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18.07.12Leser-Kommentare

Beetmobile: Mehr WLAN-Komfort und niedrigere Surfkosten für mobile Nutzer

Beetmobile will Internetverbindungen besser zugänglich machen und beim Senken von Roamingkosten helfen. Neben einer Roaming-Datenbank bietet das Startup aus Hamburg eine kostenfreie Software an, die Windows-PCs und Android-Geräte in WLAN-Hotspots verwandelt.

Die vergangene Woche stand bei uns gewissermaßen unter dem inoffiziellen Thema "Roaming im Urlaub" und den Folgen, die dies auf Always-On-Jünger und das Internet stark in ihren Alltag integrierende Menschen hat - mit zwei sehr gegensätzlichen Meinungen und einem Beitrag zum Potenzial von WLAN-Communities als Alternative zu schwachen oder teuren Mobilfunkverbindungen. Angesichts der momentanen Urlaubszeit könnte es auch kaum einen geeigneteren Zeiptunkt geben, um derartige Aspekte zu diskutieren. Immerhin stellen sich gerade Millionen von Urlaubern die Frage, wie sie ihre Onlinenutzung auf Reisen handhaben sollen.

Die Gunst der Stunde möchte auch die aus Hamburg stammende BEETmobile AG mit ihrem gleichnamigen Dienst Beetmobile nutzen. Das von Christian Richter und Marc Griefahn gegründete Startup hat sich auf die Fahnen geschrieben, die besten Werkzeuge und Ressourcen rund um Roaming und die allgegenwärtige Verfügbarkeit von Internetzugängen bereitzustellen. Zum Debüt präsentieren die Norddeutschen zwei Services: eine "Roam Advisor" genannte, teils redaktionell gepflegte, teils nutzergenerierte Datenbank über Mobilfunkangebote in verschiedenen Ländern, sowie eine Hotspot-Applikation für Windows 7 und Android.

Beim Roam Advisor handelt es sich im Prinzip um eine hübschere Variante des bekannten "Pay as You Go Sim with Data Wiki". Anders als der Name erahnen lässt, geht es nicht um eine Liste von Mobilfunk-Roaminggebühren, sondern um eine generelle Übersicht von verfügbaren Providern, SIM-Karten, speziellen Roaming-Produkten, freien sowie kostenpflichtigen Hotspots und anderen hilfreichen Tools, die von Nutzern bewertet und gerankt werden - nicht weltbewegend und in seiner aktuellen frühen Fassung noch sehr unvollständig, aber mit zunehmendem Umfang sicher für viele privat oder geschäftlich Reisende praktisch.

Aus unserer Sicht interessanter ist die kostenlose Hotspot-Applikation für Windows 7. Mit ihr können Rechner, die Zugang zum Internet haben, in wenigen Schritten in WLAN-Hotspots umgewandelt werden, woraufhin andere Noteoobks, Smartphones oder Tablets in der unmittelbaren Umgebung ebenfalls Netzzugang erhalten können. Szenarien hierfür gibt es zahlreiche: In vielen Hotels beispielsweise erhält man zwar Zugangsdaten zum hauseigenen Drahtlosnetz - entweder gratis oder gegen Entgelt - diese lassen jedoch nur ein Gerät ins Web, nicht mehrere gleichzeitig. Hier kann die Beetmobile-Anwendung ebenso Abhilfe schaffen wie wenn ein sicherer VPN-Tunnel für die Verbindung zum Einsatz kommt, der mittels Beetmobile mit anderen Geräten geteilt wird. Auch örtlich begrenzte WLAN-Funklöcher lassen sich überbrücken, indem der Computer mit Beetmobile das Signal an einer besseren Stelle aufgreift und von dort aus ein neues WLAN generiert. Beetmobile ist dem von uns im Januar vergangenen Jahres vorgestellten Connectify sehr ähnlich, hat aber den Vorteil einer deutlich übersichtlicheren, leichter verständlichen Oberfläche. Die Software liefert auch Statistiken über den aktuellen Datenverbrauch, zeigt verbundene Geräte an und besitzt eine Timer-Funktion, mit deren Hilfe sich ein Hotspot nach einer bestimmten Zeit automatisch deaktivieren lässt. Das Beetmobile-WLAN setzt zur Verschlüsselung auf den aktuellsten Sicherheitsstandard „WPA 2 PSK”.

Neben einer Windows-7-Anwendung gibt es die Beetmobile-App auch für Android-Geräte. Der Vorteil von Beetmobile gegenüber dem Android-eigenen Hotspot-Feature liegt in der größeren Funktionsvielfalt, in höheren Sicherheitsstandards (laut Beetmobile) sowie in der einfacheren Bedienung. Ob das als Alleinstellungsmerkmal genügt, muss jeder selbst entscheiden.

Auf der Roadmap stehen auch Apps für Mac OS X und iOS. Allerdings bieten beide Apple-Betriebssysteme bereits integrierte Hotspot-Funktionen. Bei iOS kommt zudem noch die Problematik von providerseitigen Einschränkungen des sogenannten "Tetherings", also der Verwendung des Smartphones als "Modem", hinzu. Der beim iPhone verfügbare Menüpunkt "Personal Hotspot" kann abhängig von der jeweiligen SIM-Karte einfach verschwinden (manche Provider lassen sich dies extra bezahlen). Sofern eine Beetmobile-App den Mobilfunkanbietern diese durch Apple eingeräumte Option nehmen würde, bleibt fraglich, ob die App überhaupt für den App Store freigelassen wird.

Die Monetarisierung von Beetmobile, das in einer Seedrunde im vergangenen Jahr 500.000 Dollar eingesammelt hat, soll nach der anfänglichen Schaffung von europaweiter und internationaler Markenbekanntheit mit eigenen Roamingprodukten erfolgen. Das klingt noch recht wage, besonders in Anbetracht der fortschreitenden, durch die EU erzwungenen Reduzierung der Roaminggebühren. Andererseits: Der Zeitpunkt, an dem ein deutscher oder österreichischer Datentarif auf allen Kontinenten günstiges Surfen ermöglicht, liegt noch in weiter Ferne. Insofern schrumpft der Markt mit dem absehbaren Ende von Roaming in der EU nur zum Teil.

Link: Beetmobile

Kommentare

  • FFD (BEETmobile)

    18.07.12 (19:31:20)

    Zum Thema EU und Roaming: Ab 1. Juli 2014 sollen für abgehende Gespräche 0,19 €, für ankommende 0,05 € anfallen. Eine SMS kostet dann nur noch 6 Cent, das MByte Daten 20 Cent. Diese Obergrenzen sollen bis Mitte 2017 gelten, zu ihnen kommt jeweils noch die nationale Mehrwertsteuer hinzu. Quelle: heise.de 20 cents pro MByte ist immer noch sauteuer. Für eine Stunde Spotify oder Webradio heißt das um die 4 Euro, wenn ich das richtig überschlagen habe... Und da die Applikationen eher noch datenhungriger werden, als weniger...

  • Martin Weigert

    18.07.12 (20:49:13)

    Klar. Aber Telefonicas Deutschland-Chef rechnet damit, dass Roaminggebühren bis 2015 in Europa ganz verschwunden sind. Ich weiß nicht, wie man diesen Vorstoß von ihm deuten soll. Aber es hat was, wenn er das sagt.

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