<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

23.07.14

"Blue Button": Schweizer Werbe- und Startup-Allianz will TV-Spots aus der Steinzeit holen

Millionen Menschen schauen Fernsehprogramme mittlerweile über das Internet. Doch in den Werbeblöcken wird das sich daraus ergebende Potenzial bislang komplett vernachlässigt. In der Schweiz soll sich das jetzt ändern: Ein Technologie-Startup, der führende Werbevermarkter sowie drei Streaming-Services machen dazu gemeinsame Sache.

WerbungLineare TV-Sender über das Internet zu streamen, ist mittlerweile für Millionen Nutzer in Deutschland und der Schweiz eine regelmäßige Aktivität. Branchenprimus Zattoo - der einzige Dienst, der in beiden Ländern angeboten wird - gab erst zur Fußball-WM neue Meilensteine bekannt. Knapp 1,1 Millionen User in Deutschland streamten im Juni TV-Sender über das Angebot. 800.000 Anwender griffen dabei über mobile Geräte auf Zattoo zu.

Doch obwohl der IP-basierte Abruf von Live-Sendungen aus Sicht von Werbekunden ganz neue Möglichkeiten der zielgerichteten Interaktion mit der Zuschauerschaft ermöglicht, wurde dieses Potenzial bislang kaum genutzt. Die Spots, die in den Werbeblöcken der Sender ausgestrahlten wurden, landen unangetastet im Stream, ohne dass bei der Form der Übertragung dieser Anzeigenfilme differenziert wurde. Und ohne dass User sich tiefergehend mit angepriesenen Produkten befassen können, so sie dies wünschen. Zumindest in der Schweiz soll sich dies jetzt ändern. In der Alpenrepublik startet aktuell ein Pilotprojekt, in dessen Rahmen ausgewählte Spots der öffentlich-rechtlichen Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR "interaktivisert" werden, sofern ihr Abruf über die TV-Streaming-Anbieter Zattoo, Teleboy und Wilmaa erfolgt (die zwei letztgenannten Services stehen nur Nutzern mit Schweizer IP offen).

Betroffene Anzeigen enthalten einen sogenannten "Blue Button". Einmal von Zuschauern betätigt, präsentieren sich ihnen direkt innerhalb der jeweiligen Streaming-App Zusatzinformationen, Sonderangebote sowie Wettbewerbe zu den beworbenen Podukten. Zusätzlich können Spots bewertet und auf sozialen Netzwerken geteilt werden.

Realisiert wird das Projekt technisch über die Lösung Adtracks der Zürcher Firma Filmworlds in Kooperation mit der SRG SSR-Vermarkting publisuisse sowie den drei TV-Diensten. Eine nicht gerade kleine Allianz ist also von Nöten, um für die Ausstrahlung im linearen Fernsehen ausgelegte Werbespots an die Gegebenheiten des Onlinestreamings anzupassen. Was sie vereint, ist das gleiche Ziel: Sie wollen die Werbewirkung durch den dank des Internets bereitstehenden Rückkanal erhöhen. Auch den Streamingservices liegt viel daran, dass dies gelingt: Sie dürften, wenn nicht jetzt schon, zumindest später an den durch die Implementierung der Technologie geschaffenen Mehreinnahmen mitverdienen.

Bislang platziert etwa Zattoo in der Free-Version eigenmächtig Werbung, die während des Umschaltens angezeigt wird. Sollte sich das jetzt getestete Verfahren bewähren, könnte das Unternehmen womöglich eines Tages auf diese nicht ideale, weil von einigen Sendern als Konkurrenz zu "ihren" Anzeigen gesehene Erlosquelle verzichten. Geplant ist im Falle eines erfolgreichen Pilotversuchs auch, die interaktiven Spots auf weitere Sender und Plattformen auszudehnen, einschließlich Set-Top-Boxen und Second-Screen-Apps.

In Deutschland, wo mit Zattoo sowie dem schwedischen Startup Magine auch zwei Vollprogramm-Streaming-Services vertreten sind, dürfte man auf die Ergebnisse aus der Schweiz ebenfalls gespannt sein. /mw

Foto: Boy watching television with noise, Shutterstock

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer