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09.04.13Leser-Kommentare

Apps kopieren das Design: Path mag keine Zukunft haben, aber der Geist lebt weiter

Es sieht nicht danach aus, als stehe Path, dem privaten sozialen Netzwerk für Smartphones, eine rosige Zukunft bevor. Doch auch nach einem eventuellen Ende wird der Geist des Startups weiterleben - in Form der mittlerweile häufig kopierten Designelemente.

PathLange Zeit hoffte ich darauf, dass es dem privaten Smartphone-Social-Network Path gelingen würde, auch außerhalb von Early-Adopter-Kreisen eine kritische Masse zu erreichen. Doch nach einer Vielzahl von fehlgeschlagenen Versuchen, Freunde und Bekannte dorthin zu lotsen, gab ich dieses Unterfangen auf. Mit sechs Millionen registrierten Mitgliedern in zweieinhalb Jahren wächst das kalifornische Startup viel zu langsam, um der typischen Entwicklungskurve erfolgreicher Social-Web-Plattformen folgen zu können. Diese ist notwendig, um sich dauerhaft im umkämpften Markt mobiler sozialer Netzwerke und Chatdienste - zu denen Path mittlerweile auch gehört - zu behaupten.

Ich rechne Path aufgrund des Unvermögens, in einem Zeitraum von mehr als zwei Jahren exponentielles Nutzerwachstum zu generieren, keine großen Erfolgschancen mehr zu. Doch selbst wenn Gründer Dave Morin demnächst vielleicht den Stecker ziehen muss oder sich und seinem Team über eine eventuelle Talentakquisition wenigstens noch eine neue Perspektive geben kann, so wird sein Projekt nicht gänzlich für die Katz gewesen sein: Denn die einzigartigen, viel gelobten Designelemente der App wurden mittlerweile von einer ganzen Reihe anderer Onlineservices nachgeahmt. Der Geist von Path wird also weiterleben, auch wenn die Anwendung selbst eines Tages von der Bildfläche verschwunden ist. In der Nacht lancierte der Miniblogging-Dienst Tumblr eine neue Android-App. Und siehe da: Der von Path konzipierte Publisher, bei dem das Betätigen einer zentralen Schaltfläche eine Reihe in einem Viertelkreis angeordneter, kreisförmiger Menüpunkte zum Publizieren unterschiedlicher Inhaltetypen zu Tage fördert, steht nun in ähnlicher Form für Tumblr-Anwender zur Verfügung. Das New Yorker Startup ist nicht der erste Anbieter, der sich von Path hat inspirieren lassen: Auch das noch im privaten Beta-Stadium befindliche, vom Who-is-Who der US-Investorenszene finanzierte Social Network Just.me setzt auf die von Path geschaffenen Steuerungselemente. Gleiches gilt für eBays Kleinanzeigen-App für das iPhone. Selbst Facebook konnte der Versuchung nicht widerstehen: Der App-Launcher der mit viel Fanfare präsentierten Android-Oberfläche "Home" erinnert konzeptionell und vom Stil her an den Publisher von Path.

pathpublisher

Tumblr, Just.me, eBay Kleinanzeigen, Facebook Home (v.l.)

Seitdem das Internet existiert, gibt es Copycats, die sich vom Layout oder einzelnen Layoutelementen anderer Onlineangebote inspirieren lassen. Dave Morin & Co mögen zähneknirschend beobachten, wie sich Konkurrenten der Filetstücke des Projekts Path bedienen. Oder sie sind stolz, dass es ihnen gelang, sich trotz des ausbleibenden Erfolgs mit ihrem sozialen Netzwerke ein Denkmal zu setzen. Sollte der Tag kommen, an dem Path Geschichte ist, werden die wenigen ehemaligen Anhänger jedenfalls nicht vermeiden können, an vielen Ecken im mobilen Web an ihren einstigen Lieblingsservice erinnert zu werden. /mw

Kommentare

  • Malte Goesche

    09.04.13 (21:17:09)

    Das Designelement wurde ja schon am Tag des damaligen Updates mehrfach kopiert und umsonst ins Netz gestellt (u.a. hier http://lab.victorcoulon.fr/css/path-menu/). Ich sehe Path auch angezählt und ein schwieriges 2013 auf die zukommen. Das gilt aber für alle im Bereich Social, die nicht Facebook heißen. Besonders -- und leider -- Foursquare fällt mir da ein. Soll nicht so gut laufen gerade. Path sehe ich nicht in der Größenordnung von Talentakquisition, sondern das wird schon für eine beträchtliche Summe von einem Webriesen (siehe das angebliche $100M Angebot von Google damals) gekauft. Warum? Das Designteam. Da ist unter anderem Designwunderkind Danny Trinh und natürlich Dustin Mierau. Du kannst das bei den aufgerufenen Summen nicht Talentakquisition nennen. Interessant ist was für ein Hass gerade Morin entgegenschlägt (u.a. auf http://jesuschristsiliconvalley.tumblr.com/post/46539276780/a-cunt-and-his-iphone), war er doch gestern noch jedermanns Liebling.

  • Martin Weigert

    09.04.13 (23:26:41)

    Designskills = Talent, oder? ;)

  • Malte Goesche

    10.04.13 (00:57:49)

    Ja, aber das Produkt würde gut in die neue Designrichtung von Google passen (s. Google Now, G+ App) und daher könnte man das weiterführen. (Klar, würde man nicht, aber so würde es dem Team und der Öffentlichkeit verkauft.)

  • thorsten

    17.04.13 (11:08:32)

    path hat auch den c-swipe inspiriert. dem traue ich in tablet apps noch viel zu. noch ergonomischer als die viertel-kreise.

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