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25.11.13

Bitcoin: Das Voice-over-IP der internationalen Finanzbranche

Bitcoin regt die Fantasie von Spekulanten und Utopisten an. Ein ganz realistisches Einsatzgebiet der virtuellen Währung sind internationale Geldtransfers. Bitcoin könnte hier für die Finanzwelt das erledigen, was Voice-over-IP im Telekommunikationssektor vollbracht hat.

Bitcoin

Es ist leicht, angesichts der Hysterie über den steigenden Wert der virtuellen Währung Bitcoin und die damit verbundenen Aussichten auf schnellen Reichtum durch gewieftes Spekulieren die eigentliche Frage aus dem Blick zu verlieren: Welche dauerhafte Rolle können Bitcoins in der Finanzwelt übernehmen, wenn erst einmal der Neuigkeitseffekt verschwunden ist und einer nüchternen Sicht auf die Kryptowährung Platz gemacht hat. Da die Geldeinheiten nun bereits vier Jahre lang existieren und durch den jüngsten Hype immer mehr Menschen auf sie aufmerksam werden, dürften Bitcoins nicht so schnell wieder in den weiten des Webuntergrunds verschwinden.

Fred Wilson, seit längerem ein gegenüber Bitcoin optimistisch gestimmter Investor aus New York, hat die mögliche künftige Bedeutung von Bitcoin auf die meines Erachtens nach bisher treffendste Art zusammengefasst: "Ich interesse mich für Bitcoin schlicht und einfach, weil ich glaube, dass es das Finanz- und Transaktionsprotokoll des globalen Internets werden kann und wahrscheinlich werden wird". Wilson schlägt damit ähnliche Töne an wie dieser Artikel aus dem New York Magazin . Autor Kevin Roose hält Bitcoin angesichts der extremen Kurssprünge für keinen geeigneten Ersatz staatlich kontrollierter Währungen. Stattdessen sieht er Bitcoin als das ideale Mittel, um schnell und kostengünstig Geldbeträge zwischen unterschiedlichen Währungen oder Banken hin und her zu schicken. Bis dato ist dieser Prozess umständlich und sehr teuer - was zuletzt den Weg für neuartige Transaktionsplattformen wie TransferWise sowie dessen Nachahmer TransferGo und Azimo bereitet hat.

Roose beschreibt, wie der Betrag der Ausgangswährung von der heimischen Bank in Bitcoin umgerechnet, in Millisekunden an die Zielbank übermittel und dort zum selben Kurs in die Zielwährung umgewandelt wird. Damit würden viele der Kosten verschwinden, die heute im Prozess der Abstimmung zwischen den Finanzinstituten verschiedener Länder anfallen. Auch Banken im gleichen Land könnten mittels Bitcoin Überweisungsprozesse untereinander beschleunigen.

Beim Lesen dieser Schilderungen musste ich unweigerlich an Voice-over-IP (VoIP) denken. Anfänglich fühlten sich Telekommunikationsanbieter durch IP-Telefonie bedroht. Dann erkannten sie jedoch, dass sie die Technologie für das interne Routing von Festnetz- und Mobilfunkgesprächen nutzen und dadurch ihrerseits Kosten für die Weiterleitung von Gesprächen sparen können.  Genau ein solches Szenario würde eintreffen, wenn Banken sich dazu entschließen, Bitcoin als Mittler bei globalen Geldtransfers einzusetzen. Zwar würden ihnen Umsätze wegbrechen, da sie nicht mehr enorme Summen für internationale Überweisungen in Rechnung stellen könnten. Auf der andere Seite würden sie aber ihre eigenen Kosten für den Transaktionsprozess senken.

Dem globalen Internet und internationalen webbasierten Handel täte die Präsenz einer Währung gut, welche die hohen Kosten bei grenzüberschreitenden Geldtransfers eliminiert. Dass Bitcoin dies bewerkstelligt und damit staatliche Währungen ergänzt, wo diese Schwächen besitzen, erscheint weitaus wahrscheinlicher, als dass es zu diesen in Konkurrenz tritt. Wobei man sicherheitshalber nichts ausschließen sollte. /mw

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikesl besitzt der Autor keine Bitcoins.

(Illustration: Bit coins, the virtual currency concept illustration, Shutterstock)

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