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12.03.14Leser-Kommentare

"iTunes für Journalismus": Holländisches Startup Blendle macht die Bezahlschranke sexy

Das Startup Blendle hat es geschafft, den Großteil der Tageszeitungen und Magazine der Niederlande unter ein kostenpflichtiges Online-Dach zu holen und damit bei Nutzern auf großes Interesse zu stoßen. Die Gründer planen bereits für einen Launch in Deutschland.

BlendlePaywalls, oder Bezahlschranken, die Leser nur gegen Gebühr Zugang zu Onlineinhalten gewähren, galten bislang nicht gerade als sexy sondern - bestenfalls - als notwendiges Übel. Doch ein Startup aus den Niederlanden glaubt nun, das Thema in einem neuen, sehr viel ansprechenderen Licht darstellen zu können. Und es scheint drauf und dran zu sein, dieses ambitionierte Ziel zu erreichen.

Blendle nennt sich das Vorhaben, das die Medienbranche unseres Nachbarlandes revolutionieren soll. Das von Alexander Klöpping und Marten Blankesteijn gegründete Startup entwickelt eine browserbasierte, mittels HTML5 für mobile Geräte optimierte Nachrichtenanwendung, die den Großteil aller wichtigen Tageszeitungen und Magazine der Niederlande unter einem Dach vereint. Ein personen- und themenspezifisches Abo-Feature sowie eine Suchefunktion sollen beim Entdecken zum eigenen Interessenspektrum passender Inhalte helfen. Blendle

Anwender bezahlen bei Blendle pro Artikel. Die Preise variieren zwischen 0,10 Euro für kürzere Artikel und 0,80 Euro für "Longform"-Inhalte. Um Transaktionsaufwand und mentale Kosten zu minimieren, setzt das Duo auf Prepaid-Guthaben, welches von Usern sukzessive über Ein-Klick-Käufe von Texten aufgebraucht wird. Jeder neue User erhält 2,50 Euro Startguthaben geschenkt. Der Clou: Blendle räumt Usern die Freiheit ein, die Gebühr für einen Artikel zurückzuverlangen, wenn dieser ihrer Ansicht nach seinen Preis nicht wert war. Dabei setzt der Dienst auf eine "Fair Use Policy". Wer mit dem Feature systematisch Blendles Bezahlschranke zu umgehen versucht, der wird also mit Sanktionen seitens das Startups rechnen müssen.

Einige Tausend Nutzer haben bislang Zugang zur geschlossenen Beta-Phase, wie Mitbegründer Alexander Klöpping in einem Blogbeitrag ausführt. Beachtlich: Über 15.000 Menschen warten derzeit auf eine Einladung zu dem Service. Angeblich werden Invite-Codes auf Onlinemarktplätzen zu Preisen von bis zu 100 Euro gehandelt. Den Bendle-Machern scheint das Kunststück gelungen zu sein, einen Hype um einen jungen Aggregator für Onlinejournalismus auszulösen, der sowohl die Interessen der Leser als auch die der Verlage berücksichtigt.

Für April ist der offizielle Launch in den Niederlanden geplant. Doch das zwölfköpfige Blendle-Team will sich nicht nur auf den Heimatmarkt beschränken: Die Expansion in andere Länder steht ganz oben auf der Roadmap. Marten Blankesteijn erklärt auf Anfrage von netzwertig.com, dass bereits Gespräche mit deutschen Verlagshäusern vereinbart worden sind. Er und seine Mitstreiter seien davon überzeugt, dass Blendle ihnen bei der Erhöhung ihrer Umsätze helfen könne. "Letztlich hängt es davon ab, ob Verlage in Deutschland offen für Innovation sind. Wenn ja, dann wird es in Zukunft auch ein deutsches Blendle geben", versichert Blankesteijn.

Link: Blendle

Für alle, die Niederländisch verstehen:

/mw

Kommentare

  • mark

    12.03.14 (18:04:43)

    Bin da skeptisch, Apple und Google bauen ihre eigenen nativen Apps. Die Nutzer werden wenn Sie die Wahl haben native Apps immer gegenüber html5 bevorzugen. Allerdings wollen Google und Apple von anderen das sie 30% vom Umsatz abgeben wenn sie Content über Apps anbieten. Mit der html5 App kann man sich das also eventuell sparen. Klappt also nur dann wenn die Nutzer die HTML5 App akzeptieren und auch nur so lange wie die Zeitungen Apple und Google gleichzeitig boykottieren.

  • Kopftisch

    13.03.14 (16:44:16)

    das Land heisst NIEDERLANDE nicht Holland.. holland ist ein teil der NIEDERLANDE

  • Christian

    14.03.14 (00:59:30)

    Halte ich für ein sehr interessantes Modell. Vor allem wenn tatsächlich das Gros der Zeitungen und Magazine dabei ist. Ein Problem bleibt dabei natürlich: Kauft man eine Zeitung/Zeitschrift "in Gänze", ob Print oder digital, dann wird man eher auch mal Beiträge lesen, die man beim Einzelabruf nicht weiter beachtet hätte (und die vielleicht dennoch interessant sind). Beim Abrufen einzelner Artikel, ob kostenlos oder kostenpflichtig, wird das kaum der Fall sein - aber dieses Thema ist älter als Blendle ... Auch die Idee mit dem Startguthaben und der Erstattungsmöglichkeit ist gut. Beides wird die Hemmschwelle beim Anmelden und beim Kauf sicherlich senken. Übrigens: Wie das Land heißt, dürfte hinlänglich bekannt sein. Allerdings auch, dass umgangssprachlich "Holland" im Sinne von Niederlande nicht gerade unüblich ist - s. auch hier https://medium.com/changing-journalism/a2031594e430 ... geschrieben von einem der Blendle-Macher.

  • Ralf Wenzel

    02.04.14 (08:38:41)

    Holland vs. Niederlande.... Interessanterweise sehen die Niederländer das nicht so genau. Ich habe (trotz Aufwachsen am Niederrhein, also direkt an der Grenze) bisher noch keinen Niederländer kennengelernt, der Wert darauf gelegt hat, nicht als "Holländer" bezeichnet zu werden. Im Gegenteil: Sie nennen sich oft selbst "Holländer". Man muss also nicht päpstlicher sein als der Papst.

  • Martin Weigert

    03.04.14 (02:55:09)

    Im Nachhinein wundere ich mich selbst, dass ich Holland und nicht Niederlande geschrieben habe. Eigentlich war mir die "Problematik" durchaus bekannt...

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