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18.01.08Leser-Kommentare

Blogger und Journalisten: Alles nur Zickenterror?

Jeder Artikel von Journalisten über "Web 2.0" wird inzwischen als Kriegserklärung an dasselbe verstanden. Doch die Blogger sind meist gar nicht gemeint. Leider wissen beide Seiten zuwenig voneinander und pflegen eifrigst Klischees und Vorurteile.

Gestandene Journalisten toben und schimpfen, im Internet stünde nur Müll, und in Blogs sowieso. Gestandene Blogger toben und schimpfen, auf totem Baum stünde nur Müll, und in Online-Portalen sowieso. Schließlich wagt es auch noch ein FAZler, JEHOVA zu rufen, indem er das Wort "Blogjournalismus " kreiert. Ja Iiiih! "Also mit DENEN wollen WIR doch nichts zu tun haben". Da sind sich beide schimpfenden Seiten plötzlich einig.

Dabei bloggen Journalisten privat und beruflich. Und Blogger recherchieren. Und eine Blogsoftware wie Wordpress ist auch nichts anderes als ein einfaches CMS (Content Management System), also sind auch technisch die Blogs und die Online-Portale verwandt.

Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands Michael Konken setzte sich schon vor einigen Wochen in einer ansonsten durchaus vernünftigen Rede auch bei seinen Mitgliedern nachhaltig in die Nesseln, als er verkündete:

 

Das Internet ist eine Plattform auch für Schmierfinken ganz besonderer Art. Schmierfinken, die sich als Journalisten bezeichnen, die aber Persönlichkeitsrechte verletzen, sich nicht an unsere Postulate wie Wahrhaftigkeit, Objektivität, Vollständigkeit halten. Sie treiben ihr mieses Geschäft mit Veröffentlichungen, gegen die wir oft rechtlich nicht vorgehen können, die aber nicht selten ihre Voyeure finden.

Daß er damit einige verbandsintern geschaßte Funktionärs-Kollegen meint, die nun scheinbar anonym - denn die Handschrift eines Schreibers erkennt man auch online wieder, nur gerichtsfest beweisen läßt sich die Urheberschaft zum Leidwesen der Betroffenen anscheinend nicht - eine Stänkerseite gegen die jetzigen Verbandsfunktionäre betreiben, das weiß natürlich - übrigens zum Bedauern der Ersteller derselben - niemand.

Verbandsinterne Stänkereien

Denn um die anonyme Seite "Stadl.biz" (was für ein Business bitte?) nicht auch noch unnötig bekannt zu machen, griff Konken zu seinem diffusen Rundumschlag. Den man ihm so wohl auch noch hätte durchgehen lassen, wenn er nicht unnötigerweise in gleichem Tempo fortgefahren, dabei jedoch vollends vom Weg abgekommen und im Graben gelandet wäre:

 

Blogs sind meines Erachtens nur in ganz wenigen Ausnahmefällen journalistische Erzeugnisse. Sie sind eher der Tummelplatz für Menschen, die zu feige sind, ihre Meinung frei und unter ihrem Namen zu veröffentlichen.

Damit hat er viele getroffen und verärgert, die gar nicht gemeint waren. Den "Mutanten-Stadl" dagegen kann man eigentlich nach einem kurzen Überblick als nicht wirklich ernst zu nehmende Veranstaltung abhaken. Ein Blog ist es nicht. Und die Seiten von Burkhard Schröder waren auch nicht gemeint, auch wenn dieser es auf einer Veranstaltung per Wortmeldung reklamierte, da er ja unter seinem Namen bzw. Kürzel Burks schreibt.

Da wäre "einfach gar nicht ignorieren" besser gewesen, auch wenn es schwer fällt, weil die Urheber des "Stadl" immer wieder mal mit scheinbar DJV-Größen gehörenden E-Mail-Adressen die Mailboxen der Mitglieder bespammen, um auf ihr neuestes Kunst-Werk hinzuweisen.

Das Vertrauen in die Intelligenz der Vereinsmitglieder, die nach einem "Stadl"-Besuch durchaus eigenständig zu einer Meinung kommen, muß der DJV-Vorstand erst noch gewinnen. Ein Problem, das er mit vielen Firmen teilt, die gegen Webseiten vorgehen, deren Inhalte ihnen nicht gefallen, ob nun die von Stefan Niggemeier oder Dotcomtod.

Juristen, die an Streitigkeiten verdienen, heizen Auseinandersetzungen noch an, manchmal setzen sie die später abgemahnten Äußerungen sogar zuvor durch Helfer überhaupt erst selbst in Umlauf, wie bei Ermittlungen gegen einen Rechtsanwalt und seine Mitarbeiter bereits herauskam.

Klagen ist Silber, Schweigen ist Gold

Es gibt auch intelligentere Vorgehensweisen. 1997 entdeckte ein Telekommunikationsprovider eine Seite über ihn im Web. Dort war ein animiertes Männchen zu sehen, das die Hose runterließ und genüßlich grinsend auf das Firmenlogo des Unternehmens urinierte.

Darunter folgte die persönlich gefärbte, doch nachvollziehbare Schilderung einer für den Provider peinliche Posse um eine offene Rechnung und einen daraufhin verfaßten Mahnbrief, der "An den Hausmeister des Anwesens [Adresse]" geschickt worden war, um den Aufenthaltsort des Kunden zu ermitteln, ohne zu bedenken, daß es sich bei [Adresse] konkret um ein Postfach handelte, weshalb der Brief stattdessen beim Kunden landete, weil die Post als Betreuer des Postfachs sich nicht als "Hausmeister" einstufte. Klar, daß der Kunde diese Masche, sein Verbleiben auszuspionieren, kurzerhand scannte und online stellte.

Vorstand und Geschäftsführung tobten und fragten die Firmenjuristin, was man gegen diese Seite nur tun solle. Ihre verblüfffende Antwort:

 

"Nichts! Die wird doch sonst nur noch bekannt!"

Und genau das ist nun all denen geschehen, die sich teils mehr, teils weniger geschickt zum Thema echauffieren. Den Bloggern kann es recht sein, den Journalisten weniger, denn denen bringt Bekanntheit im Gegensatz zur landläufigen Meinung wenig: Sie holen sich damit nur Ärger in ihren Verlagen und Neider bei den Lesern. Die Öffentlichkeit überschätzt den Beruf und die Wichtigkeit eines Journalisten oft viel mehr als auch der abgehobenste Journalist selbst. Ok, "FJW" mal außen vor gelassen, der sich mit seinen "Briefen an die Leser" aber eher als Blogger sieht, der per Telefondiktat schreibt und die Kommentarfunktion "sicherheitshalber" abgeschaltet hat.

"Your medium is dying"?

Eine Scheindiskussion ist die Frage, ob "Schreiben auf totem Baum" ebenso tot ist wie derselbe, ja ob der gesamte Journalismus stirbt oder zumindest - wie die in Sachen qualitätsbewußtem Medienkonsum nicht gerade vorbildichen Simpsons meinen - die Washington Post von "zeitgemäßeren, moderneren" (wohl kaum "besseren") Medien wie dem US-Kommerz-TV "abgelöst " wird.

Es wurde schließlich auch gesagt, daß Fernsehen Radio ablösen wird oder eben Bildschirmlösungen das Buch. Doch jedes Medium hat seine Vorzüge, man kann beim Autofahren oder Arbeiten nun mal nicht fernsehen, auf einem Notebook nicht einschlafen und die Einschaltstunden des Radios sind heute immer noch höher als die des TV.

Die Prozentsätze werden sich natürlich verschieben und eher überflüssige "alte Medien" - ebenso wie eher überflüssige neue Medien! - tatsächlich verschwinden. Doch die "Gatekeeping"-Funktion des Journalismus und damit auch der Journalismus selbst bleibt.

Damit ist wohlgemerkt nicht eine Funktion gemeint, nur dem Establisment oder der Verlagsleitung genehme Nachrichten dem Volk zukommen zu lassen. Diese funktioniert nur in totalitären Staaten; überall sonst haben die Leser die Möglichkeit, einfach eine andere Zeitung zu kaufen oder eine andere Website anzuklicken, um derartige "Privatzensur" zu umgehen, wenn sie sie stört.

Sondern die Funktion, jenen, die wenig Zeit, Energie und Interesse haben, die vor oder nach einem langen Arbeitstag nicht noch stundenlang selbst im WWW herumklicken und sich ihre Informationen zusammensuchen wollen, einen verläßlichen Überblick zu bringen und dabei auch Themen aufzugreifen, die leicht mal übersehen werden.

Die Zukunft: Jeder sein eigener Journalist? In Vollzeit?

Wer glaubt, der "mündige Leser" fände dies doch alles selbst, übersieht, daß allein schon aus Zeitgründen nicht jeder Blogger oder Journalist sein kann und will oder gar als Informations-Junkie wie Thomas Knüwer in der DJV-Veranstaltung "Journalismus im WWW" noch auf dem Podium hektisch herumsimst und -twittert und mit seinen Fans darüber korrespondiert, daß - oh Katastrophe! - der Live-Stream der Veranstaltung abgestürzt ist und was nun eigentlich abgeht im Zentrum des Promi-Blogger-Orkans.

Viele Menschen haben bereits ein ausgefülltes Leben oder schlicht andere Interessen und wollen eben nicht stundenlang im WWW lesen, sondern nur mal kurz auf dem Laufenden gehalten und unterhalten werden. Dabei werden sie ein Medium wählen, das mit ihrer Einstellung und ihren Interessen korrespondiert und dem sie vertrauen. Das kann dann auch die Bild-Zeitung sein, so bedauerlich das auch sein mag. Die ihre Beliebtheit sicher nicht der oft als Schlüssel zum Erfolg beschworenen "journalistischen Objektivität" verdankt, sondern einer den Lesern zusagenden Aufbereitung. Genau das, was nun auch als Erfolgsfaktor für Blogs angesehen wird.

Nur daß es sich bei "Bild" natürlich nicht um das Werke eines Einzelnen handelt, sondern eher ein "autoritäres Gemeinschaftsblog", bei dem der einzelne Redakteur kaum eine eigene Meinung einbringen kann. Das mag man sowohl als Medienproduzent als auch als -konsument bedauern, doch daß die "Bild"-Leser (oder auch die Bild-Macher!) freiwillig auf Blogs umsteigen, dürfte auch der progessivste Verfechter eines ehrlicheren Bürgerjournalismus kaum annehmen. Es ist ja auch hinlänglich bekannt, daß es bessere und preisgünstigere Methoden gibt, sich zu ernähren, als einen "McDonalds" zu besuchen, und trotzdem droht diesen Etablissments auch nach jahrelanger Aufklärung mündiger Verbraucher nicht der Knockout.

Ebenso ist klar, daß die etablierten Medien uns teilweise mit entsetzlich öden Standardhemen (Knut, Britney, Dschungelcamp) belatschern, die junge und aufgewecktte Leute überhaupt nicht interessieren. Doch würden diese Medien sofort die Themen wechseln, wenn Eisbären und unfähige Promis bei der Mehrheit der Leser endlich nicht mehr gefragt wären. Journalisten sind flexibel, haben das gelernt, da in Verlagen eigentlich immer Chaos herrscht, können morgen auch für Portale oder Blogs statt Druckerzeugnisse schreiben, wenn das die Zukunft ist. Das ist überhaupt nicht das Problem.

Doch hier überschätzen hochinteressierte Blogger schlichtweg ihre weniger motivierten Mitmenschen: Dem Durchschnittsbürger ist seine Boulevard-Tageszeitung am Morgen auch im Zeitalter von Web 2.0 immer noch willkommen, zumal er sich hinter einem PDA einfach nicht so gut verstecken kann, wenn er noch verschlafen in der U-Bahn sitzt und nicht mag, daß ihn die Mitfahrer ebenso verschlafen anglotzen.

Die Wut der gestressten Akkordschreiber

Wie immer im Fernsehen und bei öffentlichen Auftritten zählt die Erscheinung mehr als die Inhalte, und einige der Diskutanten in Berlin haben klar eine schlechte Figur gemacht, auch wenn sie inhaltlich Recht haben mögen: Die Veranstaltung nannte sich nun einmal "Journalismus im WWW", nicht "Blogs im WWW", aber man hatte Blogger eingeladen, damit Leben in die Bude kommt. Daß das dann auch passiert, damit war zu rechnen - Wutausbrüche helfen da nicht weiter.

Blogger haben noch Zeit für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens, wie zum Beispiel der Erkenntnis, daß sie eigentlich dringend mal müssen, aber doch lieber bloggen, obwohl sie von der Podiumsdiskussion außer der Mode der Beinkleider der Beteiligten nichts verstehen und irrtümlich glauben, das ändere sich vielleicht noch bei längerem Zuhören. Immerhin: Bei Dieter Hildebrandts Bühnendiskussionen war dieser Effekt des Nichtverstehens bei großen Teilen des Publikums (das es aber nicht zugeben wollte und deshalb einfach dann lachte, wenn Hildebrandt seine markanten stutzenden Denk-Pausen setzte) noch mühsam erkämpft. Journalisten kommen schon einmal in ähnliche Not-Situationen, doch dann unfreiwillig ("Wohin gehst Du?" - "Toilette!" - "Hey, das geht nicht so einfach, Du mußt Dich erst beim CvD* abmelden!!"). *Chef vom Dienst

Und das ist eine der unangenehmen Seiten des Journalistenberufs: Der ständige Druck! Nicht auf der Blase, sondern durch die Nachrichtenlage, den Zwang zur Aktualität, Geschwindigkeit und Fehlerfreiheit. Von Chefs und Lesern. Denn Kommentare gibt es ja nicht erst, seitdem es Blogs gibt und manche Journalisten gehen nicht deshalb nicht mehr ans Telefon, weil sie mit den Lesern nicht reden wollen, wie es gerne vermutet wird, sondern weil sie sonst ihre Texte nicht schaffen und Ärger mit dem Chef bekommen oder weil sie gar nicht am Telefon in der Redaktion sitzen, sondern vor Ort recherchieren.

Manche Chefs sehen übrigens sogar Telefonate mit Autoren schon als Zeitverschwendung an. Andererseits nehmen auch Bild-Leser keineswegs passiv alles brav hin, das in ihrer Zeitung steht. Wehe, es stimmt da mal etwas nicht, beispielsweise eine Auskunft der Telekom über die Funktion eines bestimmten Geräts, die es dann doch nicht hat. Dann bekommt der Journalist einen Anruf "Wegen Ihnen habe ich nun diese Scheißkiste gekauft und 20 Euro umsonst ausgegeben! Ich warte heute abend um 18 Uhr, wenn Sie Feierabend haben, unten vor der Verlagstür auf Sie, und dann sind Sie nicht mehr ganz frisch!".

So etwas erhöht dann die Kommunikationsbereitschaft mit den Lesern ganz ungemein, auch wenn der Redakteur nichts Handgreifliches befürchten muß, weil er sowieso erst um 3 Uhr früh Feierabend hat, nicht um 18 Uhr abends, und kein Leser neun Stunden auf ihn warten wird.

Von allem Ahnung haben müssen

Angesichts der Arbeitsweise von Boulevard-Reportern müssen sich Journalisten zwar nicht wirklich wundern, daß sie ähnlich unbeliebt sind wie Versicherungsvertreter und Abmahnanwälte, auch wenn sie nichts Derartiges schreiben, weder "Witwen schütteln" noch spionieren, sondern sich beispielsweise scheinbar harmlosen Wissenschaftsthemen widmen.

Doch dort sind Fachkenntnisse notwendig. Früher hieß es deshalb auch, man solle als Journalist alles studiert haben, nur nicht Journalismus. Heute dagegen muß ein Journalist in kleinen Verlagen alles abdecken, von der Nahost-Politik über Archäologie bis zur Halbleiterphysik. In allen Themen kann er gar nicht firm sein, irgendwann macht er im Zeitdruck und übermüdet Fehler, wenn er täglich mehrere Texte schreiben muß. Und ein Fehler in 100 Texten reicht für Ärger. Auch wenn es bei manchen resignierten Kollegen schon eher einer in zehn Texten werden.

Was beim Blogger als vertrauenerweckend gilt - Fehler zuzugeben und sich zu entschuldigen - wird beim Journalisten vom Leser ebenso wie Verlag normalerweise nicht akzeptiert: Der Leser erwartet nicht etwa jemand, der ihm komplizierte Dinge verständlich beschreibt, sondern jemand, der wirklich weiß, von was er spricht. Doch dafür bezahlt heute kein Verlag mehr.

Solange es gut geht, solange der Journalist immer einen Experten kennt, der ihm seine Fragen dann auch tatsächlich korrrekt beantwortet und nicht falsch, wie der Mann von der Telekom, ist das alles kein Problem. Wenn es allerdings schief geht, und das tut es zwangsweise, wenn der Leser Ahnung vom behandelten Fachgebiet hat, und der Schreiber nicht, dann entsteht Ärger . Von Seiten des Lesers zu Recht. Der gibt nunmal Geld oder zumindest Zeit aus, um etwas dazuzulernen - nicht um festzustellen, daß der Schreiber etwas dazulernen müßte.

Potenzstörungen per Anruf beheben?

Allerdings bekommen selbst die allgemein unbeliebten Zeitschriften-, GEZ- oder Versicherungsvertreter normalerweise maximal die Tür auf die Nase oder den Fuß - sie bei ihrem Arbeitgeber anzuschwärzen oder privat zu verfolgen, bei ihnen vor der Tür aufzutauchen, so wie sie bei einem, davon hat man bislang nichts gehört. Bei Journalisten sieht dies anders aus.

Folgende "Tipps" eines bereits polizeibekannten Stalkers erläutern, wie man den von manchen als "Stall-Hasen" titulierten Mitarbeitern eines Technikverlags den Arbeitstag und die Libido gründlich und nachhaltig versauen kann. Sie stehen so seit über einem Jahr als "Service für die Leser" in einem Verlagsforum online - somit wird ein derartiges Vorgehen gegen die eigenen Mitarbeiter offensichtlich vom Verlag akzeptiert:

 

[...]

Da gibt es extra für uns eine Seite (ganz hinten), und die ist (wohl

als einzige, aber immerhin) ehrlich. Die heißt "Impressum"!

Da stehen die ganzen Telefonnummern drin. Also ruft man da einfach an, wenn einem mal wieder die Galle überläuft, weil sie wieder nur Müll geschrieben haben, und dann macht die mal so richtig frisch.

Das mache ich öfter, und so wie das jedesmal abgeht, haben die danach aber mehr Potenzstörungen als ich. Danach geht's mir immer besser.

[...]

Nun sind Journalisten ebenso wie Blogger eigentlich nicht für das sexuelle Wohlbefinden ihrer Leserschaft zuständig, außer sie schreiben beim Playboy . Doch ist obiges trotz allem noch die harmlosere Form.

Mitunter wollen die Störenfriede nämlich gar nicht selbst den Journalisten "rund machen", sondern nutzen weit bequemer dessen Chef dazu. Und auch hier werden derartige Aktionen durchaus "bestellt": wenn die Mannschaft zu teuer wird und man Leute los werden will, tauchen nach Mitternacht oder bei bekannter Abwesenheit des Mitarbeiters entsprechende Postings im Verlagsforum oder "Leserbriefe" in der Redaktion zu seinen Artikeln auf.

Die Nadel im Heuhaufen finden

Normalerweise gilt die Regel "Lobe öffentlich, kritisiere unter vier Augen.". So halten es verantwortungsvolle Chefs mit ihren Mitarbeitern und einem Redakteur bei einem Online-Medium ist auch mehr damit gedient, ebenso wie ein ja auch nicht fehlerfreier Blogger auf einen Fehler zeitnah per E-Mail direkt hingewiesen zu werden, als drei Tage später bei Kommentar 1013 im Forum ein Der xxx ist doch mal wieder ein kompletter Volltrottel, das ist doch eigentlich so, ich kenne mich da aus: ... ! vorzufinden, das zudem vom Chef zuerst entdeckt wurde.

Zugegeben finden sich jedoch bei vielen Medien keine direkten Kontaktmöglichkeiten zu den Redakteuren mehr, dank Spam und Stalkern. In typischerweise 500 Spams am Tag auf einer öffentlich bekannten E-Mail gehen wichtige Hinweise unter. In 500 Posts im Forum allerdings ebenso. Der Blogger mit einer Leserschaft, die noch eine überschaubare Community darstellt, hat es da leichter.

Doch daß mancher anonym im Forum auf Redakteure losgeht, ist oft gar kein Versehen, sondern Absicht: Man weiß ja, daß ein Redakteur im Gegensatz zum Blogger, der über seine Kommentare meist noch die Übersicht hat und aufräumt, nicht Tag und Nacht im Forum sein und aufpassen kann, weil er ja schon Tag und Nacht schreibt.

Die Angst vor dem Forum

Und letzteres erklärt, wieso zumindest angestellte Redakteure durchaus Angst vor dem Web haben. Vor allem, wenn es das eigene Portal ist. Daß die Süddeutsche nicht gerade ein vorbildliches Online-Portal betreibt mit all den klick-gierenden Bilderstrecken, ist unbestritten. Daß die Redakteure trotzdem keinen Bock haben, morgens als erstes zum Chef zitiert zu werden, weil nachts ein Besucher Vorwürfe gegen sie hinterlassen hat, und das Forum deshalb nun nachts schließen, ist jedoch auch verständlich. Die ersten Blogger denken ja darüber auch nach, seit sie wegen nächtlicher Kommentare verurteilt wurden. Und die Portale haben tagsüber ihre meisten Leser in den Büros, nicht nachts zuhause wie die Blogs.

In der DJV-Podiumsdiskussion wurden die Einwürfe von Hans-Ulrich Jörges über die Nazikommentare in den Foren von den Bloggern stets sofort abgebügelt. Verständlich, wie soll ein Blogger auch wissen, wie es in einer Redaktion zugeht? Das wissen ja nicht einmal freie Autoren, wenn sie noch nie Redakteur waren. Doch ebenso, wie die Kommentare in Blogs in Massen von Spammern heimgesucht werden, verhält es sich mit den Foren in Online-Portalen!

Manche Beiträge in den Blogwerk-Blogs werden täglich von dreistelligen Anzahlen von Spam-Kommentaren heimgesucht. Ohne eine halbwegs intelligente Spamfiltersoftware, der auch einmal übereifrige echte Kommentatoren zum Opfer fallen, wären sie längst unlesbar. Dabei gehen die Spammer vorzugsweise auf schon ein paar Tage alte Beiträge los, in der Hoffnung, daß ihr Wirken dort den Autoren entgeht.

Der Krieg in den Foren

Ebenso werden in Online-Portalen regelmäßig Beiträge dann heimgesucht, wenn sie schon einige Tage alt sind und aus dem Fokus der Redakteure entschwinden, die alles, das gerade erst online gegangen ist, zusätzlich zu ihrer normalen Tätigkeit auf derartige Aktivitäten im Auge behalten müssen.

Nur leider gibt es für rechtsradikale Postings bislang keine Software, die diese erkennt und automatisch filtert: Handarbeit ist angesagt. Die leicht Stunden dauern kann. Weshalb es dann eben nachts um 3 wird.

Da die Neonazis wissen, daß Redakteure dazu abkommandiert wurden, ihre Ergüsse in den Foren aufzuräumen, gehen sie dann auch auf persönlicher Ebene gegen diese vor, suchen auch deren private Gästebücher oder Blogs heim. Redakteure dürfen zudem bei so manchem Medium auch persönliche Angriffe gegen sich oder ihre Familie im Forum keinesfalls löschen - Flamewars im Forum bringen schließlich Hits, Traffic und damit Werbegelder!

Teils schaffen die Foren über 70% des Besuchertraffics, also mehr als die eigentlichen Artikel! Zudem sind auch nach außen gesperrte Kommentare mit handfesten Verleumdungen nicht wirklich gelöscht und können verlagsintern auch später noch durch Vorgesetzte eingesehen und gegen den Redakteur verwendet werden. Wundert es da noch, daß Redakteure zynisch resignieren? Wundert es, wenn ein Hans-Ulrich Jörges sich mehr Sorgen um den Zustand in seinem Forum macht, der schon am nächsten Tag zu einem peinlichen Rapport beim Verleger führen kann, als um die Frage, ob er in fünf Jahren nun für Print, Online oder noch etwas neues arbeitet?

Wirklich ärgerlich ist allerdings, daß Kommentatoren bei der Registrierung bei sueddeutsche.de nicht nur ein Pseudonym und ein Paßwort wählen und ihren echten Namen angeben müssen: Es werden auch noch Adresse und Telefonnummer abgefragt. Die Datenschutzerklärung verrät dann zwar, daß diese nicht an Dritte weitergegeben werden - doch auch vom Süddeutschen Verlag selbst möchte ich keine Werbeanrufe, die in der täglichen Redaktionsarbeit viel störender sind als Leseranrufe. Natürlich kann man auch eine falsche Telefonnummer angeben - nur wieso wird die Angabe dann überhaupt erzwungen?

"Unabhängig bloggen"?

Nun mag mancher Blogger argumentieren, das sollten sich die Lohnschreiber halt nicht bieten lassen, kündigen und lieber ein eigenes Blog aufmachen. Aber wovon soll man dann leben? Selbst inzwischen als Blogger eingestufte Kolumnisten wie "Hal" bloggen aus genau diesem Grund nicht. Und wirklich kritische Themen aufgreifen und sich mit Abmahnungen ruinieren zu lassen wie Marcel Bartels, das wollen auch die wenigsten, dann ist es mit der "Unabhängigkeit" nämlich ganz schnell vorbei. Eine eigene, unzensierte Website, das bringt außer Ärger wenig ein und mal so nebenbei nach Feierabend bloggen, das schaffen die wenigsten.

Mit dem Journalismus ist es wie mit dem Fußball, bei dem im Stadion Tausende von Trainern sitzen, die genau wissen, wie die Mannschaft viel besser gespielt hätte. Der schon vor Jahren unter Journalisten gängige Stoßseufzer "Hätte ich nur was Gescheites gelernt!" ist deshalb heute aktueller denn je. Im Gegensatz zum Theater ist der Applaus gering und die Kritik groß: Schon immer schreiben Leser, Hörer und Zuschauer in der Mehrzahl nur dann, wenn ihnen etwas stinkt und so gut wie nicht, wenn sie zufrieden sind.

Don Alphonso hat also durchaus Recht, wenn er sagt, er würde seine Kinder nie in den Journalismus schicken wollen und er selbst betreibt zwar auch Journalismus, aber momentan nicht hauptberuflich. Nur wäre das die Lösung? Wollen wir das wirklich, sollen alle heutigen Journalisten "hinschmeißen", stattdessen "was Gescheites (und finanziell tragfähigeres) machen" und den "Besserwissern" sagen "Macht doch euren Dreck alleine!"? Ergäbe das wirklich bessere Zeitungen und Fernsehsendungen? Kaum anzunehmen.

Oder hätte ich jetzt schön brav schreiben sollen "Ja, Journalisten schreiben wirklich nur Mist, dem Bloggen gehört die Zukunft!", um mir böse Kommentare und Trackbacks zu ersparen? Nein, natürlich nicht. Also wird die Diskussion nicht so schnell beendet sein und ich werde auch für diesen Text mehr Kritik als Lob einstecken, zumal es Freitagnachmittag ist. Doch Journalisten sollen nicht bequem sein und Blogger ebenso wenig. An der Situation ändert es ebensowenig wie 20 weitere Podiumsdiskussionen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Teja Bernardy

    18.01.08 (14:30:28)

    Wow! So ein Konvolut haut rein! Manches davon geht runter wie Oel, etliches schreit nach Zustimmung, und bei einigem hauts ein Ja aber ... raus. Was davon in einen Kommentar unterbringen? Ich bin dann mal weg, nicht nur eben um den Blo(g)ck, ums sacken zu lassen, sondern zur VG Wort wg. Druckerurteilen, Sitzungen und so. Vielleicht sieht man, auch wenns dann wieder bloß ich-my self ist, klarer für einen nicht doch uferlosen Kommentar(?). Soviel aber vorab: Journalismus überlebt! IT lebt. Ob sie überleben muß, so wie sie lebt und so, wie das, was sich drohend abzeichnet, das läuft in etwa auf DIE Fehlentscheidung des zwanzigsten Jahrhunderts hinaus: Verbrennungsmaschine statt Elektromotor.

  • Köbi Bünzli

    18.01.08 (16:42:08)

    sehr guter artikel! von meiner seite nur lob. der vergleich mit dem fussballtrainer ist gross!

  • Oliver Springer

    18.01.08 (17:52:42)

    Glückwunsch! Ich freue mich über diesen Artikel, weil er Probleme so gut erläutert (insofern vielleicht zum gegenseitigen Verständnis tatsächlich beiträgt) und vor allem in einem verständnisvollen Tenor geschrieben ist.

  • Doc Montresor

    18.01.08 (20:24:55)

    Hm. Folgender Absatz sagt eigentlich ziemlich viel: Der Leser erwartet nicht etwa jemand, der ihm komplizierte Dinge verständlich beschreibt, sondern jemand, der wirklich weiß, von was er spricht. Doch dafür bezahlt heute kein Verlag mehr. Vorneweg, da das offenbar bei dieser Diskussion von Bedeutung ist: Ich bin in erster Linie nur ein LESER. Zwei Thesen, die Fragen aufwerfen, über die sich die "Fachleute" auf dem Podium eigentlich hätten unterhalten sollen - was sie nicht getan haben. Fragen dazu: 1. Warum zahlt kein Verlag dafür, wenn das wirklich das ist, was die Leser wollen? Oder anders formuliert: Für wen lassen die Verlage schreiben, wenn nicht für die Leser? 2. Was hat das für Auswirkungen auf die Verlage? (Meine These: Schlechte!) Um hier genug Stoff für eine heiße und interessante Runde zu haben, braucht man nicht mal die Nebelkerze "Blogger vs. Journalisten" anzuzünden, denn an dieser Stelle dürften Journalisten mit Berufsethos eigentlich mit den sog. "journalistischen Blogs" einer Meinung sein. Das Internet ist auch nicht einfach nur mit einem von vielen neuen Medien zu vergleichen, denn es ist nicht nur interaktiv und (in technischer Hinsicht) sehr horizontal, es ist auch in der Lage, alle bisherigen Medien zu integrieren - das ist einzigartig. Gut, hinter einem PDA kann man sich nicht verstecken und die Haptik des Papiers mag auch Liebhaber haben, aber auf dieser Basis eine offensichtliche mediale Revolution kleinzureden und sich gleichzeitig über den finanziellen Niedergang zu echauffieren, das ist bestenfalls naiv. Diejenigen, die als sog. Blogger bis zu einem gewissen Grad "seriös" auf die sog. Journalisten eindreschen, beziehen sich fast ausschließlich auf diesen Punkt: den Widerspruch zwischen laut verkündetem, hohen Anspruch auf Seriösität, Qualität und Professionalität und dem Ergebnis, das diesem Anspruch immer weniger standhält. Das hat nichts mit gelegentlichen kleinen Fehlern zu tun, sondern mit einem Verrat an Grundprinzipien im eigenen Hause - und das ist es, was viele Leser nicht mehr lange mitmachen. Sollte allerdings die o.g. These nicht stimmen, dass die Leser jemanden wollen, der wirklich weiß, wovon er spricht, dann wäre es glaubwürdiger, sich von "professioneller" Seite dazu zu bekennen und zu sagen: "Wir bringen einfach nur Klatsch, weil das gut verkauft werden kann. Für uns zählt das Geld." Aber das tun die Verlage nicht, die kritisiert werden. Stattdessen rufen sie nach einer "Qualitätsplakette" und einer geschlossenen Berufszunft, um sich ängstlich ihre Pfründe zu sichern, die aus o.g. Gründen immer weiter schrumpfen. Und für dieses Schrumpfen brauchen sie einen Sündenbock: Das Internet und alle, die nicht "professionell" (also mit angestrebtem "Journalisten-Zeugnis" und für Geld) schreiben, aber evtl. sogar mehr Ahnung haben.

  • Klaus Jarchow

    18.01.08 (21:08:08)

    Kurze Antwort: Verlage lassen heute vor allem für die verehrte Anzeigenkundschaft schreiben. Redakteure haben sich dem zu fügen - und den entsprechenden 'Content' zu liefern. Und genau daran wiederum werden die Verlage auch verrecken ...

  • Teja Bernardy

    18.01.08 (22:27:23)

    @DOC MONTRESOR: Von Leser zu Leser ein feiner Einstieg. Bei Holzmedien stimmen nicht nur für Liebhaber einer gewissen Haptik Anspruch und Realität nicht überein. Nicht etwa, daß sie tot wären. Sie leben ein totes Konzept. Das Geschenk, zensurfrei berichten zu dürfen, Pressefreiheit hat nicht zu freier Berichterstattung geführt. Verleger haben diese Morgengabe geschnappt und in den Tresor ihrer Meinung eingesperrt. Pressefreiheit ist also allenfalls noch die Möglichkeit der Verleger/Verlage und ihrer Geldgeber, ihre persönliche Sichtweise ungehindert öffentlich darzustellen. Berichterstattung wird solcher Darstellung nach- und untergeordnet. Ethik des Journalismus ist die Nebelkerze, die den Verrat am Auftrag des freien Berichts überblenden soll. Auch sollen damit die in den Verrat eingebetteten Machtstrukturen, ihre Sachwalter und ihre Profiteure unkenntlich bleiben, der geschlossene Zirkel, das Machtnetzwerk. Verleger/Verlage schreiben also für sich, nicht für Leser, sondern zu deren Beeinflussung. In einem offenen Medium, wie Web 2.0 mit Blog, geht zunächst der geschlossene Zirkel auf, sobald sich Journalisten beteiligen. Die beteiligen sich zwangsläufig, weil die Hypothek "Verrat am Auftrag" Widerstand herausfordert. Steht eine Nachricht mit/ohne Meinungsbefrachtung zur Diskussion, wird inhaltlich auch ihre Relevanz offen, weicht sie von vorgefertigten Meinungsclustern ab, bewegt sich in ihrer Bewertung und in ihren Werten außerhalb des geschlossenen Kreislaufs. Damit einher geht Machtverlust. Ein weiterer Machtverlust liegt darin, daß Nachrichten in ein überwiegend werbetechnisches Präsentationskonzept eingebunden sind, das Web den Holzmedien sowohl Reichweite als auch User nimmt. Auch Geld ist Macht und die neuen Medien bescheren den Holzmedien Einbußen. Die tradierten Medien verlieren also doppelt Macht und doppelt Geld. Dies zwingt sie zur Anpassung an den Markt und/oder zum Einstieg in die neue Technik. Womit bitte bezahle, wenn die Gewinne einbrechen? Im Zeitalter der bedingungslosen Gewinnmaximierung, ich nenne das "Finanzfaschismus", wird versucht, jeden Gewinneinbruch über den Personalsektor zu kompensieren. Die erste Erfahrung mit diesem Instrument nach Verlusten beflügelt Phantasie zum vorauseilenden Personalabbau. Ergo wird neben der Verflachung der Hierarchien in Wirtschaftsunternehmen in Ansehung des Kostenfaktors auch eine Verflachung fachlicher Kompetenz einziehen, kosten doch qualifizierte Kräfte das Geld, das im Personalsektor eingespart werden soll. Qualitätsverlust wird Programm. Dieses Programm, zusammen mit dem Verrat am Auftrag, generiert die unappetitliche Medienlandschaft wie wir sie kennen. Web 2.0 zeigt Ansätze qualitativer Verbesserung der Berichterstattung, quantitative Angebotserweiterung, schnelleren Zugriff und freiere Berichterstattung. Die Gläubigen beider Lager, Holzmedien und IT stehen sich als Gegner gegenüber. Jeder kennt die Schwäche und die Stärke des anderen. Die Holzklötze wollen weder Geld noch Macht teilen, wissen jedoch schon, die Schlacht wird nicht ohne Verluste abgehen. Das soll dann aber zu ihren Bedingungen laufen, weshalb sie den Zickenterror veranstalten. Die IT-Freaks haben "noch" nichts zu verlieren, können nur gewinnen, wollen den totalen Sieg, den natürlich zu ihren Bedingungen. Also veranstalten sie Zickenterror. Unschwer läßt sich angesichts der schon jetzt unübersehbaren Verschränkung beider Techniken voraussagen, siegen wird keiner von beiden, allerdings wird Web 2.0/3.0 hinzugewinnen, schneller, mehr und nachhaltiger, je länger die Holzmedien ihre aus Obrigkeitszeiten in Pressefreiheit tradierten Mechanismen der Meinungshoheit und Meinungsmacht zu verteidigen suchen. Zweifellos aber haben beide Nachrichtenverwerter bessere Aussichten nebeneinander. Sie hätten hervorragende Perspektiven, trennten sie sich von den Nachrichtenbewertern. Aber auch das ist nur eine Lesermeinung.

  • mikel

    18.01.08 (22:55:21)

    Blogger sind keine Journalisten. Es gibt Journalisten, die bloggen, jo, aber Blogger in ihrer überwiegenden Mehrheit sind keine Journalisten und wollen um Himmels willen gar keine sein, nicht weil dies etwas ehrenrühriges wäre, sondern weil es ihnen fern liegt darüber überhaupt nachgedacht zu haben. Es geht nicht um Recherche, um Nachricht, es geht ums Schreiben an sich, das man so oder so oder so gestalten kann. Und so entstehen in der Blogwelt Dinge, wie sie im Nachrichtengewerbe eben nie entstehen könnten und dass wird mehr und mehr geschehen, wo auch immer. Und dabei entstehen Geschichten und ähnliches, die interessanter sind zu lesen, als das, was Verlage produzieren. Ich mag den Stil Don Alfonsos nicht, aber genau DAS predigt er immer und hat es da auch dorten gepredigt. Die Malaisse der Journalisten vor dem Forum und ähnlichen Feedback, die Qual mit dem Schreib-Druck und mangelndem Fachwissen interessiert Leser wenig, die Qualen des eigenen Berufes sind genauso hoch, wenn nicht höher. Wir können ja mal tauschen. Wär doch was. Wie gesagt, Blogger SIND nur in Ausnahmen Journalisten, auch wenn dies Journalisten nicht oder kaum wahrnehmen (wollen). Womit der Zickenkrieg, wenn er denn stattfindet, im üblichen selbst referentiellen Rahmen sich umtreibt. Journalistischer Kantinentratsch scheint so scheint es dem Nur-Leser und Blogger.

  • Teja Bernardy

    18.01.08 (23:17:22)

    @MIKEL: Jau, gibt Blogger, die sind so gestrickt! Gibt andere. Mittenmang gibts sogar hier und da Journalisten. Als Blogleser und auch sonst Medienkonsument und strikter Nichtjournalist tummelt sich wer in diesem Forum nicht, um Geschichten zu schreiben. Dafür gibts reichlich andere Foren! Über dem hier steht Medienlese. Hier wird über Medien berichtet und diskutiert. Manchmal ist das wie `ne Fachdiskussion, selbst für solche IT-Trottel wie mich. Sieht so aus, als interessierte das die Menschen, die sich in diesem Blog austauschen. Warum sollte ein Blogger nicht tratschen dürfen? Jeder Kantinenfraß verdient seinen Kantinentratsch. Im übrigen, wir reden hier übers Schreiben an sich, das man so, oder so, oder so gestalten kann! Manchmal vertippt man sich eben. Dann landet man im falschen Blog. Wenigstens das Web ist offen, auch für sowas.

  • Klaus Jarchow

    20.01.08 (07:36:01)

    Dass 'jeder Artikel von Journalisten über Blogger' in der Luft zerrissen würde, ist in dieser Absolutheit falsch, Wolf-Dieter. Die taz zum Beispiel hat eine Linie entwickelt, die es beiden Seiten recht macht, weil der Stil dort ohne Überheblichkeit auskommt. Es sind nur die großen 'Schlachtschiffe', die durch Ahnungslosigkeit glänzen. Siehe als Gegenbeispiel z.B. das da: Ja, will sein Blick mitteilen, diesen provokanten Satz habe ich gerade wirklich gesagt.

  • Thomas Kurbjuhn

    20.01.08 (08:16:52)

    Die Blogger wie auch die Zeitungsleser fordern vom Journalisten ein, auf die Ideale " Wahrheit" und " Meinungsfreudigkeit" hinzuarbeiten. Die Journalisten, wollen sie Journalisten bleiben in der heute werbekundenabhängigen Pressewelt, können diese Ideale heute noch weniger als früher pflegen. Also wird es weiter und vermeht Streß geben für die Journalisten, aufgerieben zwischen den Idealen, die sie zum Schein noch verkörpern müssen und den Anforderungen der Werbekunden und auflagengeilen Chefredakteuren.Haben die Journalisten dieses Schicksal verdient? Ja. Warum? Weil Journalisten sich jahrzehntelang als Herrscher über die öffentliche Meinung aufgespielt haben, schon immer karrieregeil waren und nie die eigentlichen Ideale des Journalismus gelebt haben. Dafür bekommen sie im Zeitalter des web2.0 nun die Quittung, und das ist mehr als gerecht.

  • Wolf-Dieter Roth

    20.01.08 (09:29:21)

    Nun, es ist meine - subjektive und objektive - Erfahrung. Ich habe bei Telepolis Artikel über Blogs vermieden, wo ich konnte. Und dabei stand Telepolis ja wie die TAZ den "Grassroots" etwas näher. Das half aber wenig. In einem Fall wollte ein Blogger sogar ein Tribunal von Journalisten gegen mich einrufen. Ich war bei einer Geschichte auf eine Bloggerin gestoßen, die sich umgebracht hatte, womit mein Artikel endete, weil mir das schlicht die Sprache verschlug und mir das Weiterschreiben vergangen war, ich hatte nur noch kommentarlos den Link gesetzt. Ein "Alpha-Blogger" unterstellte mir dann, ich wolle mit diesem Link Klicks auf Kosten der Verstorbenen schinden, was völliger Unsinn war, weil der Link ja raus ging aus meinem Artikel und erst ganz am Schluß des Textes kam. Und auch nicht groß reißerisch betitelt war. Das "Überhebliche", das haben wohl beide Seiten. Da liegt ja das Problem, das ist ja der "Zickenkrieg". Und ich mag im Übrigen auch nicht so sehr, wenn große Medien nun nebenbei auch noch Blogs laufen lassen und so eben ein Medium der Privatleute wieder für sich beschlagnahmen. Thematische Blogs ja, aber nur Blogs, um Blogs zu machen, das nicht. Blogwerk hier ist anders, aber wenn z.B. ARD & ZDF zuerst Homepages, private E-Mail und Blogs anfeinden und juristisch einkassieren und dann selbst Blogs und Podcasts machen, habe ich einfach gemischte Gefühle, weil ich weiß, es ist zwar schön, daß man nun verpaßte Sendungen auch als Podcast hören kann, aber wenn ich jetzt privat bloggen würde (was ich genau aus diesem Grund nicht tue - abgesehen vom Zeitfaktor), dann könnten die mir wieder wettbewerbsrechtlich auf die Pelle rücken und sagen "Du bist Konkurrenz zu uns - wir haben ja auch Blogs!". In dem Punkt wäre es mir lieber, man würde die Blogs den privaten Bloggern lassen, damit es endlich mal irgendwas gibt im Internet, das einem nicht mit Kommerz-Marken-Interessen abgenommen werden kann. Und ich sehe es dann auch nicht als negativ, wenn jemand Blogs "Tagebücher" nennt. Es können natürlich auch Kolumnen sein. Ich kann dann aber z.B. nicht nachvollziehen, warum Verlage ihre bestehenden Kolumnen schließen und durch Blogs ersetzen, in denen dann plötzlich pro Beitrag nur noch 2-3 Sätze stehen statt wie früher ein richtiger Text. Oder mag wirklich niemand mehr länger als die 160 Zeichen einer SMS lesen? Eher geht es doch darum, daß man so viel wie möglich klicken soll, weil die Online-Werbewährung immer noch "Klicks" ist. Mit Qualität hat das dann aber nichts zu tun. In einem kommerziellen Medium hätte ich das Posting z.B. in 5 oder 10 Teile splitten müssen, immer diese "Weiter"-Buttons einfügen, mit dem der Leser dann warten darf, um mehr Klicks zu generieren. Ich selbst will aber die Texte am Stück lesen, nicht wie bei der SZ alle 5 Sätzen eine Überleitung auf die nächste Seite ("Lesen Sie auf Seite 3, wie Hans Müller doch noch....") und ein neuer Einstieg. Macht doch in Print auch keiner. Da kommt man ja nie in den Text rein.

  • Klaus Jarchow

    20.01.08 (14:32:15)

    Ja - dieses Blog-Beitrag-Zerschnibbeln, das gleicht dem Prinzip des guten alten Fortsetzungesromans: "Da riss er in wilder Wut die Hand mit dem zuckenden Dolche vor der gleisnerischen Metze empor, purpurrot ward es ihm vor Augen ... [Lesen Sie in der nächsten Ausgabe unseres Blättchens die 27. Folge des beliebten Fortsetzungsromans: "Heiße Liebe im Schnee des Kilimandscharo"]

  • Jörg

    22.01.08 (20:09:06)

    Also der Artikel ist echt große klasse, super gemacht

  • Anita Arneitz

    29.01.08 (07:05:05)

    Ein sehr gut aufgebauter Artikel mit einer geballten Ladung an Dingen, die endlich mal ausgesprochen gehört werden. Sicher hat der gestandene Journalist mit den Beiträgen von Möchte-Gern-Journalisten zu kämpfen. Tatsache ist auch, dass jüngere Journalisten in der Praxis immer schlechter ausgebildet werden und zum Allrounder mutieren. Sie müssen nicht nur gut schreiben und recherchieren, was ja an für sich schon nicht leicht ist, zudem müssen sie noch Fotografen sein, Grafiker, das Layout selbst setzen, den Videomitschnitt von der Pressekonferenz schneiden und online stellen... Und die Konkurrenz wird nicht kleiner. Jeder kämpft um seine paar Zeilen in der Zeitung, für ein Honorar, das jenseits von Gut und Böse ist. Kein Wunder das Blogger für manche zum Feindbild werden. Aber "gestandene" Journalisten stehen drüber. Auch über die Blogdiskussion. Schließlich sind Blogger und Journalisten nicht Feinde. Das Web 2.0 ist groß genug für beide - für bloggende Journalisten und journalistische Blogger.

  • Andreas

    29.01.08 (23:49:04)

    Die armen gestressten Journalisten tun mir wirklich leid. Müssen ihren Lebensunterhalt verdienen, indem sie gegen Kollegen hetzen und über den Sittenverfall im journalistischen Kommerz lamentieren. Anstatt ihren Job zu machen und dem Leser dabei zu helfen, die Realität zu verstehen. Nur immer wieder diese mit sich selbst und ihrer Szene befassten Journalisten, die für ein Butterbrot hier oder da anheuern, um die Hits auf den Seiten der Medien-Gollums zu vermehren! Wieso ist sich keiner zu schade für die ganze Hetze und Polemik? Wieso geht es nie um die Sache, sondern immer nur darum, wer die meisten Eisen im Feuer bestimmter Anstalten hat? Wie kommen Medienschmarotzer dazu, mit simplen Zusammenfassungen ihr Ego aufpolieren zu wollen? Fragen über Fragen. Und immer dieselben. Vor allem, wenn man als Neuling einfach nur etwas Interessantes lesen möchte. Wie diesen Artikel von Herrn Roth.

  • ElisabethAcevedo31

    15.07.10 (09:31:12)

    Following my investigation, billions of persons all over the world get the loans from different creditors. Hence, there's a good possibility to receive a small business loan in any country.

  • Stefan

    06.11.10 (16:20:24)

    Bezüglich der ungewollten Werbeanrufe kann man sich hier schlau machen und ggf. an die Bundesnetzagentur herantreten.

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