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02.07.08Leser-Kommentare

Aus aktuellem Anlass: 10 Wege, den Wert eines Webangebotes zu vernichten

ExplosionWelche Optionen gibt es für ein erfolgreiches Webangebot, seinen aufwändig erarbeiteten Wert möglichst schnell zu zerstören? Einige, wie die folgende Liste deutlich macht.

Der gestrige Relaunch des führenden deutschen Social-News-Portals YiGG verlief, wie berichtet, nicht gerade optimal. Noch ist nicht abzusehen, wie aktive Nutzer und Stammbesucher nach der ersten Aufregung reagieren werden und ob sie YiGG trotzdem treu bleiben. Es ist zweifellos risikoreich, ein grafisch und funktionell so unausgereiftes Portal auf die User loszulassen - die gerade bei YiGG nicht gerade unkritisch sind. Im schlimmsten Fall wird hier richtiger Wert vernichtet.

Einbrechende Besucherzahlen, verloren gegangene Integrationen in andere Blogs sowie der Verlust von Vertrauen und aktiver Mitglieder kommen einem Verbrennen von Geldscheinen gleich - die in Form von Arbeitsstunden, technischer Ausrüstung und anderem Kapital in das Projekt investiert wurden. Mein ehemaliger zweinull.cc-Kollege Michael brachte mich auf die Idee, einmal darüber nachzudenken, welche Wege es für erfolgreiche Unternehmen im Social-Web-Bereich eigentlich gibt, "effektiv" ihren mühsam aufgebauten Wert zu zerstören. Hier das Resultat meiner Überlegungen (in zufälliger Reihenfolge):

1. Lange Offlinephase

YiGG war vor seinem Relaunch vier Tage offline. Eigentlich ein unhaltbarer Zustand. Unter längeren Ausfällen leidenden Seiten entgehen ursprünglich einkalkulierte Werbeumsätze. Außerdem geht das Vertrauen der User verloren. Mittlerweile bekommt dies auch Twitter zu spüren, berühmt-berüchtigt für seine ständige Nichterreichbarkeit.

2. Unterschätzung der Kraft des Social Webs

Blogger, Microblogger und Web-2.0-Freunde sind schnell zur Stelle mit Kritik, wenn auf einer gut besuchten Webseite etwas nicht rund läuft. Dies wird immer wieder unterschätzt, nicht nur von Großkonzernen, sondern häufig auch von Webunternehmen. Das über einen langen Zeitraum aufgebaute, gute Image kann da innerhalb weniger Stunden ordentlich beschädigt werden.

3. Keine oder schlechte Krisen-PR

Ist etwas schiefgelaufen, muss aktiv und ehrlich darauf reagiert werden. Wer stumm bleibt oder Missstände abstreitet, gerät noch tiefer in den Strudel der Kritik und buddelt dem Onlineangebot damit sein eigenes Grab.

4. Technische Rückständigkeit

Was 2005 technisch vom Feinsten war, ist es 2008 nicht mehr unbedingt. Gerade Web-2.0-Angebote, die nicht mit hochwertigen Exklusiv-Inhalten aufwarten können, müssen sich laufend weiterentwickeln, ohne dabei Nutzer durch zu gravierende Veränderungen zu vergraulen. Wer dies nicht tut, wird eventuell schnell von einem Konkurrenten überholt oder durch ein Social Network überflüssig gemacht.

5. BWLer-Übermacht

Ein Punkt, der mit einem Augenzwinkern zu versehen ist. Jedes erfolgreiche Startup braucht Team-Mitglieder, die über wirtschaftliche Fachkenntnisse verfügen. Sind jedoch zu viele Wirtschaftswissenschaftler in ein Projekt involviert, ist die Gefahr groß, dass der schnelle Profit zu stark in den Vordergrund rückt. Fehlende Innovation und die Überladung des Onlineangebotes mit Werbung können (nicht müssen!) schnell die Stammgäste verjagen.

6. Sicherheitslöcher und mangelnder Datenschutz

Mindestens einmal war studiVZ bisher gezwungen, aufgrund einer Sicherheitslücke sämtlichen Mitgliedern ein neues Passwort zu schicken. User, die keine funktionierende oder eine nur selten genutzte E-Mail-Adresse angegeben haben, gehen dabei verloren. Sicherheitslöcher und Datenschutzprobleme sind nicht nur für die Nutzer schlecht, sondern auch beliebte Beute von Presse und Blogs (was uns wieder zu den Punkten 2 und 3 bringt)

7. Konzentration auf nur einen Besucherlieferanten

Eine große Zahl von Webprojekten setzt auf Google als einziger und größter nennenswerter Besucherlieferant. Wenn dort eine ungünstige PageRank-Aktualisierung vorgenommen oder etwas am Algorithmus geändert wird, kann schlagartig ein Großteil der Besucher verloren gehen. Eine derartige Abhängigkeit sollte vermieden werden.

8. Problematischer User Generated Content

Von Nutzern generierte Inhalte sind nicht immer etwas für jeden Geschmack. Wenn auf einem beliebigen Web-2.0-Portal verbotener, gewaltverherrlichender oder pornografischer Content auftaucht, dann wird dies womöglich kurzfristig die Besucherzahlen ansteigen lassen, langfristig gehen jedoch regelmäßige User sowie der gute Ruf verloren. Scribd, das "YouTube für Dokumente", hatte lange damit zu kämpfen, dass ein Großteil der eingestellten Texte pornografischer Natur waren (was, wen wundert's, für ordentlich Traffic sorgte). Seit kurzem ist derartiger Content auf dem Portal ganz verboten.

9. Strategische Fehlentscheidungen

Sicher ein Punkt, vor dem niemand gefeit ist. Nicht immer ist es abzusehen, wohin es mit dem Markt, der Konjunktur und der technische Entwicklung einmal gehen wird. Wer sich aber nicht täglich auf dem Laufenden hält (z.B. durch das Lesen von netzwertig.com ;) ), bekommt unter Umständen nicht mit, dass eine Neuausrichtung, ein Relaunch oder anderweitige Veränderungen im Unternehmen oder am Onlineangebot von Nöten sind, um mit dem Wettbewerb und allgemeinen Trends Schritt zu halten. Bekanntestes aktuelles Negativbeispiel: Yahoo.

10. Aufbau zu hoher Erwartungen

Manchen Webangeboten gelingt es, durch gutes Marketing und hervorragende Pressearbeit zum Start für eine enorme Aufmerksamkeit zu sorgen, die sich sofort in zahlreichen Besuchern niederschlägt. Wenn die gemachten Versprechungen jedoch nicht mit dem tatsächlich Angebotenen übereinstimmen, verschwinden die User so schnell, wie sie gekommen sind. Das in die Werbe- und Pressekampagne investierte Geld ist dann schnell verpufft.

Wer weitere Tipps zur unkomplizierten Wertvernichtung hat, präsentiert diese bitte in den Kommentaren.

Fotoquelle: Wikimedia Commons

Kommentare

  • Daniel Thomaser

    02.07.08 (10:36:44)

    11. Übertriebene Eitelkeit/Unfähigkeit der Gründer Kann sich jeder selber ein Beispiel denken. 12. Programmierer-Übermacht Auch wir Nicht-Programmierer haben eine Daseins-Berechtigung ;o) 13. Keine eigene Vermarktung AdSense oder simple Banner-Rotation reicht nicht. Man muss die eigene Seite kreativ vermarkten. Ist das jetzt eigentlich deine neue Postingfrequenz? ;o)

  • mal

    02.07.08 (10:49:25)

    12. Programmierer-Übermacht Auch wir Nicht-Programmierer haben eine Daseins-Berechtigung ;o) Was seit wann das denn, Programmierer an die Macht!! ;)

  • Martin Weigert

    02.07.08 (11:08:30)

    Daniel, stimmt natürlich. Zu viele Programmierer sind natürlich auch nicht gerade dienlich. Aber in der Realität kommt das wohl eher selten vor, oder? ;) Jo zwei Beiträge pro Woche.

  • Web:Manual

    02.07.08 (13:55:22)

    besser zwei Beträge die Woche als gar keine, weil deine Beiträge sind immer wieder klasse auch wenn man kein riesen-startup hat ist der Beitrag auch für kleinere Webprojekte sehr nützlich: danke

  • pfler

    03.07.08 (21:18:36)

    Die Diskussionsplattform politikforum.de hat vor ca. 4 Wochen einen Designwechsel durchgeführt der von den den meisten Usern sehr negativ bewertet wurde. Ohne auf Details einzugehen, kann man sagen die Bedienung und die Übersichtlichkeit des Forums wurden verschlechtert. Die Betreiber des Forums hatten in den letzten Jahren immer wieder das Design zum Unwillen vieler User verändert, wenngleich die User sich nach einer Weile zumindest daran gewöhnten. Dazu kommmt das die User das Gefühl haben das die Betreiber völlig falsche Prioritäten setzen. So ist eine mangelnde Performanz ein drängendes Problem das nie gelöst wurde. Stattdessen wartete die Website alle paar Monate mit neuen "tollen" Web2.0 Features auf, die in Wahrheit aber keine Sau interessierten. Jetzt nach 4 Wochen wurden zwar einige der gröbsten Webdesignmissbildungen nachgebessert, aber der Schaden ist wohl nicht mehr zu reparieren. Viele User sind mittlerweile in andere Webforen abgewandert, darunter User die seit vielen Jahren Mitglied waren. Die Fehlentwicklung war derart offensichtlich, das man vermuten kann das die Verantwortlichen das Forum selbst nicht regelmäßig nutzen. Daraus ergibt sich: 14. Fehlende Nutzersicht Wer sein Angebot selbst nicht nutzt, weiß nicht was die Nutzer wollen. (Und sollte dann wenigstens bei den Nutzern fragen)

  • Marcel Weiss

    03.07.08 (21:36:34)

    Pfler: Eat your own dogfood nennt man das und es sollte jeder Webanbieter tun. :)

  • Martin

    21.08.08 (15:33:13)

    Danke, der Post sollte ein Muss sein für Internetprofis (oder solche, die denken, sie sein es). In neuer Promobox bei mir.

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