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07.08.14Leser-Kommentar

Beförderungs-Startups launchen "Sammeltaxi"-Funktionen: Uber und Lyft versuchen sich an intelligenter Mobilität

Während die Dienste der US-Beförderungs-Startups Uber und Lyft für Anwender bequem sind, trugen sie bisher wenig zur Schaffung von nachhaltiger Mobilität bei. Mit neuen, zeitgleich vorgestellten "Sammeltaxi"-Funktionen wollen die Firmen dies ändern. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung.

RidesharingAbgesehen von der Regulierungsproblematik, die bei Vertretern der Taxibranche das Blut zum Kochen bringt, gab es an hippen, umfangreich finanzierten Beförderungs-Startups wie Uber und Lyft bislang vor allem zu kritisieren, dass sie Bestrebungen einer sinnvollen, umweltfreundlichen Verkehrspolitik, bei der Anreize zur Nicht-Nutzung des Automobils gegeben werden, unterlaufen. Doch innerhalb von 24 Stunden haben beide in San Francisco beheimateten Unternehmen Erweiterungen ihrer Dienst bekanntgegeben, die signalisieren, dass Nachhaltigkeitsaspekte und die gemeinsame Nutzung von begrenzten Ressourcen tatsächlich Teil der Strategie sind. Ubers neues experimentelles Produkt nennt sich UberPool und wird derzeit in ausgewählten Städten im geschlossenen Beta-Betrieb getestet. Es handelt sich um eine Art On-Demand-Sammeltaxi. Wer bei einer Uber-Fahrt sparen möchte, kann mit dem Service die eigene Bereitschaft signalisieren, weitere Mitfahrer aufzunehmen, die im selben Zeitraum auf der selben Strecke unterwegs sind. Sollte dies nicht der Fall sein, erhalten Uber-Fahrgäste dennoch einen Preisnachlass. In der Testphase arbeitet das Unternehmen laut eigenen Angaben mit Google zusammen. Angesichts der intensiven Pendleraktivitäten zwischen dem Silicon Valley (wo Google seinen Sitz hat) und San Francisco (wo viele Google-Mitarbeiter wohnen), eine intelligente Kooperation. Naheliegend auch deshalb, weil Google über seinen Investmentarm 250 Millionen Dollar in Uber gepumpt hat.

Lyft Line läuft ebenfalls darauf hinaus, dass mehrere Fahrgäste sich ein Lyft-Fahrzeug teilen, und funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip wie UberPool. Während bei UberPool von Preisnachlässen von bis zu 40 Prozent gegenüber einer herkömmlichen Uber-Fahrt die Rede ist, verspricht Lyft gar Rabatte von bis zu 60 Prozent im Vergleich zu einem Lyft-Trip, bei dem das Fahrzeug nicht mit anderen Parteien geteilt wird. Los geht es mit San Francisco, weitere Städte sollen folgen. Anders als Uber wird Lyft bislang nur in US-Metropolen angeboten.

Das Prinzip, dass mehrere Personen mit gleichem Ziel sich ein Fahrzeug teilen, ist für Nutzer auf beiden Seiten des Atlantiks nichts Neues. In Europa erlauben dies sowohl klassische Mitfahrgelegenheits-Portale als auch neuartige Ridesharing-Services wie Flinc, Wundercar sowie TwoGo. Auch in den USA gibt es zahlreiche Initiativen und Services, die bei der Bildung von Fahrgemeinschaften helfen - was dort zudem den Vorteil hat, auf Autobahnen spezielle “Fahrgemeinschaftsspuren” nutzen und am Stau vorbeifahren zu dürfen.

Neu ist an UberPool und Lyft Line, dass die gewerbliche Chauffeuer-Dienstleistung mit dem Konzept der On-Demand-Mitfahrgelegenheiten kombiniert wird. Die Fahrer der Autos sitzen nicht hinter dem Steuer, weil sie ohnehin auf der Strecke unterwegs sind, sondern um Geld zu verdienen. Sämtliche Kfz-Insassen dagegen teilen sich die Rechnung.

Ob das in der Praxis so funktioniert, dass nicht zu viel Zeit und damit Geld durch das Auflesen und Absetzen von Fahrgästen an verschiedenen Punkten verloren geht, müssen Uber und Lyft nun beweisen. Grundsätzlich aber ist es mehr als zu begrüßen, dass die Dienste den Gedanken der intelligenten und effizienten Beförderung nicht ignorieren. Zudem könnte es ihnen neue, wichtige öffentliche Unterstützer einbringen. Immerhin toben in vielen Städten Auseinandersetzungen zwischen den Transport-Startups, dem Taxigewerbe und der Politik. Nicht selten werden die mit einer dicken Kapitaldecke ausgestatteten Internetfirmen als Vertreter des rücksichtslosen Turbokapitalismus betrachtet, der alle etablierten Strukturen niederwälzt und durch das Fehlen fester Anstellungsverhältnisse prekäre Lebenssituationen fördert. Für die Argumentation der Firmen ist es da nicht schlecht, betonen zu können, dass man auch etwas Gutes tut, nämlich hilft, Staus und Abgase zu reduzieren.

Letztlich können Uber und Lyft auch nichts dafür, dass in den US-Städten der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) so unterentwickelt ist. Man sollte deshalb nicht verwundert sein, wenn die Dienstleistungen der Firmen im Zeitverlauf Formen annehmen, die an moderne und profitorientierte Varianten des ÖPNV erinnern. /mw

Foto: Three or more persons traffic sign, Shutterstock

Kommentare

  • Jörn Napp

    18.08.14 (09:45:12)

    Daß UBER, Lyft & Co. von dem unterentwickelten ÖPNV in den meisten Städten der USA profitieren, ist leider eine Tatsache. Aber in einigen Städten hat man schon dazugelernt, wie zB in New York, wo diese Raubtaxen besonders in den Außenbezirken aktiv waren und dort sogar eine gewisse soziale Funktion ausübten. Da sich die 'normalen' NYC-Cabs oft weigerten, in diese Bezirke zu fahren oder dort gar richtig aktiv zu sein, hat die TLC jetzt die GREEN-Cabs eingeführt. LEGALE Taxen, deren Konzessionen relativ billig sind und für die Außenbezirke gelten. Zudem sind die Fahrtkosten stark reduziert gegenüber den Yellow Cabs, was diese Wagen attraktiv macht. Sie wurden sofort sehr gut von der Bevölkerung angenommen und haben UBER säuerlich gestimmt! DAS ist die richtige Methode, wie man gegen Money-Junkies wie UBER vorgeht!

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