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29.08.12

"Branchen-News": Xing geht ein bisschen unter die Nachrichtenaggregatoren

Xing experimentiert mit einem E-Mail-Format, das branchenspezifisch jeden Morgen die innerhalb des Geschäftsnetzwerkes häufig empfohlenen Artikel des Vortags zusammenstellt - und das ausgerechnet zum Showdown um das Leistungsschutzrecht.

Man kann Xing nicht vorwerfen, sich im Wettbewerb mit dem Dauerkontrahenten LinkedIn und dem Emporkömmling BranchOut auf die faule Haut zu legen. Das Hamburger Geschäftsnetzwerk schafft es nicht nur, trotz der starken Konkurrenz seine Mitgliederzahl sowohl in Deutschland als auch in einigen anderen Ländern auf nun 12,4 Millionen zu erhöhen, sondern hat in diesem Jahr auch merklich das Innovationstempo angezogen. So gab das Unternehmen im Frühjahr den Startschuss für seine Entwicklerschnittstelle - spät, aber immerhin. Gleichzeitig treibt es die Veröffentlichung diverser experimenteller Funktionen unter dem Dach der "Xing Labs" voran. Im Juli berichteten wir etwa über über das neue Reputations- und Wissenswerkzeug "Xing Themen".

Mit einem brandneuen Feature, das selbst für den Labs-Bereich noch zu frisch ist, gehen die Norddeutschen nun erstmals unter die Nachrichtenaggregatoren. Ironischerweise genau zu dem Zeitpunkt, an dem der Newsaggregatoren umfassende dritte Entwurf des Leistungsschutzrechts im Bundestag diskutiert werden soll. Aber das ist eine andere Geschichte...

Vor einigen Wochen fragte mich ein Xing-Vertreter, ob ich Interesse hätte, beim Beta-Test der Xing Branchen-News dabei zu sein. Ich sagte zu und hatte heute früh erstmalig den angekündigten Newsletter mit neuesten Artikeln rund um meine im Xing-Profil zum aktuellen Arbeitgeber angegebene Branche ("Internet") im E-Mail-Postfach.

Bei den Xing Branchen-News handelt es sich um eine tägliche E-Mail, die populäre Presseartikel zum jeweiligen Schaffensbereich einer Person auflistet - nach typischer Aggregatoren-Manier mit der Überschrift, einem kurzen Textanriss und einem Link zum Originalartikel. Unterteilt ist der heutige Newsletter in die Sektionen "Deutschsprachige Medien", "Internationale Medien" und "News zu Unternehmen dieser Branche". Insgesamt sind elf Texte verlinkt, und zu unserer Freude wird als auch im Betreff genannter Topbeitrag unsere gestrige Kritik an der De-Mail angeführt.

Die Auswahl der Artikel erfolgt nach Aussage von Xing automatisch auf Basis der Popularität von Texten innerhalb des Netzwerks. Je mehr Xing-Mitglieder den Link zu einem bestimmten Artikel in ihrem Stream publizieren, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er am nächsten Morgen in der Branchen-News-Mail erscheint. Das Business Network nutzt in dem Newsletter die Gelegenheit, auf das Xing-Bookmarklet aufmerksam zu machen, mit dem sich besuchte Websites oder Beiträge mit wenigen Klicks im Stream teilen lassen.

Momentan testet Xing das neue Feature mit ausgewählten Personen und Branchen, den Anfang machte vor einigen Wochen Banking. Wann genau das Feature offiziell als Xing-Labs-Projekt eingeführt wird, ist noch offen. Es wäre nicht verwunderlich, wenn die Elbstädter erst einmal abwarten wollen, ob und mit welchen Rahmenbedingungen des Leistungsschutzrecht zum Gesetz wird. Denn auch wenn es sich bei den Branchen-News vorerst nur um eine E-Mail handelt, so praktiziert Xing die im jüngsten Entwurf für das umstrittene Gesetz erwähnte, gewerbliche Aufbereitung von Presseinhalten. Xings größte Einzelaktionärin, Hubert Burda Media, gehört zu den lautstarken Fürsprechern des Leistungsschutzrechts, wäre als Betreiberin des Nachrichtenaggregators nachrichten.de allerdings selbst davon betroffen.

Den praktischen Nutzen der Xing-Branchen-News muss man nicht weiter erklären, und die Möglichkeit zur Ausdehnung auf das Web liegt nahe. LinkedIn bietet mit LinkedIn Today schon seit März vergangenen Jahres ein entsprechendes Angebot, das sowohl über den Browser als auch die mobile LinkedIn-App erreichbar ist. Insofern wird sich Xing hier vorwerfen lassen müssen, eine Funktion des Wettbewerbers nachzuahmen. Allerdings hat das gegenseitige Inspirieren und Imitieren bei den zwei Firmen schon lange Tradition und ließ sich in der Vergangenheit bei beiden Seiten beobachten.

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