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27.10.14Kommentieren

Beteiligung an Startup-Hoffnungsträger Blendle: Axel Springer, wieso machst du es uns so schwer?

Während die maßgeblich vom Medienkonzern Axel Springer verantwortetete Farce um das Leistungsschutzrecht immer neue Tiefpunkte erreicht, setzt das Unternehmen mit einer Beteiligung am vielgelobten Startup Blendle seine andere, weitaus konstruktivere Digitalstrategie fort. Wenn es doch einfacher wäre, sich über solche Vorstöße zu freuen.

Das Medienunternehmen Axel Springer macht es mir als Freund des Netzes und einer von menschlichen Werten getragenen Demokratie wahrlich nicht leicht.

Auf der einen Seite verhält sich der Konzern als führende Triebkraft hinter dem Leistungsschutzrecht konträr zu den Philosophien, die das freie Netz zu dem gemacht haben, was es heute ist. Zudem positioniert er sich bei seinen Flaggschiff-Medienprodukten Bild und Welt redaktionell auf eine Art, die aufgrund ihrer Polterhaftigkeit und Eindimensionalität oft schwer zu verdauen ist. 

Auf der anderen Seite aber agiert das Unternehmen vorbildlich und äußerst langfristig, was Investments in und Experimente für seine eigene digitale Zukunft angeht. Ich hatte Springer deshalb vor anderthalb Jahren als “Medienhaus mit zwei Gesichtern” bezeichnet. Damals lebte eine Reihe von Entscheidern des Unternehmens aus Berlin gerade für einige Zeit in einer “Wohngemeinschaft” im Silicon Valley. Um zu lernen, “die digitale Welt nicht als Bedrohung sondern als Chance zu verstehen”, wie Bild-Chef Kai Diekmann es damals beschrieb.

Jetzt beweist Springer abermals, dass es verstanden hat, wie man sich im Internetgeschäft langfristig Reichweite und Einfluss verschafft sowie wirtschaftliches Potenzial erschließt: Zusammen mit der New York Times investiert der Medienkonzern 3,8 Millionen Dollar in das aus den Niederlanden stammende Journalismus-Projekt Blendle. Dieses arbeitet an einer Art “iTunes für Journalismus” und hat in unseren ersten Tests einen sehr vielversprechenden Eindruck hinterlassen. Das Geld soll unter anderem in die Auslandsexpansion fließen. Bislang gibt es Blendle nur in seinem Heimatmarkt.

Blendle

Blendle, das sich auf die Fahnen geschrieben hat, die Paywall “sexy zu machen”, gehört aktuell zu den besonders vielversprechenden Medien-Startups aus Europa. Dass Springer hier ein (vermutlich strategisches) Investment durchführt, noch dazu an der Seite einer der renommiertesten journalistischen Institutionen der Welt, kann aus Sicht der Berliner gar kein Fehler sein.

Dass der Konzern im Internetgeschäft weiß, was er tut, zeigt er schon seit längerem. Bereits seit 2011 übersteigen die Einnahmen mit Werbung im Online-Bereich die aus dem Print-Segment. Mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes stammt mittlerweile aus dem Digitalgeschäft. Für dessen weiteres Florieren baut das Unternehmen mit stetigen Zukäufen und Beteiligungen ein immer festeres Fundament. Engagements bei der Suchmaschine Qwant, dem Online-Fachverlag Vertical Media (unter anderem “Gründerszene”), dem Online-Magazin Ozy sowie dem Fitness-Startup Runtastic sind nur einige der Beispiele aus jüngster Zeit. Nun folgt also Blendle. Es wird unter Garantie nicht der letzte smarte Deal bleiben.

Eigentlich möchte ich Axel Springer zu den zwar etwas gießkannenartig wirkenden, aber dennoch in der Summe sinnvollen, zukunftsorientierten Vorstößen beglückwünschen. Doch das ist schwer, wenn man bedenkt, dass der deutsche Mediengigant mit dem Leistungsschutzrecht gleichzeitig einen der destruktivsten, sinnlosesten und peinlichsten Regulierungversuche der Webökonomie aller Zeiten zu verantworten hat.

Ganz gebe ich die Hoffnung aber nicht auf, dass die Hauptstädter irgendwann den Punkt erreicht haben, an dem sie sich im digitalen Geschäft so gut aufgestellt fühlen, dass ihnen die Lust zu erbärmlichen, auf Kosten aller anderen geführten Kleinkriege gegen Google vergeht. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

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