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06.09.10

Bequeme Zahlung von Kleinstbeträgen: Micropayments, wohin man schaut

Internetnutzern werden immer mehr Wege geboten, mit wenig Aufwand Kleinstbeträge für Webinhalte und -dienste zu bezahlen.

 

Lange Zeit war das Fehlen von wirtschaftlich tragbaren und für Nutzer mit wenig Aufwand verbundenen Methoden, um im Netz geringe Summen für Services oder Inhalte verlangen zu können, ein enormes Hindernis für die Entfaltung alternativer Monetarisierungswege. Doch das scheint mittlerweile Schnee von gestern zu sein. Denn eine Reihe von Initiativen und Vorhaben sorgt dafür, dass Micropayments sowie komfortable "One-Click-Payments" plötzlich an vielen Stellen im Web realisiert werden.

Vorreiter ist hierbei natürlich Apples App Store, der es mehr als 150 Millionen Menschen ermöglicht, mit einem Klick Applikationen und Content käuflich zu erwerben. Jeder Besitzer eines iPhones oder iPads weiß, wie angenehm und komfortabel es ist, kostenpflichtige Applikationen herunterladen zu können, ohne dafür auch nur einen Finger mehr krümmen zu müssen als für die Installation von Gratis-Apps. Auch "In-App-Käufe", mit deren Hilfe sich beispielsweise zusätzliche Level in einer Spiele-App erwerben lassen, werden so zum Kinderspiel.

Noch nicht so massentauglich wie Apples Ökosystem, aber mit mindestens genauso viel Potenzial ausgestattet, schickt sich Facebooks virtuelle Währung Credits an, zu einem universellen Zahlungsmittel im Facebook-Web zu werden. Den aktuellen Entwicklungsstand hatten wir im Juli zusammengefasst.

Während Credits momentan primär dafür eingesetzt werden, virtuelle Güter in Spielen innerhalb der Facebook Plattform zu kaufen, besteht kein Zweifel daran, dass in Facebooks langfristiger Vision Credits als ominipräsentes "Prepaid-Zahlungsmittel" im Netz fungieren. Einmal mit 50 Euro aufgeladen können User mit den Credits dann alle möglichen Arten von Onlineinhalten erstehen - bis sie ihr Guthaben aufgebraucht haben.

Auch Flattr minimiert für User den Aufwand einer Transaktion, selbst wenn es hier um freiwillige Zahlungen geht und Anwender keinen spezifischen Betrag wählen können, den sie einzelnen Webangeboten zukommen lassen wollen. Aber auch bei Flattr laden Nutzer ihr Guthaben einmal auf und verteilen es anschließend an Anbieter von Content, an dem sie interessiert sind.

In wenigen Wochen wird Google seinen Chrome Web Store veröffentlichen und damit das Prinzip von Applikationen erstmals in den Browser übertragen. Mit dem Schritt startet der Internetgigant gleichzeitig einen Vorstoß in den Bereich der Micropayments (wenn man mal vom Android Market absieht, der sich für seinen nur auf wenige Länder begrenzten Kaufprozess für Apps bisher nicht gerade Lob eingehandelt hat).

Google will Entwicklern sowohl das Anbieten von kostenfreien als auch kostenpflichtigen Apps erlauben. Anfang 2011 sollen dann auch In-App-Käufe unterstützt werden. Abgewickelt wird die Zahlung über Googles eigenes Bezahlsystem Checkout. Nutzer, die dort einmal ihre Zahlungsdaten eingegeben und sich im Chrome Web Store angemeldet haben, können fortan mit einem Klick (oder sehr wenigen Klicks) Apps kaufen (und nach dem Launch von In-App-Purchases auch innerhalb von Anwendungen Transaktionen einleiten).

Ganz offensichtlich ist viel Bewegung im Onlinemarkt für Mini-Transaktionen. Da kommt es nicht überraschend, dass auch PayPal, der wohl populärste für jede Website verfügbare Zahlungsabwickler im Web, sich ein Stück vom Micropayment-Kuchen sichern möchte.

So will die 87 Millionen Nutzer zählende eBay-Tochter noch in diesem Jahr einen Zahlungs- sowie Micropaymentmechanismus für Online-Spiele starten, der das Erwerben von virtuellen Gütern direkt aus dem Spiel ermöglichen soll. Bei diesem neuen Ansatz sammeln Nutzer via PayPal fällige Zahlungen an, die dann in festgelegten Intervallen von ihrem mit PayPal verbundenen Konto abgebucht werden - ähnlich wie es beispielsweise seit jeher mit der Telefonrechnung läuft.

Vorerst scheint es derartige Pläne nur für den boomenden Markt der Social Games (Farmville & Co) zu geben. Man muss jedoch kein Hellseher sein, um zu erahnen, dass dies für PayPal bei weitem nicht das Ende der Fahnenstange bedeutet. Auch andere digitale Inhalte und Dienste könnten auf diesem Weg in Anspruch genommen werden.

Einen Nachteil haben alle Verfahren (über die zum Teil geschlossene Struktur hinaus): Sie beinhalten Provisionen bzw. Kostenbeteiligungen für die Parteien, die sie in Anspruch nehmen. So erhalten App-Entwicker bei Apple nur 70 Prozent der durch Verkäufe generierten Umsätze. Flattr behält 10 Prozent der Einnahmen ein und Google zweigt sich für Chrome-Anwendungen fünf Prozent plus 30 Cent pro Transaktion ab. Davon kann man halten was man will. Es ist nach heutigem Stand wohl einfach der Preis, den Konsumenten und Entwickler für praktikable Micropaymentlösungen zahlen müssen.

(Foto: stock.xchng)

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