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01.08.08

Aus für Telefontalk: Schreinemakers 0815 geschlossen

Nach drei Monaten schon das Aus: Ende April startete Margarethe Schreinemakers Call-In-Sendung "01805-100-232". Jetzt wurde die Show abgesetzt – medienlese.com auf Fehlersuche.

Schreinemakers (Bild Keystone)Nur 20.000 Zuschauer wollten Margarethe Schreinemakers neue Sendung einschalten. Das ist ein 450tel der Quoten, die sie in den Neunzigerjahren erreicht, als bis zu neun Millionen Zuschauer bei "Schreinemakers live" zusahen. Ihre neue Sendung mit dem pragmatischen Telefonnummerntitel wurde nicht zum erhofften Straßenfeger. Woran lag es? Zuerst einmal dürfte Fernsehdeutschland seit "Domian" mit televisionärer Telefonseelsorge ausreichend bedient sein. Deswegen wollte Deutschlands ehemalige Quotenqueen einen Schritt weiter gehen und lud sich sogar Gäste ins hauseigene Studio im belgischen Eigenheim ein. Es half alles nichts: "01805-100-232" wurde die Leitung gekappt. Trotz menschelnden Opfer-Opfern und kruder Charaktere: Zum Säbelfechten , Wrestling und Fußball .

Was auch gleich der nächste Grund für den Misserfolg der Sendung ist: Kündigte neun TV, die neue Sendermmarke von 9Live, doch an, man sei nun die Heimat für die moderne Frau. Gezielt an der Zielgruppe vorbei. Und ein halbwegs journalistisches Format inmitten von Sirenen, Geldkoffern und Gewinnspielen zu positionieren, war kein Plus für die Glaubwürdigkeit dieser Lebenshilfe am späten Abend.

"Schreinemakers fehlgesteuert"

Unglaubwürdigkeit dürfte dann auch der Kuckuck sein, der Margarethe Schreinemakers seit ihrer Steueraffäre anhaftet. Kurzer Rückblick: Die TV-Moderatorin hatte laut Focus zumindest bis Dezember 1996 alle Anteile an den Firmen Portello Corporation und Darlet Corporation auf den niederländischen Antillen gehalten. Diese beiden Unternehmen hätten wiederum alle Anteile an der Produktionsfirma Living Camera gehört, die "Schreinemakers live" produzierte.

Schreinemakers (Bild Keystone)Dem Bericht zufolge zahlten die Fernsehsender Sat.1 und RTL die kompletten Produktionskosten der Sendung an Living Camera. Sieben Prozent des Geldes habe die Firma in den Niederlanden versteuert, zu nur 35 Prozent. Den Löwenanteil von 93 Prozent der Produktionskosten habe Living Camera an ihre Muttergesellschaften auf den niederländischen Antillen überwiesen - dort waren lediglich rund drei Prozent zu versteuern. Im Endergebnis habe Living Camera alias Schreinemakers für jede eingenommene Mark nur knapp über fünf Pfennige an Steuern gezahlt. Die deutschen Steuerbehörden stuften Living Camera als Scheinfirma ein und kassierten vorsorglich 25 Prozent Quellensteuer von jeder Mark, die Fernsehsender an die Produktionsfirma zahlten.

Die Waigel-Attacke und andere Fehltritte

Schreinemakers warf dann Finanzminister Theo Waigel vor, Rückzahlungen des Fiskus' an sie zu blockieren. Immerhin ging es um 25 Millionen Mark. Für die Produktion von "Schreinemakers live" strich ihre Firma jährlich rund 41 Millionen Mark ein. Die Showmasterin wollte die Quellensteuer zurück, weil ihr Unternehmen mit Sitz in Holland nach holländischem Steuerrecht behandelt werden müsse.

Als sie in einer Sendung eine Erklärung in eigener Sache zum Thema Steuer abgab, blendete Sat.1 sie prompt aus. Die Affäre blieb nicht ohne Folge für die Quote: Bei ihrem neuen Arbeitgeber RTL startete die Moderatorin kurz danach zwar mit sehr ähnlichem Konzept, doch "Schreinemakers TV" blieb deutlich unter den Erwartungen und wurde 1997 abgesetzt.

Schreinemakers weiter im Web

Dass das Verfahren nach anderthalb Jahren eingestellt wurde, drang kaum noch in die Medien. Ob es eine Kampagne gegen Deutschlands erfolgreichste Medienfrau war oder Steuerbetrug: Schreinemakers Glaubwürdigkeit hatte Schaden genommen.

Mit dem aktuellen Quotendesaster dürfte es die Stehauffrau des deutschen Fernsehens allerdings schwer haben, sich nochmal im Fernsehabend zu etablieren. Auch ihre Sendung "Schreinemakers" in der ARD blieb hinter den Erwartungen und wurde abgesetzt. "01805-100-232" solle, teilte eine Sprecherin des Senders Spiegel Online mit, nun im Internet fortgesetzt werden.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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