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23.08.13Leser-Kommentare

Benutzerunfreundliche Freundeslisten: Facebook-Nutzer haben die Übersicht verloren

Facebook macht die Bedienung der Freundeslisten unnötig schwer. Dahinter könnte Absicht stehen.

FacebookDer Startup Rollercoaster ist ein Begriff aus der Welt der Jungunternehmer. Er beschreibt das Auf und Ab, welches man mit einer jungen Firma mit neuen Ideen erlebt: Erfolgsnachrichten folgen auf Hiobsbotschaften, Hoffnung auf Ernüchterung in schneller Folge - man legt entsprechend emotional eine Achterbahnfahrt zurück.

Vor ein paar Tagen habe ich mich beruflich wieder einmal sehr intensiv auf dieser Achterbahn sitzend gefühlt und habe dies mit der Welt geteilt. Ganz nach der Aufforderung von Facebook: "How are you feeling?". Es gab Likes vom Zielpublikum. Und zwei fragende Kommentare aus meinem familiären Umfeld.

In meiner Familie gibt es nebst mir keine Startupper. Mental und auch geographisch unterscheiden sich ihre Welten sehr stark von meiner. Kein Wunder, konnten sie mit meinem Post nur wenig anfangen. Fragezeichen im Kopf, vielleicht auch etwas Sorge mit dabei, bewegte sie dazu, trotzdem zu kommentieren. Schuld an solchen Situationen trägt Facebook als Plattform.

 

Facebook macht es bewusst zu schwer

Freunde und Bekannte setzen sich aus ganz unterschiedlichen Menschen zusammen, die nur selten alle Interessensgebiete teilen. Klassiker sind die drei Bereiche Familie, Geschäft und Hobby. Dieser Tatsache trägt Facebook kaum Rechnung.

Zwar bietet Facebook mit seiner Listen-Funktion die Möglichkeit, Inhalte gezielt nur verschiedenen Gruppen zugänglich zu machen. Doch dieses Feature ist eine reine Alibi-Übung. Die Handhabung ist viel zu kompliziert und zu undurchsichtig. Der Workflow, Freunde den Listen zuzuordnen und Posts einzelnen Listen zuzuteilen, ist alles andere als intuitiv. Das logische Resultat ist, dass kaum jemand diese Funktion nützt. Mark Zuckerberg hat dies bereits 2010 erkannt, geändert hat sich an der Implementation jedoch kaum etwas.

Dass es bessere Ansätze gibt, weiss man spätestens nach dem Launch von Google+. Dessen Circle-Feature wurde von Facebook-Ingenieuren sogar innert kürzester Zeit kopiert und inoffiziell unter circlehack.com zur Verwendung mit Facebook zur Verfügung gestellt. Die Site ist mittlerweile wieder offline, eine ähnliche Integration in Facebook folgte nie. Es muss Absicht sein, dass die Listen-Funktion so unbrauchbar umgesetzt ist.

Der Feed will gefüllt werden

Dieser Umstand passt in die Reihe von Dingen, die für Facebook einfach umzusetzen wären, die aber bis heute nicht vorhanden sind. Dazu gehören zum Beispiel auch die Anzeige der Zahl, wie viele Freunde einen Post gesehen haben oder die bei Xing so prominente Information, von wem das eigene Profil aufgerufen wurden (nur unseriöse Anwendungen innerhalb von Facebook gaukeln vor, diese Information zu haben).

Diese drei fehlenden oder unzulänglich umgesetzten Features führen alle zum gleichen Umstand: Die User haben keinen Überblick und keine Kontrolle, was mit ihren Posts auf Facebook genau geschieht und wer diese zu sehen bekommt.

Ich vermute, dass der Grund dafür ganz banal ist: In meinem Umfeld posten die User immer weniger häufig auf Facebook und verhalten sich nur noch wie passive Konsumenten. Wenn dies ein allgemeiner Trend ist, muss Facebook dafür sorgen, dass die Anzahl neuer Posts von echten, die der User im Feed zu sehen kriegt, nicht noch kleiner wird. Denn schon heute ist dieser viel zu oft nur noch von Werbung zugemüllt - unter gewissen Umständen besteht bis zu 100% des auf den ersten Blick sichtbaren Inhalts aus bezahlten Promotionen, wie Forbes berichtete.

Ein gefährlicher Trend für Facebook

Wäre jedem User stets bewusst, wer seine Posts zu sehen bekommt, würde sich das Problem noch verschärfen: Die Frequenz echter Posts würde noch tiefer werden, der Anteil an Werbeinhalt noch grösser. Dass sich Facebook mit solchen Tricks keinen Gefallen tun kann, versteht sich von selbst. Da nur noch an wenigen Stellen Wachstumspotential bei den Usern besteht und die Jungen bereits ihr Interesse verlieren, bewegt sich das Netzwerk in eine gefährliche Richtung, will es nicht in absehbarer Zeit zu schrumpfen beginnen.

Zu viel ungewollter Inhalt, zu wenig Fokus auf die Wünsche der User, Probleme mit Fake-Accounts und Spam. Irgendwie hat man dies alles bei MySpace schon einmal gehört…

Kommentare

  • Cornelia Weiß

    23.08.13 (09:48:02)

    Leider funktionieren die Listen nicht einmal dann, wenn man sie akribisch pflegt. Ich habe die Listenfunktion lange zeit genutzt, um meinen internationalen Freundeskreis von meinen deutschen Kontakten zu trennen, um ersteren nicht mit deutschen Updates zu nerven. Als dann eines Tages ein irischer Bekannter ein Update kommentierte, das er eigentlich nicht hätte sehen können, habe ich mein Profil aus seiner Sicht angeschaut und gesehen, dass er alle Updates sehen kann, genau wie alle anderen meiner Freunde. Seit dem nehme ich an, dass das Listenfeature nicht mehr als Kosmetik ist.

  • gast

    24.08.13 (19:56:36)

    dann hast du was falsch gemacht. bei mir kriegen es nur die gruppen mit die ich ankreutze.

  • Ben

    26.08.13 (13:28:47)

    Sehr sehr cooler Artikel zu einem Problem, das mich immer mehr beschäftigt. Bewegt sich die Anzahl der "Freunde" bei facebook bei 1200 oder mehr fällt es zunehmend schwer, die Übersicht zu behalten. Gibt es eine Möglichkeit nur die News von einer bestimmten Gruppe zu sehen? Also nur von meinem engsten Freundeskreis zum Beispiel?

  • Manuel Reinhard

    26.08.13 (13:30:53)

    Wenn du deine Freunde in einer Liste hast, kannst du einfach diese Liste aufrufen und siehst die Inhalte der entsprechenden Leute. Bei mir gibts in der linken Spalte den Unterbereich "Freunde" und dann (einige) Listen, die ich direkt anklicken kann.

  • Cornelia Weiß

    26.08.13 (15:21:58)

    Das wage ich zu bezweifeln, was soll man denn beim Anlegen einer Facebook-Liste falsch machen?

  • pmuc

    27.08.13 (11:16:14)

    Dazu passt auch noch der Chronik Filter Algorithmus, den ich überhaupt nicht mehr durchblicke... warum lässt mir facebook nicht die Wahl? ich habe unter 50 Kontakte (mag damit eine große Ausnahme sein), hätte aber dennoch gerne die Wahl selbst zu entscheiden, was ich sehe oder auch nicht. ich glaube facebook ist nur noch so "stark" weil alle Konkurrenten so "schwach" sind.

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