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09.10.12

Berliner Startup expandiert nach Los Angeles: Moviepilot greift Hollywood unter die Arme

Im August eröffnete Moviepilot seine Niederlassung in Los Angeles. Der Berliner Filmempfehlungsdienst ist davon überzeugt, Hollywood beim Marketing künftiger Kassenschlager unter die Arme greifen zu können.

Je mehr international erfolgreiche und herausragende Startups die deutsche Webwirtschaft hervorbringt, desto besser. Derartige Leuchttürme nehmen eine wichtige Funktion als Botschafter für den hiesigen Internetstandort ein und schaffen Aufmerksamkeit, nicht zuletzt bei ausländischen Business Angels und Venture-Capital-Firmen. Doch bisher mangelte es an diesen Leuchttürmen - auch gerade in Berlin, wo zwar seit Jahren am Fließband neue, global ausgerichtete Jungunternehmen gegründet werden, wo es aber trotzdem die schon mehrere Jahre alten "Urgesteine" wie SoundCloud, Wooga oder Zalando sind, die aus dem Ausland stammende Branchenbeobachter noch am ehesten als Berliner Gründungen aufzählen können.

Mit Moviepilot könnte diese Liste demnächst um einen weiteren Anbieter verlängert werden. Und auch wenn die deutsche Fassung des Berliner Filmempfehlungsportals schon 2007 gegründet wurde, so beziehen sich die jüngsten Meldungen des Startups auf den neuen, im vergangenen Oktober lancierten Service unter moviepilot.com. Wir hatten das Angebot zum damaligen Debüt vorgestellt. Die bisher in dieser Form einzigartige Idee des Dienstes: Nutzer mit personalisierten Empfehlungen und Informationen zu Filmen zu versorgen, die sich in Planung oder Produktion befinden. Auf diese Weise soll schon vor dem dem Kinostart eine Bindung von Filmfreunden an in der Entstehung befindliche Streifen geschaffen werden. Die Resonanz und das Feedback kann den Studios frühzeitig einen Eindruck davon ermitteln, ob sich hier vielleicht der nächste Kassenschlager anbahnt, und dabei helfen, die richtigen Hebel für ein erfolgreiches erstes Kinowochenende in Bewegung zu setzen.

 

Wer im Filmgeschäft tätig ist und eine internationale Nutzerschaft ansprechen will, der sollte auch in Hollywood präsent sein. Schon vor einem Jahr kündigte Moviepilot-Mitgründer Tobias Bauckhage eine Expansion nach Los Angeles an. Angefeuert von einer Finanzspritze in Höhe von sieben Millionen Dollar aus dem Frühjahr wurde dieser Schritt nun endlich vollbrach. Im August öffneten die Berliner ihre Dependance in der Millionenstadt an der US-Westküste. "Hollywood liebt unsere nüchtern-deutsche Datensicht auf die Zukunft des Filmmarketings", so das bisherige Fazit von Bauckhage, der vor Ort den reibungslosen Aufbau der Niederlassung verantwortet. Knapp ein Jahr nach dem Launch von moviepilot.com steht die Plattform kurz vor dem Erreichen der Marke von zehn Millionen Nutzern, die sich über ihr Facebook-Konto mindestens einmal eingeloggt haben - auf Wunsch kann die Anmeldung auch über Google und Twitter erfolgen.

Um in Hollywood Fuß zu fassen und hochkarätige Produktionen als frühzeitige Partner von Moviepilot zu akquierieren, benötigt das Unternehmen aus Deutschland neben einem lokalen Büro vor allem eines: Kontakte und Zugang zu den richtigen Netzwerken. Zwar betrieben Bauckhage und sein Co-Founer Jon Handschin vor Moviepilot selbst eine Filmproduktions- und Vertriebsgesellschaft, aber fokussierten sich dabei auf den deutschsprachigen Markt. Zwei neue namhafte Rekrutierungen, über die PandoDaily gestern berichtete, sollen nun in der US-Film- und Werbebranche richtige und wichtige Türen öffnen - über die schon bestehenden Deals mit Twentieth Century Fox, Universal, Paramount und Disney hinaus: Amy Elkins von MEC, der fünftgrößten Medienagentur der Welt, sowie Amy Smith, die von Amazon kommt und dort Marketingkooperation verantwortete.

Hollywood ist bisher vor allem als Verhinderer von Innovation bekannt (Stichwort SOPA). Dies sichert den Filmstudios im besten Fall kurzfristig einige Umsätze, verschlechtert aber die dauerhafte Position der Branche, auf die sich rasant verändernden Marktbedingungen und die zunehmende Ablenkung der Zielgruppe durch konkurrierende Unterhaltungsangebote angemessen und auch im Sinne der Zuschauerschaft zu reagieren. Die bekannte Silicon-Valley-Startup-Schmiede Y Combinator sorgte vor einigen Monaten gar mit dem Aufruf an Startups für Aufsehen, Hollywood ins Grab zu schicken.

Kurzum: Die von jahrzehntelangem Erfolg verwöhnten Akteure der Filmwelt sind aufgrund ihrer eigenen Behäbigkeit und Bequemlichkeit auf die Hilfe von rebellischen, in neuen Bahnen denkenen Startups angewiesen, haben sie doch selbst zu lange untätig dabei zugesehen, wie sich um sie herum alle Rahmenbedingungen verändern. Soziale Medien, Bewertungsportale, Filmflatrates à la Netflix und Filesharing sind nur einige der Entwicklungen, mit denen sich die Branche konfrontiert sieht - und deren Potenziale für eigene Zwecke sie bisher kaum genutzt hat.

Moviepilot sollte Hollywood da gerade recht kommen. Gelingt es den Studios, den Dienst dafür einzusetzen, um in den ersten Tagen nach einem Kinostart mehr Menschen in einen Film zu locken, kann der daraus resultierende stärkere Word-of-Mouth-Effekt signifikante Auswirkungen auf die über die gesamte Laufzeit insgesamt eingespielte Summe haben. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass sich genügend Menschen finden, die schon Monate vor einem Filmdebüt an Informationen über das Werk und die mitwirkenden Darsteller interessiert sind. Die knapp zehn Millionen über Facebook registrierten Moviepilot-Nutzer können hier zumindest als Indiz für eine grundsätzlich vorhandene Bereitschaft dazu gewertet werden.

Link: Moviepilot 

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