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28.10.13Leser-Kommentare

Big Data und Überwachung: Niemand hört uns zu

Es ist verständlich, Angst zu haben vor den Überwachungsaktionen von Geheimdiensten und Polizei. Aber in Wirklichkeit interessiert sich der Staat nicht für uns als Personen. Viel verlockender sind für ihn Metadaten. Besonders besorgniserregend ist, dass diese Grundlage für eine gesellschaftliche Steuerung darstellen können.

Big Data

Big Data ist so groß, dass Menschen überfordert damit sind, daraus etwas Sinnvolles zu extrahieren. Da sitzt niemand in einem Büro in Pullach oder Berlin, bearbeitet den riesigen Datenhaufen, den man heute "Big Data" nennt, und filtert genau das heraus, was ihn oder sie am wenigsten angeht. Unsere Wünsche, Vorlieben, politische Meinungen – genau das, was wir am liebsten nur mit unseren Freunden teilen würden. Dafür interessiert sich der Staat nicht. Nicht für das, was die Gesellschaft bereichern könnte, nicht für das, was wir unter Kultur verstehen, nicht für uns als Person. Er will gar nicht wissen, wer wir sind und wo wir hin wollen. Er hört nicht zu, obwohl wir alles posten. Was ihn interessiert, sind die Metadaten, also die Daten über die Daten. Es soll hier nichts beschönigt werden: Natürlich kann die Person durch Auswertungen in Big Data in den Fokus staatlicher Ermittlungen geraten. Das geschieht, sobald die Erfassungsmaschinen Abweichungen von der Norm registrieren. Wenn wir auffällig geworden sind, kann man auf Knopfdruck in kurzer Zeit herausfinden, wer wir sind, wo wir sind und wann man uns am besten verhaftet. Wenn er uns will, kann der Staat uns kriegen.

Es ist vollkommen gerechtfertigt, davor Angst zu haben, aber das ist nicht der Punkt, um den es hier geht. Es geht um etwas Gefährlicheres, und das hat damit zu tun, dass Big Data, also die Quelle der maschinellen staatlichen Aktionen, keinerlei Gründe für menschliches Verhalten enthält, sondern nur Korrelationen. Wir müssen uns also genauer anschauen, was Big Data ist, wenn wir verstehen wollen, warum es gefährlich ist.

Big Data speist sich aus zwei Quellen

Die Daten, aus denen der Big-Data-Haufen besteht, stammen aus zwei Quellen. Die erste Quelle sind die Informationen, die Nutzer des Internets freiwillig selbst eingeben, zum Beispiel bei Facebook oder Google.

Die zweite Quelle sind die Daten, die durch Maschinen aufgenommen werden. Diese Quelle ist schon jetzt viel größer als die erste. Es geht hier beispielsweise um Sensoren in der Fabrikation oder in Fahrzeugen, Überwachungskameras, Bewegungsprofile über Handys, Verbindungsprotokolle der Telefongesellschaften usw. Diese Daten werden automatisch gesammelt, ohne ihre Inhalte zu kennen, und können wegen ihrer Menge und Komplexität nur noch maschinell ausgewertet werden, nämlich durch passende Algorithmen.

Es ist ein Missverständnis, Big Data mit Daten aus der ersten Quelle gleich zu setzen. Sicher liegt hier die meiste Angst; wer will schon, dass der Staat sich in unsere Kommunikation einschaltet. Es sind aber die Daten aus der zweiten Quelle, und hier vor allem die Metadaten, wo die eigentlichen Gefahren liegen.

Metadaten stehen im Zentrum des Interesses

Metadaten sind Daten über Daten. Ein gutes Beispiel ist das, was passiert, wenn jemand telefoniert. Es wird ein Gespräch geführt, das die Daten enthält. Man kann die Daten aufzeichnen und abhören – das ist Old-School-Spionage. Gleichzeitig fallen eine Menge Metadaten an, nämlich die Verbindungsdaten: unter anderem Uhrzeit, Länge des Gesprächs, Ziel. Solche Verbindungsdaten sind im Gegensatz zu Inhaltsdaten strukturiert, das heißt, sie sind auf einfache Weise miteinander abzugleichen.

Allein mit diesen Metadaten kann man beispielweise herausfinden, ob jemand eine Krankheit hat. Ein Beispiel: Ein Mann, 55 Jahre alt, ruft einen Orthopäden an, am Tag darauf einen Physiotherapeuten, einen weiteren Tag später sowohl einen Osteopathen als auch seine Krankenkasse. Allein damit ist schon klar, dass er ein Problem mit dem Bewegungsapparat hat. Wenn man damit noch die Internetdaten und die E-Mails verknüpft, die oft beim selben Provider auflaufen, ist die Sache klar. Der Mann hat mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit eine Schädigung der Bandscheibe. Dies herauszufinden, ist mit Maschinen über die Metadaten möglich; den Inhalt der Kommunikation – also die Daten selbst – zu analysieren, würde wesentlich mehr Aufwand erfordern.

Die Metadaten liegen alle in dem großen Datenhaufen, und man kann sie mit einem Algorithmus extrahieren und miteinander verknüpfen. Die Speicherung der Daten ist günstig und die Rechner werden immer schneller, was immer neue und bessere Möglichkeiten hervorbringt, Korrelationen zu finden. So werden Krankheiten sichtbar, intime Beziehungen, geplante Demonstrationen, unzufriedene Mitarbeiter, anstehende Firmenübernahmen und so weiter.

Metadaten als Grundlage gesellschaftlicher Steuerung

Es ist faszinierend - endlich existieren genug Daten zur Gefahrenabwehr. Und es scheint wirklich zu funktionieren, wie die Geheimdienste immer wieder versichern. Auch gibt es genügend Politiker, die glaubhaft davon überzeugt sind, dass wir diese Möglichkeit brauchen.

Gut, egal wie man dazu stehen mag: Nehmen wir also an, dass der Preis für die Bekämpfung des Terrors bezahlt werden muss. Bezahlt mit der Möglichkeit, dass wir irgendwie auffällig werden, weil wir an einer Demonstration teilnehmen, auf einem zentralen Platz ohne Ziel herumlaufen oder eine rote Ampel überfahren. Dass sich dann ein virtuelles Auge auf uns richtet, und ein Algorithmus die Polizei vorbei schickt. Oder wirklich finstere Gesellen, denen Gesetze völlig egal sind.

Wir hätten damit einen Teil unserer Freiheit für mehr Sicherheit aufgegeben. Darüber kann man ja diskutieren. Aber es gibt etwas, das wesentlich gefährlicher ist als einen Teil der Freiheit aufzugeben, und das bei der ganzen Diskussion um Freiheit oder Sicherheit kaum eine Rolle spielt. Man kann mit dem Big Data Haufen nämlich noch etwas ganz anderes machen: man kann ihn als Grundlage zur politischen Steuerung nehmen. Die Daten sind ja vorhanden; warum also dieses Instrument nur zur Gefahrenabwehr nutzen, und nicht auch, um gesellschaftliche Prozesse zu gestalten?

Das klingt zunächst gar nicht so übel. Was soll so schlimm daran sein, moderne Instrumente zu nutzen? Aus der Politik hört man immer wieder Klagen über mangelnde Steuerungsmöglichkeiten, und endlich scheint es welche zu geben.

Um das richtig einschätzen zu können, sollte man sich klarmachen, was die elektronischen Augen und Ohren des Staates sehen und hören. Nämlich nichts anderes als quantifizierbare Daten, die durch Maschinen zu Big Data hinzugefügt werden. Wiederum durch Maschinen werden Auswertungen erzeugt, die sich Polizisten oder Geheimdienstler anschauen können, oder es werden gleich Aktionen eingeleitet, um dem entdeckten Problem schnell zu begegnen. Möglichst bevor das Problem überhaupt eintritt. Irgendwann werden von Computern automatisch Roboter an die Front geschickt, was den ganzen Vorgang komplett den Maschinen überlässt. Wenn dann noch andere Roboter bekämpft werden, ist das System endgültig selbstreferentiell.

Dass ein solches Szenario eintreten kann, hat seinen Grund darin, dass die Daten aus dem großen Haufen nur Korrelationen ermöglichen. Man kann also herausfinden, ob Beziehungen zwischen Daten existieren, aber damit lässt sich keine Aussage darüber treffen, warum die Beziehung existiert.

Die Denkweise ist folgende: Die Fakten sind vorhanden, man muss sie nur finden. Nötig ist dafür lediglich ein guter Algorithmus und ein schneller Computer.

Was man aber auf diese Weise findet, sind nichts als Korrelationen. Und Korrelationen sind Zahlenspiele, die etwas Sinnvolles aussagen mögen oder auch nicht. Auf jeden Fall enthalten Sie nichts darüber, was wir als Menschen sind.

Traditionelle Methoden des Erkenntnisgewinns sind damit obsolet. Intuition, Modelle oder gar Theorien - die traditionellen Methoden der Erkenntnisgewinnung - sind überflüssig.

Horror

Und dies soll die Grundlage politischer Steuerung sein? Kein Wunder, das Harald Staun in einem Artikel zum gleichen Thema schrieb: „Der Horror derartiger politischer Betriebssysteme wäre nicht ihr Versagen, sondern ihr Funktionieren.“ (FAS vom 14. Juli 2013).

Deshalb war am Anfang dieses Artikels die Rede davon, dass der Staat sich gar nicht für uns interessiert. Genauer: er interessiert sich schon, aber nur als Zahlenspiel, nicht als Person. Das mag zur Gefahrenabwehr noch in Ordnung sein, ist aber völlig daneben, wenn es um die ganze Gesellschaft geht.

Denn er bekommt wesentliche Teile unserer Persönlichkeit gar nicht mit: unsere Ziele, unsere Wünsche, unsere Sehnsüchte, unsere Probleme. Er wird beispielsweise nur wissen, dass es Drogenprobleme gibt, nicht aber warum. Oder vielmehr, er wird die Existenz von Drogenproblemen auf andere Zahlen zurückführen. Beispielweise kann die Menge des beschlagnahmten Cracks mit der Höhe der Arbeitslosigkeit korrelieren, und schon wird sich eine Partei finden, die in der betroffenen Gegend Beschäftigungsprogramme anbieten will. Nur wegen einer Korrelation, die mit einer Ursache-Wirkung Beziehung verwechselt wurde.

Aber der Staat wird nicht wissen, ob eine Person traurig ist, ob sie Schmerzen hat, oder ob sie Drogen einfach klasse findet. Ob es nicht vielleicht besser wäre, Drogen freizugeben, und so die ganze damit verbundene Kriminalität auszutrocknen. Oder ob es nicht sowieso ein Recht auf Rausch gibt, das für die Regierung unantastbar ist.

Um solche provokanten Gedanken auch nur diskutieren zu können, braucht man ein Ziel, Mitgefühl und Intuition – also eine Vorstellung von der Zukunft der Gesellschaft und eine Vorstellung von den Mitmenschen, die diese als fühlende Wesen ernst nimmt. Wenn das nicht vorhanden ist, wird es immer beim Status Quo bleiben, der mit allen Möglichkeiten von Big Data verteidigt wird. Die Menschen erscheinen als Zahlenspiele in der politischen Kommunikation. Dann ist nicht mehr wichtig, was wir wollen, sondern was derjenige will, der die Zahlen auswertet. Oder noch schlimmer: was in den Algorithmus programmiert wurde, der die Zahlen auswertet.

Big Data mag ein in einigen Situationen ein gutes Werkzeug sein. Als Betriebssystem politischer Steuerungsinstitutionen jedoch könnte es sich tatsächlich als Horror erweisen.

Über den Autor:

Dr. Ralf Wienken ist technischer Redakteur. Er ist verantwortlich für den Bereich technische Kommunikation der X-info Wieland Sacher GmbH. Ein wichtiges Arbeitsgebiet des Unternehmens ist die Entwicklung von Applikationen für den industriellen Bereich.

(Illustration: Eyes in binary tunnel, Shutterstock)

Kommentare

  • Tobias Lennarz

    28.10.13 (10:05:36)

    Sehr geehrter Herr Dr. Wienken, danke für diesen (fast) hervorragenden Artikel! "Fast" deshalb, weil Sie an einer (in meinen Augen) entscheidenden Stelle zu schnell über die Implikationen der ständigen passiven Überwachung hinweggehen: Bei der politischen Steuerungsmöglichkeit unserer Gesellschaft. Mich würde sehr interessieren, was Sie konkret mit den Steuerungsmöglichkeiten meinen und wo Sie heute schon die Wahrnehmung dieser Möglichkeit beobachten.

  • blub

    28.10.13 (10:52:59)

    lustig oder so wirds dann wenn die frontroboter andere menschen erreichen, also die anderen roboter zerstört haben ;) naja, ich sehe darin kein so großes problem. vom spiegel z.b. wurden neue grenzroboter als gefühllos bezeichnet. erstens war das ziemlich absurd weil es sich um keine autonomen roboter/drohnen sondern um ein überdimensioniertes fernsteuerbares fahrzeug handelte, dahinter also immer noch menschen saßen. da die dinger in eher unwirtlichen gegenden eingesetzt werden sollen (wälder und so sind nun nicht sooo gemütlich, wenns im winter friert :D) kann ich mir sogar vorstellen, dass grenzsoldaten die das ding steuern sogar freundlicher reagieren als jetzt, schließlich ist der job mit warmer milch in der hand gleich viel süßer :) zweitens: sind hier nicht unsere grenzen das viel gefühllosere? sind also nicht wir, als souverän die gefühllosen? schließlich lassen wir es zu das menschen ausgesperrt werden. die ausgeschlossenen fühlen sich übrigens damit an die apartheid erinnert. die grenzen sind zudem unnötig, die weltwirtschaft würde von einwanderern massiv profitieren, siehe open border. :) das selbe gilt meiner meinung nach für überwachung und politische steuerung. nicht diese methoden und möglichkeiten an sich sind das problem, sondern das was damit erreicht werden soll. wenn ich aber daten über die zustimmung, ablehnung usw. erhebe, mache ich dies nicht mithilfe von intuition und gesundem menschenverstand sondern mittels wissenschaftlicher empirischer methoden, also nicht anders als big data. big data kann hier also bei helfen. wiedereinmal ist nicht das werkzeug oder der übermittler schuld. big data lässt sich zur verteidigung des status quo aber genauso für seine veränderung verwenden. es ist nämlich nicht big data das den status quo erhält, sondern die intuitiven, die ganz genau wissen, dass ausländer blöd sind und nicht arbeiten wollen. (soll übrigens kein persönlicher angriff sein, falls das gedacht wird) ;) kontraintuitiv mag die vorstellung nämlich wirklich sein, aber das macht sie nicht unwahrer.

  • Ralf Wienken

    28.10.13 (11:43:09)

    Hallo Herr Lennarz, Ihre Frage ist sehr allgemein, deshalb kann ich Ihnen auch nur mit allgemeinen Antworten dienen. Der Staat hat seit der Antike die Aufgabe, die Steuerung der Gesellschaft zu übernehmen. Dazu hat er in Friedenszeiten traditionell zwei Werkzeuge: Geld und Recht. Mit Geld werden positive Anreize gesetzt (man bekommt etwas); mit Recht werden negative Anreize gesetzt (etwas wird verboten). Nun hat der Staat typischerweise immer zu wenig Informationen. Das heißt, es ist schwierig für ihn, herauszufinden, was überhaupt gesteuert werden soll, und ob die Steuerungsversuche auch wirklich das gewollte Ergebnis haben. In dieser Situation ist Big Data verlockend. Da existiert ein riesiger Haufen von relevanten Daten über die Gesellschaft. Warum diesen Schatz nicht nutzen? Mit meinen Artikel wollte ich auf die Gefahren dieser Vorgehensweise aufmerksam mache. Ich hoffe, ich habe die Intention Ihrer Frage richtig verstanden, und Sie können mit meiner Antwort etwas anfangen. Gruß Ralf Wienken

  • Ralf Wienken

    28.10.13 (12:21:16)

    Nicht das Werkzeug ist schuld, sondern der Anwender? Ich bin mir da nicht sicher, wenn ich zum Beispiel an die National Rifle Association denke, die behauptet, dass nicht die Waffe mordet, sondern der Mensch. Die USA sind aber eine sehr gewalttätige Gesellschaft, und das liegt an den Waffen. Auf jeden Fall ist Big Data eine neue Technologie, die im großen Maßstab eingeführt wird. Und wie jede dieser Technologien (wie auch z.B. Telefon, Glühbirne oder Automobil) hat das enorme Auswirkungen auf die Gesellschaft. Big Data ist einfach nicht geeignet als Grundlage zur gesellschaftlichen Steuerung, weil es keine Informationen zu den Gründen des menschlichen Handelns enthält. Es ist als Werkzeug weder schlecht noch gut. Es ist aber für den beabsichtigten Zweck nicht geeignet. Gruß Ralf Wienken

  • Tobias Lennarz

    28.10.13 (12:57:00)

    Ja, Sie haben absolut getroffen was ich meinte, bzw. was ich nicht verstanden hatte. Ihre Aussage über die gesellschaftliche Steuerung ist offenbar zunächst wertungsfrei zu verstehen, jedoch ging ich reflexartig davon aus, dass Steuerungsversuche der Gesellschaft durch den Staat per se schlecht sind und daher hätte mich sehr interessiert, welche manipulative Bestrebungen Sie konkret beobachten (im Sinne von Meinungsbeeinflussung/Propaganda). Vielen Dank für Ihre Erläuterung!

  • Tobias Lennarz

    28.10.13 (13:18:50)

    Ich stimme Ihrem Vergleich mit der NRA absolut zu, jedoch frage ich mich in beiden Fällen (Big Data und Waffen), welche positiven Handlungen sich mit diesen "Werkzeugen" realisieren ließen? Zwar ist es vermutlich utopisch von einer waffenfreien Welt zu sprechen, so dass man (als Gesellschaft/Staat) eine Waffe auch immer zu Verteidigungszwecken benötigen wird, aber mir fällt kein wünschenswerter Anwendungsfall von Big Data, wie es von Staaten, bzw. deren Geheimdiensten betrieben wird, ein. Sicher ist die auch von Ihnen angeführte Terrorabwehr immer das Bilderbuch-Argument, allerdings ist dies in meinen Augen ein Scheinargument erster Güte, wie es auch für das Argument der Bekämpfung von Kinderpornographie bei "Netzsperren" ein solches ist. Letztlich geht es immer um die Steuerung der Gesellschaft und zwar im Sinne der herrschenden Klasse. Zwar weiß ich nicht, wie man Geheimdienste gänzlich davon abhalten könnte, die eigene Gesellschaft auszuspähen, jedoch wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung sicherlich der, wirkungsvolle Kontrollmechanismen (zur Überwachung der Überwacher) zu installieren.

  • Ralf Wienken

    28.10.13 (13:55:52)

    Hm, Herr Lennarz, sie wollen es aber wirklich wissen… Also hier ein Beispiel für die segensreichen Auswirkungen von Big Data. Ich arbeite für eine Softwarefirma in der Automobilindustrie. Hier werden umfangreiche Motortests gefahren, bei denen Messmaschinen Messdaten erzeugen und zwar in riesigen Mengen. Die Daten werden automatisch in großen Datenbanken gespeichert, zusammen mit den Metadaten. Die Metadaten sind notwendig, um die Messdaten zu interpretieren, z.B. um zu wissen, dass ein gemessener Wert von 0,1 die Abweichung vom idealen Kolbendurchmesser in Tausendstel Millimeter ist. Diese Daten/Metadaten werden maschinell erfasst, fallen in großen Mengen an, und werden maschinell ausgewertet (durch Statistiksoftware). Dies ist genau das, was ich unter Big Data verstehe. Dies wird jetzt schon gemacht, ist segensreich, und wird sich nicht zurückdrehen lassen. Im Gegenteil: es wird immer weiter ausgebaut, da es einen großen Produktivitätsvorteil bietet. Dies ist nur ein Beispiel aus der Industrie (mehr darüber in meinem Artikel über Industry 4.0 hier auf Netzwertig) – es gibt davon jede Menge. Big Data ist größer als die Möglichkeit zur politischen Steuerung – sehr viel größer. Und es ist schon dabei, unsere Gesellschaft zu durchdringen. In vielen Bereichen ist es ein Segen. Nur eben nicht im Bereich Politik.

  • rrr

    28.10.13 (14:06:21)

    Wenn ein Staat nach Korrelationen beginnt zu steuern und nicht aufgrund von Kausalität, dann degradiert er den Bürger zum bloßen Objekt. Das ist in keinem Fall mit der Würde des Menschen vereinbar. Der Staat (oder auch Private) versetzt sich in die Lage, politisches Handeln, vor demokratischen Institutionen, zu steuern. Das bedeutet, wer über Big Data verfügt, kann maßgeblich beeinflussen WAS zur Wahl steht, ohne sich damit auseinandersetzen zu müssen wie die Wahl ausgeht. Das ist auf fundamentalste Art und Weise nicht mit demokratischen Grundsätzen zu vereinbaren. Zeichnet sich ab, dass sich das bewahrheiten könnte und eine Absicht besteht das umzusetzen, ist jeder Bürger nach Artikel 20,4 des Grundgesetzes dazu aufgerufen und verpflichtet, die politische und wirtschaftliche Elite mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu entmachten.

  • blub

    28.10.13 (16:40:10)

    jap, küchenmesser sind auch was ganz schlimmes, die bringen mich immer dazu käse und meine oma zu zerschnippeln ... das werkzeug hat mit seinen verwendungsmöglichkeiten psychologische wirkung auf den menschen. er kriegt vielleicht eher lust, sie für allgemeinhin als böse (ich mag solche einteilungen in gut und böse selbst nicht, aber ich hoffe sie verstehen was ich meine :)) bezeichnete dinge zu verwenden. trotzdem hat nicht die waffe schuld an den gewalttaten. oder sind individuen nicht autonom? wenn sie die waffe als erweiterung des menschen verstehen, als verlängerung, dann stimme ich ihnen zu, dann hat die waffe schuld. aber auch eben nur als verlängerung des menschen. deshalb spricht man auch von tatwaffe. im käsebeispiel ist das küchenmesser die tatwaffe. unter big data verstand ich nicht nur die verwendung durch staaten und deren geheimdienste, sondern auch dinge wie google, facebook, twitter, das internet überhaupt usw. letztere haben z.b. dabei geholfen proteste in repressiven staaten zu organisieren. das internet lässt sich aber für verbrechen verwenden, siehe betrüger, trojaner die geld fordern, trojaner die unbefugterweise computer kontrollieren usw. bei den kontrollmechanismen gehe ich mit tobias lennarz d'accord. darum geht es mir sogar. ich finde es aber lustig, wie terrorabwehr immer als "Bilderbuch-Argument" ins lächerliche gezogen wird. würden sie die rechtfertigung normaler polizeiarbeit auch als scheinargument bezeichnen? (wobei ich der meinung bin das man beides und vor allem letzteres sehrviel besser organisieren könnte, und damit meine ich sicherlich keinen blödsinnigen ausbau) ;) wäre für sie ein kontrollmechanismus die erfolgsstatistik offenzulegen? das würde natürlich erfordern, dass jemand die statistiken kontrolliert, schließlich bestünde für geheimdienste ein hohes interesse darin, statistiken zu ihren gunsten zu fälschen. ich halte nicht viel von überwachung, aber mir ist bewusst, dass viele leute, mich eingeschlossen, den sicherheitsgewinn der dadurch möglicherweise(! was eben zu überprüfen ist) entsteht, haben wollen. wie wäre es wenn man die staatshaftung endlich einführte? der staat hat die aufgabe sicherheit zu produzieren. wenn er dies nicht schafft, sollte er die durch verbrechen (und damit auch terror) geschädigten entschädigen. für durch eigenes handeln verursachte schäden, müsste er natürlich auch haften. und bingo, hier wäre nach ihrer logik auch eine stärkere kontrolle nötig. es ist schließlich so, dass der staat ein gewaltmonopol beansprucht, für agenturen, die durch terror verursachte schäden versichern, ist es also nicht möglich selbst den sicherheitsstandard zu heben. oder mach ich hier denkfehler, und wenn ja, welche? :) tobias, sie sollten aber bei ihrer klassenanalyse die terroristen selbst nicht außen vor lassen. osama bin laden war mitglied einer milliardärsfamilie, die führer mancher palästinensischen terrororganisationen sind ehemalige bzw. nachfahren der dortigen feudalherren usw. edit schon vorm abschicken: man leitet aus quantitäten qualitäten ab in ihrem beispiel: quantität die daten, qualität der ideale kolbendurchmesser. (ich glaub das brauch ich ihnen nicht sagen :)). warum sollte dieses prinzip plötzlich nicht im bereich der politik gelten? dies ermöglicht doch gerade zum ersten mal eine starke verwissenschaftlichung der politik. gemacht wird es ja schon länger, siehe umfragen, wahlen usw. mit big data macht das ganze einen qualitätssprung und erlaubt nun eine viel breitere anwendung. sind nicht eher die schlüsse die gezogen werden, schlechte? wenn also der algorithmus einen zusammenhang feststellt, der kausal garnicht besteht, und daraus dann maßnahmen ableitet, dann ist der algorithmus fürn arsch, aber nicht big data an sich.

  • Arno Nyhm

    29.10.13 (03:34:08)

    Ich finde Sie ziehen unrichtige Schlüsse aus dem Vegleich ihrer Tätigkeit, in der sie Motoren anhand der Auswertung von Daten untersuchen und der Tätigkeit des Staates der Menschen anhand gesammelter Daten "untersucht". Sie gehen vom Menschen zwar in meinen Augen richtigerweise als etwas anderes, komplexeres als eine Maschine aus, jedoch ist es falsch zu glauben der Mensch wäre vollkommen unberechenbar. Zu einem großen Teil sind wir biologische Maschinen. Unsere Berechenbarkeit wird schon deutlich wenn man überlegt warum im privaten wirtschaftlichen Sektor so ein großes Interesse an unseren Daten besteht, warum Firmen wie Google, Apple und Facebook unsere Daten sammeln und anhäufen wie einen Goldschatz. Allein aus dem Alter und dem Geschlecht einer Person lässt sich für den Werbetreibenden doch erkennen, ob diese Person eher ein Anti-Aging Produkt oder einen Sportartikel kaufen würde. Und diese Wahrscheinlichkeit mit der eine Person einen gewissen Artikel kaufen würde steigt bzw. sinkt mit jedem weiteren Detail das der Berechnende über die Person weiß. Diese Wahrscheinlichkeit erreicht jedoch niemals die 100% da der Mensch eben keine Maschine ist, sondern einen freien Willen besitzt. Aber sie kann trotzdem so hoch sein dass besagte Firmen Milliarden mit unseren Daten verdienen. Und genau diese zumindest hohe Wahrscheinlichkeit ist für den Staat so interessant und auch wichtig. Sicherlich wäre ein Individuelles Aus-Bildungsprogramm für jeden einzelnen Bundesbürger ideal. Aber das ist einfach bei gegebenen Mitteln unmöglich. Aber es ist doch besser zu wissen in welcher Stadt, in welchem Stadtteil und unter den Abgängern welcher Schulen ist die Arbeitslosigkeit besonders hoch als lediglich zu wissen irgendwo in Deutschland gibt es Arbeitslose. Natürlich gibt es immer Ausnahmen von der auf Statistiken beruhenden Regel Arbeitslosigkeit führt Armut führt zu Frustration führt zu Drogen-/Alkoholmissbrauch und anderen Delikten. Jedoch muss der Staat Handlungsfähig bleiben und sich für eine bestimmte Handlung entscheiden und das geht nur indem er Kausalketten aus ermittelten Korrelationen bildet und möglichst wirksam steuernd eingreift. Und da ist eine Bildungsmaßnahme in dem Stadtteil mit erhöhter Kriminalität sinnvoller als eine Drogenberatungsstelle. Weil sie eben das Problem langfristig beilegt anstatt nur Symptome zu lindern. Dieses Vorgehen mag dem Einzelnen der aufrund von Leistungsdruck zu Drogen gegriffen und deswegen seine Arbeitsstelle verloren hat nicht gerecht werden. Daher verstehe ich ihre Ansicht menschliches Verhalten ließe sich nicht allein anhand von letztendlich über die Person nichts aussagenden Daten berechnen und dadurch steuern. Jedoch kann auf diesen ideellen Vorbehalt aufgrund der Notwendigkeit einer praktisch handlungsfähigen Steuerungsmöglichkeit keine Rücksicht genommen werden. Ein zu 75% (von einem wohlwollenden Staat) geleiteter Mensch ist besser als ein zu 0% - oder ein zu 100% geleiteter.

  • columbus

    29.10.13 (09:50:58)

    Letztendlich läuft alles auf einen Ameisenstaat hinaus. Einige wenige kontrollieren (zu ihrem persönlichen Vorteil) den Rest der Menschheit. Der durchschnittsbürger wird nur benötigt um die Arbeit zu erledigen, dammit sich die oberen nicht die Händchen schmutzig machen müssen. Hier ist Manipulation im Vorfeld natürlich ein wichtiges Werkzeug. Und wie man einen Menschen direkt unter Druck setzen kann, sieht man schon heute, wenn die Krankenkasse einem Patienten ein bestimmtes Medikamennt verweigert, welches Therapeutisch aber definitiv empfehlenswert wäre. Der Patient für die Krankenkasse nur eine Laufende Nummer, mit der man nach belieben spielen kann. Was zählt schon ein Leben? Jetzt schon. Heute.

  • Ralf Wienken

    29.10.13 (10:02:30)

    Ich bin völlig mit Ihnen einverstanden. Der Staat muss handlungsfähig sein, und braucht dafür die geeigneten Werkzeuge. Und natürlich ist der Mensch berechenbar, andernfalls würde es kein Big Data in der heutigen Form geben. Allerdings, wenn Sie schreiben: “Jedoch kann auf diesen ideellen Vorbehalt aufgrund der Notwendigkeit einer praktisch handlungsfähigen Steuerungsmöglichkeit keine Rücksicht genommen werden” – dann ist das genau die Gefahr, auf die ich in meinem Artikel hinweisen möchte. Ich kann Ihnen versichern, dass ich froh bin, in einem Staat zu leben, der mir garantiert, dass ich solche Artikel überhaupt veröffentlichen kann. Und damit der das weiter garantieren kann, müssen wir genau solche Diskussionen führen, wie wir es im Moment machen. Das ist für den Großteil der Menschheit nicht selbstverständlich. Gruß Ralf Wienken

  • Morlott

    29.10.13 (10:18:55)

    Hallo zusammen, ich möchte da ein klein wenig Bedenken einflechten, leicht polemisch, aber das liegt an der emotionalen Belastung durch das Thema. Zunächst mal ein wenig Historie: bereits weit(!) vor 9/11 und dem Terror-Hype wurde Echelon weltweit installiert und nach dem kalten Krieg nicht mehr nur auf den damals bösen Osten gerichtet - Und der Kampf gegen Terror sollte auch exakter als fehlgeschlagener Eindämmungsversuch der grössten Geheimdienstpanne der Welt bezeichnet werden - hier sei ein Verweis auf die CIA Ausbildungstätigkeiten in den entsprechenden "Brutstätten" des "Terrors" gestattet, kurzum: wer laut genug jammert, bekommt beim lang verschlafenen Aufräumen dann doch noch NATO Mittel on-top. Sei es ihnen gegönnt, die Rädelsführer sind nicht erst seit heute pleite. Der Verdacht, dass die Betreiber von Echelon es nutz(t)en, umTelefonate abzuhören, in denen es um wirtschaftliche Belange ging, ist nicht neu, oder? Die EU hat sogar (ich muss an dieser Stelle lachen) einen Untersuchungsausschuss gebildet zu dem Thema. Aber mal zu unserem Datenmoloch. Mich bedrückt das Mißbrauchs/Manipulationsproblem. Niemand garantiert uns, dass die Zugriffsberechtigten, die ein Problem mit einer ihnen ungemütlichen Gesinnung haben, diese Mitbürger nicht gezielt durch die schon vorhandenen Daten herausdeuten und ein perfides Spiel beginnen, indem sie falsche Informationen ins System einbringen. Bei der Datenmenge Revisionssicherheit? Faszinierende Illusion. Lektion aus der Realität dazu: Amtsmissbrauch findet heute statt. Das fängt ganz klein an in Büros mit Zugriff auf Polizeiakten. Mir ist ein Fall bekannt, in der ein Belegschaftsmitglied sämtliche Akten der eigenen Familie, Freunde und Bekannten sichtete und mit diesem Wissen auf Feiern hausieren ging. Falls Sie das hier lesen: sie verstossen gegen geltendes Bundesrecht und verärgern ihre Mitmenschen zutiefst. Leider tendiert die Menschheit in Punkto Frieden und Freiheit Richtung worst case, wer Widersprechen mag, möge uns die zwingende Notwendigkeit der Kriege im ehemaligen Jugoslawien, Ruanda, Kongo, Tschetschenien usw. erklären. Daher nehme ich das als Anlass, hier eine düstere Vision zu verdeutlichen. Wenn eine unserer ohnehin beschränkten Demokratien ( die immerhin heute noch einiges an grundrechtlicher Freiheit mitbringen ) den Abrutscher Richtung ultrarechte/ultralinke Flanke nicht mehr erfolgreich verhindert, sollte man dann nicht befürchten, dass gegen die Opposition und im weiteren Verlauf gegen Andersdenkende mit diesen Werkzeugen vorgegangen wird? Apropos Gegner. Man sollte sich die Worte des amerikanischen head of dpt. of defense zugute führen, nach denen jedes Land, das gegen die Interessen des amerikanischen Volkes handelt, ein Feind ist. Und wer legt diese Interessen fest? Nicht das amerikanische Volk an sich jedenfalls. Eher deren Rohstofflobby. Ich postuliere. Die derzeitig vorherrschende menschliche Natur ist nicht in der Lage, mit einer gläsernen Menschheit über einen längeren Zeitraum=über Krisen hinweg verantwortungsbewußt und demokratisch umzugehen. Der Mißbrauch durch die skrupellosen Entitäten dieser Welt ist vorprogrammiert und das endet nicht bei politischen Fehlprogrammen, sondern, wie bereits gehabt, in massivem Staatsterror (eher a la "Brazil" denn "1984") und zwar besser und wirksamer, als diese Amateure von Al-kaida es jemals zuwege bringen könnten. Hoffentlich kann man diese konfusen Gedankengänge meinerseits zumindest einigermassen nachvollziehen. Fazit ist für mich: ich halte es für leichtgläubig, eine perfekte Überwachung zu einem _derzeit_ guten Zweck nur als möglicherweise problematisch hinzustellen. Da ich im Grunde ein Positivist bin, hoffe ich natürlich wider jeglicher Vernunft, dass sich die Welt mal ein bisschen beruhigt, statt mehr und mehr verrückt zu spielen. Ich schliesse mit den für mich bedeutsamen Worten... Freiheit für den Mars.

  • Stavros

    29.10.13 (10:49:48)

    Der Artikel hat die Schwäche von Big Data auf den Punkt gebracht. Das "Was" wird gefunden, dass "Warum" ist nicht von Interesse da zu komplex. Die Frage, die sich mir stellt in einer Welt von bald ("morgen" ist ggf. zu weit in der Zukunft) ist folgende: Was fehlt mir als Bürger um in dieser Welt von bald glücklich zu sein? Mein Vorschlag geht in die Richtung, Schulkindern entsprechende Lehrinhalte zu vermitteln. Big Data ist kein Thema wie Raketentechnik oder Programmieren, welche nur für interessierte Menschen relevant ist: - Was sind Metadaten und wie ist es möglich das andere Menschen mehr von mir wissen als ich (Selbstreflektion). - Welches externe Bild ergeben meine Metadaten (Von den primären Daten im internet bis zu Metadaten)? - Welchen Einfluss kann ich auf meine Metadaten nehmen? Für die Gesellschaft und Forschung sehe ich folgendes Thema als wesentlich an: - Überprüfung der Big-Data Modelle mit gesellschaftlicher Relevanz. In der Kryptographie sind Algorithmen öffentlich und können daher von vielen überprüft werden. Auch soziologische Modelle und Hypothesen werden im akademischen Diskurs geprüft. Bei Big Data Modellen ist es derzeit nicht der Fall, da die Hauptanwendung derzeit die Terrorabwehr ist und die Diskussion solcher Modelle deren Effektivität beeinträchtigen würde. Wie sie schon sagten geht es nur um Korrelationen. Da Big Data jedoch zwar viel aber bei weitem nicht alles erfassen kann, wird es auch zahlreiche Instanzen geben, wo zwei korrelierende Werte eigentlich von einem dritten, nicht erfassten Wert abhängen. Für Werbung ist dieser Fehler irrelevant, für Produktplatzierung ebenso. Für Terrorbekämpfung vielleicht, für die Steuerung von Gesellschaften definitiv nicht.

  • Martin Weigert

    29.10.13 (10:50:46)

    "Wenn eine unserer ohnehin beschränkten Demokratien ( die immerhin heute noch einiges an grundrechtlicher Freiheit mitbringen ) den Abrutscher Richtung ultrarechte/ultralinke Flanke nicht mehr erfolgreich verhindert, sollte man dann nicht befürchten, dass gegen die Opposition und im weiteren Verlauf gegen Andersdenkende mit diesen Werkzeugen vorgegangen wird?" Genau. Das ist, was Anhänger der Aussage "Ich habe nichts zu verbergen" nicht bedenken. Sie gehen vom Hier und Jetzt aus, nicht von dem, was einmal sein könnte.

  • Ralf Wienken

    29.10.13 (11:07:44)

    Bis jetzt ist noch jede neue Technik gegen die Opposition und gegen Andersdenkende eingesetzt worden. Das ist auch mit Big Data so.

  • Geldsystem

    29.10.13 (14:11:16)

    Sehr geehrte Damen und Herren, eines möchte ich zu den anreizschaffendenden Systemen und den Verboten aber dennnoch sagen: - Geldsystem: ist schon lange nicht mehr in staatlicher Hand und der Staat schon längst abhängig davon. -Verbote: werden immer mehr dem "freien" Wirtschaftssystem unterworfen. Den eines gab es in der Antike auch schon, wo das Geld war, war die Macht.

  • scottoiler

    29.10.13 (14:42:28)

    Moin Tobias Lennarz, moin Zusammen, wer noch nach einem Beispiel für die Nutzung von BigData zur Beeinflussung der Gesellschaft sucht... da bietet sich wieder ein Blick in die USA an. Bei der Wahl Obamas 2012 ist schon so einiges an BigData genutzt worden. Dazu brauch tman nicht unbedingt negative Denke oder die NSA / CIA....aber wenn es schon solche Möglichkeiten mit verfügbaren Daten der User gibt (freiwillig, über FB, Youtube,etc) und diese dann noch legal, illegal angereichert werden...dann gibt der Artikel unter dem Link hier => http://www.technologyreview.com/featuredstory/509026/how-obamas-team-used-big-data-to-rally-voters/ schon ein sehr gute Beispiel für die Beeinflussung von Gesellschaft durch BigData. BG S.

  • Ralf Wienken

    30.10.13 (10:19:39)

    Ja, da haben Sie natürlich recht. Um klar zu kriegen, wovon genau man eigentlich redet, ist es aber immer gut, erst mal die Dinge klar zu benennen. Die Aufgabe des Staates ist es, zu steuern, und das macht er halt mit Geld und Recht. Das muss ganz klar sein. Dann kann man sagen - so, wie Sie es machen - das es aber komplizierter ist, das Macht eine Rolle spielt, dass die Politik von allen möglichen Interessen beeinflusst wird, das die Politiker auch mit psychologischer Manipulation arbeiten (siehe Berlusconi), usw. Gruß Ralf Wienken

  • Tobias Lennarz

    30.10.13 (11:22:52)

    Na klar will ich es wissen Herr Wienken - Ihr Artikel liefert schließlich etliche interessante Denkanstöße und zieht auch eine interessante Diskussion nach sich...! :) Die Anwendung von Big Data in Ihrem Beispiel macht natürlich absolut Sinn und dagegen ist denke ich auch nichts einzuwenden. Allerdings habe ich den Begriff Big Data im Kontext zu Staaten und Geheimdiensten betrachtet, so dass Ihr Beispiel aus diesem Blickwinkel natürlich nicht richtig greifen kann, aber ich glaube Sie wollten mit Ihrem eigentlichen Artikel ohnehin nichts anderes ausdrücken, als die gesellschaftlich nutzlose Verwendung von Big Data in diesem Sinne. @blub: Natürlich ist es immer der Mensch, der sich entscheidet eine Waffe zu benutzen, aber das ist noch lange keine Daseinsberechtigung für (ballistische) Waffen. Das Beispiel mit dem Küchenmesser macht ja deutlich, dass es sich hierbei eben nicht um eine Waffe im eigentlichen Sinne handelt, sondern dass es eben ein Küchenwerkzeug ist, dass man aber durchaus auch zweckentfremden kann... "Terror" ist für mich deshalb ein Bilderbuch-(Schein-)Argument, weil der uns präsentierte Terror ein gewünschtes Mittel ist, um die Sicherheitskompetenzen des Staates sukzessive weiter auszubauen, die letztlich aber dazu führen, dass der Staat die eigene Gesellschaft bis ins kleinste kontrollieren kann. Wer terroristische Absichten verfolgt, kann schließlich durch Verzicht auf moderne Kommunikationsmittel wunderbar unter dem Radar der Ermittlungsbehörden durchtauchen. Mal ganz abgesehen davon, dass es bei nahezu jedem terroristischen Akt der mir spontan einfällt zumindest starke Indizien dafür gibt, dass die offiziell dargestellten Varianten so nicht stimmen könne. Egal, ob das jetzt das Oktoberfest 1982, der Bologna-Bahnhof 1980, Zuganschläge von Madrid 2004, U-Bahnanschlag 7/7 in London oder natürlich 9/11 New York sind - sobald man sich die Ermittlungsergebnisse im Detail anschaut, ist klar oder gar schon tatsächlich bewiesen (Bologna), dass die offizielle Darstellung der Geschehnisse nicht stimmen kann und das im Gegenteil oftmals die betroffenen Staaten selbst auf eine gewisse Art stark davon profitieren. In Bologna wurde verhindert, dass die linke politische Gesinnung weiteren Zulauf erhält, indem man linke Parteigruppen für den Anschlag verantwortlich machte, in 9/11 und 7/7 wurde das Al-Quaida Gespenst geboren, was wir (die westliche Welt) bis heute als Vorwand missbrauchen, um im nahen und mittleren Osten die Rohstoffe dieser Länder an uns zu reissen, mit denen sich vor allem US-Amerikanische Konzerne zig goldene Nasen verdienen. Die Gruppe der "Terroristen" wie Sie sie nennen habe ich dabei keineswegs vergessen und mir ist durchaus bekannt, welche Verbindungen OBL zu den Königsfamilien in Saudi-Arabien und auch, bzw. vor allem (!) zur CIA unterhielt. Ich halte es dabei nur für zu kurz gedacht zu glauben, dass es in unseren Ländern "staatsgefährdeten Terror" gäbe, wenn unsere Geheimdienste uns nicht davor beschützen würden. Vielmehr scheint es mir so zu sein, dass unsere Geheimdienste selbst in viele terroristische Anschläge verwickelt sind, um diese wiederum als Rechtfertigung (siehe oben) zu verwenden. Vor diesem Hintergrund ist für mich die buchstäblich grenzenlose "Arbeit" der Geheimdienste unter Verwendung von Big Data nichts anderes als eine weitere Eskalationsstufe zum "totalen Überwachungsstaat" - um diese düstere Utopie ala George Orwell mal ins Feld zu führen.

  • Al

    28.02.14 (18:00:10)

    Ein etwas anderer, künstlerischer Ansatz, dem brisanten Thema zu begegnen, findet sich unter www.antigoldt.de (ein wenig Schmunzeln inklusive :-) ).

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