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23.02.07

Begriffsverwirrung: Blogs oder Internet-Tagebücher?

Die deutschsprachigen Medien haben neuerdings ein zunehmend ernster werdendes begriffliches Problem: Immer häufiger müssen sie über Blogs und Blogger berichten, weil die irgendwo relevant in Erscheinung getreten sind, im Moment zum Beispiel gerade in ziemlich tragischer Weise in Ägypten.

Interessant ist, wie unterschiedlich Zeitungen mit dem Begriff "Blog" umgehen: Einige (z.B. Spiegel, Focus, Blick) benutzen den Ausdruck, als ob er völlig selbstverständlich wäre. Andere (z.B. die NZZ) schreiben im Artikel-Lead noch etwas gewunden vom "Internet-Tagebuchschreiber", benutzen aber auch sonst mehrheitlich "Blogger". Und wenn die Rheinische Post über das Blog von Victoria Beckham berichtet, ist "Online-Tagebuch" ja auch ein sachlich korrekter Begriff.

Etwas schwerer mit neumodischen Anglizismen tut sich scheinbar die altehrwürdige Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die FAZ klärte vor einigen Tagen ihre Leserschaft noch ausführlich über das scheinbar immer noch exotische Thema auf:

 

"Früher hieß es beim bunten Abend gern 'Jekami'. Das Grundprinzip ist dasselbe geblieben: Jeder kann mitmachen. Nur organisiert sich das Ganze jetzt weltweit in Internet-Tagebüchern, so genannten Weblogs. [...]

Genauso kann heute jeder, der einen Computer und einen Internetzugang besitzt, Texte halbwegs professionell layouten und publizieren. Was die Texte taugen, steht auf einem anderen Blatt."

Ah ja. Aber immerhin, selbst bei der FAZ kriegt man bei einer Volltextsuche nach "Blog" inzwischen mehr Treffer als für die entsprechenden deutschen Begriffe. Das Phänomen wird also immerhin wahrgenommen, wenn auch nicht unbedingt respektiert.

Einen Preis für die misslungenste Verweigerung von Anglizismen verdient aber der Autor einer Unternehmensmeldung in FAZ.net über die deutsche Telekom. Der verwendete nämlich merkwürdige Wortschöpfungen wie "Mitmach-Web", "virtuelle soziale Netze" oder "Start-Up-Gesellschaft". Und am schönsten:

"Bereits 2005 hat die Mediengruppe News Corp von Rupert Murdoch für 580 Mio USD das Internet-Tagebuch MySpace geschluckt."

MySpace? Ein "Internet-Tagebuch"? Mit Verlaub, das ist nicht nur begrifflich ziemlich weit daneben, sondern schlicht und ergreifend sachlich komplett falsch.

Da sind wir ja aber wieder mal froh, dass nicht jeder einfach so Journalist werden und in angesehenen Tageszeitungen schreiben kann. Nicht wie bei Bloggern.

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