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06.10.14Leser-Kommentare

Blog-Magazin-App Blogbox: Mit neuer Strategie zu größerer Reichweite

Trotz vieler hundert partizipierender Blogs hat sich Blogbox, der vor einem Jahr gestartete Blog-Aggregator für das iPad, bislang nicht zu einem Reichweiten-Hit entwickelt. Mit einer neuen Strategie und dem bevorstehenden Debüt einer Android-App hoffen die Münchner, mehr Leser zu erreichen.

BlogboxMit einer iPad-App wollen vier Münchner Studenten die deutschsprachige Blogosphäre einer größeren Leserschaft zugänglich machen und sie aus der Nische befreien. Mit diesem selbsterklärten Ziel veröffentlichten Moritz Orendt, Bernhard Hering, Samy Ateia und Marco Eisenack vor etwas mehr als einem Jahr Blogbox.

Sechs Monate nach dem Start zog das Quartett eine erste Bilanz. Inhalte aus 350 Blogs in deutscher Sprache waren zu diesem Zeitpunkt kostenfrei über die Anwendung abrufbar. Kein schlechtes Ergebnis. Was allerdings noch nicht wirklich rundlief, war die Monetarisierung über das integrierte freiwillige Zahlungssystem. Auch mit der Reichweite waren die Bayern nicht zufrieden. Sie hatten eingesehen, dass niemand im App Store nach “Blogs” suchen würde. Daraus entstand die Idee, separate Themen-Apps (für iOS und Android) auf den Markt zu bringen, um besser von Suchtraffic zu profitieren. Den Anfang machte eine Yoga-App, eine Gadget-App folgte. 

In einem aktuellen Blogbeitrag zum einjährigen Jubiläum legt das Startup nun die Karten auf den Tisch, was die bisherigen Einnahmen mit dem Zahlungssystem angeht: 1600 “Bonbons” à jeweils sechs Cent wurden von Blogbox-Nutzern gekauft, knapp ein Drittel davon wurde an einzelne Blogger verteilt. Dir resultierende Gesamtsumme von 30,48 Euro (der ursprünglich hier vermerkte Betrag von 3.048 Euro war nicht korrekt, Anm. der Redaktion), die an Blogger nach einem Jahr ausgeschüttet werden konnte, sorgt bei den Süddeutschen nachvollziehbarer Weise nicht für Euphorie.

Mangelnde Nachfrage nach Reader-App

Im Rahmen der eigenen Ursachenforschung sei man zu der Erkenntnis gekommen, dass die mangelnde Nachfrage nach einer allumfassenden Blog-Reader-Anwendung das Problem darstelle: “Blog- und Newsprofis bauen sich ganz ohne unsere Hilfe ihr eigenes individualisierbares Magazin – sei es als Twitter-Feed, als feedly-Stream oder als Facebook-Liste. Dazu wird unsere Kuratierung nicht gebraucht, sondern beschränkt eher. Und diejenigen, die sich ihr persönliches Magazin nicht zusammenstellen, weil sie die dafür notwendigen Werkzeuge nicht bedienen können und / oder die interessanten Quellen nicht kennen, erreichen wir bisher nicht. Und oft sind diese User Apps gegenüber skeptisch eingestellt”, so die treffende Analyse der Gründer in ihrem eigenen Blog.

Die Themen und Kategorisierungen als Stärke von Blogbox

Das Ende der Blogbox-App wird mit dieser ernüchternden Erkenntnis aber nicht eingeläutet. Im Gegenteil: Anfang November soll die auch in Kommentaren zu früheren Blogbox-Artikel bei netzwertig.com immer wieder eingeforderte Android-App auf den Markt kommen. Die vier jungen Gründer glauben also weiter an das Prinzip der App als “alternativer Nachrichtenüberblick” und “Einsteigermagazin”. Der Fokus soll nun aber noch stärker darauf verlagert werden, die einzelnen kuratierten Themensegmente aus der App über andere Kanäle zugänglich zu machen. Dies erfolg, wie oben beschrieben, über eigenständige native Apps, spezifische Twitter- und Facebook-Kanäle, Yo-Benachrichtigungen (ja wirklich) sowie auch über eigenständige Webpräsenzen zu relevanten Ereignissen und Themen. So werden etwa unter wiesnblogs.de Texte von bei Blogbox partizipierenden Bloggern gesammelt, die sich mit dem Oktoberfest auseinandersetzen. Die simple Philosophie: Über je mehr Kanäle die Inhalte erreichbar sind, desto größer die Reichweite. Die Stärke des Dienstes stellt nach der modifizierten Ausrichtung nicht die Blogbox-App ansich dar, sondern die Fähigkeit zur algorithmischen Kuratierung und Kategorisierung von Bloginhalten.

Monetarisierung mit neuem Modell

Auch was die Monetarisierung angeht, haben die vier Münchner, deren Exist-Gründerstipendium im November ausläuft, mittlerweile umgesattelt: Sie berichten in ihrem Blog, dass sie künftig auch maßgeschneiderte Apps mit Bloginhalten erstellen, die von Unternehmen gekauft verbreitet werden - partizipierende Blogger erhalten einen Anteil am Umsatz. Erste Tests seien sehr positiv verlaufen. Ihre ursprüngliche Vision, Reichweite und Erlöse von Bloggern zu erhöhen, verlieren die Blogbox-Macher also nicht aus dem Blickfeld.

Es ist schön zu sehen, dass die vier Gründer, die mit der traditionell schwer zu monetarisierenden Zielgruppe Blogs und Blogleser von Anfang an ein hohes Risiko eingingen, nicht einfach aufgeben. Stattdessen werten sie die 505 Blogs, die sich bislang zur Teilnahme bereiterklärt haben, sowie das insgesamt positive Feedback zu den Apps als Signal für viel moralische Untersützung und als Auftrag, durch Experimente ein Modell zu finden, das funktioniert. Man möchte ihnen gönnen, dass dies gelingt. /mw

Kommentare

  • Damoun

    06.10.14 (15:14:32)

    Hätte ein Crowdfunding nicht lukrativer sein können für Blogbox? Ich bin kein App Experte, aber das Konzept von Blogbox weist große Potenziale auf was bestimmt den ein oder anderen ausländischen Investor interessieren könnte. Wäre interessant zu wissen, wie die Kapital-Auswirkung von Blogbox im Rahmen einer Kickstarter Kampagne wäre.

  • Martin Weigert

    06.10.14 (22:07:57)

    Ja das wäre sich eine Option, über die die Macher nachdenken sollten (und das vermutlich auch tun).

  • Damoun

    07.10.14 (07:43:28)

    Man darf gespannt sein, wie sich der KMU Markt in den nächsten 5-10 Jahren entwickelt. Der Startup Gedanke Boomt momentan in den Köpfen der Absolventen. Deshalb hat die Stanford Univ. einen neuen Kurs vorgestellt: "How to start a Startup" u.a. mit guestspeaker Dustin Moskovitz (Co-founder Facebook/Asana) und Sam Altman (President Y Combinator). Es gibt auch Videos auf youtube, kann ich nur empfehlen

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