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28.06.11Leser-Kommentare

Aus Vkontakte.ru wird VK.com: Russischer Facebook-Klon expandiert international

Während die VZ-Netzwerke in Deutschland gegen Facebook keine Chance mehr haben, schlägt sich der russische Nachahmer Vkontakte wacker. Mit der Domain VK.com will das Social Network nun sogar neue Länder erobern.

 

In ihrer aktuellen Form sind die Tage der drei VZ-Netzwerke studiVZ, meinVZ und schülerVZ gezählt. Den kontinuierlichen Besucherrückgang im Schatten einer überwältigenden Überlegenheit von Facebook wird sich die VZ-Mutter Holtzbrinck nicht mehr lange mit ansehen können (auch wenn sich VZ schon länger nicht mehr als Konkurrenz zu dem US-Netzwerk bezeichnet). Die Kopie wurde von ihrem Vorbild besiegt.

Angesichts des besiegelten Schicksals der VZ-Gruppe lohnt sich ein Blick in Richtung Osten. Dort ist es nämlich einem anderen Facebook-Klon gelungen, sich bis zum heutigen Tag gegen die magnetische Anziehungskraft des US-Dienstes zur Wehr zu setzen. Die Rede ist von Vkontakte.

Während studiVZ & Co jeden Monat einen neuen Tiefpunkt erreichen, befindet sich die Plattform des im September 2006 gegründeten Unternehmens noch immer auf Wachstumskurs. Mit einem Rebranding für internationale User als VK.com will der in 67 Sprachen angebotene Dienst, der sich einst auf unserer Liste "12 Facebook-Kopien aus aller Welt" platzierte, nun sogar eine Expansion über den russischsprachigen Raum hinaus einleiten.

Man kennt das Design

Zwar offenbart ein Blick auf Google Trends for Websites, dass seit Januar eine leichte Annäherung der Trafficentwicklung von Vkontakte und Facebook in Russland stattfindet. Die Unique Visitors ziehen laut von ArcticStartup zitierten Zahlen aber noch immer an: So erreichte die optisch nach wie vor stark an das alte Facebook angelehnte Site im Januar 2011 23,1 Millionen Unique Visitors, im Mai sollen es 26 Millionen gewesen sein. Etwa 100 Millionen Menschen sind bei dem Social Network registriert.

Vkontakte wurde von Pavel Durov gegründet und befindet sich zu 32,5 Prozent im Besitz der Mail.ru Group - ein russischer Internetkonzern, dessen internationaler Investmentarm DST Global mit Beteiligungen an Facebook, Zynga, Groupon und Spotify auf sich aufmerksam machte.

Facebook hat in Russland etwa 4,5 Millionen aktive Mitglieder und erlebte dort kürzlich sogar einen leichten Nutzerrückgang. Die entscheidende Frage lautet nun: Verspätet sich der Niedergang von Vkontakte bzw. VK.com und die Aufholjagd von Facebook in Russland lediglich, oder besitzt das regionale Netzwerk tatsächlich das Zeug, sich dauerhaft erfolgreich gegen die US-Übermacht zu behaupten und gleichzeitig im europäischen Ausland Marktanteile zu erobern?

Anna Bessonova analysiert für ArcticStartup die Entwicklung von Vkontakte. Ich habe sie gefragt, welche Faktoren bisher ihrer Meinung nach für die stabile Nutzerentwicklung der Plattform und die geringen Auswirkungen des globalen Facebook-Aufstiegs auf den russischen Social-Networking-Markt verantwortlich sind.

Ähnlich wie die VZ-Netzwerke im deutschsprachigen Raum ist es in den russischsprachigen Ländern der Verdienst von Vkontakte, Social Networking salongfähig gemacht zu haben. Zudem sind viele Internetnutzer in den GUS-Ländern nicht sonderlich versiert im Umgang mit dem Web, weshalb bei Mitgliedern nur eine geringe Wechselbereitschaft anzutreffen ist.

Beide Aspekte stellen lediglich temporäre Wettbewerbsvorteile dar, die sich nach einiger Zeit abnutzen. Ein echtes Alleinstellungsmerkmal bietet Vkontakte laut Bessonova hingegen, was den Funktionsumfang des interessanterweise nur mit einer Einladung zugänglichen Services betrifft: Neben Apps und Spielen gibt es kostenfreie Video- und Musikstreamingfeatures - laut Bessonova Schlüsselfunktionen der Site. Geboten werden aktuelle Hits und Klassiker aus der russischsprachigen Musik- und Filmlandschaft sowie populäre internationale Serien wie zum Beispiel "How I Met Your Mother" (mit russischen Untertiteln).

"Vkontakte bietet ganz einfach alles, was sich Nutzer wünschen", fasst Anna Bessonova den Konkurrenzvorteil des Dienstes gegenüber Facebook zusammen.

Wie es für Vkontakte weitergeht, ist gleich aus zwei Perspektiven spannend - einerseits, inwieweit es tatsächlich gelingt, ein konzeptionell vorrangig an Menschen aus dem GUS-Raum gerichtetes soziales Netzwerk trotz der starken Facebook-Präsenz in anderen Teilen der Erde zu etablieren (hier halte ich die Chancen für sehr gering). Und andererseits, wie sich in den Heimatmärkten der Machtkampf zwischen dem Dienst und seinem US-Vorbild entwickelt. Nicht zuletzt mit Blick auf den gemeinsamen Investor erscheint selbst eine Akquisition/Fusion nicht vollkommen unmöglich. Die Alternative wäre ein Börsengang. Die Option eines IPO von Vkontakte in New York wird gerade sondiert.

Kommentare

  • Dominik Belca

    20.01.12 (08:33:17)

    Das ist ein sehr interessanter Gedanke. Vor allem der Begriff "Währung" gefällt mir hier sehr gut und ist viel eingängiger als der übliche "Nutzen". Sieht man sich die Kommunikation der Vertreter der analogen Welt zum Beispiel in Sachen Leistungsschutzrecht an, findet man nach meiner Wahrnehmung nicht viel konkrete, quantifizierbare Aussagen. Allein schon die monotone Wiederholung der Botschaft bewirkt deren Transport. Das ist wahrscheinlich weniger ehrlich, macht aber einen Angriff auf die Argumente schwieriger. Vielleicht sollte man das Arbeitsplatzargument in der Diskussion also besser abstrakt halten - es wird schon jeder hineinpacken was er sich wünscht.

  • Gründercoach

    20.01.12 (09:07:00)

    Ich finde den Gedanken auch spannend, kann Ihm aber nicht voll zu stimmen. Die Startups erhalten im Augenblick aus meiner Sicht eine gewaltige Aufmerksamkeit. Sei es in den Medien oder bei den etlichen Wettbewerben. Sie sind von der Politik und anderen schon längst als Wirtschaftsfaktor erkannt worden. Nur das Entscheidungen in der Poltik im gegensatz zum Internet lange brauchen. Jede Existenzgründung schafft Arbeitsplätze, und trotzdem hat die Poitik den Gründungszuschuss gekürzt. Dies führt zur Vernichtung von 75.000 Arbeitsplätzen. Darüber berichtet kaum jemand, weil es alles nur Einzelschicksale sind.

  • jens hohmann

    20.01.12 (10:37:55)

    ich glaube D64 ist nicht der richtige weg. seit gründungsartikel erreicht mich nichts über den verein. wie soll das dann öffentlichkeitswirksam den rest erreichen. start ups werden zwar hoch gejubelt, aber mithin ist es dann doch immer die INDUSTRIE, die zählt. man stellt halt nix her im internet businesss...

  • Uli

    20.01.12 (13:31:56)

    In Deutschland sind aus meiner Sicht Wirtschaftsthemen in den Mainstreammedien kaum präsent. Ausnahmen sind Krisen, etwa das hier angesprochene mögliche Ende von Opel mit dem Verlust von Arbeitsplätzen. In der Schule wird wenig über Wirtschaft, Finanzen oder Unternehmen "gelehrt". Das Bild des Unternehmers ist in der Öffentlichkeit meist ein wenig positives. Unternehmer beuten eben die Mitarbeiter aus....oder müssen viel arbeiten und haben Abends und am Wochenende nicht frei. Da passt die von Dir geschilderte Lage von Internetstartups ins Bild, ist nur ein Teil der "Misere".

  • Leander Wattig

    21.01.12 (21:42:37)

    Wenn Start-ups viel Aufmerksamkeit bekommen - umso besser. Dann gibt es genug Gelegenheiten zu erwähnen, welchen gesellschaftlichen Beitrag sie u.a. in Form von Arbeitsplätzen leisten. Gerade eine gebündelte Darstellung fehlt ja meist, was dann in letzter Konsequenz auch solche Kürzungen einfacher macht. Oft heißt es nur, dass hier 10 und da 25 Stellen geschaffen wurden. Allein eine Auswertung der in Pressemitteilung verfügbaren Daten wäre schon hilfreich. Da werden solche Zahlen ja oft genannt.

  • Leander Wattig

    21.01.12 (21:46:59)

    Ich finde auch, dass der Unternehmer mehr in den Fokus gerückt werden müsste. Gerade in den Mainstream-Medien. Es bräuchte mehr Sendungen wie diese: http://modultool.zdf.de/public/Start_me_up/index.html

  • Robert Frunzke

    01.02.12 (00:28:54)

    Hätte es nicht heißen sollen ".. - wie sich die Internetdebatte konstruktiv __darstellen__ lässt" - statt "beeinflussen lässt"? Immerhin handelt dieser Beitrag davon, wie die aktuelle "Internetdebatte", bzw. vielmehr der aktuelle "Internetkonsens" dargestellt werden sollte. Also für mich geht es hier nur rein darum, wie man diese "Debatte" hätte darstellen sollen (statt dem wie sie aktuell dargestellt wird, bzw. oft garnicht erst wahrgenommen wird). Aber dieser Beitrag (wie leider so viele andere) handelt so rein garnicht davon wie das eine "irgendetwas" das andere "irgendetwas" beeinflussen können würde hätte müssen wollen können sollen. Nicht wahr? PS: Aber der Ansatz ist gut!

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