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12.10.09Leser-Kommentare

Augmented Reality: Internetnutzung mit einem Hauch Futurismus

Augmented Reality, die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung, steht vor einem großen Evolutionsschritt. Der Durchbruch des mobilen Internets macht's möglich.

Augmented Reality

Auch wenn das Internet sich in den letzen zehn Jahren stark verändert hat und zahlreiche neue, verbesserte Möglichkeiten der Interaktion und Kommunikation entstanden sind, so läuft die Verwendung meist nach dem gleichen Muster ab wie 1999: Wir öffnen einen Browser und besuchen über Bookmarks, URL-Direkteingaben oder Suchmaschinen verschiedene Seiten, auf denen wir dann umher navigieren. Alternativ ermöglicht uns eine lokal installierte Applikation Zugriff auf bestimmte Onlinefunktionen.

Die dafür notwendigen Geräte haben sich zwar weiterentwickelt und sind kleiner geworden (bis hin zu Smartphones), aber der Nutzungsprozess ähnelt sich meist. Auf eine durch völlig abgedrehte, neuartige und vernetzte Technologien geprägte Zukunft, wie sie gerne in alten Science-Fiction-Filmen dargestellt wird, müssen wir noch lange warten, so scheint es.

Vielleicht aber auch nicht. Immer häufiger hört man einen Begriff, der stark mit solchen technischen Entwicklungen verbunden ist, wie wir sie uns schon als Kind für das Leben in der Zukunft vorgestellt haben. Die Rede ist von "Augmented Reality", kurz AR, auf Deutsch "Erweiterte Realität".

Unter AR verteht man laut Wikipedia die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung durch die Darstellung zusätzlicher Informationen. AR ist nichts Neues und in abgewandelter Form z.B. von Sportübertragungen im Fernsehen bekannt, bei denen eine Linie die Entfernung vom Ball zum Tor anzeigt. Während in diesem Beispiel lediglich Informationen über das TV-Bild gelegt werden, erhalten Piloten von Kampfjets Flugdaten über ein so genanntes Head-up Display direkt auf die Frontscheibe ihres Cockpits. Auch in Autos kommt diese Technik zum Einsatz.

Mit dem Einzug des mobilen Web in den Alltag der Menschen steht AR vor seiner bisher größten Evolutionsstufe und könnte der Internetnutzung endlich etwas mehr Futurismus einhauchen. In den letzten Monaten sind eine ganze Reihe von AR-Applikationen für Smartphones veröffentlicht wurden - und das dürfte lediglich der Anfang sein.

Speziell Googles Android-Betriebssystem sowie das iPhone 3GS scheinen Entwickler angespornt zu haben, Anwendungen zu programmieren, die mittels Kamera, GPS/Kompass und Internetverbindung die Realität mit Informationen aus dem Web anreichern.

Robotvision für das iPhone 3GS beispielsweise legt lokale Suchergebnisse von Bing sowie Tweets und Flickr-Fotos aus der Umgebung in Echtzeit über das Kamerabild. Ähnlich geht Layar vor, eine kostenlose AR-App für Android-Smartphones. Layer setzt auf Googles lokale Suchfähigkeiten und liefert unter anderem Inhalte von Flickr, Wikipedia, Yelp, Qype, Brightkite und Twitter.

Wikitude World Browser ist eine weitere AR-Applikation, die sowohl auf Android-Telefonen als auch auf iPhones installiert werden kann. Wikitude sorgte kürzlich für Aufmerksamkeit, als es mit Wikitude 3D ein Feature vorstellte, welches über das Kamerabild die zwei Türme des New Yorker World Trade Center darstellt - sofern man sich am Ground Zero befindet (derzeit lediglich für Android erhältlich).

Persönlich bin ich mir noch nicht so ganz über den tatsächlichen Nutzen derartiger AR-Apps im Klaren. Komme ich tatsächlich zu besseren oder schnelleren Suchergebnissen, wenn ich die Kamera meines Mobiltelefons auf die Umgebung richte?

Glasklar hingegen scheint der Mehrwert von AR für Touristen, die über eine mobile Anwendung direkte Erklärungen zu Sehenswürdigkeiten erhalten. Die iPhone-App Metro Paris Subway geht in diese Richtung und zeigt mit Hilfe der Videokamera nicht nur die nächste U-Bahnstation an, sondern auch nahe gelegene Sightseeing-Highlights.

AR-Anwendung von IKEA

Die in meinen Augen bisher sinnvollste mir bekannte AR-Anwendung kommt von IKEA. Mit der IKEA PS Einrichtungskamera kann man IKEA-Möbel im Raum positionieren und somit vor einem Kauf überprüfen, ob sie tatsächlich in die Einrichtung passen. Leider können aktuell erst acht Möbelstücke ausprobiert werden. Das Beispiel zeigt dennoch eindrucksvoll, wie auch Unternehmen AR als Tool zum Verkauf und Kundenservice einsetzen können.

(Bild: estadao.com.br)

Kommentare

  • henteaser

    12.10.09 (14:17:46)

    "In any case, back in 2008, in a post that now seems remarkably dated, I suggested that Google Maps should come with a "sci-fi layer" – that is, a layer that would document where in your city certain events had taken place or certain structures had stood in a work of fiction. For instance, the building that Robert Neville's dog runs into in I Am Legend or the trainyard from Escape From New York, the apartments from Make Room! Make Room!, the high-rise penthouse from The Day After Tomorrow..." http://bldgblog.blogspot.com/2009/10/phantom-city.html Eine andere Möglichkeit ist, fotografierte (bzw. anvisierte) Objekte mit einer Online-Datenbank abzugleichen und so z.B. Pflanzen zu identifizieren, Produktpreise zu vergleichen oder Personen mit Terrorfahndungslisten gegenzuchecken. Die so ziemlich unbegrenzten Möglichkeiten solcher Technologien muss ja nicht jeder nutzen. Aber es soll ja auch Leute geben, die Hörbücher kaufen.

  • Michael Völker

    12.10.09 (15:12:43)

    Ich denke auch, dass es sich im Bereich Werbung und Produktpräsentation als erstes durchsetzen wird. Ob auf solchen fest installierten Displays (http://suburb.macvillage.de/2009/10/03/scheinbares-spiegelbild/ oder auch http://www.youtube.com/watch?v=jDi0FNcaock) oder mit QR Codes (attraktiv für Werber, weil es sich so gut tracken lässt). Das was IKEA in dem von Dir genannten Beispiel macht gibt es sicher auch bald in kleiner, z.B. dass ich mir die Uhr, die ich mir kaufen will, über das Handy-Display schonmal vorab auf dem Handgelenk ansehen kann.

  • Patrick Stähler

    12.10.09 (16:44:15)

    Es gibt schon Anwendungen, die sich zwar nicht Erweiterte Realität nennen, aber das Gleiche schon machen. Eigentlich sind die meisten Mash-ups mit Google Maps erweiterte Realität, sei es Swisstrains, sei es webcams.travel . Viele Dinge müssen gar nicht so futuristisch aussehen, um die Realität zu erweitern.

  • Nikjo

    12.10.09 (19:27:35)

    Für die Werbung und aus technischer Perspektive sicherlich sehr interessant, bietet AR allerdings auch viel Stoff für moralische Fragestellungen: Darf ich z.B. als Werbetreibender eine Werbung installieren, die sich so perfekt in die Umgebung integriert, dass sie gar nicht mehr als "virtuell" wahrgenommen, also quasi für die "wirkliche Realität" gehalten wird? Das gilt eher nicht für die angereicherten Handyrealitäten; näher kommt dem Szenario schon der in Kommentar #2 verlinkte Spiegel, der sich als "embedded" AR in die Umgebung integriert. Wenn solche Embedded-AR-Displays nicht gekennzeichnet werden, könnte die angereicherte Realität unsere Umwelt nicht informativer, sondern verwirrender machen. Der Ausspruch "Ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen" könnte in Zukunft dann sehr an bekräftigendem Gewicht verlieren. Insgesamt ein spannendes Feld, bin gespannt was es da in den nächsten Jahren alles geben wird; besonders auch im Spielebereich, wo durch 3D-Brillen ganz neue Möglichkeiten für AR-Spiele auf realen Schauplätzen bereitstehen.

  • Ulrike Langer

    13.10.09 (09:33:58)

    Eine sinnvolles Einsatzgebiet sehe ich vor allem im Tourismus. Immer wenn ich irgendwo fremd bin und mit der Handykamera auf etwas drauf halte, von dem ich gar nicht weiß, was es ist. Denn dann hilft auch die Google Suche wenig. Kann man aber auch über Zusatzinformationen auf Google Maps o.ä. lösen. Welches Prinzip sich schneller durchsetzt, wird neben der verfügbaren Hard- und Software auch davon abhängen, wo schneller eine hohe Informationsdichte vorhanden ist. Auch die IKEA-Anwendung (sehr gutes Beispiel übrigens!) macht ja erst dann richtig Sinn, wenn man auf diese Weise möglichst den gesamten Kataloginhalt in seine Wohnung projizieren kann.

  • bugsierer

    13.10.09 (10:38:03)

    eine gute ar-idee ist peaks, eine iphone app, mit der man auf einen berg draufhalten kann und dann bekommt man namen und höhe des gipfels. leider zeigt die app hierzulande noch nicht viel schlaues an, aber die idee ist bestechend (und wandern bei den jungen wieder angesagt).

  • Martin Weigert

    13.10.09 (10:51:29)

    bugsierer, das klingt wirklich nach einer tollen Idee!

  • bugsierer

    13.10.09 (11:30:40)

    ahh... hier der link für peaks: http://peaks.augmented-outdoors.com/ wie gesagt, es funktioniert hier noch nicht wirklich gut, so fehlen z.b. von eiger/mönch/jungfrau zwei und einige andere wichtige sind auch nicht drin. aber das kann ja noch werden.

  • Martin

    13.10.09 (15:40:13)

    Wir haben für Layar eine Wohnungssuche umgesetzt. Der große Vorteil ist, dass man sich damit viel Zeit ersparen kann. Denn aus eigener Erfahrung wissen wir, dass mehr als 80% der Wohnungsbesichtigungen, die über Internet und Zeitung entstanden sind, praktisch vor der Haustür beendet sind, weil zum Zeitpunkt der Besichtigung das erste Mal das Haus und die Umgebung wahrgenommen werden. Sucht man über Layar, trifft man die Entscheidung für eine Besichtigung erst nach der Kenntnis des Hauses und der Umgebung. Entweder findet man mit weniger Zeitaufwand die richtige Wohnung oder man kann in der selben Zeit mehr Angebote einbeziehen. Die Wohnungssuche mit Layar ist so, als würde ich eine Brille aufsetzen, mit der ich die Wohnungsangebote auf den Häusern sehen kann. Und die mobile Technik lässt noch viel mehr Dinge möglich machen.. Martin http://wohnmap.de

  • Maximilian Scharl

    13.10.09 (19:26:45)

    Spiele, WErbung Überwachung in Ehren. Viel wichtiger wird doch AR, wenn damit jedermann komplizierte Maschinen bedienen kann, weil es ihm in Echtzeit vorgezeigt wird, wass er zu tun hat. Die Sekretärin kann zur Not alleine am Wochenende mit 4 Handgriffen (bei hunder möglichen Knöpfen) Druck aus einem Wasserkessel lassen und somit eine Fabrik retten. Man hat nie mehr Probleme zu Hause an seinem Videorecorder oder seiner Heizungsanlage etwas komplizierteres einzustellen. Mitten in Afrika kann der Medizinmann auf einmal eine Solaranlage oder ein Mobilfunkmast warten. Da wird es doch spannend, da wird doch auf einmal Wissen verbreitet, oder?

  • bugsierer

    14.10.09 (15:40:46)

    bin grad noch über dieses interessante video gestolpert.

  • ClaudiaDigitalismedia

    18.10.09 (21:32:23)

    Generell sehr interessant, was mit Augmented Reality schon möglich ist bzw. noch möglich sein wird… Erlebbar ist dies auch auf der Intel Ultra-Thin-Website mit Animationen und Nachrichten in Augmented Reality, die demonstriert, wie dieses Konzept möglich ist.

  • Nico

    19.10.09 (12:23:10)

    Weitere Beispiele gibt es in dieser Sammlung mit 35 Videos zum Thema Augmented Reality: http://www.tim-rombach.com/2009/07/25/augmented-reality-ar-hat-gerade-erst-begonnen/

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