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23.03.09Leser-Kommentare

Bibliotheken im Zeitalter der E-Books

Wenn E-Reader und E-Books massentauglich werden, was passiert dann mit den Bibliotheken? Ein paar Gedanken zur Digitalisierung der Bibliotheksidee und den Implikationen für die Verlagsbranche.

Das gute, alte Papier.E-Reader mit Massentauglichkeit im iPod-Sinne sind nur noch ein, zwei maximal drei Iterationen von ihren heutigen Vertretern entfernt. Egal ob von Amazon, Sony, txtr oder einem anderen Anbieter:

In den nächsten Jahren werden E-Reader in den Massenmarkt eindringen. Was das für Bücher und das Leseverhalten allgemein bedeutet, haben wir letztes Jahr ausführlich beleuchtet. In den USA mehren sich bereits die euphorischen Stimmen der Benutzer des Amazon-Readers Kindle, der zeigt, dass der Übergang von papiernen zu digitalen Büchern durchaus ein Gewinn an allen Fronten für den Leser sein kann (vom nicht zu vergessenden DRM-Problem mit dem Kindle einmal abgesehen).

Ich glaube, dass der Übergang von papiernen zu digitalen Büchern zunächst im Sachbuchbereich und dort recht schnell im universitären Bereich beginnen und von da in die übrigen Bereiche des Buchkonsums überschwappen wird. Die finanziellen Anreize sind hier besonders hoch, während sentimentale Beweggründe eine untergeordnete Rolle spielen. Den Studenten und den Forschern geht es zuvorderst um den Inhalt des Lehrbuches oder des Standardwerkes zum Forschungsschwerpunkt, nicht um einen schicken Einband für das heimische Regal.

Und hier offenbart sich auch bereits ein künftiges Spannungsfeld:

Wenn wir alle E-Reader besitzen werden und künftig via Internet-Anbindung Bücher einfach von den Angeboten der Verlage und Buchhändler kostenpflichtig herunterladen können, was passiert dann mit Bibliotheken?

Wenn der Vorgang des Ausleihens so einfach wird wie der Erwerb und beides von zuhaus mit einem Tastendruck vonstatten geht, werden die Verlage nicht Anreize haben, Bibliotheken die Entwicklung hin zum Digitalen zu unterbinden oder zumindest zu erschweren?

Werden Bibliotheken "analog only" bleiben müssen? Sie werden damit abgeschnitten von den Metainformationen, die sich rund um die E-Book-Ausgaben der Bücher gruppieren werden. Wäre es ok, das Bibliotheken somit langfristig nur gut für Lesekonsum zweiter Wahl sein werden?

Wie sinnvoll wird die Beschränkung der verfügbaren Kopien eines Buches auf eine, wie zu heutigen analogen Zeiten oft übliche, Handvoll Kopien sein, wenn die Universitätsbibliothek ohne weiteres allen Studenten gleichzeitig den Zugang zu den E-Books ermöglichen könnte?

Wäre der freie Zugang aller Studenten jederzeit und überall zu den digitalen Büchern - und nicht nur zu den analogen Präsenz-Exemplaren in den Räumen der Bibliothek - nicht besser für die Gesellschaft als eine künstliche Beschränkung aufgrund eines inkompatiblen Geschäftsmodells der Verlage?

Und lässt sich dies nicht auf alle Bibliotheken übertragen?

Und inwiefern unterscheidet sich der Zugang zu Büchern über die Bibliothek auf analogem Wege vom digitalen Weg? Wäre letzterer nicht die Verwirklichung des den Bibliotheken zugrundeliegenden Traums, allen Bürgern so leicht wie möglich den Zugang zu Wissen zu ermöglichen?

Ist die Tatsache, das die Stadtbibliotheken nicht genügend Kopien aller Bücher für alle Einwohner des jeweiligen Ortes bereit halten, nicht ausschließlich den Kosten der Lagerung und des Erwerbs der einzelnen Exemplare geschuldet?

Was diese Problematik gut offenbart: Die Buchbranche hat sehr bald ganz andere Probleme, als vermeintliches illegales Filesharing, gegen das man in Deutschland schon Sanktionen ankündigt, bevor es überhaupt massenhaft stattfindet.

Die Kostenstruktur digitaler Güter ist eben nicht ein simples: geringere variable Kosten. Die Grenzkosten - also die Kosten für die Herstellung der einzelnen Einheit - für digitale Kopien von Büchern sind ebenso wie bei Musikaufnahmen Null. Die Kostenstruktur ist hier fundamental anders als in der analogen Welt. Und ihre Implikationen sind disruptiv.

Das ist wichtig für alle Betrachtungen zur digitalen Ökonomie: Der Unterschied zwischen null und einem Cent bei den Grenzkosten eines Gutes ist um Dimensionen größer als der Unterschied zwischen einem Cent und zehn Euro. Letzteres ist eine Frage von unterschiedlichen Größenordnungen, während ersteres eine Frage von unterschiedlichen Weltenist.

Das dadurch entstehende Problem der Buchbranche: Ihr aktuelles Geschäftsmodell widerspricht nicht nur den Gegebenheiten der digitalen Ökonomie, es steht auch diametral den gesellschaftlichen Interessen gegenüber.

Denn jede Verteidigung des alten Geschäftsmodells der Verlage wird immer auch direkt ein Zurückhalten der Möglichkeiten der künftigen digitalen Bibliotheken zur Folge haben müssen.

Natürlich wollen auch Autoren und Verlage künftig etwas an ihren Büchern verdienen. Aber wie soll sich eine Bezahlung pro Exemplar nach analogem Vorbild mit dem Bibliotheksgedanken im digitalen Zeitalter vertragen? Antwort: Das kann es nicht. Ein interessantes Spannungsfeld.

 

 

(Foto: nate steiner;CC-Lizenz)

Kommentare

  • Mareike

    23.03.09 (18:32:11)

    Ich habe etwas gezögert, ob ich einen Kommentar hinterlasse, oder nicht. Da ich aber gerne meine Gedanken (auch wenn sie eher spontan als wohlüberlegt und vor allem ohne Hintergrundwissen sind) teilen möchte (und mich ggf. über weitere Reaktionen / einen Austausch freuen würde!), tippe ich hier doch: Eine Interessensfrage: Setzt sich die Buchbranche aktiv mit der Thematik "digitale Bücher" auseinander? Oder wird da nur blockiert? (Lesen hier vllt. Vertreter der Branche mit?) Gibt es irgendwelche Vorreiter? Wie ist eigentlich derzeit die Lage der (deutschen) Bibliotheken? /Ich/ frequentiere die mir zur Verfügung stehenden, aber wie viele Leute tun das noch so? (Sprich: ist das digitale Buch die Bedrohung oder spielt das schwindende Interesse mit rein?) Derzeit sind ca. 68% der deutschen Haushalte online. (Die Zahl hab ich aus nem Seminar, Quelle war glaub ich die ARD/ZDF-Onlinestudie.) Wird es nicht /immer/ Leute geben, die "in der Offline-Welt" leben? Und die müssen dann einfach sehen, wo sie bleiben, weil sie eine zu geringe Minderheit darstellen? Warum Leute nicht online sind kann natürich auch tausende Gründe haben - bewusste Entscheidung oder Geld. Und wie ist das mit dem Geldaspekt... ja, ein (Fach)Buch ist teuer - die Mitgliedschaft in einer Bibliothek aber eben nicht. Ich hab keine Ahnung was die Geräte zum E-Book-Readen so kosten (werden). Ist das so massentauglich? (Ich hab z.B. immernoch keinen eigenen iPod, weil's nicht geht.) Was ist mit Buchsammlern (zu denen ich mich zähle)? Wie soll das digitale Lesen an das Leseerlebnis mit einem "echten" Buch herankommen (Geruch, Haptik)? Und ein Buch draußen im Sonnenschein zu lesen macht schon mehr Spaß, als auf einen Bildschirm zu gucken, oder? (Ich sag's lieber gleich, ich hab außer mit pdf-Dokumenten am Rechner keine Erfahrungen...) Lesen als Freizeitgestaltung ist doch nicht (nur) Informationsaufnahme, sondern befriedigt andere Bedürfnisse, oder? Ich stimme übrigens zu, dass sich digitales Lesen im universitären Bereich schneller (und auch bald) durchsetzen wird. (Das wäre auch ganz großartig!)

  • Alex

    23.03.09 (18:53:34)

    Ich gehe davon aus, dass das hauptsächliche Problem doch wieder die Raubkopien sein werden (Kopierbarkeit ohne Qualitätsverlust in digitaler Form). Ich habe dein Beispiel hier nicht ganz verstanden: Das ist wichtig für alle Betrachtungen zur digitalen Ökonomie: Der Unterschied zwischen null und einem Cent bei den Grenzkosten eines Gutes ist um Dimensionen größer als der Unterschied zwischen einem Cent und zehn Euro. Letzteres ist eine Frage von unterschiedlichen Größenordnungen, während ersteres eine Frage von unterschiedlichen Weltenist. Wofür stehen in deinem Beispiel die 0 cent, 1 cent, 10 euro? Ist nicht der Unterschied der Grenzkosten beim letzteren größer? Ich glaube nicht, dass sich die Kostenstrukturen wesentlich ändern: Geringe variable Kosten dürften auch schon heute auf Bücher in Papierform zutreffen. Die Kosten für Autoren, Marketing, Verwaltung und sonstige Gemeinkosten werden wohl nicht so stark sinken. Das es Sinn macht, Kosteneinsparungen an die Kunden weiterzugeben, sieht man ja an den Reklamheften (die augenscheinlich günstiger produziert werden). Vom Kosten- und Produktionsaspekt her, sehe ich also haupsächlich für die Druckereien eine Veränderung. Verlage und Autoren werden wohl eher von Raubkopien betroffen sein.

  • Oliver Springer

    23.03.09 (20:12:18)

    Ja, das größte Problem sind die Raubkopien, das sehe ich auch so. Nur mal ein ganz naiver Gedanke: Würde die große Mehrheit der Nutzer ohne Zwang und Kontrolle digitale Güter nur in der erlaubten Weise nutzen, müsste sich die Medienindustrie überhaupt keine Sorgen machen. Und die Bibliotheken auch nicht. An sich würde es ja reichen, nach Ende der Leihzeit seine digitale Kopie zu löschen. Wie die Bibliothek der Zukunft aussehen kann,ist eine sehr spannende Frage. Vielleicht irre ich mich und die Bücher aus Papier werden nicht aussterben. Doch falls gedruckte Bücher einen ähnlichen Status erhalten wie Schallplatten, sehe ich noch nicht, wie eine kostenlose Ausleihe funktionieren soll. Die Knappheit der Leihexemplare ist geradezu eine Voraussetzung für das Konzept der Bibliothek. Wenn ein Buch jederzeit digital für einige Wochen ausgeliehen werden könnte und nach Ablauf der Zeit gleich eine neue Ausleihe möglich wäre - bei Büchern aus Papier ist eine Verlängerung und das Ausleihen eines weiteren Exemplares ja ebenfalls möglich - wer würde dann noch ein Buch kaufen? Ein Leihexemplar und ein Kaufexemplar unterscheiden sich beim Lesen dann ja nicht mehr. Die Zahl der Leihexemplare zu beschränken, wäre also unbedingt erforderlich. Ich glaube aber eher, dass die Leihbibliothek keine Zukunft hat. Im universitären Bereich ist eine ganz andere Sache. Eingeschriebene Studenten könnten während ihrer Studienzeit alle Titel auf ihren E-Book-Reader laden, die Universität würde einfach eine Lizenzgebühr pro Student oder für das tatsächliche Ausleihen zahlen. Vielleicht sterben die Leihbibliotheken für die Allgemeinheit, doch sehr spannend könnte ein Mietmodell (mangels Ehrlichkeit der Menschen wohl mit DRM realisiert) sein, bei dem man Bücher für eine Tagespauschale auf dem Reader nutzen würde. Sinnvoll wären hier natürlich Flatrates, die für 10 oder 20 € im Monat für mehr oder weniger sämtliche Bücher eine Nutzungsmöglichkeit eröffnen. Die Verlage sind völlig zu recht in Panik. Meine Befürchtung ist, dass sich E-Book-Reader - so sie denn alltagstauglich sind - in den nächsten Jahren massenhaft verbreiten - weil unzählige Leute sich ihre Bücher dann illegal downloaden. Das ist wie bei den MP3-Playern: Wenn man die ganze Musik umsonst bekommt, lohnt sich der Kauf eines teuren Players. Und um den Bezug zu MP3s noch einmal herzustellen: Die Nutzer sind bereits gut trainiert. Das übertragen sie mühelos auf die Bücher. Deshalb sollten die Verlage ganz viel Mut zusammennehmen, um mit attraktiven Flatrates und Kombiangeboten die Führung zu übernehmen. Mit Kombiangeboten meine ich Modelle, wie sie sich im Mobilfunk bewährt haben: Hardware verschenken / stark verbilligen und dafür einen akzeptablen Monatspreis verlangen. Natürlich würden sich einige Leute trotzdem illegal die Bücher beschaffen, doch was sich verhindern lässt, ist, dass der illegale Download zum gesellschaftlich fast allgemein akzeptierten Verhalten wird. Gibt es die Hardware aber fast umsonst und sind monatlich mehrere Bücher schon "mit drin im Vertrag" (Kauf, dann ohne DRM) bzw. kann man alternativ mittels Flatrate (Miete mit DRM)alle verfügbaren Bücher lesen, die man möchte, wäre das ein Angebot, das mit den illegalen Angeboten konkurrieren könnte.

  • mds

    23.03.09 (21:14:57)

    Raubkopien Da kein Raub vorliegt, bitte ich darum, diesen überkommenden Begriff nicht mehr zu verwenden … allein schon aus Respekt all jenen gegenüber, die tatsächlich von Raub betroffen sind oder waren. Zur traditionellen Bibliothek: Für mich ist diese am Sterben, ich verwende sie nur noch, wenn unbedingt notwendig – beispielsweise weil rückständige Universitäten ihre eigenen Inhalte nicht online zugänglich machen … für digitale Werke ist keine Bibliothek mehr notwendig, der Bibliothek entspricht das «Mieten» von digitalen Inhalten für einen bestimmten Zeitraum.

  • Daniel Niklaus

    24.03.09 (00:32:30)

    Das MIT stellt ihre Kursunterlagen heute schon gratis zur Verfügung und natürlich wäre es toll, wenn wir alle möglichst "gratis" auf diesen Fundus zugreifen können. Wer aber einfach nur "will haben" ruft, darf sich nicht über Gegenwehr wundern. Diese Diskussion führen wir bei jeder neuen Technologie: Radio, TV, Video, CD. Wenn wir etwas von der Vergangenheit lernen können, je schneller wir akzeptieren, dass es Urheberrechte gibt und dass die Medienindustrie sich auch bewegen muss, desto schneller finden wir Lösungen im Interesse der Hörer, Leser, Zuschauer, Künstler, Verleger und Produzenten. Aber das setzt Denken ausserhalb der eigenen Box voraus. Bei allen Parteien.

  • mds

    24.03.09 (01:06:39)

    Wenn wir etwas von der Vergangenheit lernen können, je schneller wir akzeptieren, dass es Urheberrechte gibt und dass die Medienindustrie sich auch bewegen muss, desto schneller finden wir Lösungen im Interesse der Hörer, Leser, Zuschauer, Künstler, Verleger und Produzenten. Wieso muss man akzeptieren, dass es Urheberrechte gibt? Lesetipp: http://www.dklevine.com/general/intellectual/againstfinal.htm

  • Emil Wettstein

    24.03.09 (05:02:53)

    Der Gedanke von mds, "der Bibliothek entspricht das «Mieten» von digitalen Inhalten für einen bestimmten Zeitraum." finde ich einleuchtend und weiterführend. Ich frage mich dann: wie entwickeln sich bei den verschiedenen Medien die Geschäftsmodelle, die auf einer Miete aufbauen, beispielsweise die Video-Shops? Ob sie Erfolg haben hängt einerseits von der Preisdifferenz zw. Miete und Kauf ab. Anderseits von der Zutrittsschwelle: Oeffnungszeiten, Zeitaufwand für den Weg zur Stelle, wo gemietet werden kann. Früher hat es private Leihbibliotheken für Bücher gegeben, wie heute (noch) Video-Shops. Sie sind alle eingegangen, geblieben sind nur noch öffentliche Büchereien, deren Kosten nicht mehr von den Benutzer/innen getragen werden. Angesichts der Tatsache, dass zusätzliche Kopien bei digitaler Verbreitung praktisch kostenlos sind, dürfte sich der Kaufpreis immer mehr dem Mietpreis angleichen. Die Entwicklung beim Musik-Markt, den Apple mit seinem Shop eingeleitet hat, zeigen dies. Nachdem diese Firma ihr Modell sehr erfolgreich auch auf Programme ausgeweitet hat würde mich nicht wundern, wenn sie bald auch in den Markt mit Texten einsteigen würde! Anders gesagt: universeller Zugang mit minimalem Aufwand zur Ueberwindung der Zutrittsschwellen und Ablösung der Miete durch Kauf zu sehr bescheidenen Peisen. Ist der universelle Zugang zu Literatur zu sehr bescheidenen Preisen nicht genau das, für was öffentliche Bibliotheken geschaffen wurden? Abgelöst werden sie deswegen nicht. Vergessen wir nicht: noch nie hat eine neue Distributionsform von Kultur eine alte abgelöst. Vgl. DVD - CD - Schallplatte ... ja sogar Lochstreifen für Musikautomaten und Spieldosen werden weiterhin verkauft! Emil Wettstein

  • bw

    24.03.09 (07:16:30)

    Der Artikel ist nicht so gut recherchiert, wie es scheint. Bibliotheken sind insbesondere im digitalen Mediensektor auf dem Vormarsch, als Beispiel der Öffentlichen Bibliotheken sei auf die innovative "Onleihe" verwiesen. Über 60 Bibls bieten das schon an. Man kann dort eBooks, Hörbücher, Zeitungen (FAZ, etc.) herunterladen und für einen befristeten Zeitraum nutzen - die klassische Ausleihe, aber für Digitale Medien via Internet. Glaubt man den Machern, können die Medien auch künftig auf eReadern verwendet werden. Also: Nichts ist, mit Schluss der Bibliotheken wegen eBooks - jetzt geht es erst los!

  • Daniel Niklaus

    24.03.09 (07:28:15)

    @mds Man "muss" gar nichts akzeptieren. Zwischendurch eine Revolution ist ganz lustig ;-) Ich würde aber behaupten, dass System des geistigen Urheberrechte ist zu stark, als das es heute schon gekippt werden kann. Dazu braucht es eine dramatische Revolution. Denn neben dem Urheberrecht gibt es noch weitere geistige Rechte wie Patent- und Markenrechte. Von denen hängen zu viele Arbeitsplätze in der westlichen Welt ab. Aus meiner Sicht ist es unrealistisch, dass hier alles umgekrempelt wird.

  • Martin Weigert

    24.03.09 (08:43:12)

    Langfristig sehe ich keinen Sinn in der Miete einzelner, digitaler Güter - egal ob Musik, Bücher oder was auch immer. das Mietprinzip lässt sich nur bei knappen Gütern rechtfertigen. Digitale Güter sind nicht knapp sondern können ohne zusätzliche Kosten beliebig vervielfältigt werden. Eine Flatrate halte ich da schon für etwas sinnvoller. Fragt sich aber, ob Bibliotheken mit den entstehenden, großen kommerziellen eBook-Shops mithalten können. Und ob diese staatlich subventionierte Konkurrenz akzeptieren werden. Das wird noch spannend!

  • tmos

    24.03.09 (08:49:16)

    In meinem Wohnzimmer werden immer Bücher mit Fadenrückstichbindung die Regale säumen. Auch wenn dann ein Kindle (oder Derivat) irgendwo rum liegt, dass ist nicht das gleiche und wird sicherlich nur ein Parallelmedium. So wie heute immernoch Schallplatten und CDs zu kaufen sind. Hier ist auch ganz klar die kulturelle Dimension zu sehen. Wer Bücher liest und mag, der wird sich die Lieblingsbücher ins Regal stellen. Wer keine Buchkultur hat (ebenso wie bei der Musik) zieht sich seinen Ipod, die externe Festplatte oder das Handy voll mit PDFs die er nie lesen wird. Schade.

  • Holger Behrens, DiViBib GmbH

    24.03.09 (09:58:26)

    Zur Ergänzung des Kommentars von bw möchte ich noch ein paar Details zu dem Modell der Onleihe beisteuern. Hier mal eine mögliche Definition: Über eine Onleihe können + digitale Medien aller Art + über das Internet, + einfach + durch registrierte Bibliotheksbenutzer + für eine zeitlich befristete Nutzung + ausgeliehen / herunter geladen werden. Die öffentlichen Bibliotheken im deutschsprachigen Raum sind tatsächlich durchaus bereits sehr aktiv im Bereich der Ausleihe von digitalen Medien - die ersten vier Bibliotheken Hamburg, Würzburg, Köln und München haben immerhin schon vor fast zwei Jahren angefangen (31.05.2007)! Seit diesem Zeitpunkt hat sich die Zahl der beteiligten Bibliotheken und das Medienangebot sehr stark ausgeweitet. Zum jetzigen Zeitpunkt können die öffentlichen Bibliotheken faktisch fast alle relevanten E-Book-Inhalte (insbesondere Sachbücher und Ratgeber), die es auf dem deutschsprachigen Markt derzeit gibt, auch anbieten. Da sich belletristische Verlage erst seit einigen Monaten mit dem Thema E-Book beschäftigen, was z.B. auch dadurch zum Ausdruck kommt, dass das Medienangebot von Libri/Sony mit deutlich unter 1.000 Titeln gestartet ist, steckt auch bei der Onleihe das Thema Belletristik noch in den Kinderschuhen. Die Befürchtung von Martin Weigert, dass die öffentlichen Bibliotheken mit den kommerziellen Shops nicht mithalten können, ist somit also derzeit nicht berechtigt. Allerdings verstehen sich die Bibliotheken auch gar nicht als Konkurrenz zu den E-Book-Shops, sondern als deren Partner: die öffentlichen Bibliotheken werden wesentlich zur "Normalisierung" und Verbreitung von digitalen Medien beitragen. In den USA sind die öffentlichen Bibliotheken schon ca. drei Jahre länger auf dem Feld der digitalen Ausleihe aktiv und es gibt eigentlich kaum noch eine amerikanische öffentliche Bibliothek, die keine digitalen Medien ausleiht. Innerhalb der digitalen US-Buchbranche, haben die öffentlichen Bibliotheken schon lange einen festen Platz und haben u.a. auch den Erfolg des Amazon Kindle vorbereitet. In den nächsten Monaten wird es auch in den Onleihen möglich sein, dass man die ausgeliehenen Inhalte auch auf E-Book-Reader übertragen kann, was diese Reader deutlich attraktiver machen wird: immerhin kann ein E-Book-Reader-Käufer dann über eine kostenlose oder billige Mitgliedschaft in seiner Stadtbibliothek auch E-Books für seinen Reader ausleihen. Insgesamt ist die Unkenntnis von Marcel Weiss über die Onleihe jedoch nicht zwingend ein Beleg für mangelhafte Recherche, sondern eher dafür, dass die öffentlichen Bibliotheken dieses hochattraktive Angebot noch nicht hinreichend öffentlichkeitswirksam vermarkten. Aber auch dieses Defizit wird sich in den kommenden Monaten auflösen. Mehr über das Konzept der Onleihe und wo es sie (in Deutschland) schon überall gibt, findet man unter www.onleihe.de, von wo man auch direkt zu den jeweiligen Onleihen kommen kann - vielleicht ist ja auch eine Onleihe in Ihrer Nähe! Gehen Sie doch mal wieder in Ihre öffentliche Bibliothek - und wenn es nur virtuell ist. Insgesamt ist die Onleihe zwar in vielen Belangen sicher noch verbesserungsfähig und -würdig, aber schon heute stellt sie eine interessante und vor allem legale Alternative zu den Tauschbörsen dar. Holger Behrens Disclaimer: Ich bin Geschäftsführer der DiViBib GmbH, dem Dienstleister, der hinter der Onleihe steht und das Modell in den deutschsprachigen Raum gebracht hat.

  • Lukas

    24.03.09 (11:39:29)

    Ich finde es 1. mal toll, dass sich hier auch mal jemand "vom Fach" dazusetzt. Vielleicht darf ich auch gleich noch eine Frage dazustellen: Muss ich denn für jede Bibliothek einen eigenen Onleihe-Account haben? (oder hab ich das jetzt nur falsch mitbekommen?) Wenn das System nämlich funktionieren soll, müsste es meiner Meinung nach für mich als Benutzer eine zentrale Verwaltungsstelle geben, wo ich hingehe, möglichst alle verfügbaren Medien (also aus allen Bibliotheken) angezeigt bekomme und die Abrechnung dann automatisch abläuft bzw. an die einzelnen Bibliotheken aufgeteilt wird. Was aber wieder die Frage aufwirft, was passiert, wenn 2 Büchereien das gleiche Buch anbieten? Welches wird angezeigt, wer wird bezahlt (also welche Bibliothek)? Achja und ganz interessant fand ich auch noch folgendes: An allen Ecken wird rumgeheult (zum Glück nicht in diesen Comments :), weil man ja kein DRM will etc. Die Frage ist nur: Wie sonst soll ein Verleih kontrolliert vonstatten gehen. Denn über eines müssen wir uns im Klaren sein. Ab dem Tag, an dem ein Buchautor inkl. Lektor, Manager und was weiß ich noch alles nicht mehr genug Geld verdient wird dieser Autor kein Buch mehr schreiben (von ein paar Idealisten mal abgesehen). Und was lesen wir dann?

  • Holger Behrens, DiViBib GmbH

    24.03.09 (12:56:21)

    Hallo Lukas, vielen Dank für Ihr Interesse. Gerne konkretisiere ich hier noch einmal ein paar Aspekte des Dienstes Onleihe: Es handelt sich grundsätzlich um einen Dienst einer bestimmten öffentlichen Bibliothek für deren eigene registrierte Mitglieder. Jede teilnehmende Bibliothek entscheidet unabhängig, welche Titel sie aus dem Medienangebot kaufen möchte und ihren Mitgliedern anbieten möchte. Nur von der Bibliothek gekaufte Medien, tauchen dann auch in der jeweiligen Onleihe auf. Es gibt also keine zentrale "Verwaltungsstelle", sondern jeder Bibliothek ist da autonom in ihrer Entscheidung, was u.a. dazu führt, dass es keine Onleihe mit identischen Beständen gibt, sondern jede ihr eigenes Bestandsprofil hat. Als Mitglied einer bestimmten Bibliothek können Sie auch nur Medien aus dem Bestand dieser Bibliothek (sehen und) ausleihen. Das Verfahren ist also absolut identisch zur "physikalischen Welt", wo man auch nicht alle Medien ausleihen kann, die in einem Jahr veröffentlicht werden. Dafür gibt es verschiedene Gründe (die teilweise in den Kommentaren auch schon genannt wurden), aber es hängt u.a. auch damit zusammen, dass öffentliche Bibliotheken eine kommunale Einrichtung sind und diese somit auch von den Kommunen finanziert werden. Sicher kann man über diese "künstliche" Beschränkung trefflich streiten; wir halten den Ansatz aber im Moment für das "konsensfähigste" Modell und haben es darum gewählt - volkswirtschaftliche Grundsatzüberlegungen von Martin Weigert zu gesunkenen Grenzkosten bei der Distribution von digitalen Medien einmal beiseite lassend. Mitglied in einer bestimmten Bibliothek können Sie nur über die Bibliothek werden und im Regelfall ist dies mit einem (geringen) Jahresbeitrag verbunden. Wenn Sie dann aber Mitglied sind, kostet Sie im Regelfall das Ausleihen eines E-Mediums nichts mehr extra. Vielen Dank für Ihren Hinweis auf die Notwendigkeit eines DRMs in diesem Kontext, für das wir von einigen Open Access (man muss schon fast sagen) "Fanatikern" heftig kritisiert wurden. Aber es handelt sich bei unserem Dienst nun mal um eine OnLEIHE und nicht um eine OnSCHENKE. Beim Kauf von Medien kann man sicher mit guten Gründen ganz anders über DRM argumentieren, aber zumindest aus Sicht der Onleihe-Nutzer ist das Verfahren anerkannt und akzeptabel.

  • Peter

    24.03.09 (14:08:06)

    Ich glaube, dass der Text am Ende nicht deutlich genug auf die Unterschiede zwischen Wissenschaftlichen und Öffentlichen Bibliotheken eingeht. Also dem Unterschied zwischen den Stadtbibliotheken und Büchereien sowie den Bibliotheken der Universitäten, der Fachhochschulen und den unzähligen Spezialbibliotheken in Unternehmen, Forschungseinrichtungen und weiteren Organisationen. Öffentliche Bibliotheken: Die Öffentlichen Bibliotheken werden heute so stark frequentiert wie nie zuvor. Das Angebot ist inzwischen allumfassend. Es gibt Bibliotheken die DVDs sowie PC- und Videospiele ( für Xbox 360, Playstation 3, Wii) verleihen. Im Gegensatz zu den Videotheken ist die Leihe für solche Medien oft kostenfrei und im Jahresbeitrag (oft zwischen 20-35 Euro) schon „mit drin“. Zudem bieten viele Bibliotheken im öffentlichen Bereich kostenlosen Internetzugang an. Alles steht unter dem Gebot des freien Zugangs zu Informationen, der im Grundgesetz verankert ist. Und in diesem Rahmen spielt auch die Onleihe. Am Anfang sicher gewöhnungsbedürftig, weil mit DRM gearbeitet wird. Trotzdem: Macht es einen Unterschied ob ich ein Buch für 4 Wochen in gedruckter Form oder digital ausleihe? Eigentlich nicht. Ich bekomme mein Buch, kann es lesen und ich muss es nicht mal zurückbringen, denn im Gegensatz zu gedruckten Werken die man wieder zurück in die Bibliothek tragen muss, „verfällt“ die digitale Kopie nach dem Ende der Leihfrist einfach . Des weiteren muss man erwähnen, dass Öffentlichen Bibliotheken heutzutage viel mehr sind als nur Bücherhallen. Oftmals ist die Stadtbibliothek das kulturelle Zentrum einer Gemeinde. Leseförderung für die Kleinen, Kooperation mit den örtlichen Schule, Schulungen zum Thema Recherche und Informationskompetenz für Bürger, Lesungen, Projekttage, Zusammenarbeit mit den Volkshochschulen, und und und … Die Öffentlichen Bibliotheken wird es noch eine sehr lange Zeit geben, vor allem auch deshalb, weil nach dem Begleichen einer Jahresgebühr die Nutzung vollkommen kostenlos ist. Wenn ich mich deshalb entscheiden muss, ob ich ein Buch, welches ich sowieso nur für einen begrenzten Zeitraum brauche (nämlich bis ich es fertig gelesen habe oder das Thema durch ist) kaufe oder leihe, dann entscheide ich mich meistens für die Leihe. Bibliotheken kommen der „alles kostenlos“-Mentalität der heutigen Jugend damit schon sehr nahe ;) Wissenschaftliche Bibliotheken: Bei den Wissenschaftlichen Bibliotheken ist die Entwicklung hin zu digitalen Medien schon sehr weit fortgeschritten. Viele der Zeitschriften und Bücher an den Unis sind digital zugänglich. Möglich wird dies durch Konsortialverträge: mehrere große Bibliotheken schließen sich zu Konsortien zusammen um genügend Gewicht in die Verhandlungen mit den Monopolisten im Bereich der wissenschaftlichen Verlage mit einbringen zu können. Über Konsortialverträge und die von der DFG geförderten Nationallizenzen (bundesweit für jeden Bürger kostenfrei zugängliche, weil von der DFG lizenzierte Fachdatenbanken und Zeitschriftenarchive) ist also ein Teil des Bibliotheksbestandes den Studenten und Professoren schon online zugänglich. Man muss noch dazu sagen, dass die Wissenschaftlichen Bibliotheken auch eine Archivfunktion haben. Angenommen der Verlag kündigt einseitig die Lizenzverträge oder die Bibliothek kann den Vertrag mit einem Verlag nicht verlängern, weil kein Geld mehr da ist und an allen Ecken und Enden gespart wird, dann kann es unter Umständen dazu kommen, dass der Zugang zu vielen Informationen über Nacht einfach wegfällt. Eigentlich eine untragbare Situation. Die papierenen Versionen stehen dagegen für die nächsten Jahrzehnte im Magazin und sind verfügbar, selbst wenn der Verlag pleite geht. Die Wissenschaft und die Bibliotheken dürfen sich durch die reine Lizenzierung der Literatur nicht in die vollkommene Abhängigkeit der Verlage begeben. Dazu kommt, dass es an den Hochschulen in den letzten Monaten und Jahren eine sehr interessante Entwicklung gibt: die Universitätsbibliothek wird an manchen Standorten mit dem Rechenzentrum der Universität fusioniert, was Synergieeffekte hervorbringt. Bibliothekare, Informatiker und Administratoren arbeiten dort Hand in Hand. Dazu kommt die Entwicklung im Bereich „Open Access“ (habe ich jetzt keine Lust zu erklären, könnt ihr ja nachlesen). Viele Universitäten gründen eigene Univerlage (Beispiele Karlsruhe, Konstanz, Göttingen, Leipzig, etc.). Ich glaube, dass diese Einrichtungen in Zukunft ebenfalls in den Bereich Bibliothek-Rechenzentrum integriert werden. Die Universitäten werden zukünftig ein „Informationszentrum“ besitzen, in dem die Bibliothek gebündelt wird mit dem Rechenzentrum, der Verwaltung der Datenbanken, den Repositorien sowie den Universitätsverlagen. Dieses Zentrum wird der Mittelpunkt der Verfügbarmachung der Informationen einer Universität sein. Die Professoren und Studenten greifen über dieses Zentrum auf Informationen zu (natürlich volldigital und vom Arbeitsplatz aus) und alles was veröffentlicht wird geht über dieses Zentrum nach draußen (Dokumentenserver, Druck und Vertrieb von Dissertationen, Redaktion der Open Access-Zeitschriften usw. usf.). So oder so ähnlich wird es wohl kommen, denke ich. Aber wie Marcel Weiss schon gesagt hat: „Ein interessantes Spannungsfeld.“ :-)

  • Holger Behrens, DiViBib GmbH

    24.03.09 (15:21:36)

    Hallo Peter, vielen Dank für die Erläuterungen und Ergänzungen, die ich vollumfänglich unterstützen kann. Sie beschreiben die Ist-Situation absolut richtig und um die besondere Situation der jeweiligen Bibliotheken (und deren Nutzer) zu verstehen, sind Ihre Differenzierungen sehr hilfreich/notwendig. Da merke ich doch mal wieder, dass ich, obwohl von Hause aus "fachfremd", doch schon sehr tief in die Bibliothekswelt eingetaucht bin und bestimmte Dinge einfach als selbstverständlich hinnehme, bzw. vergesse, dass sie es nicht sind. ;-)

  • Marcel Weiss

    24.03.09 (16:13:26)

    @Mareike: "Wird es nicht /immer/ Leute geben, die “in der Offline-Welt” leben? Und die müssen dann einfach sehen, wo sie bleiben, weil sie eine zu geringe Minderheit darstellen?" Ja, die zunehmende Aufteilung der Gesellschaft in die, welche online sind und die, die es nicht sind, wird zu einem zunehmenden Problem, dem sich die Politik irgendwann wird annehmen müssen. @Alex: "Wofür stehen in deinem Beispiel die 0 cent, 1 cent, 10 euro? Ist nicht der Unterschied der Grenzkosten beim letzteren größer?" Das war wahrscheinlich unglücklich von mir formuliert. Der Unterschied ist größer zwischen 0 und einem Cent, weil er zu größeren Implikationen führt. Das habe ich versucht, klar zu machen. Ob Du für die Herstellung einer Einheit Deines Produkts 1 Cent oder 10 € bezahlst, hat in erster Linie eine Auswirkung auf Deine Kalkulation. Dein grundlegendes Geschäftsmodell ändert sich da nicht - geht man von proportional gleichen Kostenverläufen und vereinfachter Umwelt aus -. Bei nicht existenten Grenzkosten für die Herstellung einer weiteren Einheit eines Produkts dagegen siehst Du Dich einer völlig anderen Grundausgangslage gegenüber. Jetzt ergibt es zB auf einmal Sinn, das was man früher als Produkt verkauft hat, als Promogrundlage zu verstehen und das Geld indirekt damit zu verdienen. Erst das ermöglicht auch Filesharing, dass irreführend als "Piraterie" bezeichnet wird, und jedes Geschäftsmodell auf Basis des Verkaufs einzelner Einheiten zerstört. "Ich glaube nicht, dass sich die Kostenstrukturen wesentlich ändern: Geringe variable Kosten dürften auch schon heute auf Bücher in Papierform zutreffen. Die Kosten für Autoren, Marketing, Verwaltung und sonstige Gemeinkosten werden wohl nicht so stark sinken." Es gibt keine variablen Kosten für das Erstellen einer digitalen Kopie. @Oliver Springer: Wie gesagt, nur weil die Verbreitung von Büchern künftig vielleicht ohne direkte Transaktionen von Geld vonstatten geht, bedeutet das nicht das Ende der Branche, der Literatur und der westlichen Gesellschaft. Es bedeutet das Ende des aktuellen Geschäftsmodells. Da besteht ein sehr großer Unterschied. :) Ich sehe es ansonsten auch wie mds und finde, dass wir wirklich aufhören sollten den Propagandabegriff "Raubkopie" zu verwenden. Er impliziert einen Umstand, der so nicht stattgefunden hat. @Daniel Niklaus: Ich schließe mich der Frage von mds an. :) Ich finde, dass das aktuelle Urheberrecht dem Internet nicht mehr gerecht wird. Ich versuche das mit Fragen, wie denen die ich im Artikel aufgeworfen habe, verständlich zu machen. Man kann da natürlich ein "will haben" herauslesen und dem, der diese Fragen aufwirft somit Geiz oder Raffgier unterstellen, das ist aber eine Nebelkerze und führt am Thema vorbei. Ich habe übrigens bewusst versucht, mich auf Fragen und Probleme zur neuen Situation zu konzentrieren und mögliche Antworten weitestgehend auszulassen. @Emil Wettstein: "Vergessen wir nicht: noch nie hat eine neue Distributionsform von Kultur eine alte abgelöst. Vgl. DVD - CD - Schallplatte … ja sogar Lochstreifen für Musikautomaten und Spieldosen werden weiterhin verkauft!" Ich höre dieses Argument ziemlich oft und habe es früher auch unterschrieben. Mittlerweile halte ich das für irreführend weil es die disruptive Kraft des Internets völlig unterschätzt. Das Web wird als zugrundeliegende Infrastruktur in sagen wir spätestens 40 Jahren sämtliche anderen Infrastrukturen verdrängt bzw. substitutiert haben. Das schließt TV, Rundfunk und (noch vor allen anderen) Print mit ein. Einzig Notfallkanäle werden wohl aus Redundanzgründen außerhalb des Webs bestehen bleiben. @bw: Es ging mir nicht um die aktuelle Situation der Bibliotheken. Dass diese digitale Angebote anbieten, war mir klar. Allerdings kannte ich "Onleihe" vorher tatsächlich nicht. Im Artikel ging es mir mehr um die künftigen Reibungspunkte, die durch die sich verändernden Dynamiken entstehen. @tmos: "Wer Bücher liest und mag, der wird sich die Lieblingsbücher ins Regal stellen. Wer keine Buchkultur hat (ebenso wie bei der Musik) zieht sich seinen Ipod, die externe Festplatte oder das Handy voll mit PDFs die er nie lesen wird. Schade." Nur damit ich das richtig verstehe: 'Buchkultur' hat nur der, der sich die Bücher ins Regal stellt? Derjenige, der sich Bücher nur ausleiht und liest, kann diese nie haben, ja? Und was lässt Dich glauben, dass die, die Inhalte digital konsumieren, diese nur horten und nicht tatsächlich lesen, hören etc.? Eine sehr eigenwillige Weltsicht.

  • Marcel Weiss

    24.03.09 (16:43:01)

    @Lukas: "Ab dem Tag, an dem ein Buchautor inkl. Lektor, Manager und was weiß ich noch alles nicht mehr genug Geld verdient wird dieser Autor kein Buch mehr schreiben (von ein paar Idealisten mal abgesehen). Und was lesen wir dann?" Irreführend. Es ist nicht gesagt, dass niemand mehr mit Büchern Geld verdienen kann, nur weil diese online kostenfrei verfügbar sind. Man darf nicht vom Verschwinden eines Geschäftsmodells darauf schließen, dass der gesamte Wirtschaftszweig aufhört, zu existieren. @Holger Behrens: Sehr interessante Ausführungen. Danke für die Kommentare! Eine Frage: Welches DRM setzen Sie ein? Werden alle verfügbaren E-Reader mit ihren jeweils speziellen DRM-Systemen unterstützt werden? Wird man künftig jeden neu erscheinenden E-Reader und dessen DRM unterstützen? Mich interessieren die Antworten tatsächlich, allerdings will ich mit dem Fragenschwall auch auf ein grundlegendes Problem mit DRM verweisen. ;) "Sicher kann man über diese “künstliche” Beschränkung trefflich streiten; wir halten den Ansatz aber im Moment für das “konsensfähigste” Modell und haben es darum gewählt - volkswirtschaftliche Grundsatzüberlegungen von Martin Weigert zu gesunkenen Grenzkosten bei der Distribution von digitalen Medien einmal beiseite lassend." Der Artikel und die Überlegungen zu den gesunkenen Grenzkosten stammen von mir, nicht Martin. ;) Das dieses Modell, das sich an der analogen Welt orientiert, heute am konsensfähigsten ist, ist logisch. Ich glaube aber, dass es langfristig das nicht bleiben wird. Hier meine Überlegungen, was passieren wird: Aktuell ist Ihr Angebot ein Zusatzangebot für einige, wenige Interessierte. Fast Forward 10 Jahre: Sagen wir 80 bis 90% der Bevölkerung besitzen einen E-Reader oder ein vergleichbares Gerät, mit dem man auch online Bücher ausleihen kann (für die folgenden Überlegungen dürften bereits 40 bis 50% und oft sogar noch weniger reichen). Was wird passieren? Die sagen wir 5 oder 10 "Online-Exemplare" eines Buches, für das die Bibliothek eine Lizenz zur Online-Ausleihe erworben hat, werden permanent "ausgeliehen" und vorgemerkt sein, sofern dieses Buch auch nur ansatzweise Interesse erzeugt. Warum? Es ist günstig, bequem (ein Tastendruck, unabhängig von Geografie und Öffnungszeiten) und es gibt im Gegensatz zur Analogwelt keine qualitativen Unterschiede zwischen erworbenem Neuexemplar und ausgeliehenen 'benutzten' Exemplar. Ergebnis: Online-Versionen von Bibliotheken, die sich in ihrer Konzeption an der analogen Welt orientieren - 'wir bieten x Exemplare zum Ausleihen an' -, werden unweigerlich mit der weiten Verbreitung von E-Readern mit Zugriff auf sie praktisch nutzlos. Besonders ärgerlich wird dieser Umstand dann zum Beispiel auch für Studenten sein, die dringend ein bestimmtes Buch benötigen, aus Lizenzgründen aber immer auf die analogen Exemplare in der Uni-Bibliothek zurückgreifen müssen, weil Präsenzexemplare digital natürlich nicht umsetzbar sind, solang die Verlage nicht mitspielen. Das ändert nichts an Ihrem kurz- und mittelfristigen Vorgehen. Aber Sie sollten verstehen, dass Sie auf einer Zeitbombe sitzen. :)

  • Marcel Weiss

    24.03.09 (16:49:19)

    @Peter Danke für die Ausführungen! Die Erwähnung der zusätzlichen Aufgaben, welche öffentliche Bibliotheken heute übernehmen, ist richtig und wichtig. Es ging aber im Text nicht um sie, sondern um die Aufgabe des Ausleihens von Büchern und wie sich die Struktur dieser Aufgabe bald verändern wird. "Die papierenen Versionen stehen dagegen für die nächsten Jahrzehnte im Magazin und sind verfügbar, selbst wenn der Verlag pleite geht. Die Wissenschaft und die Bibliotheken dürfen sich durch die reine Lizenzierung der Literatur nicht in die vollkommene Abhängigkeit der Verlage begeben." Ein wichtiger Punkt. Stimme ich zu. Danke für den Kommentar.

  • Daniel Niklaus

    24.03.09 (18:55:33)

    @Marcel Wir sind beide einer Meinung, dass aktuelle Urheberrecht wird der neuen Situation nicht mehr gerecht. Es müssen Änderungen in Bezug auf Kriminalisierung, Wiederverwertung (Mixing), Dauer der Urheberrecht usw. gemacht werden. Wir können daraus eine langwierige Sache machen und über Jahre ideologische Grabenkämpfe ausfechten oder die Interessen aller Parteien zu einem neuen Ganzen zusammenführen. Give a little take a little

  • Jan

    25.03.09 (15:34:43)

    Vielleicht von Interesse: Die Bibliothek Hannover hat eine virtuelle Bibliothek mit einer E-Ausleihe gestartet. Ganz so unmöglich scheint das also nicht zu sein. Natürlich sind die Dateien schwer mit DRM belegt. Aber das war ja auch nicht anders zu erwarten...

  • eder

    27.03.09 (09:37:29)

    Stimme dir zu, tmos. Muss aber auch zugeben, dass ich mir nur noch ausgewählte CDs "zum Anfassen" kaufe. Viele Songs lade ich mir -wenn auch auf kostenpflichtigen Portalen- runter. Bei Büchern werde ich allerdings beim Altbewährten bleiben. Nicht nur, weil ich die Literatur im Regal stehen haben möchte. Ich finde es einfach angenehmer, ein Buch in der Hand zu halten und von Papier zu lesen, als über Stunden hinweg auf einen Display zu gucken. Aus dem Grund würde ich auch weiterhin die Uni-Bibliotheken nutzen.

  • Anna

    07.08.09 (13:36:56)

    auch wenn ich ziemlich spät dran bin... @Marcel: Die Aussage, dass bei Kopien digitaler Bücher die Grenzkosten gleich 0 sind, ist theoretisch richtig, jedoch - heutzutage - in der Realität nicht: Lizenzen für Bilder, Autorenhonorar, etc. sind momentan Auflagenabhängig. Dadurch sind die Grenzkosten ungleich 0 und eBooks werden in der Kalkulation behandelt wie gedruckte Bücher. Aber das könnte sich ja in Zukunft ändern. Viel interessanter: wie genau stellst Du Dir das neue Geschäftsmodell vor? Problemlos zu monetarisieren sind nicht-rivale Güter (oder eben Güter mit Grenzkosten=0) ja nur, wenn man Leute von dem Konsum ausschließen kann. In diesem Wissen findet ja auch der verzweifelte Versuch der Industrie mit DRM statt...

  • Marcel Weiss

    07.08.09 (13:43:11)

    @Anna: Du verwechselst Preisgestaltung und Kosten. Die Grenzkosten, also die Kosten für die Anbieter bei einem weiteren Gut, betragen Null. Dass diese dann Kosten bei der Preisgestaltung aufschlagen, um insgesamt Break Even zu erreichen, ist logisch. Künstliche Knappheit mit DRM herzustellen war und ist zum Scheitern verurteilt. Geschäftsmodell: Ich habe keine Lösung. Es wird auch ncith nur ein Geschäftsmodell geben. Ich glaube, dass vieles sich in Richtung kollaborativ und freiwillig bewegen wird (siehe Wikipedia) und der Rest über indirekte Bezahlung seine Angebote refinanziert.

  • Marcel Weiss

    07.08.09 (13:46:17)

    (Anbieter sehr lose gesehen. Auflagenabhängige Vertragsgestaltung sorgt natürlich zu einem weiteren Spannungsfeld zwischen Urhebern, Intermediären (Verlage) und Abnehmern.)

  • Anna

    07.08.09 (14:26:12)

    momentan haben verlage kosten für eine zusätzliche verkaufte/verschenkte kopie eines elektronischen buches: 1. für die distribution (zb. download vom server. in einer musterkalkulation aus dem börsenblatt beziffert mit 85ct. pro buch!) 2. autorenhonorar (auflagenabhängig, vertraglich meist höher angesetzt als bei der printversion) 3. weitere auflagenabhängige kosten. mit dem preis hat das doch gar nichts zu tun... was meinst Du, habe ich verwechselt? oder vielleicht: wen meinst du mit "anbieter"?

  • Marcel Weiss

    07.08.09 (16:13:20)

    Nein, Du hast recht. Ich hatte die auflagenabhängigen Vertragsposten ignoriert. Die fallen natürlich auch bei digitalen Produkten in die Grenzkosten. Inwiefern solche Vertragsbestandteile langfristig Sinn ergeben, kann ich nicht sagen, ich würde aber vermuten, dass das langfristig(!) zum Auslaufmodell wird. Hmm, darüber muss ich mal nachdenken. Könnte ein weiteres Spannungsfeld zwischen Urhebern und Verwertern werden.

  • Daniel Niklaus

    08.08.09 (10:03:52)

    @Marcel Ich bin positiv irritiert. Bis jetzt argumentierst du immer, es kann ein fremder eine Kopie anfertigen und es wird dem Verlag nichts gestohlen. Der Verlag muss also dem Autor keine auflagenabhängigen Vertragsposten zustehen, wenn der fremde eine Kopie zieht. Hat sich bei dir was bewegt? Hat der Autor oder der Verlag heute das Recht dem fremden die Kopie zu verbieten oder ein Entgelt zu verlange?

  • Meeresbiologe

    07.09.10 (11:32:50)

    Die Digitalisierung eröffnet gerade auch im Bereich der Bibliotheken die vielfältigsten interessanten Möglichkeiten, von denen wir uns wahrscheinlich heute en detail vieles noch garnicht richtig vorstellen können. In einem Bereich habe ich allerdings einige Zweifel, ob E-Books hier Printbücher einschneidend verdrängen können. Nämlich in dem nicht ganz unbeträchtlichen Bereich sämtlicher Bücher, die stark von Bildern, Zeichnungen, Illustrationen, Fotos, Farb- und Fotogestaltungen u.ä. leben. Also Bildbände, Fotobände, große Kunstbücher u.ä. - der Bereich, in dem Bücher tatsächlich noch was mit Buchkunst zu tun haben. Habe gestern in der Bibliothek zufällig einen dicken farbigen Bildband-Wälzer namens "Welt der Menschenaffen" durchgeblättert - mit viel Text, Farbe und Fotos gleichermaßen drin. Ich habe meine Zweifel, ob man solche individuellen Bücher tatsächlich in digitale Reader stopfen kann, die schon mal sämtliche Bücher auf eine Bildschirmgröße einstampfen - und ob man solche Buchkunstwerke wirklich an einem Bildschirm genießen kann. Andererseits sind Kataloge heute schon in Flash-Anwendungen ganz gut lesbar. Digitale Bibliotheken mit weniger Printbüchern werden vermutlich Bibliotheken mit viel mehr, vielfältigen digitalen Lesegeräten sein müssen - was auch nicht ganz billig ist. Die Digitalisierung von Bibliotheken wird als nicht allzu rasant erfolgen, weil sie enorme Innovationen und Investitionen erfordert.

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