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16.01.08Leser-Kommentare

Apples gewagtes Subnotebook-Experiment

Apples heutige Ankündigung des neuen Subnotebooks MacBook Air war sicher keine Überraschung: Schon seit Wochen spekulierte die Szene über ein solches Produkt. Schon eher erstaunlich ist, dass sich Apple überhaupt in dieses Marktsegment vorwagt. Subnotebooks werden bisher hauptsächlich benutzt von vielreisenden Geschäftsleuten, die diese meistens ziemlich teuren Geräte von ihrer Firma gekauft kriegen.

Apples traditionelle Kundengruppen dürften hingegen mit einem solchen Schrumpflaptop weniger anfangen können. Für Kreative ist ein Subnotebook schlichtweg zu wenig leistungsfähig: Photoshop-Orgien und effizienter Videoschnitt sind mit so einem eher mager ausgestatteten Gerät kaum sinnvoll möglich. Für Konsumenten dürfte der Preis in einem Zeitalter von billigen Unterhaltungsnotebooks schlicht zu hoch sein.

Wem will Apple dieses Produkt also verkaufen? Traditionell konzentrierte sich Apple immer auf relativ konventionelle Produktkategorien, weil man nur dort mit dem bescheidenen Mac-Marktanteil überhaupt ausreichende Stückzahlen erreichen könnte. Es ist wohl eindeutig ein Zeichen für Apples enorm gestiegenes Selbstvertrauen, dass man nun mit einem so relativ exotischen Gerät herauskommt.

Neben stylebewussten Hipstern müssen sich also vor allem viele Geschäftsleute das MacBook Air kaufen (lassen), damit dieses Gerät ein Erfolg werden kann. Das dürfte eine echte Hürde sein, denn die IT-Abteilungen der meisten Firmen können sich noch immer nicht mit Macs anfreunden.

Apple setzt aber eindeutig auf den iPhone-Effekt. In den USA laufen immer mehr Manager mit einem iPhone statt einem BlackBerry herum, weil man damit halt einfach cooler wirkt. Die IT-Abteilung regt sich zwar über den Exoten auf, aber dem iPhone-Nutzer ist das meistens herzlich egal, so lange er den Gadgetvergleich im Sitzungszimmer gewinnt. Es wird sich zeigen müssen, ob dieser Effekt auch hier durchschlagen kann.

Als langjähriger Benutzer diverser Subnotebooks kann ich jedenfalls durchaus sagen, dass Apple mehrheitlich die richtigen Kompromisse im Featureset des MacBook Air gemacht hat. Auf ein optisches Laufwerk kann man gut verzichten, und geringe Dicke und niedriges Gewicht sind im mobilen Einsatz wichtiger als eine möglichst kleine Grundfläche. Apple hat dafür Screenfläche und Tastaturgrösse optimiert, was bei vielen Subnotebooks bisher der grösste Nachteil war. Echte Pferdefüsse sind aber die minimalistische Portausstattung (nur ein USB-Anschluss, kein Firewire) und die nicht vom User aufwechselbare Batterie.

Keine Frage, das MacBook Air ist technisch faszinierend und designmässig grösstenteils gelungen. Ob es aber nicht zu exotisch ist, um zum echten kommerziellen Erfolg zu werden, muss sich erst einmal noch zeigen. Ehrlich gesagt bin ich da nicht übermässig optimistisch. Aber vielleicht geht Apple jetzt den gleichen Weg wie die Automobilhersteller, wo sich auch jeder einen exotischen Sportwagen in der Modellpalette als Imageträger leistet, obwohl sich die Kunden am Schluss dann doch den braven Kombi kaufen.

Kommentare

  • leu

    16.01.08 (10:05:35)

    Hmm, ich sehe nicht ein wieso ein 13" Notebook ein Subnotebook sein soll. Nur wegen der weniger Anschlüsse? Ich benutze ein 12" Lenovo im Büro und habe zuhause ein 13" Macbook und finde beide nicht als subnotebooks. Das ASUS EEE Dings ist glaub ich ein Subnotebook. Ich denke im Endeffekt ist ja das Macbook Air eben von Apple so konstruiert worden dass es kein Subnotebook ist. Volle Core 2 Duo Power, Volle Tastatur und Voller Bildschirm.

  • Marc

    16.01.08 (10:24:07)

    Ich bin langjähriger Apple Nutzer und Fan und finde bei den meisten Produkten etwas sinnvolles. Beim MacBook Air habe ich allerdings auch einen fahlen Geschmack im Mund. Sicher, es ist schon irgendwie schick und auch fazinierend und wenn man es dann einmal selbst in natura gesehen hat, wird es bestimmt auch beeindrucken. Aber ich kann es auch nicht zuordnen - mein (vorläufiges) Fazit: schicke Studie, aber kein Produkt für den Markt.

  • Rainer

    16.01.08 (10:27:17)

    Das Marktsegment der 'Kreativen' ist nicht gross genug, um auf Dauer im PC Markt erfolgreich zu sein, hat ja v.a. Apple in der Vergangenheit schon erfahren müssen. Deshalb wurde auch das Geschäft für andere Segmente geöffnet - wer kennt keinen neuen iBook MS Windows User der bislang brav Dell oder Toshiba benutzt hat und endlich auch cool sein will? Und jetzt gibt es neben dem iBook eben noch eine weitere Alternative. Und wie immer bei Apple: Standard-Technologie + 1-2 neuartige Features (die andere auch haben aber nicht so gut verkaufen) + cooles Design + Steve's Rollkragen-Marketing = erfolgreiches Produkt

  • Matthias

    16.01.08 (12:05:32)

    Eine sehr gute Analyse. Sie führt mich zu dem Gedanken, dass Apple vielleicht zweierlei bewirken möchte: 1. Demonstration von technologischer Führerschaft (leadership). 2. Das Besetzen einer strategisch wichtigen Marktnische, in der man bislang nicht präsent war. Alles im allem muss es hier nicht um hohe Stückzahlen und große Umsätze gehen. Gelingt es aber, die hier im Artikel beschriebene Nische erfolgreich zu besetzen, dürfte Apple deutlich an Einfluss gewinnen - nicht schlagartig, aber nach und nach.

  • Stephan

    16.01.08 (13:21:58)

    Das Macbook Air ist interessant, ohne Frage. Aber es ist nichts neues. Vielleicht für Apple oder besser für Mac OS X, aber generell ist es ein schon seit Jahren existierendes Computer-Format. Ich bin etwas enttäuscht, dass es kaum noch Innovationen im Bereich des Layouts und der Funktionen von Computern gibt. Ich denke Apple allein gegen den Rest der Welt ist zu wenig, es müsste noch mehr Firmen/Manufakturen geben, die sich intensiv mit der Gestaltung von Rechnern und ihrer Arbeitsweise auseinander setzen. Ich habe hier schon seit Jahren einen Entwurf auf meinen Rechner, ein Desktop der einen Laptop enthält, mit skalierbarer Leistung.

  • Patrick Mollet

    16.01.08 (16:36:53)

    Ich würde mir das MacBook Air sofort kaufen, da ich mein jetziges PowerBook immer und überall mit mir rumschleppe - kleiner und leichter wäre da perfekt! Aber ein 13"-Bildschirm reicht mir schlicht nicht für 10-12 Stunden täglicher Arbeit daran... Warum lanciert Apple nicht gleichzeitig auch eine 15"-Version? Nur weil es dann nicht mehr in die Kategorie "Subnotebook" gehören würde? Kaum! Ich denke viel mehr, dass das MacBook Air bereits optimiert ist für den Einsatz als Einschub im neuen Apple-Bildschirm, für den vor kurzem ein Patentantrag gestellt wurde. Und für nur unterwegs reichen dann 13" wieder.

  • macbook air

    25.01.08 (00:06:36)

    Als Webmaster/ SEO hats für mich genügend Rechenpower.. Firewire und Ethernet brauch ich nicht, optisches Laufwerk sowieso nicht, mehr als einen USB Port so gut wie nie. Und wenn man sich mit einem (Sub)Notebook irgendwo anders als zuhause arbeitet dann solls leicht sein und cool aussehen. Check, check. Juhu ich bin die Zielgruppe. Wird also gekauft.

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