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20.04.09Leser-Kommentare

Bloggen: Wenn das Zitat zur Kopie wird

Ein langes Zitat, ein kurzer Link und fertig ist der Blogeintrag: Ein aktuelles Beispiel aus der deutschen Blogosphäre zeigt, wo aus einem Quote ein Rip-off wird.

Wir müssen reden. Situation: Ein bekanntes deutschsprachiges Blog, dessen Autor vom Bloggen lebt, zitiert aus einem Artikel einer Nachrichten-Website der Verlagsgruppe Holtzbrinck. Folgende Grafik zeigt in schwarz, welche Passagen 1:1 übernommen wurden. Als Zitat ausgezeichnet, aber dennoch copy & paste.

Der Originalartikel hat 192 Wörter, von denen 105 zitiert werden. Der Blogeintrag hat insgesamt 134 Wörter, also bleiben 29 Wörter Eigenleistung des Bloggers. Das Problem hieran ist, dass mehr als die Hälfte des Originals kopiert werden und dann auch noch so, dass man als Leser überhaupt keinen Grund hat, dem Link zum Original zu folgen. Die gesamte Geschichte, sämtliche relevanten Details, stehen schon als Zitat im Blogpost. Das ist auch der entscheidende Unterschied zwischen unseren täglichen Linktipps bei "6 vor 9" und diesem Beispiel: Wir schicken unsere Leser zu interessanten Seiten.

Zitieren, richtig ausgezeichnet, ist ja vollkommen in Ordnung, das machen wir hier auch ständig, wer wollte es einem verbieten. Aber die Schmerzgrenze ist doch deutlich überschritten, wenn mehr als die Hälfte des Originals kopiert werden und wenn das Zitat nicht in substantielle eigenständige Arbeit eingebettet ist! Wenn Blogger einfach nur kopieren: Dann ist das ein Rip-off.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • David Bauer

    20.04.09 (19:52:30)

    Warum kein Name?

  • housetier

    20.04.09 (20:08:54)

    Faule Hunde schreiben nicht.

  • Frank

    20.04.09 (21:05:50)

    Mhm, dies Verhalten greift ziemlich um sich. Kenne ich auch zu gut aus eigener Erfahrung - meine Blogs werden sehr gerne von oertlich benachbarten Bloggern ausgeschlachtet, ohne dass substantiell Eigenes beigetragen wird. Nervt ziemlich. Wenn dann aber mit der Leistung anderer noch Geld verdient wird...

  • Parkrocker

    20.04.09 (21:11:28)

    Mich würde ebenfalls der konkrete Name interessieren. Die Angaben hier würden für eine eigene Recherche doch auch ausreichen - macht es uns leichter ;)

  • nils

    20.04.09 (21:26:38)

    Man darf auch ruhig mal outen, wer sich dahinter verbirgt. Aber grundsätzlich funktionieren viele der erfolgreichen (vulgo: verlinktesten) blogs in Deutschland doch vor allem durch das Verlinken von Artikeln anderer, durch das Posten von Bildern anderer, durch das Zitieren von Artikeln anderer, durch das Zeigen von Videos anderer. Das ist sicherlich auch gut und wichtig, es ist ein: he, guckmalhier und guckmaldort und ich hab es zuerst gefunden bzw. hatte ich schon vor zehn/zwanzig/dreißig Monaten in meinem Blog. Die ewige Referenzmaschine, mit der sich sogar ein wenig Geld verdienen lässt. Dabei kann natürlich nur bedingt Neues entstehen. Geschichten werden nur aufgegriffen, nicht selbst erfahren/recherchiert/verifiziert. Dass dabei auch ganze Artikel nahezu vollständig zitiert werden, wie im Beispiel oben dargestellt, ist nur folgerichtig: wenn ich ein ganzes Video in meinen Blog einbinden kann, warum nicht auch einen ganzen Artikel? Wenn ich eine Bilderserie hineinkopieren kann, warum nicht auch eine Nachricht von dpa? Die Sache ist nur: irgendwer muss die ganzen Videos/Bilder/Artikel ja erstmal "produzieren". Die Abgreifer sorgen höchstens für die Publicity. Dass sie damit ein büschen Geld verdienen ist weniger verwerflich, als dass sie ihren Gehirnschmalz nicht für eigene Produktionen/Ideen/Gedanken benutzen. Das ist dann irgendwie arm.

  • Admiral Golowko

    20.04.09 (22:18:11)

    "Das Problem hieran ist, dass mehr als die Hälfte des Originals kopiert werden und dann auch noch so, dass man als Leser überhaupt keinen Grund hat, dem Link zum Original zu folgen. Die gesamte Geschichte, sämtliche relevanten Details, stehen schon als Zitat im Blogpost." Ihr Blitzmerker...so etwas gibt es also wirklich, parbleu- ich bin wahrlich schockiert ! Kleiner Hinweis: Es gibt da ein nicht ganz unbekanntes deutschsprachiges .ch Blog (dessen Autor im letzten Jahr mit einem Journalistenpreis ausgezeichnet wurde) und genau in diesem Blog ist es seit Jahr und Tag gängige Praxis "Zitate nicht in substantielle eigenständige Arbeit einzubetten".

  • Stefan

    20.04.09 (22:37:35)

    Nerdcore - CDU erwägt Youtube-Registrierung mit Personalausweisnummer Golem - CDU erwägt Youtube-Registrierung mit Personalausweisnummer das ist in berlin aber gang und gäbe. netzpolitik zum beispiel hat das zum blogprinzip und verkaufsschlager erhoben. irgendwann geht wieder eine empörungswelle durch kleinbloggersdorf, weil ein abmahnung ins haus geflattert ist. und auch die medienlese springt denen dann wieder beiseite. also, ball flach halten. ihr seid teil des spiels.

  • bugsierer

    21.04.09 (09:34:30)

    warum die geheimniskrämerei?

  • Ole Reißmann

    21.04.09 (09:40:52)

    Weil es ums Prinzip geht.

  • Matthias

    21.04.09 (10:10:11)

    Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die Medienlese sich über Rip-Off ereifert, hat sie doch selber vor rund zwei Monaten ein schönes Beispiel dafür geliefert, wie man aus fremden Inhalten einen Blogbeitrag zusammenschustert. Und man wähnt sich in Seldwyla wenn man daran zurückdenkt, dass ich meine Satire zu diesem Rip-Off (Billigster Contentklau auf medienlese.com) massiv zusammenkürzen musste - die Medienlese hat das ausgerechnet mit dem Argument "Urheberrecht" verlangt. War das ein Spass :-).

  • Jeeves

    21.04.09 (11:05:26)

    Über meiner Tastatur, in Augenhöhe hängt hier der mich selbst ermahnende Hinweis: "...Zitate sollen erheblich kürzer sein als das Original. Bedenklich ist, wenn ein Text nur aus Zitaten zusammengesetzt ist oder das Zitat länger ist als der eigene Text." Dazu natürlich noch: "Anführungszeichen und Quellenangabe nicht vergessen."

  • Klaus Jarchow

    21.04.09 (11:22:25)

    Ach wat - das Ganze heißt heute Search Engine Optimization (SEO) - und es ist bei Werbern und Marketeeren sehr beliebt (Vorsicht, es folgt jetzt ein langes, 'geklautes' Zitat!): "Ich muss fertig werden. Julian, der Marketingleiter stellt sich neben mich: Wo bleibt der Nokia Text. Er zupft an einer blondierten Strähne seines frisierten Kopfes, streicht einen Fussel von seinem Patti-Smith T-Shirt und hopst von einem Nike-Dunk der Untold-Truth-Edition auf den anderen. ... Ich deaktiviere Skype. Montiere aus dem Nokia Pressetext und ein paar Redaktionsphrasen 700 Wörter. Apfel C, Apfel V. Neue Mail; an: Copyeditor, Layouter in cc. Senden, Rauschen, los. Runter auf die enge Straße, die letzte Marlboro, Feuer, Einatmen. Autos, Abgase, Schilder, Zeichen, Matsch, Hupen, Ausweichen! ... Wo war jetzt noch mal das Problem?"

  • Jürgen Bräunlein

    21.04.09 (12:36:38)

    Ich verstehe wirklich nicht, warum hier Ross und Reiter nicht genannt werden. So kommt man nicht weiter... Herzlichst jueb

  • David Bauer

    21.04.09 (13:52:53)

    Die Namen wurden ja inzwischen in den Kommentaren genannt. Allerdings hat Ole natürlich recht, wenn er meint, dass das genannte Beispiel nur eines von vielen ist und dass die Praxis grundsätzlich zu kritisieren ist. Man mag das Urheberrecht ja schrecklich uncool und unzeitgemäss finden, aber es wurde genau dafür eingeführt, um originäre Arbeit zu schützen und letztlich sicher zu stellen, dass es noch genügend Leute gibt, die sich die Mühe machen, selber zu produzieren anstatt nur zu reproduzieren und zu remixen. Auch neuere Ansätze wie Creative Commons verfolgen dasselbe Ziel, einfach mit dem Unterschied, dass sie flexibler gestaltet sind. Aber auch unter CC bestimmt der Urheber, wie und unter welchen Rahmenbedingungen seine Arbeit weiterverwendet werden darf.

  • Wittkewitz

    21.04.09 (13:58:07)

    Ich kann die Aufregung nicht nachvollziehen. 75% der Blogs die sich als alphablogs bezeichnen lassen, sind zu 80% ein Wiederkäuen von techcrunch, scobleizer, readwriteweb, etc. pp. plus heise, SpOn, golem etc. Es ist nicht alles, was in einem Blog steht auch social media nur weil es mit wordpress oder serendipity/movable type publiziert wird. Aber es gibt eben noch kein TheAtlantic, Roughtype, Seth Godin oder ähnliche in Deutschland. Warum? Weil die hiesigen Ansprüche offenbar durch die allseits bekannten mediokren Leistungserbringer erfüllt werden. Das Problem ist die Meute und nicht die Beute.

  • Matthias

    21.04.09 (14:56:34)

    Mein Kommentar von heute morgen ist noch immer in der Moderation. Kann den bitte mal jemand freischalten?

  • Thomas

    21.04.09 (18:29:02)

    geht es wirklich ums prinzip, wenn der hier nicht genannte nerdcore und medienlese zu einer vermarktungsagentur angehören? ich glaube nicht. sonst wird immer ross und reiter genannt, immer direkt kritisiert, natürlich immer den spielregeln entsprechend. hier wird nerdcore nicht genannt? nachtigall ick hör dir trapsen.

  • Florian Steglich

    21.04.09 (20:37:04)

    » Matthias, 16.: Sorry fürs späte Freischalten, keine Absicht. Wenn Du allerdings den Unterschied zwischen dem erwähnten älteren medienlese.com-Artikel, Deiner Komplettkopie und dem Fall, um den es hier oben geht, noch nicht verstehst, können wir auch nicht mehr weiterhelfen. » Thomas, 17.: Ja, klar, genau - statt gar nicht darüber zu schreiben, weil wir ja so dick mit Nerdcore vetternwirtschaften, schreiben wir anonymisiert darüber. So können wir meckern und verdienen trotzdem alle Millionen. Ach bitte.

  • Mara

    22.04.09 (11:50:37)

    Kommt es wirklich nur darauf an, wieviel Prozent man übernommen hat? Wenn man als BloggerIn es schafft, in den restlichen Zeilen etwas wirklich Neues zu schreiben, einen neuen Gedanken, neue Idee, eine andere Assoziation, dann kann, aus meiner Sicht, ein solches Überlangzitat durchaus gerechtfertigt sein (wenn es denn klar als solches auch bezeichnet wurde). Langweilige Wiederholungen kann man auch schreiben ohne urheberrechtlich problematischen Zitate einzufügen.

  • Admiral Golowko

    22.04.09 (12:38:41)

    "Kommt es wirklich nur darauf an, wieviel Prozent man übernommen hat?" Nein, sicher nicht. Aber: Viele Blogger echauffieren sich immer wieder über die angeblich einfallslose Berichterstattung der sogenannten "Mainstream-Medien", haben aber offenbar keinerlei Probleme im eigenen Blog ellenlang aus Berichten genau dieser Medien zu zitieren. Wann ist ein Blog-Eintrag dann aber überhaupt noch ein eigenständiger Beitrag- und nicht einfach nur eine simple Wiedergabe dessen was andere bereits an anderer Stelle geschrieben bzw. veröffentlicht haben, vielleicht noch garniert mit ein paar eigenen Assoziationen und Verlinkungen ?

  • David Bauer

    22.04.09 (13:21:01)

    Art 25.1. Urheberrecht Veröffentlichte Werke dürfen zitiert werden, wenn das Zitat zur Erläuterung, als Hinweis oder zur Veranschaulichung dient und der Umfang des Zitats durch diesen Zweck gerechtfertigt ist. Auslegungssache also. Wenn, wie oben, das Zitat die Eigenleistung ersetzt, ist der Fall klar. Aber auch sonst wird mit "Überlangzitaten" schnell die Grenze überschnitten.

  • Gregor Keuschnig

    22.04.09 (13:53:13)

    Ich verwende in meinem Blog sehr wohl Zitate bspw. aus Artikeln und/oder Büchern, die ich auch ganz selten einmal alleine zur Diskussion stelle (natürlich mit entsprechender Quellenangabe). In Buchbesprechungen agiere sehr ausgiebig mit Zitaten, um dem potentiellen Leser (1.) die Möglichkeit zu geben, den "Sound" des Geschriebenen nachzuempfinden und (2.) meine These(n)/Erzählung(en) mit der des Autors zu illustrieren oder ihnen zu widersprechen(je nachdem). Entscheidend ist m. E. immer die Kontextualiserung und nicht das einfache Umformulieren des Vorgefundenen. Blogger, die unter einem gewissen Druck agieren unterliegen also eventuell den gleichen Mechanismen des "schlechten" Abschreibe-Journalismus. Das ist eigentlich nicht besonders überraschend.

  • Mara

    22.04.09 (14:31:24)

    @ david Bauer wenn die Ideen/Umsetzungen neu sind, kann es so weit gehen, dass ganze Werke zitiert werden können (z.B. im wissenschaftlichen Bereich), es kommt also insofern urheberrechtlich sehr wenig auf die Länge als viel mehr auf die Qualität des Drumherum an. @ansonsten fängt die Frage der "Lauterkeit" doch schon vor der urheberrechtlichen Relevanz an. Man kann sehr wohl viel zitieren, die Arbeit anderer nutzen um seinen Blog vollzukriegen - ohne viel eigenen geistige Arbeit reinzustecken. Rechtlich ist das oft kein Problem - ob es besonders lesenswert ist, ist dann die andere Frage

  • Martin

    23.04.09 (11:22:42)

    Mathew Ingram auf NiemanJournalismLab: Blogs: One person's curation is another person’s scraping

  • AM

    23.04.09 (12:08:02)

    Wer im Web publiziert, trägt eine hohe Verantwortung. Mit dem Blog „www.originale-setzen-zeichen.de“ möchten wir in erster Linie Lehrerinnen und Lehrer und Schulen ansprechen, denn dort können frühzeitig die Grundlagen für den kompetenten Umgang mit Originalen gelegt werden. Denn: Schülerinnen und Schüler produzieren nicht nur täglich selbst Originale und sollen darum ihren Wert erkennen, sondern sind vielmehr auch die zukünftigen Produzenten von materiellen und immateriellen Werten.

  • Admiral Golowko

    23.04.09 (13:27:57)

    Es ist ein schmales Brett..so mancher Autot und Rechteinhaber mag sich sicher geehrt fühlen, wird er von einem Blogger um die Erlaubnis zur Wiedergabe seines von ihm bereits an anderer Stelle veröffentlichten Textes angefragt. So wird er dann auch gleich flugs zum "Gast-Autor" des betreffenden Blogs, eigentlich eine Vereinnahmung, die aber offenbar von vielen Autoren hingenommen wird, sei es nun aus Gleichgültigkeit oder aus einer Art von Mitgefühl mit so manch überehrgeizigem Blogger.

  • René

    24.04.09 (02:11:42)

    @ Thomas: >geht es wirklich ums prinzip, wenn der hier nicht genannte nerdcore und medienlese zu einer vermarktungsagentur angehören? Mein Blogvermarkter hat einen Bullfuck mit meinem Blogstil zu tun. Du darfst mir ruhig glauben: Das letzte, was Einfluss auf meine Posting hat, ist mein Blogvermarkter. Musst Du aber nicht. Die Menge des Zitats kann man zurecht kritisieren, tatsächlich habe ich schon während des Markierens des Textes überlegt, ob das nicht eine Spur zuviel sei, habe mich aber dann für das Kopieren entschieden, weil der Kontext mit den Jugendbanden unbedingt dazugehört. Das mag für manche zuviel des Guten sein, für mich gehört es zu einer informierenden Meldung. Und mit meinem Standpunkt zu Copyright im Netz habe ich noch gar nicht angefangen ;)

  • /sms ;-)

    06.06.10 (18:52:34)

    es kommt drauf an, ob es um ein subtraktionistisches blog geht. ohne namen, keine einschätzung möglich. RT bei twitter ist extrem wichtig. ich vermute, du versuchst eine verkappte copyright-diskussion anzuzetteln. ob das gelingen wird? aktuell wäre es weiterhin ;-)

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