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24.07.14Leser-Kommentare

Bewertung von Uber: Die Kraft und Bedeutung von Netzwerken wird unterschätzt

Wieviel Uber wirklich wert ist, kann niemand genau sagen. Gerne unterschätzt wird in Analysen aber die unternehmerische Kraft und Bedeutung von Netzwerken.

uberDie massive Bewertung des Beförderungsdienstes Uber - die zuletzt bei wahrlich mächtigen 18,2 Milliarden Dollar gelegen haben soll - veranlasst viele Beobachter zu ausgiebigen Spekulationen darüber, ob dies in irgendeiner Form gerechtfertigt sein kann.

Nicht selten wird dabei eine Eigenheit des Unternehmenskonzepts als besondere Schwäche dargestellt, nämlich dass Uber keinen eigenen Fuhrpark habe, sondern Limousinen-Anbieter sowie Privatpersonen als Fahrer anheuere. Gerne folgt im Zuge einer solche Argumentation ein Vergleich mit einem Old-Economy-Unternehmen mit vergleichbarer Marktkapitalisierung, um die angebliche Absurdität der Investorenerwartungen aufzuzeigen.

So heißt es etwa in diesem Beitrag bei Spiegel Online zum gestern bekannt gewordenen Verbot von UberPop in Hamburg: "Damit wird das Unternehmen, das selbst über keine eigene Flotte verfügt, in etwa so hoch bewertet wie die Autovermietung Hertz." Grundsätzlich ist eine solche Gegenüberstellung freilich nicht falsch. Das Problem liegt aber darin, dass bei ihr zwischen den Zeilen mitschwingt, dass nur eine Firma, die hunderte Millionen Dollar in materielle Anlagegüter wie etwa Mietwagen und Anmietstationen pumpt, tatsächlich so viel wert sein kann. Das erscheint in Anbetracht der wirtschaftlichen Leistung diverser Digitalkonzerne nicht nur sachlich falsch. Es zeugt auch von einer signifikanten Unterschätzung der Bedeutung von Netzwerken.

Denn es ist das in kürzester Zeit rund um den Globus aufgebaute Netzwerk an Passagiere durch die Gegend chauffierenden Fahrern in Kombination mit der Markenbekanntheit bei Fahrgästen, das den Kern und die Bewertungsgrundlage von Uber ausmacht. Nicht die App, nicht der Algorithmus, nicht das Uber-Hauptquartier oder das darin vorhandene Mobilar.

Die Tatsache, dass Uber keinen eigenen Fuhrpark besitzt und keine hunderttausend festangestellten Mitarbeiter in Filialen in aller Herren Länder beschäftigt, kann sich für den kalifornischen Shooting-Star gar als entscheidender Vorteil herausstellen. Denn derartige Vermögensgegenstände und Verplichtungen bringen hohe Kosten mit sich.

Anstatt in einen Fuhrpark zu investieren, investiert Uber mit seinen allgegenwärtigen Gutschein-Kampagnen und User-werben-User-Aktionen in die rasante Erweiterung seines Netzwerks. Das wiederum garantiert steigende Umsätze sowie zunehmende Loyalität von sowohl Fahrern als auch Fahrgästen. Parallel entstehen Markteinstiegsbarrieren für Konkurrenten. Wenn sich hinreichend zahlungskräftige Kunden erst einmal daran gewöhnt haben, ins Büro, zur Party oder nach Hause zu "ubern", dann muss schon Einschneidendes geschehen, damit sie diese Gewohnheit wieder ablegen.

Es ist leicht, den Wert von Dienstleistungs-Unternehmen mit umfangreichen materiellen Assets zu überschätzen und den von Firmen, bei denen das auf die technische Plattform aufsetzende Netzwerk das Produkt darstellt, zu unterschätzen. Schließlich galten in der analogen Wirtschaftswelt ganz andere Regeln. Wer möglichst viele Maschinen, Fabriken, Filialen und Mitarbeiter hatte, war mit großer Wahrscheinlichkeit auch (zumindest einige Zeit lang) besonders erfolgreich. Heute aber kann ein engmaschiges globales Netzwerk, dessen Marke Millionen loyale Anhänger vorweisen kann, und dessen einzelne "Nodes" stetig kleine prozentuale Umsatzprovisionen abführen, aus wirtschaftlicher Perspektive genauso attraktiv sein wie ein Industrie- oder Service-Riese mit 300.000 Angestellten.

Dass Uber seine Rekordbewertung tatsächlich verdient, ist damit nicht gesagt. Dass das blitzschnelle Ausbreiten des Dienstes umwelt- und verkehrspolitisch wünschenswert wäre, ebenfalls nicht. Eher das Gegenteil ist der Fall. Fakt ist aber: Unternehmen, denen es gelingt, weltumspannende Netzwerke aufzubauen, sollten nicht dafür belächelt werden, dass sie nicht den stetig an Wert verlierenden Ballast mit sich herumtragen, auf den ihre Vorgänger für die Verwirklichung ihrer Geschäftsideen nicht verzichten konnten. /mw

Kommentare

  • Sebastian Socha

    24.07.14 (09:38:55)

    "Dass das blitzschnelle Ausbreiten des Dienstes umwelt- und verkehrspolitisch wünschenswert wäre, ebenfalls nicht. Eher das Gegenteil ist der Fall." Danke Martin für diese Aussage. Für autofreie Innenstädte!! Gruß, Sebastian

  • michael

    24.07.14 (13:18:05)

    Exakt, es ist nicht der physische Gegenstand. Beispiel: Wenn ich in einem Dorf mit nur drei Wirtshäusern lebe, dann kann ich jedes Wirtshaus besuchen. Also kann ich 100 % aller Verfahrungsmöglichkeiten erleben, bewerten und für die Zukunft entscheiden. Wenn ich aber in einer Millionenstadt lebe, dann muss ich vorab bewerten, weil es mir zeitlich nicht möglich ist alle Wirtshäuser zu besuchen. Genau dann liefern Netzwerke Mehrwert, in dem Sie die Komplexität für den Einzelnen auf das allgemein BEKANNTE reduzieren. Gut jetzt könnte man diskutieren, ob der Mehrwert optimal ist - doch das ist hier nicht die Frage.

  • Jan

    24.07.14 (21:17:41)

    Ich kann den Netzwerkeffekt bei Uber nicht erkennen. Die Aussage, das Uber nicht in HW sondern in Marketing durch Couponing investiert, zeigt ja, dass der Kunde besonders durch Preisaggressivität gewonnen und gehalten werden soll. Das erzeugt aber keine Loyalität und auch keine Bindung zur Marke. Ich lebe in Moskau, wo aktuell 4 Taxi-/Fahrdienste mit App aktiv sind. Der Kunde wechselt fröhlich zwischen allen Coupons durch und freut sich über subventionierte Fahrten. Was meine Freunde nutzen ist doch egal, welchen Coupon ich habe, dessen Dienst nutze ich. Netzwerkeffekt, wie soll der entstehen?

  • Jan

    24.07.14 (21:21:07)

    Das ist kein Netzwerkeffekt, das ist Marke. Marke baut sich aber nicht über Discounts auf, sondern durch Mehrwert. Der kann aber bei Uber (schwarze Limo) nur temporär sein, da höhere Kosten in Fahrzeuge sich am Ende im Preis niederschlagen müssen.

  • Martin Weigert

    25.07.14 (07:02:35)

    Das Netzwerk von Uber besteht aus Fahrunternehmen sowie Privatpersonen, die für Uber (wo legal) fahren, und aus Nutzern, die bei Bedarf nicht zuerst ein Taxi rufen sondern zuerst bei Uber nachschauen. Die zwei Gruppen "befruchten" einander gegenseitig. Denn jede Seite profitiert davon, wenn die andere Seite quantitativ und qualitativ wächst. Parallel gewinnt die Marke von Uber zunehmend Bekanntheit, stark angefeuert von Word of Mouth. Nach meiner Beurteilung ist dieses sich gegenseitig verstärkende Netzwerk mittlerweile schon so stark, dass es für Außenstende schwer ist, das ernsthaft anzugreifen. Auch der US-Rivale Lyft konnte bislang mit diesem Tempo nicht mithalten. Die Netzwerkeffekte sind sicher nicht so stark wie bei Facebook oder WhatsApp. Aber meines Erachtens nach sind sie eindeutig vorhanden. Und anders als bei Facebook und WhatsApp handelt es sich um ein High-Revenue-Business, in dem schon in einem noch relativ frühen Stadium signifikante Umsätze erzielt werden.

  • Bauer sucht Traktor

    25.07.14 (18:02:23)

    Lieber Martin, dir möchte man nach dem lesen des Artikels sofort ein BLW-Studium empfehlen. Da reicht ein Grundkurs in Finance um zu wissen, dass die dargelegte Argumentation dünner als Luft ist. Generell täten dieser Website hilfreiche Tipps und Tutorials für Startup-Gründer und nicht nur nachgeplapperter Content a la Bild-Zeitung ganz gut. Beste Grüße

  • Martin Weigert

    26.07.14 (06:26:13)

    Kommentare von jemandem, der persönliche Kritik übt, dazu aber nicht einmal mit seinem Namen stehen will, kann ich nicht ernst nehmen. Warum sollte ich auf die Meinung einer Person hören, die so feige ist?

  • Ines Brink

    26.07.14 (09:48:18)

    Ich stimme der Kritik zu. Als "Fachjournalist" derart dünn und fast schon polemisch zu schreiben zeugt nicht gerade von Qualität.

  • Boris

    28.07.14 (15:52:16)

    Danke Jan für das Beispiel aus dem Leben. Ich glaube auch, dass Uber-Nutzer nicht allzu markenfixiert sind - sonst wären sie ja ihrem bisherigen Taxiunternehmen treu geblieben. Sooo wahnsinnig viel cooler ist das jetzt auch nicht, mit Uber statt mit einem Taxi transportiert zu werden. Und wenn andere Unternehmen in den Markt eindringen und dannzumal dank subventionierten Fahrten auch wieder günstiger sind als Uber (das sich das ja auch nicht ewig leisten werden kann), dann wird sich das wohl genausoschnell herumsprechen und der letzte Schrei sein. Insofern denke ich wirklich, dass Uber tendenziell eher überbewertet ist.

  • Benjamin Kirschner

    29.07.14 (12:07:01)

    Sehr guter Artikel! Ich denke auch, dass in Deutschland die Bedeutung von Netzwerken noch unterschätzt wird.

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