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07.08.12

betterDate: Frauen auf Männereinkauf

betterDate heißt eine neue Datingplattform der Macher von eDarling, die mit einem eigenwilligen, aber potenziell interessanten Konzept aufwartet: Männer registrieren sich als "Produkte", Frauen gehen auf Shoppingtour. Am Ende zahlen allerdings trotzdem die Herren.

Onlinedating hat zwar bei flirt- und beziehungswilligen Menschen mittlerweile durchaus den Status eines (häufig diskret ausgeübten) Volkssports, doch gilt bei den zahlreichen Portalen wie in altehrwürdigen Diskotheken und kommerziellen Clubs: Männerüberschuss verhindert ein für alle Beteiligten erfülltes Flirterlebnis und kann jedem Anbieter vorzeitig den Dolchstoß versetzen. Für Herren ist das Angebot und die Chance auf echte Treffen dann ganz einfach zu klein, und Frauen werden nach einer Registrierung sofort mit hunderten Nachrichten von Männern erschlagen.

Entsprechend kreativ sind neue Anbieter auf dem Markt, was Konzepte angeht, die von vorn herein eine bessere Balance in den Datingprozess bringen sollen. Gestern flatterte uns eine Mail ins Postfach, die mit dem Slogan "Sex and the city meets Zalando" sofort unsere Aufmerksamkeit erhaschen konnte. Absender war betterDate, ein neues Datingportal von den Machern der Rocket-Internet-Partnervermittlung eDarling. Auch wenn wir traditionelles Onlinedating sonst nicht zu unserem redaktionellen Fokus zählen, so erscheint uns der Ansatz des neuen Projekts der Berliner durchaus innovativ und berichtenswert:

Denn bei betterDate gehen Frauen online einkaufen - nur legen sie nicht Kleidung, Schuhe oder Einrichtungsgegenstände in ihren Warenkorb, sondern Männer. Die Herren der Schöpfung registrieren sich bei betterDate als "Produkt", laden Fotos hoch, hinterlassen allerlei persönliche Angaben zu ihren Eigenschaften und Interessen und warten anschließend darauf, von weiblichen Nutzerinnen in den Einkaufskorb gelegt zu werden. Erst ab diesem Augenblick ist eine Kontaktaufnahme zwischen beiden Parteien möglich. Indem Männer eine Frau auf ihre Einkaufsliste setzen, können sie ihr jedoch bereits Interesse signalisieren.

Für Anwenderinnen ist der Männereinkauf bei betterDate kostenfrei (was der Shopping-Analogie nicht richtig gerecht wird), männliche Mitglieder können die funtkionell begrenzte Gratisvariante nutzen oder sich ab 14,90 Euro/Monat (bei sechsmonatiger Laufzeit, ein Monatsabo ist teurer) als sogenanntes "Luxusgut" präsentieren. Dies verschafft ihnen unter anderem unlimitierten Platz auf den Einkaufslisten der Frauen, zeigt an, welche Frauen sich für einen Spontankauf entschieden haben und erlaubt uneingeschränkten Fotoabruf sowie Informationen über Profilbesucher.

Natürlich trieft die Idee von betterDate nur so vor Klischees. Frauen sind grundsätzlich "Shopaholics" und bekommen alles gratis, Männer müssen zahlen und sind - was die Anbahnung zwischenmenschlicher Beziehungen betrifft - quasi willenlose Wesen ohne Stolz. Doch das Verrückte ist: Sofern Nutzerinnen sich nicht an der stereotypischen Shopping-Metapher stören, könnte die Idee tatsächlich funktionieren. Denn sie ersparen sich Dutzende zweifelhafte, schlüpfrige Nachrichten von wenig vertrauenseinflößenden oder schlicht uninteressanten Männern (soll es ja geben), sondern erhalten die volle Kontrolle darüber, wer sie kontaktieren kann. Falls dieser Ansatz bei weiblichen Anwendern ankommt, wird es nicht lange dauern, bis Männer in Scharen zu betterDate strömen und sich als begehrenswerte Produkte präsentieren. So seltsam dies anmuten mag. Bleibt allerdings noch die Frage, was Frauen grundsätzlich von Männern halten, die sich freiwillige in die Rolle eines Konsumguts begeben.

betterDate ist nichts für Frauen, die durch möglichst viele Zusendungen lediglich ihr Ego aufbessern wollen, und auch nichts für Männer, die gerne serienbriefartig jede halbwegs attraktive Frau anschreiben und sie sofort auf ein Techtelmechtel einladen. Für Menschen, die aber ernsthaft an neuen Bekanntschaften interessiert sind, könnte das Konzept seinen Reiz haben. Allerdings ist der Markt derartig umkämpft - nicht zuletzt auch durch den Aufstieg von auf die mobile Nutzung fokussierten Anbietern wie Badoo - dass eine genaue Prognose schwer fällt. Insofern bleibt es an dieser Stelle beim Prädikat: eigenwilliger, aber nicht uninteressanter Ansatz.

Unsere Recherchen ergaben, dass mit CheckHimOut.com und AdopteUnMec.com mindestens zwei Angebote auf ein ähnliches Prinzip setzen. Das allerdings bedeutet nicht, dass es nicht angemessen sein kann, einen solchen Service für den deutschen Markt zu adaptieren.

Link: betterDate

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