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18.05.14Kommentieren

Bericht der Financial Times: Facebook kopiert Berliner Messaging-App Taptalk

Die aus Berlin stammende visuelle Messaging-App Taptalk fällt durch einen besonders simplen Mechanismus zum Versenden von Fotos und Videos auf. Laut Financial Times arbeitet Facebook an einer Anwendung namens Slingshot, die das Prinzip nachahmt.

TaptalkEs ist eine ungewöhnliche Meldung für die Berliner Startup-Szene: Facebook soll nach dem Flop mit Poke laut Financial Times an einer weiteren Messaging-App arbeiten. Ihr Fokus läge auf kurzen Videos und sie soll in Anlehnung an die Anwendung des gerade gestarteten Berliner Dienstes Taptalk entstehen.

Bei Taptalk, das derzeit nur für iOS angeboten wird, handelt es sich um das zweite Projekt des in den Niederlanden gegründeten, später nach Berlin umgesiedelten Startups Wit Dot Media. Die erste App des von der Berliner Venturekapital-Gesellschaft Earlybird finanzierten Unternehmens, Ding Dong, konnte zwar innerhalb der Gründerszene der Hauptstadt einige Aufmerksamkeit erhaschen, war aber ansonsten schlicht eine unter vielen existierenden Variationen des Konzepts eines visuellen Kommunikationwerkzeugs für mobile Nutzer. Auch wenn Ding Dong vorläufig weiter existiert, kann man das Anfang April gestartete Taptalk als Iteration der ersten Anwendung und zweiten Versuch des Teams um Gründer Onno Faber ansehen, die schnelle, "vergängliche" mobile Kommunikation mittels Fotos und Videos, wie sie von Snapchat etabliert wurde, noch stärker auf Simplizität zu trimmen. Eine Betitelung als "Snapchat für Erwachsene" wäre auch nicht ganz unpassend.

Die größte Besonderheit von Taptalk ist der "Ein-Klick"-Mechanismus, mit dem sich Schnappschüsse an einzelne oder mehrere Kontakte verschicken lassen. Auf die sonst übliche Trennung von Foto-/Video-Aufnahme und Versendeprozess verzichten die Berliner. Genau dieses System soll nach dem Bericht der Financial Times bei der Anwendung zum Einsatz kommen, an der Facebook gerade werkelt. Der Servicer namens Slingshot könnte noch diesen Monat debütieren, so das Blatt.

Dass Facebook, das größte soziale Netzwerk der Welt, eine App aus Berlin kopiert, stellt ein Novum dar. Was die Macher von Taptalk von einem solchen Ereignis halten würden, ist schwierig zu sagen. Einerseits wird die App allein durch die in den nächsten Tagen zu erwartende Berichterstattung über die angeblichen Pläne Facebooks ins Visier vieler Menschen rücken. Allerdings ist Taptalk weit vom Erreichen einer kritischen Masse entfernt, wie ein Blick auf die App-Store-Statistiken zeigt. Anders als Snapchat, das bei seiner bisherigen Kernzielgruppe angloamerikanischer Jugendlicher bereits mächtig etabliert war, als Facebook im Dezember 2012 seinen Nachahmer Poke ins Rennen schickte, besteht nun das Risiko, dass Nutzer sofort bei der Facebook-Kopie und nicht bei ihrem Vorbild landen. Sofern überhaupt größeres Interesse an dem Ansatz besteht.

Vielleicht öffnet sich für Taptalk-Gründer Faber und sein Team jetzt aber auch die Tür für eine Talentakquisition. Die App hat zwar durchaus einen gewissen Reiz, aber da die Chancen auf den ganz großen Erfolg historisch betrachtet eher mau sind, wäre ein Exit an Facebook wohl keine Lösung, über die sich die Beteiligten beschweren würden.

Aus Taptalk-Kreisen heißt es zu der Meldung "kein Kommentar". Ciarán O'Leary von Investor Earlybird, selbst ein Intensivnutzer von Taptalk, bezeichnete die Nachricht bei Twitter als "Kompliment".

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