<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

16.10.14Leser-Kommentare

Berliner Startup MyLorry wittert riesigen Markt: Food Express transportiert Speisen zu den Kunden

Bisher fokussierte sich MyLorry auf Kurierfahrten am selben Tag. Mit Food Express erweitert das Startup seinen Schaffensbereich: Restaurants können den Dienst nutzen, um von Kunden online oder per Telefon bestellte Speisen auszuliefern. Die Berliner wittern einen riesigen Markt.

foodexpress_logoDas Segment der Online-Bestellung von Speisen und Lebensmitteln erlebt trotz der Konsolidierung bei den Liefervermittlern eine Phase des rasanten Wachstums. Denn nicht mehr länger können Nutzer nur frisch von Restaurants zubereitete Gerichte per Mausklick oder Swipe ordern. Verschiedene “Gourmet-Startups” nutzen eigene beziehungsweise angemietete Küchen, um vielbeschäftigen und Bequemlichkeit schätzenden Verbrauchern Speisen im Quasi-Abo zukommen zu lassen. Parallel bringen sich Lebensmittel-Lieferdienste in Stellung, die zumindest teilweise, mit Blick auf Tiefkühlprodukte oder selbst kochende Konsumenten, in verwandten Gewässern fischen. E-Food in all seinen Facetten - ob fertig zubereitet oder als “Rohwaren” - liegt im Trend. Die regen Aktivitäten der Samwer-Brüder in dem Sektor unterstreichen dies.

Der Optimismus in dem Bereich hat durch diverse Neulinge einerseits eine verstärkte Konkurrenzsituation zur Folge (bei einem parallel wachsenden Markt) und bietet andererseits Raum für Akteure, die bei der Auslieferung all der zu den hungrigen Kunden zu befördernden Gerichte mithelfen. Das Berliner Startup MyLorry hat für sich mit Food Express eine Marktlücke identifiziert, die vom Grundsatz her gut zu dem bisherigen Geschäftsmodell passt und allen Restaurantbetreibern die Möglichkeit gibt, vom Boom der Nach-Hause-Lieferung von Speisen zu profitieren. 

An den Start ging MyLorry 2013 mit einem “Peer-to-Peer”-Kurierdienst, dessen besondere Spezialität die Lieferung am selben Tag darstellt. Mittlerweile arbeiten die Hauptstädter auch mit Onlineshops und Unternehmen zusammen, die gekaufte Waren besonders schnell zu den Empfängern transportieren lassen wollen.

Während ihrer Arbeit am Kernprodukt erkannten die MyLorry-Gründer Max von Waldenfels, Benjamin Pochhammer und Toni Kappesz, dass es auch in der Gastronomie Bedarf an einem Anbieter gibt, der bedarfsgesteuerte Kurierfahrten mit von Kunden von zu Hause bestellten Speisen durchführt. Damit war die Idee zu Food Express geboren. In den vergangenen vier Monaten werkelte das 30-köpfige MyLorry-Team an dem neuen, als separate Einheit geführten Dienst, der zum Debüt in Berlin und München angeboten wrid und bisher 80 Partner-Restaurants von der Teilnahme überzeugen konnte.

Angestellte Fahrer statt Auftragsarbeitern

Im Gegensatz zu MyLorry, wo Transporteure auf Auftragsbasis zum Einsatz kommen - nicht unähnlich dem Modell vom Beförderungsdienst Uber - werden Lieferkräfte bei Food Express angestellt - in Teilzeit, Vollzeit, als Minijobber oder studentische Mitarbeiter. Co-Founder Max von Waldenfels erklärt dies im Gespräch damit, dass das Startup so eine “Weisungsbefugnis” habe, was sich in dem Segment im Sinne der Qualitätssicherung empfehle. Denn in Anbetracht des hohen Liefervolumens und der kurzen Zeitspanne, die Kunden zwischen Bestellung und Lieferung akzeptieren, müsse sichergestellt werden, dass stets ein Fahrer in der unmittelbaren Umgebung präsent sei. Kunden von Restaurants profiteren ihrerseits, weil sie dank Food Express in der Lage sind, die Auslieferung live zu tracken.

Die Ziele der Macher von Food Express sind ehrgeizig: Innerhalb der kommenden Wochen wollen sie die Zahl der partizipierenden Restaurants vervielfachen und in weitere deutsche Städte expandieren. Auch eine Internationalisierung steht bereits auf der Roadmap.

Nach Aussage der Gründer existiert ein Service wie Food Express bislang überhaupt nicht, dabei seien der Bedarf und die Vorteile enorm. Bislang mussten Gastronomie-Unternehmer ihre eigenen Lieferkräfte beschäftigen, was mit hohen Kosten und einer sehr ineffizienten Nutzung von Ressourcen einhergeht. Erst recht dann, wenn die Fahrer in Zeiten ohne Bestellungen nur herumsitzen. Wenn ein spezialisierter Anbieter dagegen eine großes Netzwerk an Fahrern betreibt, die ihre Touren bedarfsorientiert und mit Hilfe von durch Food Express entwickelten Algorithmen clever planen, dann profitieren davon Restaurants genauso wie die Umwelt sowie der Innenstadtverkehr (durch weniger überflüssige Leerfahrten).

Kooperation mit Lieferheld

Stolz ist das Gründertrio auf eine gerade beschlossene Kooperation mit Lieferheld. Ausgewählte Restaurants, die mit dem Speisenvermittler zusammenarbeiten, können direkt aus dem Lieferheld-System und genau zum richtigen Zeitpunkt, wenn die Gerichte fertig sind, einen Food Express-Kurier anfordern, der dann zum Kunden fährt. Theoretisch könnte der Kurier die Speisen sogar im Branding von Lieferheld oder eines Werbepartners übergeben - zumindest sieht von Waldenfels hier entsprechende weitere mögliche Erlösquelln.

Er betont, dass seit dem Debüt von Food Express die Umsätze des Startups deutlich ansteigen. Auch Investoren seien hellhörig geworden: Derzeit sind die Hauptstädter dabei, eine neue Kapitalspritze in die Wege zu leiten. Bislang finanziert sich das Startup aus den Umsätzen des laufenden Geschäfts sowie einer Seed-Runde in Höhe von rund zwei Millionen Euro.

Angesichts des Booms bei der Speisenlieferung und des eher gemächlich wachsenden Geschäfts mit der Warenlieferung am selben Tag werde ein stärkeres Augenmerk des Startups in nächster Zeit auf dem Ausbau von Food Express liegen, sagt CEO Max von Waldenfels. Er betont aber, dass auch MyLorry weiter vorangetrieben wird. Er sei sich sicher, dass Same-Day-Delivery bei Kunden noch zu einem richtig großen Thema avanciert - nur dauere dies seine Zeit. Mit Food Express scheint das Startup einen Weg gefunden zu haben, um in der Zwischenzeit das Tempo schon einmal sukzessive erhöhen zu können. /mw

Kommentare

  • Björn Dorra

    16.10.14 (09:39:02)

    Wäre prima, wenn sich das in Deutschland etablieren würde. Ich glaube es hat schon ein paar Versuche gegeben. In den USA gibt es das schon sein 15 Jahren. Es heisst dort "Waiters on Wheels". - Björn Dorra, Founder http://netzaktiv.de

  • Louis

    19.10.14 (11:17:04)

    Das wäre tatsächlich ein interessantes Thema. Ob es sich auch außerhalb von Berlin sowas durchsetzen ließe? Ich bezweifle es, dafür ist Deutschland zum Teil einfach noch zu verklemmt - leider! Grüße Louis

  • Jenny

    21.10.14 (10:37:38)

    Hallo Louis, wir sind mit Food Express neben Berlin tatsächlich schon in München seit gut drei Wochen aktiv, Hamburg und Frankfurt folgen nächste Woche und an den nächsten Städten sind wir auch schon dran. Es sieht also wirklich sehr gut aus!

  • Fabian Siegel

    04.11.14 (21:12:46)

    MyLorry ist bereits Geschichte. Sie wissen es nur noch nicht!

  • Kurt

    27.05.15 (11:28:08)

    Hört sich wirklich interessant an. Und ich wünsche euch weiterhin viel Glück und Erfolg mit vielen Auträgen.

  • Kai

    13.01.16 (10:52:22)

    Gratuliere hört sich wirklich klasse an. Aber ich glaube dieses Konzept funktioniert nur in Großstädten. Daher auch von mir weiterhin viel Erfolg

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer