, Infopirat

    03.03.09 (17:39:57)

    Nachvollziehbar, da Flock ebenfalls an der Mozilla Krankheit leidet ein RAM-Fresser zu sein. Da ist Chrome tatsächlich eine Alternative. Der Grund für mich Chrome nicht zu nutzen liegt allerdings an den nicht vorhandenen Plugins/Extensions, und genau das würde mich auch von Flock-On-Chrome abhalten. Ansonsten ist Flock eine nette Sache. Kann man sich def. mal ansehen wenn man es bisher nicht kennt.

  • Marcel Weiss

    03.03.09 (19:07:49)

    @wortwart fair enough. Ich hätte vielleicht auch in der Überschrift darauf hinweisen sollen, dass es ein Gerücht ist bzw. noch nicht offiziell bestätigt ist. Was die Aussage des CEO angeht, habe ich das eher so gelesen, dass er es einfach noch nicht offiziell bestätigen will. Wenn Arrington von "multiple sources" schreibt, haben die Gerüchte auf TC eigentlich immer gestimmt iirc. Und der Kommentar des CEO hat mich eher darin bestätigt. Ich bin aber auch sehr vorsichtig geworden, was solche Geschichten angeht. Nicht erst seit der Last.fm-Sache. Wir werden sehen.

  • Felix A.

    04.03.09 (11:52:17)

    "Bei Flock arbeitete man immer daran, Webdienste möglichst gut mit dem Browser zu verschmelzen." Ich finde die Strategie ohnehin etwas seltsam. Der Browser ansich, also die Schnittstelle zwischen lokaler Anwendung und webbased-application, sollte sich wenn möglich im Hintergrund halten und nicht "stören". Genau diese Strategie verfolgt Google Chrome. Aus diesem Grund denke ich Flock ist zum Scheitern verurteilt.

  • Michi S.

    16.06.09 (22:15:08)

    Naja, Google Chrome frisst auch ganz schön den Ram! Der erstellt für jeden neuen Tab der offen is nen neuen Prozess, da hat jeder 20-60MB. Beim FF hab ich 10 Tabs auf und der braucht bei mir keine 100 MB....

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