<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

05.11.14Leser-Kommentare

Aus den Augen, aus dem Sinn: Die heimliche Killerfunktion von Google Inbox und Dropbox Mailbox

Eine kaum beworbene Funktion des E-Mail-Clients Mailbox erweist sich auch in Google Inbox schon nach wenigen Tagen im Test als ungemein nützlich: Mails können mit einem Klick abgehakt werden. Ein Gefühl der Befreiung.

Das Original: Mails abhaken und damit verschwinden lassen auf der Mailbox-App für das iPhone. Grafik: Dropbox Das Original: Mails abhaken und damit verschwinden lassen auf der Mailbox-App für das iPhone. Grafik: Dropbox

Beim Thema E-Mail wird uns derzeit viel als das Allerbeste verkauft. Sei es die Gruppierung von Mails wie in GMail und dessen neuem kleinen Bruder Inbox, sei es das automatische Aussortieren von Werbung in Outlook.com oder der vermeintliche Vorteil, dass Mails nur in Deutschland gehostet werden, wie bei der Telekom, GMX und Web.de.

Neuester Mitspieler auf dem Markt ist eben jene GMail-Weiterentwicklung Inbox. Google brachte sie vorvergangene Woche als besseren Ansatz für E-Mails auf den Markt, doch bisher hat mich das neue Konzept kaum überzeugt. Bis auf eine erstaunlich einfache Funktion, die auch Dropbox Mailbox verwendet und die es in ähnlicher Form bei Outlook gibt: Das simple Abhaken von Mails. Inbox soll anders sein, Mails besser gruppieren, wichtige Nachrichten von Werbung und Benachrichtigungen in Social Media-Kanälen trennen, mehr Übersicht liefern. Doch nach gut einer Woche des Ausprobierens lässt mich Inbox zu diesem Zeitpunkt eher etwas enttäuscht zurück: Ich finde mich weniger gut zurecht als bei GMail, finde wichtige Mails kaum wieder. Statt mir Arbeit abzunehmen, verlangt Inbox von mir, viel Zeit in das Labeln und Gruppieren meiner eigenen Mails zu investieren. Die Logik erschließt sich mir schlicht nicht: Für jeden Tag gibt es eine eigene Karte. Mails, die weniger interessant sein sollen, also Käufe, soziale Netzwerke, Werbung und Benachrichtigungen, werden allerdings nicht einfach ans Ende der Karte geschoben, sondern mal oben, mal mittig, mal ans Ende der Karte gesetzt. Welch ein Durcheinander!

Mehr Chaos als vorher

Die Ordnung ist nach wie vor chronologisch und dennoch thread-basiert. Dass dazu noch die Anhänge und eingebetteten Links mancher Mails als Vorschau angezeigt werden und aufgrund der chronologischen Sortierung wild über die Seite verteilt aufpappen, lässt einfache Text-Mails optisch völlig in den Hintergrund treten. Ich finde beinahe nichts mehr wieder und arbeite mittlerweile wieder lieber mit GMail.

Und doch sehe ich Inbox nicht als völlige Enttäuschung. Links und Anhänge als Vorschau aus den Mails herauszulösen, ist ein mächtiges Feature, das in meinen Augen nur falsch eingesetzt wird. Fantastisch wäre etwa eine Option, mit einem Klick nur die Anhänge von Mails in einer eigenen Liste darzustellen. Damit ließen sich Dokumente wiederzufinden, die man vor einigen Wochen mal erhalten hat und ansonsten lange suchen würde.

Abends den Kopf frei

Was Google bei Inbox dafür schon jetzt richtig gemacht hat: Man hat die Möglichkeit von Mailbox und Outlook übernommen, Mails abzuhaken oder ihre Bearbeitung mit Snooze auf später zu verschieben. Beides hat einen ähnlichen Effekt: Die Mail verschwindet aus dem Posteingang und – das stellte ich im Test erstaunt fest – auch aus dem Gedächtnis.

Erinnerungen und Erledigen-Funktion von Google Inbox. Grafik: Google Erinnerungen und Erledigen-Funktion von Google Inbox. Grafik: Google

Dringende und wichtige Mails, für die man keine Zeit hat, liegen uns für gewöhnlich schwer auf der Seele. Man denkt ständig an sie, man ärgert sich, weil man keine Zeit hat, sie abzuarbeiten, sie können uns die Freizeit vermiesen, wenn man auch abends noch an sie denkt, und sie kosten uns Energie. Die Möglichkeit, sie mit Snooze nach hinten zu stellen und, noch besser, sie nach getaner Arbeit abzuhaken, schafft ein befreiendes Gefühl. Man denkt nicht mehr daran, man freut sich nach jeder Mail, wieder etwas geschafft zu haben und man kann am Abend den Hammer mit einem Gefühl hinlegen, alles erledigt zu haben. Selbst wenn man noch drei offene Mails mit Snooze auf später verschoben hat. Diese Doppelfunktion übertrumpft damit sogar das Gefühl, das man beim vergleichbaren Arbeiten mit einer To-Do-Liste empfindet. Dort bleiben am Ende des Tages für gewöhnlich Dinge offen, bei Snooze nicht. Ein großer Zugewinn für Inbox-orientiertes Arbeiten.

Jahrelang verzweifelt gesucht

Wie gesagt: Es ist schön, dass Google Inbox diese Funktion besitzt, einladend genug wirkt das Programm damit aber leider noch lange nicht auf mich. Ich benötige weiterhin GMail für die einfachere, chronologische Übersicht und für die bessere Übersicht, welche Mails neu eingetroffen sind. Aber ich könnte mir durchaus vorstellen, einen Arbeitstag damit zu beenden, alle bearbeiteten Mails abzuhaken oder notfalls zu "snoozen", um einen klaren Schnitt zwischen Arbeit und Freizeit zu machen. Das einzige Problem hier: Inbox archiviert abgehakte Mails bei GMail gleich mit.

Dropbox Mailbox, das vor wenigen Wochen auch für den Mac erschien, scheint mir trotz (oder gerade aufgrund) der nach wie vor chronologisch geordneten Mails persönlich die bessere Wahl zu sein. Die Snooze-Funktion wirkt hier ansprechender, der Posteingang sortierter und, ja, man hatte diese Funktionen früher. Dennoch war es von Google richtig, sie für Inbox zu adaptieren. Das Verschieben und Wegklicken von Mails könnte dem alten Medium die Auffrischung geben, die man jahrelang verzweifelt gesucht hat.

Kommentare

  • juliaL49

    05.11.14 (11:36:26)

    Oh, muss man das extra freischalten? Ich hab mich bisher gewehrt die automatische Einordnung in Kategorien (Social, Update etc) zu nutzen und auch die Prio-Inbox habe ich deaktiviert. Das tolle Feature des Snooze-Buttons erfüllt für mich die Boomerang-Erweiterung, die genau das macht. Du bestimmst, wann die Mail wiederkommt und sogar optional mit "nur wenn keine Antwort kam". In der kostenlosen Version hat man 10 Mails pro Monat, aber man durch Empfehlen mehr bekommen.

  • Martin

    05.11.14 (12:24:20)

    Das Abhaken zumindest gibt's als «Archive» auch schon in Gmail, wenn auch natürlich nicht so nett dargestellt. Ob Snooze dauerhaft hilft, wage ich zu bezweifeln, aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben.

  • Robert Frunzke

    07.11.14 (07:51:24)

    Abhaken? Echt jetzt, Euer Ernst? Ich nutze seit mind. 13 Jahren ganz genau zwei Features Mail-Programm-übergreifend (und auch in den Services wie gmail) verfügbare Dinge: 1. als gelesen/ungelesen markieren, 2. Farblabels für all die Mails, die später zu erledigen sind. Verschiedene Eingangs-Ordner (oder themenbasierte Ordner oder ähnliches) waren immer eher verwirrend, das diente eigentlich immer nur dazu, die Arbeit aus dem Sichtfeld zu schieben. Selten hilfreich, oft nur Augenwischerei. Und die hier beschriebenen Ansätze scheinen in genau die gleiche Richtung zu zielen. Letzten Endes ist das Alles nur eine Frage der eigenen Ordnung und Disziplin. Wenn man sich gegen seine E-Mails und gegen seine, damit verbundenen Verpflichtungen wehrt, dann hilft auch keine Software mehr. Wirklich Keine...

  • Robert Frunzke

    07.11.14 (07:54:28)

    Jetzt nochmal für mich zum mitmeißeln: es geht hier wirklich um: "Mails können mit einem Klick abgehakt werden" ??? Ehrlich? Habe ich die Ironie daran verpasst?

  • Markus

    12.12.14 (15:03:49)

    Hier noch ein Artikel der die neue Inbox mit Gmail vergleicht: http://google-experts.de/2014/12/gmail-test-google-inbox-gegen-gmail-inbox-ein-erster-vergleich/

  • Markus

    12.12.14 (15:04:42)

    Für alle die es interessiert ein Vergleichsartikel zwischen Inbox und Gmail: http://google-experts.de/2014/12/gmail-test-google-inbox-gegen-gmail-inbox-ein-erster-vergleich/

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer