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16.05.08Leser-Kommentare

Bloggen bis zur Abmahnung: Lieber planlos bleiben

"Ein Bild sagt mehr als tausend Worte". Wie wahr. Es kostet allerdings auch mehr als tausend Worte, wenn man es, ohne die Rechte abzuklären, einfach kopiert hat.

Tätowierung eines historischen Stadtplans (Bild Keystone)Texte dürfen auch im Web zwar nicht kopiert, aber immerhin zitiert werden. Für Bilder gibt es derartige Rechte dagegen nicht: Hier führt schon ein ganz kleiner Ausschnitt des großen Stadtplans nur mit dem eigenen Haus oder der Stammkneipe und der Straße davor auf der eigenen Webseite, um Besuchern einer Geburtstagsfeier oder eines Bloggertreffens die Anreise zu erleichtern, zu einer Abmahnung und Kosten in drei- bis vierstelliger Höhe.

Das Unternehmen GEKA (in Anlehnung an GEMA) lebt davon, derartige Dinge zu entdecken und zu verfolgen, die Rechnung kommt dann oft Monate nach der längst vergessenen Party und auch dann, wenn die Webseite längst gelöscht, die Grafikdatei mit dem Plan aber noch auf dem Server ist. War die Webseite geschäftlich, wird es besonders teuer, doch auch private Blogger kommen nicht ungeschoren davon.

Mittlerweile werden neben Straßenkarten auch Luftaufnahmen verfolgt, die beispielsweise in Google Earth und Google Maps zu sehen sind: Es ist verlockend, ein kleines Luftbild der eigenen Schule, Arbeitsstätte oder Wohnung zur Dekoration auf seine Webseite oder in sein Blog zu stellen, das man aus dem großen Satellitenbild herausgeschnitten hat. Doch hat Google die Rechte an diesen Aufnahmen selbst nur zugekauft und es droht erneut Post von der GEKA.

Es ist nur zulässig, die Bilder zu verlinken, wobei hierbei auch nur der Weg wirklich sicher ist, die Google-Seite über die vorgesehene API so zu verlinken, dass sie in einem eigenen Fenster erscheint. Lässt man den Ausschnitt dagegen auf der eigenen Webseite erscheinen, was technisch durchaus möglich und prinzipiell zulässig ist, so kann dies dennoch kostenpflichtig sein und zu Anwaltspost führen, falls die eigene Webseite nicht rein privat ist.

Teure Tomaten

Stadtplan- und Luftbildausschnitte werden besonders häufig entdeckt und verfolgt, doch das Problem gilt für alle Bilder, egal, wie privat und unwichtig die eigene Webseite ist: Wer Grafiken und Bilder Dritter auf seiner Webseite einbaut, kann sich Ärger einhandeln. So ist die Webseite "Marions Kochbuch" beispielsweise mit etlichen Bildern von Kochzutaten dekoriert, die bei einer Bildersuche nach "Tomaten" oder "Brötchen" auf den ersten Plätzen auftauchen. Wer solche Bilder auf private Einladungskarten zu seiner Geburtstagsparty druckt, wird kaum Probleme bekommen, doch wenn er sie mit der Einladung auf seine Webseite stellt, folgen Abmahnung und Prozess.

Auch um Erlaubnis fragen hilft nicht unbedingt, weil der, bei dem man fragt, die Bilder oft selbst woanders her hat - wie im Fall von Google Earth oder Maps oder bei vielen Gemeinden, die ihren Stadtplan nicht selbst gezeichnet, sondern zugekauft haben: Ein freundliches "Unseren Stadtplan können Sie als Bürger dieser Gemeinde gerne verwenden, der ist ja von Ihren Steuern finanziert!" des netten Gemeindebeamten hilft einem später gar nichts, wenn dann doch ein Anwalt ein bis zwei Monatsverdienste von einem kassieren will.

Dabei kostet ein gewöhnliches Brötchenfoto oam Ende schon einmal 6000 Euro. Auch ein Bild eines Glases Eistee, den ein Forenbesucher als Gruß in einen Eintrag einbaute, kam den daran völlig unschuldigen Foreninhaber teuer zu stehen und auch ein kopiertes Ebay-Foto einer uralten, für drei Euro angebotenen Grafikkarte kostete am Schluss eine vierstellige Summe.

Es war in der Schülerzeitung einst kein Problem, einen Cartoon aus einer anderen Zeitung einzubauen, weil es zwar auch nicht erlaubt war, aber es niemand gemerkt hat. Dasselbe auf der Schulwebsite oder im Klassenfahrt-Blog gemacht gibt dagegen ganz schnell Ärger.

Online-Bewerbungsfoto darf nicht online sein

CDs mit Bildersammlungen, wie man sie teils recht günstig erstehen kann, sind übrigens keine Lösung, weil diese Bilder meist nicht für die Benutzung im Web freigegeben sind. Ebenso verhält es sich mit "kostenlosen Wallpapers" zum Download: Diese dürfen zwar auf dem eigenen PC als Bildschirmhintergrund benutzt werden, doch nicht auf einer Webseite. Sogar ein Rechtsanwalt, der sich ja nun wirklich mit sowas auskennen sollte und von einem Fotostudio ein Portrait von sich für seine Website anfertigen ließ, landete deswegen vor Gericht. Nur eigene Zeichnungen und Fotos sind sicher - sofern man dabei nichts darstellt, an dem man keine Rechte hat, versteht sich.

Lebensmittel werden einen wegen eines Fotos nicht verklagen, doch die Nachbarn natürlich schon, wenn sie sich im Garten sonnen, sich dabei in der Nase bohren und sich dann am nächsten Tag in einem Blog wiederfinden. Wer ein Militärgelände fotografiert, kommt im Normalfall gar nicht mehr so weit, das Bild online stellen zu können. Ebenso gibt es sogar öffentlich zugängliche touristische Ziele wie den Eiffelturm bei Nacht mit seinem Blitzlichtgewitter, die nicht als Foto veröffentlicht werden dürfen. Und natürlich ist der neueste Chart-Hit auch dann nicht legal als MP3 auf der Webseite zulässig, wenn man ihn zum allgemeinen Entsetzen selbst singt.

Im Normalfall, also wenn sie niemand angreifen, sind eigene Texte und Bilder also unproblematisch, Fremdbilder dagegen immer wieder Grund für teuren Ärger. Profis wie Redakteure wissen, wie sie mit Bildern so umgehen können, dass sie legal im Heft und auf der Webseite genutzt werden können - aber selbst wir machen unsere Fotos oft selbst, obwohl uns das keiner zahlt. Wer sich nicht gut auskennt, sollte aber keinesfalls einfach seine Bilder wild zusammenkopieren: Im WWW gibt es keinen Welpenschutz!

Mehr zu den Nebenwirkungen der deutschen Rechtsprechung findet sch in meinem Buch ?Internet, Recht und Abzocke?. Unsere Reihe schließt mit den auch gestandenen Journalisten oft nicht bekannten Gefahren, Archive zu plündern und vermeintlich längst durchgefochtene Texte und Bilder aus vergangenen Jahren auch in Teilen zu recyceln.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • holzwurm

    17.05.08 (07:08:40)

    Hab ich das richtig verstanden, der Fotograf hat dem Kunden die Nutzung des Portraits auf dessen Webseite untersagen können ? Der Fotograf wird sicher kalkulierend versuchen, alle Homepages seiner Kunden zu kontrollieren. Und diese GEKA...kassiert die von einem "Sünder", der eine dritte Person "geschädigt" hat, ohne die dritte Person am "Gewinn" zu beteiligen ?

  • Wolf-Dieter Roth

    17.05.08 (08:35:52)

    @Holzwurm: Ja, der Fotograf hat seinem Kunden verboten, das Bild auf der Website zu verwenden. Und ließ sich auch nicht durch eine Nachzahlung dazu bringen. Er wollte "online" nur als Versand per Mail verstanden haben. Es gibt übrigens auch den umgekehrten Fall: Du läßt beim Fotografen Hochzeitsfotos machen und der stellt davon welche bei sich ins Schaufenster oder auf seine Homepage zwecks Werbung. Ok, bei Hochzeitsfotos vielleicht noch nicht so schlimm, aber bei Aktbildern...? Die GEKA holt sich zuvor den Auftrag von den Kartenherstellern, ob Falk, ADAC oder wer auch immer - inzwischen kontrolliert sie 95% - und zahlt denen natürlich auch eine Provision. Hat aber zur Folge, daß z.B. ADAC-Mitglieder im Namen des ADAC verklagt werden (weil es eine ADAC-Karte war...die gibt es ja öfters mal für Mitglieder als Geschenke, und da denkt dann keiner, daß einen Ausschnitt scannen plötzlich nicht geschenkt sein könnte) und dann empört aus ihrem Verband austreten. Der ADAC klagt aber gar nicht. Näher auf die Geschäfte der GEKA eingehen möchte ich nicht, da ihr Geschäftsführer mit unsereins nicht gerne spricht, Anfragen zumindest von mir nicht beantwortet, aber dann Jahre später hintenrum Aktionen auch persönlicher und politischer Natur startet. Die Aufgabe solcher Firmen ist ja keineswegs, das "illegale Tun" zu stoppen, sondern Lizenzen einzutreiben. D.h., wenn keiner mehr Stadtpläne oder Fotos von Google Maps kopiert, ist das schlecht füs Geschäft. Und damit sind denen solche Artikel ein Dorn im Auge. Problem ist halt, daß viele Karten und Aufnahmen wieder auf Material Dritter beruhen. D.h., Du denkst, 'Google is not evil', die werden eine faire Verwendung schon nicht abmahnen, aber die Fotos sind gar nicht von Google. Oder Du fragst Deinen ADAC-Betreuer, der sagt Dir "klar, könnn Sie mit machen, was Sie wollen, ist doch ein Gratis-Service für unsere Mitglieder" - und die GEKA sagt dann "das stimmt nicht, Sie können ja für die falsche Aussage Ihren ADAC-Mann verklagen".

  • Claudia

    18.05.08 (13:20:46)

    Sag, hast du was an diesem Artikel verändert? Stand da nicht mal MEHR über das Einbinden von GoogleMaps & Earth-Bildern?? Wann ist das LEGAL und wann nicht? Für Blogger eine wichtige Fragen, ich seh die Einbindungen auf verschiedenste Weise an jeder Ecke!

  • Wolf-Dieter Roth

    18.05.08 (14:54:10)

    @Claudia: Nein, da stand nicht mehr. Es gab mal einen Artikel, in dem mehr darüber hätte stehen sollen. Aber der wurde dann schon vor Erscheinen von einem Anwalt attackiert, bevor ich überhaupt von dem Gerichtstermin, über den ich berichten sollte, wieder zu Hause war, und dann kurzerhand komplett abgesetzt. Es ist mir auch verboten zu sagen, um welchen Gerichtstermin es dabei ging. Und all dieser Sch*** ist der Grund, warum ich Journalismus und Internet nur noch als Alptraum empfinde. Vor dem Internet wäre niemand auf die Idee gekommen, Dir per einstweiliger Verfügung den Zugriff auf Deine Post und Deine Kundenkonten bei Versandhäusern zu entziehen. Oder in Deiner Abwesenheit die Wohnung zu durchsuchen (ok, ich rede von Deutschland West). Jetzt kann man Dir mit dem Mißbrauch des Markenrechts den Zugriff auf Deine E-Mail und damit auch Deine Kreditkarte abnehmen oder mal eben online Deinen Computer durchsuchen. Mit dem Argument, Du müßtest ihn ja nicht mit dem Internet verbinden, aber wenn Du das tust, darf auch jeder ran. Na Du mußt Dein Haus ja auch nicht an eine öffentliche Straße stellen, aber wenn Du es tust, dann darf auch jeder rein? Du mußt Dein Telefon ja nicht ans Telefonnetz hängen, aber wenn Du es tust, dann darf man Dich damit auch abhören? Komische Argumentation... Ich müßte den damaligen Text mal wieder raussuchen. Ich schreibe allerdings auch nicht gerne über das Thema, da der Geschäftsführer von GEKA und Stadtplandienst unberechenbar ist und sich über alles ärgert, was hilft, den Ärger zu vermeiden. Ich hatte gehofft mit dem Einstieg von Google ist das alles endlich vorbei, aber dieser Kartenärger wird nie vorbei sein. Und wenn ich hier irgendwas sage und nicht nur zu Robert Basic verlinke, und Google ändert es später, dann habe ich euch auch noch Mist erzählt. Momentan ist es wohl so, wenn man eine bestimmte API verwendet und die Website nicht kommerziell ist, dann ist es ok. Aber wer sagt, daß das morgen nicht ganz anders ist? Man durfte und sollte auch mal den Stadtplandienst verlinken und dann doch nicht mehr. Und wann ist eine Seite kommerziell? Das ist alles ein Risiko, auf das man sich nicht einlassen sollte, da reicht schon ein Banner eines allgemein von den Gerichten gehaßten Wettanbieters, und Du bist fällig, so wie hier: http://www.bundesligaforen.de/thread.php?threadid=5853 Ich hatte selbst gerade einen Artikel geschrieben (nicht für online) über die nützlichen Dinge, die man mit Google Maps tun kann, und den daraufhin zurückgezogen. Ich kann von Web 2.0 und Mashups nur abraten. Man hat immer Inhalte Dritter drin und wenn einer davon dann Rechte geltend macht, dann... Nach dem 30.6., wenn das alte Nazigesetz endlich weg ist, das Rechtsberatung verfolgt, kann man zwar endlich offener über solche Abzockfallen sprechen. Aber es bleibt immer noch das Problem, daß Ratschläge falsch sein können. Weil man sich geirrt hat oder weil eben Google/Amazon/wer auch immer ihre Bedingungen geändert haben. Von daher wird man nie sagen können: "Mach es so und so, dann bist Du sicher". Nur "Mach das nicht, sonst haste garantiert Ärger"...

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