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19.03.13Leser-Kommentar

Aufregung um Preismodell: Wie WhatsApp die Medien instrumentalisiert

WhatsApp kündigt an, irgendwann 2013 für Neunutzer auf dem iPhone ein Abomodell einführen zu wollen, und versetzt damit die Presse in Aufregung. Es dürfte sich um gezielte Instrumentalisierung der Medien gehandelt haben.

WhatsAppEs fühlt sich an, als hätte ich den folgenden Beitrag schon einmal geschrieben. Habe ich aber nicht. Hayo Lücke bei Basic Thinking wars, als er im November 2012 die einem Tusnami gleichende Medienberichterstattung zu der Meldung kritiserte, WhatsApp würde sein schon lange "angedrohtes" Abomodell für die Android-App endlich durchsetzen und eine Jahresgebühr von etwa einem Dollar einfordern wollen. 99 US-Cent pro Jahr genügten, um das Who-is-Who der Presselandschaft in Aufregung zu versetzen.

Doch Lückes berechtigte Medienschelte haben damals die meisten Redakteure dem Anschein nach nicht gelesen - oder sie sich nicht zu Herzen genommen. Denn gestern wiederholte sich das Theater. TechCrunch hatte erfahren, dass WhatsApp-CEO Jan Koum noch 2013 das für Android gültige Abomodell auf die iPhone-App übertragen möchte. Derzeit ist diese einmalig für 0,89 Euro im App Store erhältlich, künftig würde sie demnach im ersten Jahr gratis angeboten werden und anschließend eine jährliche Zahlung von einem Dollar voraussetzen. Und wieder überschlugen sich Blogs als auch renommierte Nachrichtenangebote mit der Meldung. Google News listet ganze 75 Artikel zu Thema, und wie schon im November, als das Preismodell der Android-App im Zentrum stand, lag die Tonalität irgendwo zwischen sachlich und leicht empört. Die Mediensites, deren Oberen seit Jahren die angebliche Kostenlosmentalität im Internet anprangern und immer häufiger auf Paywalls setzen, sind sich nun nicht dafür zu schade, ausführliche Artikel über die angekündigte Einführung eines Kleckerbetrag-Abos nach dem zweiten Jahr für neue WhatsApp-User auf dem iPhone anzufertigen.

Richtig gelesen: Die Änderung wird nur neue Nutzer betreffen. Die Millionen iPhone-Nutzer in Deutschland und anderen Ländern, welche die App bereits in Betrieb haben, müssen sich also nicht über künftige Kosten sorgen. Und alle, die nach dem Inkrafttreten der Regelung WhatsApp erstmalig ausprobieren, können davon ein ganzes Jahr lang kostenlos Gebrauch machen, bevor es mit einem Betrag von 80 oder 90 Euro-Cent pro Jahr dann so richtig ans Eingemachte geht.

Bedenkt man, wie inkonsequent WhatsApp bisher mit der tatsächlichen Durchsetzung des Abomodells auf den anderen Plattformen war, so ist nicht einmal garantiert, dass das traditionell sehr verschwiegene kalifornische Unternehmen den Schritt 2013 tatsächlich geht. Auch deshalb wirkt es mehr als absurd, wie viele Dutzend Autoren gestern damit befasst waren, die TechCrunch-Meldung abzuschreiben. Nach einer Verhältnismäßigkeit sucht man lange.

Ich vermute, Koums Ankündigung war ein gezielter Versuch, die Presse in Aufruhr zu versetzen, um in den nächsten Wochen möglichst viele Nutzer aus dem Umfeld von WhatsApp-Anwendern dazu zu bewegen, noch schnell die iPhone-App herunterzuladen, bevor die jährliche Abo-Regelung für neue Mitglieder greift. Angesichts der weitreichenden Beachtung seiner Aussage allein in der deutschspachigen Presse dürfte dieser Plan voll aufgegangen sein.

Wie die Geschichte weitergeht, kann man erahnen: Irgendwann wird WhatsApp bekannt gegeben, das Abomodell tatsächlich eingeführt zu haben. Und dann tönt es wieder an jeder Ecke im Web: "Schluss mit kostenlos: WhatsApp führt Abomodell für iPhone-App ein". /mw

Kommentare

  • ks

    19.03.13 (22:36:45)

    Viber

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