<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

05.09.13Leser-Kommentare

Mobiles Zahlen ohne Kreditkarte: Ein Überlebensstrohhalm für die SMS

Die SMS scheint wie ein Relikt aus alter Zeit. Als Bezahlmittel hätte sie aber weiterhin grosses Potential, was weitgehend ignoriert wird.

Briefmarke kaufen per SMS - eine neue Dienstleistung der Schweizer Post. Briefkmarke kaufen per SMS - eine neue Dienstleistung der Schweizer Post.

Fünf Jahre nach der Deutschen Post zieht nun die Schweizerische Post nach und bietet einen Service, um die Briefmarke für einen Standardbrief per SMS zu kaufen. Die beiden Dienste funktionieren praktisch identisch. Der grosse Unterschied: Während die Idee 2008 noch innovativ war, wirkt eine SMS-Lösung heute ziemlich altbacken. Auf den zweiten Blick zeigt sich aber, wo die gute alte SMS gegenüber Apps doch noch die Nase vorn hat: Das Inkasso ist schon mit dabei.

 

Online-Bezahlung als Dauerbaustelle

Online-Zahlung ist auch im Jahr 2013 tatsächlich immer noch ein Problem. Trotz vieler Bemühungen hat sich noch kein Zahlungsdienst so richtig breit durchgesetzt. Zwar zeigen Studien, dass Paypal in Deutschland die häufigste Zahlungsart im Online-Geschäft ist. Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass dies oft nur mangels Alternativen der Fall ist. Gerade die Zahlung per Rechnung wird von vielen Usern immer noch bevorzugt - für Händler besteht dabei jedoch kein unwesentliches Inkassorisiko. Häufig bleibt dann noch die Bezahlung per Kreditkarte. Auch diese ist aber oft nur das geringste Übel, sind die Zahlungsprozesse doch alles andere als benutzerfreundlich und die Angst vor Missbrauch der Daten schwingt in so manchem Hinterkopf mit - wenn auch nicht unbedingt begründet. Nimmt man noch die Problematik dazu, dass Händler im Bereich Micropayment eigentlich überall hohe Gebühren zahlen müssen, ergibt sich in der Summe ein Armutszeugnis für das Web: Ein befriedigender Vorgang der Online-Zahlung ist eigentlich noch ausstehend.

Unerwünschter SMS-Retter für Telekommunikationsanbieter?

Ausgerechnet die SMS bietet an dieser Stelle einen entscheidenden Vorteil: Die Premium-SMS (in Deutschland übrigens erst seit 10 Jahren verfügbar) kann dem Endkunden mit einem Preis von bis zu 5 Euro zugestellt werden und wird direkt dessen Mobilfunkrechnung belasten. Kein zusätzlicher Account und keine Kreditkarte ist notwendig. Zwar hat die Premium SMS einen schlechten Ruf, doch eigentlich wäre sie ein geeignetes Mittel für die Telekommunikationsanbieter um den wegen Gratis-Messengern wie WhatsApp laufend sinkenden SMS-Umsätzen etwas entgegenzusetzen. Die Voraussetzungen sind eigentlich ideal: Die User-Daten sind bereits vorhanden, das Inkasso-System steht bereit und die Technologie ist auch jedermann zugänglich.

Die Mobilfunkanbieter wollen diesen Kanal aber offenbar gar nicht als allgemeinen Zahlungskanal anbieten. Vodafone beispielsweise bewirbt Premium SMS als "ideal, wenn Sie zum Beispiel SMS-Chats und TV-Votings, Gewinnspiele [oder] SMS-Games […] anbieten möchten". Die Swisscom sieht SMS-Mehrwertdienste für "Wettbewerbe, mobile Inhalte fürs Handy, Chat-Dienste oder Mobile-Marketing-Aktionen" - in erster Linie alles mobilfunknahe Anwendungen. Eine erstaunliche, selbstauferlegte Einschränkung, die aber nicht ohne Ausnahmen gehandhabt wird. Dass auch es anders geht, zeigen vereinzelte Umsetzungen. Beispielsweise kann in der Schweiz an vielen Snack-Automaten per Handy bezahlt werden.

Der Durchbruch kommt wohl nicht mehr

Kurzzeit-Parktickets, Bus-Tickets im lokalen öffentlichen Verkehr, Kleineinkäufe am Kiosk - spontan kommen einem sofort einige Möglichkeiten in den Sinn, bei denen eine SMS-Zahlung rasch und unkompliziert wäre. Erste Umsetzungen gibt es fast in jedem Bereich, eine grossflächige Nutzung ist bisher aber ausgeblieben.

Es ist davon auszugehen, dass die Bezahlung per SMS den Durchbruch nicht mehr schaffen wird. Zu zurückhaltend sind die Mobilfunkanbieter in diesem Bereich, zu angestaubt wirkt die Technologie mittlerweile für die User. Eigentlich schade, denn man fühlt sich einem Fall einer ignorierter naheliegender Lösung gegenüber. Vielleicht wäre es für alle Entwickler von Zahlungslösungen Zeit, wieder einmal innezuhalten.

Kommentare

  • Roland

    05.09.13 (13:07:18)

    Als praxistaugliches Zahlungsmittel hat sich die SMS aus gutem Grund NICHT durchgesetzt: a) afaik sind nur vordefinierte Preispunkte möglich (der Zahlungsanbieter muss also *vorab* bestimmen welche Preispunkte es gibt.) b) aus User-Experience Sicht macht das m.E. auch keinen Sinn: SMS App öffnen, Premiumnummer per Hand eingeben, Händler-Code in Messagetext per Hand eingeben (was bei Tippfehlern?) => ich warte jedenfalls bis sich NFC als Zahlungstechnologie durchgesetzt hat und ich *hoffentlich* durch einfaches Anhalten meines Handy bezahlen kann...

  • Manuel Reinhard

    05.09.13 (15:57:55)

    Dann bin ich mal gespannt, wie du im Distanzkauf per NFC bezahlen wirst.

  • Doris

    05.09.13 (22:32:55)

    Ich denke, dass die gute alte SMS doch noch eine große Rolle spielt, und zwar bei Nicht-Smartphone-Besitzern. Davon gibt es einige. Die elektronische Zahlung ist aber typischerweise eher was für diejenigen, die eine Wasserwaage auf dem Handy haben und mit SMS nichts mehr am Hut haben. Ich denke, das Zahlungsmodell passt einfach nicht auf den SMS-Nutzer.

  • donnerwetter

    06.09.13 (15:13:47)

    Wenn Distanzhandel Versandhandel ist: Die Götter haben uns schon die segenbringende Kreditkarte gebracht. Wenn Distanzhandel Handel an Orten ohne Internetverbindung ist: Die Götter werden uns segenbringendes Internet an allen Orten bringen, es wird wie Donner alles durchdringen, es wird wie Blitze alles allmächtig durchschlagen und zerstören. Halleluhja x) Oh Großes Google Bring Uns Looon

  • David Prochnow

    06.09.13 (23:07:51)

    Weiterhin stellt sich die Frage, ob der durchschnittliche Busfahrer bereit ist auf sein 2,50€-Ticket nochmal 50 Cent drauf zu legen, um Telekom & Co. zu bezahlen. So ist es ja zumindest beim SMS-Porto für Brief und Postkarte.

  • Manuel Reinhard

    06.09.13 (23:20:07)

    Die Gebühren sind in der Tat zu hoch. Das ist aber eine weitere unverständliche Hürde, welche sich die Mobilfunkanbieter selbst in den Weg legen.

  • André Cuttat

    08.09.13 (16:44:09)

    Mit smarpay bieten wir diesen Dienst in der Schweiz seit 3 Jahren u.a. an den Selecta-Automaten erfolgreich an. Es ist tatsächlich nicht einfach die Telkos zum Mitmachen zu überzeugen. In der Schweiz ist es uns gelungen, in Deutschland kämpfen wir noch ... Wer lieber eine App- oder mobile Internetlösung auf seinem SmartPhone bevorzugt, soll bitte mal einen Test bei schlechtem Empfang machen ... - SMS klappt da noch wunderbar und JEDER kann heutzutage eine SMS schreiben! MfG

  • Oliver Springer

    08.09.13 (21:31:57)

    Woher kommt eigentlich diese merkwürdige Annahme, die SMS wäre bald am Ende? Das ist ja nicht nur in diesem Artikel so, sondern gefühlt auch in jedem zweiten, in dem Instant Messaging auf Smartphones ein Thema ist. Noch nie zuvor wurden in Deutschland so viele SMS verschickt wie in diesem Jahr. In den letzten Jahren hat sich das SMS-Volumen extrem erhöht, auch wenn das nicht allein durch von Mensch zu Mensch verschickte Kurzmitteilungen so ist. Wenn heute nicht nur sehr viel mehr SMS als vor ein paar Jahren verschickt werden, sondern dies auch in immer mehr verschiedenen Bereichen geschieht, zeigt das doch gerade, wie sich die SMS weiterentwickelt hat, sie ist wichtiger als je zuvor. Zum Artikel: Ja, schade, dass SMS nicht stärker als Bezahlmöglichkeit etabliert wurde. Gerade in Deutschland, wo das Zahlen per Kreditkarte keinen besonders hohen Stellenwert hat, könnte die SMS die Lücke füllen. Ob der Zug endgültig abgefahren ist - glaub ich nicht. Es ist nicht zu spät, nur glaube ich andererseits nicht, dass demnächst entsprechende Angebote etabliert werden.

  • Manuel Reinhard

    09.09.13 (14:39:03)

    Es stimmt, dass die Anzahl versendeter SMS tatsächlich laufend zunimmt. Die Relevanz bei den Mobilfunkanbietern sinkt aber, weil die Umsätze schrumpfen. 70% aller SMS werden netzintern verschickt, oft kostenlos. (siehe diese Studie)

  • Susanne Liebknecht

    16.09.13 (13:47:04)

    Hey Manuel, danke für Deinen Beitrag. Ich muss zugeben ich habe von Premium SMS noch nie etwas gehört. Aber bis jetzt hat sie sich auch nicht durchgesetzt. Und Du hast recht, es gibt leider keine vernünftige Alternative zu PayPal, was ich relativ schade finde.

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer