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11.07.07

Blick, die Zeitung der Pensionäre

Der 1959 gegründete Blick ist noch nicht mal 50 Jahre alt. Und doch deutet alles darauf hin, dass er bald in Rente gehen wird. Die nationale Relevanz ist dahin und neue Leser sind keine in Sicht.

Letzthin dachte ich mir: Wer eigentlich liest überhaupt noch den Blick, die ehemals "grösste" und inzwischen "stärkste" Schweizer Boulevardzeitung? Doch dann war ich einkaufen, in einem grossen Schweizer Einkaufscenter, so um zehn Uhr morgens. Und zufällig sah ich nacheinander drei Menschen, die den Blick lasen. Sie hatten drei Gemeinsamkeiten: Sie waren alle männlich, sie waren alle im Rentenalter und sie sassen alle alleine an einem Tisch im Coop-Restaurant.

So liest man den Blick. Aus Gewohnheit. Wegen den Titeln kauft man sich nämlich, einzelne Ausgaben ausgenommen, die Zeitung schon längst nicht mehr. Als Beispiele für die Einfallslosigkeit und Beliebigkeit der Titel können wir die von Montag und Dienstag dieser Woche nehmen:

Blick 09 07 2007

Blick 10 07 2007

Dass Roger Federer schon wieder Wimbledon gewonnen hat, hat jeder Schweizer noch am Sonntagabend erfahren (Live-Berichterstattung Schweizer Fernsehen, Meldung in vielen anderen den Abend begleitenden Sendungen, Radio, Internet, etc.). Dass die Schweiz ein unglaubliches Weltwunder ist, ist irgendwie auch keine Meldung.

Gestern abend räumte dann die Blick Online mit dem angeblichen Mythos der "Myspace-Generation" auf. Um die These etwas glaubwürdig zu untermauern, wurde ein armer Volontär dazu verknurrt, aus junger Sicht gegen diese neue Konkurrenz zu schreiben:

 

Mythos Myspace-Generation

 

Möchte man den allgemeinen Klischees Glauben schenken, ist der typische Jugendliche von heute täglich im Internet, schreibt fleissig Blogs, lädt sich Klingeltöne für sein Handy runter und ist jederzeit vernetzt mit seinen Freunden.

Stimmt das? Gibt es die Myspace-Generation wirklich? Eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Planet Edge ergab: Nein. Jedenfalls nicht im allgemein angenommenen Ausmass.

Was ist denn das "allgemein angenommene Ausmass"? Was ist denn das "allgemeine Klischee"? Dass es alle machen und dauernd? Ich kenne niemanden, der sowas behauptet.

Die informativere Originalstory (vom 30.06.2007) gibt es übrigens beim Telegraph. Es fragt sich überhaupt, wie aussagekräftig eine Umfrage ist, bei der nur um die 400 Menschen befragt wurden. Und in der herauskommt, dass zwar 11% der 18-24jährigen Engländer bloggen, aber nur 6% Online Dating machen.

Ja, vermutlich ist das alles ein Hype. So wie diese neuen Gratiszeitungen, die es zwar noch nicht mal zehn Jahre gibt, die aber den Blick sowohl in der Auflage als auch beim Anzeigenvolumen überholt haben.

Alle Bilder: Screenshots blick.ch

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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