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23.05.08Leser-Kommentare

BBC will nicht zahlen: Weder Geld noch Link

Auch die mighty BBC setzt auf "Bürgerjournalisten". Nur bezahlen mag sie die Laien nicht - noch nicht mal mit einem Link.

Erschrockene Einwohner der chinesischen Stadt Xi'an nach dem Erdbeben in Chengdu - Foto Ronnie Grob

Erschrockene Menschen in den Straßen der Stadt Xi'an unmittelbar nach dem Erdbeben im 400 Kilometer entfernten Chengdu - Foto Ronnie Grob

So richtig erschrocken hat sich medienlese.com-Autor Ronnie Grob noch nicht mal, als er am 12. Mai in der chinesischen Stadt Xi'an das andernorts verheerende Erdbeben miterlebte.

400 Kilometer ist die Millionenstadt laut Ronnie vom Epizentrum entfernt, mehr als ein kräftiges Schütteln sei nicht zu spüren gewesen - und dennnoch hat Ronnie instinktiv angefangen, die aufgeregten Menschen in den Strassen zu fotografieren. Als einer der ersten präsentierte er aktuelle Fotos auf seinem Privatblog und auf Flickr. Von Erdbeben oder gar Trümmern ist in seinen Bildern zwar nicht zu sehen, aber sie fanden dennoch schnell ein weltweites Publikum.

Zu seiner Verblüffung empfing Ronnie nur Stunden nach der Publikation eine Email einer BBC-Mitarbeiterin, die ihn um eines seiner Bilder zur Veröffentlichung im Online-Auftritt des britischen Medienriesen bat:

 

Ronnie fragte zurück, zu welchen Konditionen das denn geschehen soll, und ob er mit einer Bezahlung rechnen könne. Die Antwort:

 

As the BBC is a public service broadcaster, I'm afraid that we can't pay for pictures.

Da es sich bei der BBC um eine öffentlich-rechtliche Rundfunkgesellschaft handelt, fürchte ich, dass wir nichts für Bilder bezahlen können.

Auch wenn man sich über diese reichlich abstruse Argumentation bereits ausreichend wundern könnte, kam es noch besser. Ronnie schickte BBC-Online-Redakteurin Olivia eine freundliche Antwort und hielt fest, dass er auf einem Credit und einem Link zu seiner Website bestehen müsse. Das gehe in Ordnung, schreibt Olivia in ihrer nächsten Mail:

 

Wir werden im Alt-Tag [des Bildes] auf Deinen Blog verlinken (die Information, die erscheint, wenn man die Maus über das Bild führt)

Diese Zusatzinformation hätte Ronnie nicht gebraucht - weil er weiss, dass in diesem Alt-Tag keine klickbaren Links untergebracht werden können. Auf einem solchen, teilte Ronnie der BBC-Redakteurin mit, müsse er neben einer Namensnennung bestehen. Also eigentlich auf dem, was im Web und in der Blogosphäre die gängige Währung für Informationstausch ist: Quellenname und Verlinkung.

Die altehrwürdie BBC allerdings, das öffentlich-rechtliche Unternehmen, das als solches kein Geld für Informationen von Bürgerjournalisten bezahlen können will, kann auch nicht in der Webwährung bezahlen:

Leider, teilte Olivia Ronnie in der vierten Mail des Schriftwechsels mit, verfüge die BBC

 

nicht über die Technologie, um Anklickbare Links in die Alt-Tags oder in unsere Bildunterschriften einzubauen. Ich verstehe Deinen Wunsch nach einer Quellenangabe [und einem Link], aber unglücklicherweise können wir keine privaten Websites auf unserer Site promoten, weil das gegen die BBC-Policy verstösst.

Anders und deutlicher gesagt: Auch die grosse BBC bedient sich gerne bei den Bürgerjournalisten, nutzt sie als kostenlose Lieferanten für Bildmaterial und als Quellen. Aber wenn's um die verdiente Erwähnung dieser Quellen geht und damit letztlich um die Transparenz gegenüber der eigenen Leserschaft, dann ist man wieder ganz das erhabene Medienhaus, das mit den Katzenblogs der gemeinen Bürger nicht mingelt.

Auch wenn Ronnies Bilder in einer Bildstrecke auf der BBC-Site "Have Your Say" - gewissermassen der Leserbriefseite - hätten erscheinen sollen, hat er sein Material nicht angedient, sondern ist explizit angefragt worden.

Das riecht ein bisschen streng.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • bugsierer

    23.05.08 (07:18:26)

    da kann man sich ja prächtig ausrechnen, wie das mit all den vielen bürgerbildern läuft, die man in den letzten monaten fast überall sieht. aber es war ja schon immer so, dass vernünftige copyright gepflogenheiten den neuen technologien hinterher hinkten.

  • Wolf-Dieter Roth

    23.05.08 (10:11:25)

    Das ist bei den deutschen ÖRs nicht anders: Externe Links sind da hoch problematisch. Externe Links auf kommerzielle Medien (SpOn z.B.) sind streng verboten, auf Blogs sind sie möglich, muß aber der Vorgesetzte erlauben, ist auch im CMS erstmal blockiert, damit kein Redakteur eigenmächtig Links nach außen setzen kann. Auf eigene, interne Beitzräge ist es erlaubt, aber auch nur als Linkliste am Beitragsende, keinesfalls im Text. Und wenn Du Links auch noch als "wertvoll" bezeichnest, ist es ganz vorbei. Dann wird sogar ein Link auf Deiner eigenen Website zu der Deiner Lebenspartnerin als "unredlicher Wettbewerbsvorteil" beanstandet und nach Markenrecht mit bis zu 500.000,- verklagt. Denn die gehen davon aus, daß Du mit dem von ihnen geschickten Traffic reich wirst. Dabei gibts höchstens eine dicke Rechnung von Deinem Provider, wenn Du als Blogger "geheist", "gespiegelt", "gebbct" oder "getagesschaut" worden bist (ok, beim letzteren passiert kaum was, soviele sind nicht auf www.tagesschau.de). Es ist in dem Fall von der BBC-Dame kein böser Wille oder Geiz, es hängt vielmehr eine solche Bürokratie dran ("Warum müssen Sie auch von diesme Blogger ein Bild nehmen? Wer soll denn da jetzt das abrechnen? Wir haben doch einen Account bei Reuters!!"), daß es erstaunlich ist, daß sie sich überhaupt diese Mühe gemacht hat. Ist eine Welt für sich, über die ich auch mal einen Beitrag schreiben sollte. Man kennt die ÖR-Webauftritte ja nur als Aggressoren, die unsereins platt machen wollen, doch das sind die Chefs, die Intendanten, die so denken. Die Mitarbeiter sind dagegen sehr wohlwollend, aber teils enorm gehandicapt, das kann man sich als Normalschaffender gar nicht vorstellen.

  • arbiter

    23.05.08 (11:39:42)

    Heise, Spiegel & Co. sind ja beileibe keine ÖR, produzieren ihren eigenen Pawlow-Fiffi. Der Kontrollmechanismus aus den Chefetagen nimmt ja nicht nur die Entscheidungsfreiheit, sondern garantiert Kontrolle. Und gerade diejenigen, die nach Abbau staatlichen Bürokratismus` gieren, sind diejenigen, die privatwirtschaftlich Bürokratismusorgien feiern, eben wegen Kontrollmacht. Natürlich hinkt nicht das Urheberrecht den Gepflogenheiten der neuen Technologien hinterher, sondern die neuen Technologien scheren sich nicht ums Urheberrecht, glauben, weil sie im Gesetzestext bisher nicht explizit genannt sind, gelte das Recht für sie nicht. Da hat dann der Gesetzgeber zu tun, ihnen klar zu machen, auch das Web ist kein rechtsfreier Raum. In jedem Falle beste ABM für Juristen beider Seiten.

  • Sissi

    24.05.08 (23:17:26)

    ... vielleicht kannste auch nicht fotografieren ...

  • arbiter

    24.05.08 (23:30:58)

    ...muß wer denn immer gleich und sofort können? Wer will das schon?

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