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20.04.08Kommentieren

Britannica auf Blogger-Kuschelkurs

Tausche Wissen gegen Klicks: Die Encyclopaedia Britannica gewährt Bloggern jetzt auf Antrag kostenlosen Zugang zu ihren Datenbeständen. Artikel können verlinkt und komplett abgerufen werden.

Encyclopaedia Britannica (Bild M cc:Stewart)
Praktischer allemal: Britannica im Netz (Bild [M] cc:Stewart)

Blogger müsste man sein: Auf Antrag gibt es einen kostenlosen Zugang zum definitiven Nachschlagewerk der Holzära, der Encyclopaedia Britannica. Ansonsten kostet der 51 Euro im Jahr. Gestern habe ich also das Online-Formular ausgefüllt und um Freischaltung gebeten – heute Morgen war es soweit. Ich habe nun vorerst für ein Jahr kostenlosen Zugang. Es wird noch besser: Links, die von medienlese.com auf Artikel der Britannica verlinken, führen direkt auf den kompletten Artikel.

Der Deal mit der Blogosphäre ist klar: Freier Zugang für schicke Links, mit denen die Britannica-Einträge endlich in Suchmaschinen auftauchen und die Existenz des Lexikons den Internetnutzern und potentiellen Bibliothek-Verweigerern ins Gedächtnis rufen. Stimmen dann erstmal die Klicks auf die Seite, könnte sich Online-Werbung als lukrativ erweisen und der "Pay wall" könnte ganz verschwinden – aber das sind noch Spekulationen.

Erst die Blogger, dann der Rest?

Ähnlich hatte die New York Times Blogger bevorzugt und ihnen direkte Links in das ansonsten kostenpflichtige Archiv erlaubt. Mittlerweile ist das Archiv der New York Times komplett frei zugänglich, die Werbeklicks waren viel versprechender als das Abo-Angebot.

Weil das Blogger-Dasein keine Geheimwissenschaft ist und jeder mit drei Klicks zum eigenen Blog kommt, kann jeder an diesem Link-Deal teilhaben. Vorausgesetzt, die Britannica-Betreiber stimmen dem Antrag zu. Aber wozu überhaupt? Es gibt doch die Wikipedia?

Klar – aber längst sind die Grabenkämpfe ausgefochten. Natürlich steht in der Wikipedia mehr drin, gerade zu aktuellen Themen. Zur Popkultur sowieso. Die Standards sind mehr oder weniger ausführlich und akkurat auch vorhanden, in bestimmten Wissenszweigen stellen die kollaborativ erarbeiteten Einträge jedes Lexikon in den Schatten.

Wenn weniger mehr ist

Dafür bürgt die Britannica für die Qualität ihrer Artikel und sorgt sich um den Sprachstil der Einträge. Beispiel Beck: In der Wikipedia stehen vier Druckseiten über den Musiker. Inklusive seiner Alben, Chartplatzierungen, Auftritte im Fernsehen und eine Tonne weiterer Fakten. Gekrönt von 19 Referenzen und 8 Links. Umfassend erschlagend.

In der Britannica hingegen füllt der Beck-Eintrag ziemlich genau eine Druckseite, die sich flüssig und angenehm lesen lässt. Allein der Einstieg:

"... an American musician, singer-songwriter, and multi-instrumentalist, known by
his simple stage name of Beck."

... Wikipedia-Eintrag lesen

"American singer-songwriter who brought Bob Dylan?s embodiment of the hipster folk minstrel into the age of hip-hop and sampling."

... Britannica-Eintrag lesen

Britannica im Einsatz

Natürlich habe ich schon etwas in der Britannica geblättert und mich sofort über die Abwesenheit von Links, klickbaren Quellen und oftmals auch von Bildmaterial gewundert. Die bunte Wikipedia macht es den textlastigen Lexika nicht leicht. Angenehm überrascht war ich über die redaktionelle Bearbeitung und Auswahl von präsentierten Fakten. Wenn ich kurz etwas über Beck wissen will, wie wichtig ist dann seine Scientology-Mitgliedschaft? Die hat der Musiker zwar 2005 bestätigt, aber zu seiner Privatangelegenheit erklärt. Bei einer näheren Recherche finden sich leicht Artikel und Webseiten mit dieser Information – die mir die Britannica vorenthält.

So wie die Wikipedia mit Masse und Aktualität von Fakten beeindruckt, überzeugt die Britannica durch das Weglassen von allzuviel Gossip, nichtigen Fakten und Informationsmüll. Gerade weil die Britannica sich etwas mehr Zeit lässt mit Einträgen und Aktualisierungen gelingt der Überblick oft besser.

Missen möchte ich beides nicht.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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