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22.02.12

Bewertungsplattform: Was Oink anders machen muss

Bei der Ende 2011 veröffentlichten iPhone-App Oink bewerten Nutzer nicht Cafés, Restaurants oder Bars, sondern einzelne Speisen, Getränke oder sonstige Dinge. Je länger man die Anwendung nutzt, desto deutlicher werden ihre Schwächen.

 

Anfang November 2011 veröffentlichte Digg-Gründer Kevin Rose mit Oink eine Bewertungsapplikation für das iPhone, deren Konzept mich sofort begeisterte: Statt Bars, Restaurants und Orten bewerten Oink-Nutzer einzelne Getränke, Gerichte und Dinge, die es dort zu erwerben oder zu entdecken gibt. Während klassische Bewertungsdienste wie Qype, plazaa oder Yelp Auskunft darüber geben, was der beste Italiener oder das beste Hamburgerrestaurant der Stadt ist, läuft der Ansatz von Oink darauf hinaus, auf Basis der aggregierten Anwenderbewertungen DIE beste Pizza oder DEN besten Hamburger der Gegend zu identifizieren. Für jemanden wie mich, der gerne gezielt Einrichtungen für spezifische Gerichte aus dem Fast-Food-Spektrum ansteuert (das weit über die bekannten Ketten hinausgeht), erscheint der Gedanke einer App wie Oink damit äußerst reizvoll.Mittlerweile habe ich die Anwendung mehr als drei Monate im einigermaßen regelmäßigen Einsatz und muss konstatieren, dass ich zwar weiterhin an den Grundgedanken glaube, dass aber Oink einiges anderes machen müsste, um tatsächlich zu einer auch über die Early-Adopter-Kreise hinaus verbreiteten App zu avancieren - das wiederum ist essentiell, um eine aussagekräftige Datenbank an Bewertungen aufzubauen. Die Auflistung der bestbewerteten Cocktails in einem Umkreis von fünf Kilometern ist wenig wert, wenn sie aus fünf Einträgen von drei Nutzern besteht.

An folgenden Punkten muss Oink arbeiten, möchte es sich zu einem ernstzunehmenden Anbieter im Bewertungssegment entwickeln:

Begrenzung auf gastronomische Spezialitäten

Zwar stehen Speisen und Getränke im Mittelpunkt von Oink, allerdings erlaubt die App auch das Bewerten beliebiger anderer Gegenstände, die nicht an einen konkreten Ort gebunden sind. In der strukturierten Datenbank finden sich Bewertungen zu Automarken, Internetdiensten, Filmen und Musiklegenden. Das verwässert das Profil des Dienstes, stört, wenn entsprechende Einträge im Feed der abonnierten Oink-Mitglieder erscheinen und hat vor allem keinerlei Nutzwert. Oink-Macher Rose und sein Entwicklerstudio Milk sollten die App auf Gerichte und Getränke beschränken und eine Verknüpfung eines bewerteten "Dings" an einen Ort (Locations werden aus foursquare importiert) zur Pflicht machen. Durch eine derartige Limitierung entstünde wenig Schaden, gleichzeitig wäre der Sinn und Zweck der App in einem Satz erklärt.

Schnellerer Bewertungsprozess

Um eine ordentlich verschlagwortete, mit Foto versehene Bewertung einzutragen, vergeht leicht eine Minute. Sitz man in einem Café oder Restaurant, ist es nett, wenn einem die Begleitung nicht länger als nötig beim Tippen auf dem Smartphone zusehen muss. Zwar lassen sich Bewertungen auch im Nachhinein noch hinzufügen, aber dann ist gleichzeitig das Risiko des Vergessens groß. Oink sollte alles dafür tun, den Bewertungsprozess so zu gestalten, dass er weniger Zeit in Anspruch nimmt. Immerhin sind Bewertungen die Existenzgrundlage für den Service.

Bewertungen und "Likes" trennen

Hinterlassen von mir gefolgte Oink-Nutzer eine Bewertung, erscheint diese in meinem Newsfeed. Dort kann ich einen Kommentar hinterlassen, das jeweilige "Ding" ("Item") zu meiner ToDo-Liste hinzufügen oder ebenfalls eine Bewertung auf einer Vier-Punkte-Skala eintragen. Leicht ist diese Möglichkeit als eine Art "Like"-Funktion aufzufassen, die man betätigt, wenn einem der Eintrag eines Oink-Freundes gefällt. Die Konsequenz ist, dass man sich bei Bewertungen nie sicher sein kann, dass Meinungen tatsächlich auf der persönlichen Erfahrung der jeweiligen Anwender basieren.

Es wäre gut, wenn das Oink-Team einen Weg fände, der deutlicher zwischen einer echten Bewertung des Objekts auf Basis eigener Erfahrung und dem im Social Web gängigen Favorisieren eines Eintrages anderer Nutzer unterteilt. Für die Qualität der Bewertungen und der daraus erstellten Rankings ist dies eigentlich unerlässlich.

Mehr Anlässe zur Nutzung der App

Die App besteht aus klassischen Elementen des Social-Web-Baukastens wie Newsfeed, Nutzerprofile, Gamification-Komponente und Follower-System. Doch meine bisherigen Einsatzszenarien tangieren diese Aspekte so gut wie gar nicht. Ich öffne Oink, um an meinem aktuellen Aufenthaltsort erhältliche Speisen oder Getränke zu bewerten, oder um mir über die Discovery-Funktion anzeigen lassen, wo innerhalb eines bestimmtes Radius Spezialitäten angeboten werden, nach denen mir momentan der Sinn steht. Für beides benötige ich die Social-Spielerein eigentlich nicht. Der Newsfeed ist aufgrund der Fotos leckerer Gerichte ganz nett anzusehen, mehr aber auch nicht. Oink wäre gut beraten, wenn es Anwender mit besseren Argumenten von den sozialen Features überzeugt, oder diese alternativ ganz entfernt.

Fazit

Ich glaube nach wie vor, dass Kevin Rose und sein Team mit Oink eine potenziell sehr sinnvolle App geschaffen haben, die im Idealfall zur ultimativen, strukturierten, globalen Datenbank der populärsten kulinarischen Kreationen und gastronomischen Höhepunkte werden kann. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Macher aber unbedingt nochmal Hand anlegen.

Link: Oink

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