<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

23.05.13Leser-Kommentar

Beachtliche Erfolgsgeschichte: Buffer wird zum attraktiven Übernahmeobjekt

Das im Silicon Valley ansässige österreichisch-britische Startup Buffer hat eine beachtliche Erfolgsstory hingelegt. Es avanciert dadurch zu einem attraktiven Übernahmeobjekt.

Wenn man regelmäßig über das Geschehen in der Internetwirtschaft berichtet, beschäftigt einen stets die Frage, welche Startups zum jeweiligen Zeitpunkt zu den heißesten Übernahmekandidaten zählen. Blicke ich dabei derzeit auf Firmen mit Wurzeln im deutschsprachigen Raum, gehört das österreichisch-britische, seit fast zwei Jahren im Silicon Valley beheimatete Jungunternehmen Buffer dazu.

Wer Buffer nicht kennt: Das Anfang 2011 von dem Österreicher Leonard Widrich und dem Briten Joel Gascoigne lancierte Onlinetool erlaubt Privatpersonen und Unternehmen das zeitversetzte Publizieren von Inhalten über Facebook, Twitter, LinkedIn and App.net. Der Dienst, der in seinen frühen Tagen nur das zeitversetzte Twittern ermöglichte und sich sukzessive für weitere Plattformen öffnete, richtet sich an alle, die von ihnen handselektierten Content über den Tag verteilt im Social Web verbreiten möchten, selbst wenn ihr Terminkalender dies eigentlich unmöglich macht. Was nicht jeden Webnutzer konzeptionell sofort überzeugt, hat sich als klare Erfolgsidee erwiesen: Gut ein Jahr nach dem Debüt konnte sich das Startup über die ersten 50.000 Dollar Umsatz und drei Millionen versendete Tweets freuen. Mittlerweile, anderthalb Jahre später, fließen monatlich mehr als 100.000 Dollar in die Kassen des Unternehmens - von über 10.000 Anwendern, die zehn Dollar pro Monat für die Entfernung von Limitierungen der Free-Version zahlen. Insgesamt waren Ende April 600.000 Personen bei Buffer registriert.

Widrich, Gascoigne und ihr mittlerweile neunköpfiges Team haben bewiesen, dass aus dem zeitlichen Planen von Social-Media-Updates tatsächlich ein funktionierendes Geschäftsmodell gemacht werden kann. Einen ganz entscheidenden Beitrag zu dieser positiven Entwicklung hat neben dem kompetenten, einflussreichen Investoren-Netzwerk zweifellos die herausragende Kommunikationsarbeit der Buffer-Macher geleistet. Die informativen und interessanten Beiträge im Buffer-Blog rund um Produktivität und persönliche Weiterentwicklung stehen in ihrer Qualität und Viralität redaktionellen Onlinemagazinen in nichts nach. Charakteristisch sind auch der Vermerk am Ende einer jeden an Pressevertreter gerichteten Mail, dass einer der Gründer die folgenden Stunden für alle Reaktionen und Fragen per Mail erreicht werden kann, die transparente Auswertung der Nutzerzufriedenheit sowie die Tatsache, dass Co-Founder Widrich nur 20 Jahre jung war, als er mit dem vier Jahre älteren Gascoigne Buffer anschob.

In zahlreichen Porträts wie etwa diesem wurde die Entstehungs- und Wachstumsgeschichte von Buffer sowie das disziplinierte, selbstbewusste, stetig auf konzeptionelle, aber auch persönliche Verbesserungen fokussierte Vorgehen der Gründer mittlerweile beleuchtet. Selbst wenn Buffer niemals offiziell in Österreich angesiedelt war, so handelt es sich um eine der größten Interneterfolgsgeschichten mit österreichischer Beteiligung der letzten Jahre.

Genau weil es für Buffer so gut läuft, sehe ich in dem in Kalifornien beheimateten Startup einen heißen Übernahmekandidat. Sicherlich könnten die jungen Unternehmer ihre Idee noch weiterspinnen und sukzessive zusätzliche Plattformen und weitere innovative Funktionen integrieren, wie etwa die kürzlich aktivierte Option zum zeitversetzten Publizieren von Retweets. Doch auch heute ist Buffer noch immer eher ein Feature, welches zudem vom Wohlwollen der bespielten Plattformen, und dabei in erster Linie Twitter und Facebook, abhängig ist.

Risiken für das Geschäft existieren einige: Die unterstützten Plattformen könnten eigene Tools zum zeitversetzten Publizieren entwickeln oder ihre APIs auf für Buffer ungünstige Art beschränken. Auch könnten veränderte Schwerpunkte der Unternehmenskommunikation und ein Abflauen der Social-Media-Euphorie bei Firmen den Bedarf von Marketingabteilungen an den Diensten von Buffer verringern. Möglich wäre zudem, dass umfangreichere Werkzeuge für Social-Media-Management wie Hootsuite für den zahlungswilligen Teil der Buffer-Nutzerschaft an Attraktivität gewinnen. Auch in der wachsenden Ablehnung der Anwender gegenüber zeitversetzt publizierten Updates liegt eine Gefahr. Es ist aus Usersicht durchaus etwas anderes, ob Tweets einen aktuellen Bezug und eine direkte Interaktion zur Folge haben, oder ob sie zehn Stunden alt sind, und ob Reaktionen auf sie erst Stunden später beantwort werden.

Angesichts dieser Marktsituation würde es mich nicht wundern, wenn Buffer demnächst unter das Dach eines größeren Webunternehmens schlüpft. Sowohl das Produkt als auch das Team würden gute Ergänzungen für die großen Social-Web-Anbieter darstellen. Aber auch Hootsuite oder Gremln kämen als Käufer in Frage, ebenso wie Social-News-Reader à la Flipboard oder Feedly (mit letzterem kooperiert Buffer bereits). Und dann gibt es natürlich noch Yahoo...

An Interessenten für eine Akquisition dürfte es Leo Widrich und Joel Gascoigne angesichts des geradlinigen Aufstiegs von Buffer nicht mangeln. Irgendwann wird das Duo mit "Scheduling" allein an eine Wachstumsgrenze stoßen. Falls es nicht schon an einer genialen Idee arbeitet, um die Einsatzszenarien des Dienstes zu erweitern, dann liegt ein Exit vermutlich nicht mehr so fern. /mw

Kommentare

  • Marco

    24.05.13 (09:22:14)

    Ist ja auch ein geiles Tool, benutze es täglich.

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer