<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

06.09.16Kommentieren

Interview mit Daniel Dreier, Uniplaces

Berlin: ein Immobilienmarkt mit riesigem Wachstumspotential

Daniel Dreier, Local CEO/General Manager von Uniplaces in Berlin

Deutschland, besonders Berlin, gilt spätestens seit dem Brexit-Votum als Immobilienmarkt mit riesigem Wachstumspotential. Wir haben mit Daniel Dreier über Chancen, Anforderungen und die aktuelle Marktsituation gesprochen. Er ist der General Manager von Uniplaces in Berlin, einem Online Martkplatz für Studentenunterkünfte.

förderland:  Wie ist die Lage auf dem Berliner Immobilienmarkt im Moment?

Daniel Dreier: Berlin ist aktuell so beliebt wie noch nie. Nicht nur Zuzügler aus allen Teilen von Deutschland, sondern Menschen von überall aus der Welt zieht es in diese großartige Stadt. In Berlin zu wohnen ist aktuell absolut im Trend, weit über Ländergrenzen hinweg. Dieses Potential sehen zunehmend auch Unternehmen und Investoren. In Konsequenz entsteht allerdings ein Angebotsdefizit, der sogenannte Wohnraummangel. Berlin hat sich so in den letzten Jahren zum Verkäufermarkt entwickelt.

förderland: Es wurden damals viele Stimmen laut, das Berliner Zweckentfremdungsverbot sei ein Sargnagel für die Vermietergemeinde. Ist das so?

Daniel Dreier: Zumindest aus Unternehmersicht lässt sich das Zweckentfremdungsverbot durchaus auch als Chance verstehen. Denn es bedeutet ja kein generelles Verbot für die private oder kommerzielle Vermietung, sondern bezieht sich nur auf kurze Zeitspannen. Solange also ein Mieter für einen bestimmten Mindestzeitraum wohnhaft ist, greift das Gesetz nicht. Somit zwingt es Vermieter zwar, sich nach alternativen Vermietungskonzepten umzusehen, macht aber auch Vermietungen auf Zeit nicht automatisch unmöglich. 

förderland: Welche Chancen hält der Online-Markt also aktuell für Start-Ups bereit?

Daniel Dreier: Es gilt jetzt für Gründer und Unternehmer, Vermieter an die Hand zu nehmen. Hier gibt es aktuell eine große Marktlücke – besonders private Vermieter werden von den großen Online-Plattformen schnell überfordert, indem sie dort binnen weniger Stunden Tausende von Anfragen zu ihrem Angebot erhalten. Es entsteht nicht nur eine Menge Verwaltungsaufwand, sondern ein Großteil der Bewerber ist entweder nicht wirklich interessiert oder qualifiziert. Ein Anbieter, der sich etwa auf eine bestimmte Zielgruppe fokussiert, eventuell sogar Bewerber nach gewissen Kriterien filtert, bevor der Vermieter überhaupt eine Anfrage bekommt, könnte sich schnell vom eher undifferenzierten Angebot der großen Immobilienportale abgrenzen – da er sowohl die speziellen Bedürfnisse der Mieter als auch der Vermieter bedienen könnte. Der Markt hat enormes Potential und mit den neuen Herausforderungen entstehen auch neue Geschäftszweige – wer jetzt Innovationen schafft, hat gute Aussichten auf Erfolg.

förderland: Im Zuge des Brexits denken viele internationale Start-Ups im Immobilienumfeld über einen Umzug nach Berlin nach. Wird der Konkurrenzdruck steigen?

Daniel Dreier: Berlin ist ein Mekka für Start-Ups. Die Vielfalt ist toll und wir partizipieren ja alle immer auch etwas voneinander, das sehen natürlich internationale Akteure, wie wir bei Uniplaces, auch. Für uns ist Deutschland ganz klar einer der wichtigsten Zielmärkte. Gerade Berlin entwickelt sich zunehmend zu einer der wichtigsten und interessantesten Universitätsstädte – deshalb haben wir uns auch kürzlich für eine eigene Niederlassung hier vor Ort entschieden. Der Berliner Immobilienmarkt ist derart weitläufig, dass es im Moment gar keine Notwendigkeit für eine Konkurrenzsituation zwischen Anbietern gibt – viele Nischen sind immer noch unbesetzt. In ein paar Jahren sieht die Situation unter Umständen ganz anders aus.

förderland: Wie entwickelt sich der Markt zukünftig und welche Anforderungen wird er stellen?

Daniel Dreier: Darüber kann man trotz der Vielzahl an Prognosen natürlich nur spekulieren. Berlin wird wahrscheinlich auf absehbare Zeit den Wohnungsmangel nicht gänzlich bekämpfen können. Es werden aber mehrere Auswahlmöglichkeiten bereitstehen. Bereits heute sehen wir spannende Investitionen im deutschen Markt und speziell hier in Berlin.

Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass die Ansprüche und Erwartungen sowohl auf Mieter- als auch Vermieterseite steigen werden. In Zukunft kann es durchaus üblich sein, dass Wohnungen also im Paket inklusive Heizung, Strom und Internet direkt von Vermieter angeboten werden, auf Wunsch auch möbliert. Oder dass man für das Wohnen auf Zeit bereits Monate im Voraus verbindlich buchen kann. Solche Zusatzservices bedeuten zwar Mehraufwand, Kunden sind jedoch nachweislich bereit, dafür mehr Geld zu bezahlen.

Auf Vermieterseite werden von Drittbeteiligten bisher eher rar angebotene Zusatzservices wie etwa Schutzversicherungen vor Missbrauch durch den Mieter, Hilfsangebote wie etwa betreute Foto-Shootings oder Bewerberfiltrierung zunehmend angeboten werden. Für viele Vermieter ist infolge des Bestellerprinzips der Nutzen von Maklern immens gesunken, der Wohnungsmarkt verlagert sich noch schneller und weiter ins Internet. Es wird dann zur Aufgabe der Online-Marktplätze werden, solche „persönlichen“ Services zu leisten und Vermieter zu beraten und zu betreuen.

förderland: Vielen Dank für das Gespräch.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer