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30.05.12Leser-Kommentar

Artikelempfehlungen: Cliqz versteht, was relevant und aktuell ist

Die iOS- und Android-Anwendung Cliqz des süddeutschen Startups 10betterpages will Anwender mit relevanten Artikelempfehlungen in Echtzeit versorgen. Dafür analysiert sie Interessengebiete und Netzwerke von Nutzern im Social Web.

Für die meisten Newsreader-Anwendungen gehört es mittlerweile zum Standard, Nutzern die Leseempfehlungen ihrer bei Facebook- und Twitter gefolgten Kontakte aufzutischen. Die Wahrscheinlichkeit wahrgenommener Relevanz gilt als hoch, sonst würde man die entsprechenden Personen gar nicht erst abonniert haben. Dieses Kalkül kann zwar aufgehen, bringt aber den Nachteil mit sich, wenig über den eigenen Tellerrand hinauszublicken. Denn in der Regel vernetzen sich Menschen im Social Web eher mit Gleichgesinnten als mit Personen, die zu wichtigen Themen grundsätzlich andere Ansichten haben. Die Folge: das, was gemeinhin als Filterblase bezeichnet wird.

Cliqz, ein intelligenter Nachrichtenaggregator aus Icking bei München, möchte dieser Entwicklung etwas entgegensetzen. Die für iPhone, iPad und Android-Geräte angebotene Gratis-App begnügt sich im Gegensatz zu Flipboard, Zite und Co nicht damit, Linktipps aus den persönlichen Streams der Anwender zu extrahieren und für mobile Geräte neu aufzubereiten. Stattdessen analysiert sie die Netzwerke und Interessengruppen, zu denen die Menschen hinter den Tweets und Status Updats gehören, und versucht sich dann an einer Priorisierung und Auswahl von Inhalten.

Das vom ehemaligen Burda Digital-Chef und -CTO Jean-Paul Schmetz gegründete Startups greift dazu auf Milliarden von Informationspunkten zu, die Menschen im Netz miteinander verbinden, und liefert Inhalte aus, bei denen Aktualität und Relevanz im Vordergrund stehen, nicht die Tatsache, dass sie von direkten Kontakten verbreitet wurden.

Die Cliqz-App setzt dazu auf sogenannte Gruppen, die Nutzer "abonnieren". Bei einer Gruppe kann es sich um von den Cliqz-Machern kuratierte Ressorts oder Themengebiete handeln, aber auch um Twitter-Listen oder Twitter-Konten. Fügt man eine Gruppe zur persönlichen Interessenliste hinzu, signalisiert man der App, dass man zu ihr passende Artikel serviert bekommen möchte. Der Algorithmus des Dienstes verschafft sich daraufhin einen Überblick, welche Personen und Inhalte direkt oder indirekt mit dem jeweiligen Segment assoziiert sind, und stellt das Ergebnis als nach Popularität geordnete Echtzeit-Liste von Linktipps dar.

Leider fehlen Cliqz die optischen Raffinessen, die Flipboard und andere bekannte Newsreader-Anwendungen zu einer Augenweide machen. Weder die grafische Gestaltung noch die Navigation durch die App lösen Begeisterungsstürme aus. Empfohlene Artikel werden mit einigen Zeilen angerissen, ein Klick führt über den integrierten Browser zur Originalquelle - auch das ist eher konservativ und nicht so schön gelöst wie bei Flipboard. Sämtliche Inhalte können über die angeschlossenen Services weiterverbreitet beziehungsweise zum späteren Lesen gespeichert werden. Zur Auswahl stehen Twitter, Facebook, LinkedIn, Xing, Socialcast und Instapaper.

Die Stärke von Cliqz ist zum jetzigen Zeitpunkt ganz klar der spezielle Ansatz der Relevanzbewertung und Aggregation, nicht die Benutzeroberfläche oder User Experience. Das Prinzip von Cliqz hat in jedem Fall seinen Reiz. Nachdem ich beispielsweise den Twitter-Feed von netzwertig.com als Gruppe zu meinem Cliqz-Konto hinzugefügt hatte, präsentiert mir die App nun eine Liste von Beiträgen, die im Moment bei Followern sowie in deren informellen Netzwerken eine besondere Popularität genießen. Nun ist es nicht gerade so, dass es mir an Lesestoff mangelt. Aber der ein oder andere vielversprechende, mir bisher unbekannt Beitrag fiel mir trotzdem sofort ins Auge.

Für die nächste Woche kündigt Cliqz-Gründer Jean-Paul Schmetz eine neue Version der App an. Jetzt, wo das konzeptionelle Grundkonstrukt steht, könnte ein stärkerer Fokus auf das Design dabei helfen, die Applikation bei Nachrichtenjunkies und Early Adoptern ins Gespräch zu bringen. Immerhin: Robert Scoble hat sich bereits intensiv mit Cliqz auseinandergesetzt, und auch beim renommierten Tech-Blog AllThingsD wurde man schon auf das Startup aus Süddeutschland aufmerksam. Zu den Investoren gehören unter anderem Xing-Gründer und HackFwd-Chef Lars Hinrichs, was ebenfalls helfen dürfte, Cliqz ins Rampenlicht zu befördern. Gelöst ist das Relevanzproblem bei Onlineinhalten bisher nicht. Cliqz könnte einen wichtigen Beitrag zur Lösung leisten.

Link: Cliqz

Kommentare

  • Schrotie

    30.05.12 (22:58:20)

    Habs gleich mal getestet, auf meinem Android-Tablet: Der Artikel wird gleich in der App neben der Liste mit den Teasern in einem eingebetteten Browser View angezeigt. Das ist vom Design her keine Wucht, aber sehr nutzbar. Die Artikel-Auswahl riecht finde ich nach Redaktion, die ist schon recht gut. Bin gespannt, ob die das Niveau halten koennen. Erst mal nicht schlecht, danke fr den Tip.

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