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19.11.14Leser-Kommentare

Apple Pay: In Deutschland keine Chance

Die Voraussetzungen für einen Erfolg von Apples neuem Bezahldienst in Deutschland sind sehr schlecht. Wahrscheinlich werden sich die wenigen Interessierten noch einige Jahre gedulden müssen.

Weiterhin sehr wichtig im deutschen Einzelhandel: die Bargeldkasse.

Angesichts der im internationalen Vergleich der Industrieländer ungewöhnlich hohen Bargeldaffinität der Deutschen war von Beginn an klar, dass der hiesige Markt für Apple Pay eine Herausforderung werden würde. Diverse Studien der letzten Zeit legen den Schluss nahe, dass der Bezahldienst es hierzulande tatsächlich extrem schwer haben dürfte.

 

Die Marktforschungsfirma Nordlight hat für ihren “Trendmonitor Finanzdienstleistungen 2014” 1.000 repräsentativ ausgewählte Bundesburger mit Girokonto im Alter von 18 Jahren und aufwärts befragt. Gemäß heise online nutzen derzeit laut der Studie nur zwei Prozent Wallet-Apps für kleine Geldtransaktionen via Smartphone. Nur sechs Prozent betreiben Online-Banking von ihrem Mobiltelefon aus. Insgesamt stellt Nordlight eine verbreitete Skepsis gegenüber dem Einsatz des Smartphones für Geldgeschäfte fest. Von den knapp 20 Prozent, die überhaupt Kenntnis über die Thematik besitzen, zeigt sich die Hälfte skeptisch.

Erst vor wenigen Tagen ergab eine von TNS Emnid im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) durchgeführte repräsentative Befragung ein ähnliches Bild: Demnach würden drei von vier Bürgern in Deutschland Apple Pay, Google Wallet und andere mobile Bezahldienste nicht in Anspruch nehmen wollen, die Hälfte “ganz bestimmt nicht”. 23 Prozent der Befragten zeigten Interesse.

Im Februar dieses Jahres ergab eine “internetrepräsentative Untersuchung” der Marktforscher von Nielsen ebenfalls, dass Bundesbürger dem Thema eher missmutig gegenüber stehen: 55 Prozent der Deutschen lehnten das Bezahlen mit dem Smartphone Anfang 2014 ab. 26 Prozent konnten sich mit dem Gedanken anfreunden. Ergebnisse, die sich mit denen von TNS Emnid decken.

Man könnte die deutschen Konsumenten demnach grob in drei Gruppen einteilen: Ein Viertel steht dem Bezahlen mit dem Smartphone grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber. Ein weiteres Viertel hält zwar wenig von der Idee, mag aber auf mittlere Sicht überzeugungswillig sein. Die Hälfte der Verbraucher ist aus Prinzip gegen die Nutzung des Smartphones als Geldbörse.

Besonders ernüchternd sind diese Erkenntnisse, weil die Deutschen dem Thema gegenüber schon einmal aufgeschlossener waren: Vor vier Jahren fand eine repräsentative Befragung von Forsa im Auftrag des Bitkom heraus, dass sich 43 Prozent der Handybesitzer in Deutschland vorstellen konnten, mit dem Handy zu bezahlen. Bei den 14- bis 29-Jährigen waren es sogar 75 Prozent. Der damals zu verspürende Optimismus hat sich trotz der Vielzahl der neuen Akteure in dem Segment überhaupt nicht ausgeweitet.

Aus mehreren Gründen ist Apple gut beraten, für seinen Bezahldienst vorläufig einen großen Bogen um Deutschland zu machen:

  • Geht man davon aus, dass von dem Viertel der Deutschen, die überhaupt mit dem Smartphone einkaufen würden, auf mittlere Sicht weniger als die Hälfte ein kompatibles iOS-Gerät besitzen werden (iPhone 6, 6+, spätere Modelle), kommen in den nächsten Jahren geschätzt vielleicht - bestenfalls - zehn Prozent der Deutschen als theoretische Apple-Pay-Nutzer in Frage.

  • Apple Pay ist so konzipiert, dass individuelle Partnerschaften zwischen Apple, Karteninstituten und Banken  geschlossen werden und dass Händler und Ketten formell mit ins Boot geholt werden - unter anderem weil Apple laut Branchenmeldungen eine eigene Provision für Transaktionen erhält. Außerdem müssen Händler in NFC-Terminals investieren und ihr Personal ausbilden. Dieser Aufwand muss ins Verhältnis zum geringen Marktpotenzial (siehe vorheriger Punkt) gesetzt werden.

  • Im stationären Handel in Deutschland kommen nur selten Kreditkarten zum Einsatz. Selbst führende Ketten wie Saturn akzeptieren nur Debitkarten. Apple Pay ist zwar theoretisch auch mit Debitkarten (“EC-Karte”) kompatibel. Allerdings existieren hier in Deutschland verschiedene konkurrierende System, wodurch eine hohe Komplexität entsteht. Aufgrund der weitaus niedrigeren Transaktionsgebühren, die bei Käufen mit Debitkarten erhoben werden, dürfte zudem der Anteil von Apple geringer ausfallen. Damit geht für Apple ein Nebenanreiz der Etablierung von Apple Pay verloren.

  • Wenn es um Geldthemen geht, mahlen die Mühlen in Deutschland langsam. Die deutschen Banken wollen “Ende 2015” erste Ansätze eines PayPal-Konkurrenten präsentieren. Schnelle Entscheidungen darf Apple also nicht erwarten.

  • Die allgemeine Skepsis in der Bevölkerung und das in der Gesellschaft verbreitete Fehlen eines Dringlichkeitsgefühls in Bezug auf mobiles Bezahlen wird zur Folge haben, dass Apple an deutschen Verhaldungstischen nicht mit offenen Armen und Neugier, sondern mit Misstrauen und Zweifeln empfangen wird.

mobilereadiness

Wie der "Mobile Payment Readiness Index" des Kartenanbieters MasterCard zeigt, liegt Deutschland im Vergleich von 34 Industrieländern unter dem Durchschnitt, was die Eignung des Marktes für mobiles Bezahlen angeht. Besonders bei der “Consumer Readiness”, also der Bereitschaft und Akzeptanz der Konsumenten, erkennt das Finanzinstitut erheblichen Nachholbedarf (wie obige Studien unterstreichen). Die Spitzenplätze belegen Singapur, Kanada und die USA. Bevölkerungsreiche Länder wie China, Südkorea, Australien und Brasilien platzieren sich vor Deutschland. Angesichts des mit der Lancierung in einem Markt verbundenen Aufwands wäre es für Apple strategisch klug, sich zuerst die “Low Hanging Fruits” zu angeln und die besonders schwierigen Länder mit großen kulturellen und strukturellen Barrieren später in Angriff zu nehmen.

Der deutsche Digitalmarkt funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Es existiert bei Bürgern und Firmen kein verbreiteter Anspruch darauf, beim Einsatz einer neuen Technologie zu den Ersten zu gehören. Nachdem sich aber eine Technologie in vielen Schlüsselmärkten der Welt ausgebreitet und damit ihren Machbarkeitsnachweis geliefert hat, springen die Deutschen gerne auf den Zug auf. Der im internationalen Vergleich sehr späte, aber dann sehr kraftvolle Aufstieg von Facebook hierzulande zeigt dies gut. In ein paar Jahren ist Deutschland vielleicht reif für Apple Pay. Momentan jedoch kann davon keine Rede sein. /mw

Foto: Vintage cash machine, Shutterstock

Kommentare

  • Carsten

    19.11.14 (10:30:36)

    Boaah, bloss gut, dass wir hier in Deutschland keine global relevanten Knotenpunkte des Verkehrs, Handels und Vertriebs haben, d.h. internationale Messen und andere Events (Kultur/Kunst, Wissenschaft und Sport) veranstalten sowie internationale Flughäfen bewirtschaften, und sich internationale Gäste/Dienstreisende im Bereich von Wirtschaft, Bildung/Forschung eher seltener in Deutschland aufhalten. Ach, und die jährlich stattfindenden knapp 60 Mio. Übernachtungen von Ausländern in Deutschland zu rein touristischen Zwecken scheinen vermutlich nur virtuelle Besuche (per Google Earth [Street View macht in DE ja leider keinen Sinn]) zu sein, bei denen keine Bezahlvorgänge von statten gehen. Boaah, was muss man in DE alles noch für Ausreden lesen und am eigenen Leib erfahren und von Ferne zusehen, wie sich andere Märkte/Staaten mit einer weitaus höheren Affinität zu moderner Technologie den Herausforderungen der Zukunft zu stellen vermögen.

  • Sachar

    19.11.14 (10:40:05)

    Es kommt ja nicht sehr oft, lieber Martin, dass ich Dir widerspreche, aber zumindest meine Zweifel möchte ich dieses Mal anmelden. Und zwar nicht weil Deine Argumente falsch sind. Sondern weil Apple es bisher oft gelungen ist, mit einer simplen Wendung ganze Industrien disruptiv zu verändern. Ich sage nur Musik (iPod) oder mobile Kommunikation (iPhone). Bis zur Einführung der jeweiligen Produkte war alles unmöglich, insofern sind meiner Meinung nach sämtliche Studien Schall und Rauch, weil sie das Prä-Apple-Zeitalter analysieren, die Zukunft vorhersagen können sie aber nicht.

  • Markus

    19.11.14 (10:48:19)

    Deutsche sind nicht bargeld-affin. Unsere Unternehmen sind einfach furchtbar innovationsfaul. Ich fluche jedesmal, wenn ich beim Bäcker mal wieder kein Kleingeld in der Tasche habe oder mich irgendwelche Hinterwäldler Taxifahrer schief angucken, wenn ich mit Karte bezahlen will. Da bin ich sicher nicht der einzige.

  • Alex

    19.11.14 (12:10:24)

    Zur Zeit funktioniert Bargeld halt einfach für einen Großteil der Bevölkerung - warum sollten sich die Menschen dann was anderes wünschen. Ich finde das auch nicht toll, komme aber immerhin dank meiner Sparkasse und Girogo ab und an in den Genuss von kontaktlosem Bezahlen. Aktuelle Kartenleser können die drei meistverbreiteten(?) kontaktlosen Systeme von Visa, Mastercard und Sparkassen/Volksbanken lesen. Von daher denke ich, dass sich mobile Bezahldienste (per NFC) nach und nach verbreiten werden. Langsam, ja, aber stetig. Ich denke auch, dass Apple einen Impuls in die gesamte Branche gebracht hat und das jetzt auch die Endnutzer mehr und mehr sehen, wie praktisch es ist. Dennoch wird uns Bargeld zum Glück noch eine Weile begleiten.

  • Ralf Keuper

    19.11.14 (13:11:31)

    So sehr ich Martin auch sonst zustimme: Hier komme ich doch zu einer anderen Einschätzung - in etwa wie die von Carsten. Wenn ein Land, wie Deutschland, das wie kaum ein anderes vom internationalen Handel abhängt, das Mobile Bezahlen nicht auf die Reihe bekommt, dann ... Wir sind ohnehin schon recht spät dran. Immer darauf zu vertrauen, dass wir den Rückstand mit einem Schlag aufholen können, ist riskant. Irgendwann knicken wir dann wieder ein, und müssen einen Standard und ein Tempo akzeptieren, die uns von Außen aufgedrückt wurden, statt selber etwas auf die Beine zu stellen. Da kritisieren wir lieber schon mal gerne die unseren Qualitätsansprüchen nicht genügenden Lösungen anderer, die ja doch gar nicht so gut sind. Mag sein: Nur - wo ist unsere Alternative, unsere Konkurrenzlösung??? Immer nur meckern bringt es nicht.

  • Victor

    19.11.14 (15:04:12)

    Wenn nur die Mehrheit meckern würde... Sähe es anders aus. Doch leider sieht es in der Wirklichkeit genau so aus, wie Martin es im letzten Absatz schreibt: "Der deutsche Digitalmarkt funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Es existiert bei Bürgern und Firmen kein verbreiteter Anspruch darauf, beim Einsatz einer neuen Technologie zu den Ersten zu gehören." - und so lange sich das nicht ändert - ich sehe im Moment leider kein Fortschritt, siehe StartUps - und der Staat nicht mal mitspielen möchte, ohne irgendwelche Hürden aufzustellen, entspricht die Überschrift dieses Artikels der puren Wahrheit. LEIDER!

  • andre

    19.11.14 (15:13:02)

    danke martin für die euphoriebremse in bezug auf apple-pay. so sehr ich es mir selber wünschen würde, um so skeptischer bin ich auch, was eine schnelle einführung in deutschland angeht. zwar nicht unbedingt aus den selben gründen wie du: - Erlöse:laut tim cook will apple vor allem mehr geräte verkaufen und die tx erlöse sind zweitrangig - Terminals: da sind wir wohl schon weiter als die usa, da nfc terminals schon seit 3-4 jahren mehr und mehr in den umlauf kommen) sondern vor allem aus dem grund, das wir anders zahlen als der rest der welt - wenn mit karte dann mit girocard. wenn es allerdings gelingt diese mit apple pay zu koppeln (ob via lastschrift oder giropaycard scheme), so sehe ich auch in deutschland nicht so schwarz. heisst aber: insel für deutschland schaffen. ist das typisch apple: nein lassen wir uns überraschen andré

  • Ralf Keuper

    19.11.14 (15:41:28)

    Na ja, die pure Wahrheit? - die hat keiner von uns. Es stimmt ja, dass wir uns in Deutschland zu viel darauf zu Gute halten, nicht jeden "Hype" mitzumachen. Wir sind kein innovationsfreudiges Land. Wir lassen die anderen machen, mäkeln zunächst an dem Ergebnis herum, um es dann doch zu übernehmen bzw. zu adaptieren. Das wird auch bei Mobile Payments nicht anders sein. Der Druck ist irgendwann so groß, dass es nicht mehr anders geht - es sei denn, man will sich als eine der führenden Wirtschafts- und Kulturnationen aus diesem "Neuland" verabschieden. Das ist wohl das Dilemma Deutschlands: Von sich aus kaum zu Veränderungen, zu einem (technologischen) Sprung in der Lage zu sein, sondern fast immer von Außen dazu gezwungen zu werden. Es gab wenige Fälle, wo es anders verlief, wie beim Wechselstrom, der von der AEG unter Emil Rathenau forciert wurde oder im Stahl durch Alfred Krupp. Aber auch hier waren wir im Grunde nur Nachzügler. Begonnen hatte es in England und dann etwas später in den USA. Wenigstens aber dynamische Anpassungen, die den Produkten und Verfahren neue Funktionen, neue Einsatzgebiete hinzugefügt haben. Davon ist derzeit im Bereich der Digitalen Wirtschaft nicht viel zu erkennen. In der Internet-Ökonomie spielen deutsche Unternehmen, Banken, Handels- und Medienkonzerne (und eigentlich auch die Telekommunikationskonzerne) keine große Rolle. Wir sind auf die anderen, Apple, Google, Amazon und demnächst vielleicht auch auf Baidu, Alibaba und Tencent angewiesen. Sicher - das alles kann schnell in Panikmache ausarten. Ich erinnere mich noch gut an die Diskussionen und Schreckgespenster, die in den 1990er Jahren an die Wand gemalt wurden, als die Japaner daran gingen, den Automarkt zu erobern. Nur - hier handelte es sich um eine Technologie, die fest mit unserem Bildungssystem, unserer Mentalität und unseren Technologieverständnis korrespondiert. Die Digitalisierung bringt hier eine neue Qualität. Im Bereich Startups tut sich mittlerweile ja schon etwas - auch bei den FinTech-Startups. Im Vergleich zum letzten Jahr ist die Zahl hier deutlich gestiegen. Dass Berlin mit seiner Gegenkultur eine der Startup-Metropolen Europas ist, ist ja nun auch ermutigend. Vielleicht, weil Berlin in einigen Bereichen noch nicht typisch deutsch ist und unserem vorherrschenden Wirtschaftsstil nicht völlig entspricht?

  • Ralf Keuper

    19.11.14 (15:54:29)

    André, von einer schnellen Einführung geht wohl keiner von uns aus. Apple wird Apple Pay wahrscheinlich nach den USA in China und dann in Kanada und anderen Ländern und Regionen, wie Korea und Australien, einführen. Dort sind die gesetzlichen und technologischen Hürden z.T. deutlich geringer. Wir sind erst später dran, wie wohl auch der überwiegende Teil Europas. Aber erinnern wir uns: Vor einigen Monaten noch haben sehr viele die Möglichkeit, überhaupt in absehbarer Zeit kontaktlos per NFC bezahlen zu können, für utopisch gehalten. Seit kurzem ist es Realität, wenn auch längst nicht flächendeckend - das wäre auch wohl zu viel verlangt. Das kommt nicht über Nacht - ganz bestimmt nicht bei uns. Allerdings wächst auch in Deutschland die Zahl NFC-fähiger Bezahlterminals in den nächsten Jahren deutlich. Forciert durch Konzerne wie McDonalds. Von Euphorie besteht kein Anlass, ebenso wenig wie für Resignation und noch weniger für typisch deutschen Fatalismus sowie für die uns häufig übermannende Untergangsstimmung. Kurzum: Zwischen Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt ;-) Wie gesagt: Schaun mer mal.

  • Benedikt

    19.11.14 (16:13:09)

    Achtung, da scheinen einige Missverständnisse im Text: - Mastercard gibt in Deutschland ab 1.1.15 verpflichtend vor, dass neue Terminals NFC-fähig sein müssen. Damit fällt der Punkt schleppende Einführung für NFC weg - wer Mastercard will, muss auch NFC machen. - Die Händler müssen nicht zustimmen, damit Apple Pay funktioniert. Sie müssen lediglich NFC aktivieren. Das musste Walmart und diverse Drogerieketten in den USA bereits feststellen, da haben sie hastig die NFC-Funktionen an ihren Kassen komplett deaktiviert....

  • Sven Hauke

    19.11.14 (16:20:27)

    Deutschland ist bis dato Sparkassen und Bargeldland. Bis dato. Diesbezüglich tickt IMHO die biologische Uhr. Da aber die breite Masse der mittelalten und alten Deutschen das meiste Geld in den Taschen hat und eher zu den innovationsfaulen Bewahrern zählt, kann man den Eindruck bekommen, dass hierzulande ApplePay & Co. niemals nie funktionieren werden. ABER: Ketten wie McDonalds stellen gerade auf Kartenzahlung um. In neuen EDEKA-Märkten kann man seit Mitte 2013 mit einer richtigen KREDITkarte zahlen. Entsprechend geht doch einiges und zwar im Verborgenen aber in großen Schritten voran. Apple braucht beim Einsatz bzw. dem Aufsetzen auf Kreditkarten ja auch eigentlich nicht wirklich die deutschen Banken. Man könnte doch direkt mit VISA, Amex oder MasterCard kooperieren und so die träge deutsche Bankenlandschaft in Trab versetzen. Die basteln bis Ende 2015 an einem paypal-Ersatz bzw. einer Kopie. Bis dahin zahle ich dann wahrscheinlich schon 90% meiner Onlinekäufe mit dem Original. Ich sehe ApplePay im Verhältnis zu den Banken wie die Mobilfunker mit SMS gegen Whatsapp. Man saß ganz lange ganz still und nun ist der Kuchen gegessen bzw. der Drops gelutscht. Da helfen dann auch keine betreibereigenen Messenger mehr... Tot ist tot. Und manchmal geht es schneller als man denkt. Übrigens dachten bei meinem ersten aus USA mitgebrachten iPhone auch alle, dass dieses Ding keine Chance haben wird, weil man es einfach nicht braucht...

  • Ralf Keuper

    19.11.14 (16:58:42)

    Ja. Ein Beitrag auf der NOZ (Bezahlen 2.0: Löst das Smartphone das Portemonnaie ab?) gibt die Verbreitung von NFC in Deutschland ganz gut wieder. Demnach können Nutzer von Visa-Karten schon jetzt in Deutschland 45.000 Kontaktlos-Terminals nutzen. Mastercard schreibt den Händlern vor, dass ab dem 1. Januar 2015 neu aufgestellte Kassensysteme NFC unterstützen müssen. Die komplette Umrüstung ist für Ende 2018 geplant. In ein paar Jahren, so wird Cornelia Schulz, Sprecherin der Deutschen Kreditwirtschaft, zitiert, wird wahrscheinlich jeder Händler in Deutschland ein NFC-fähiges Terminal einsetzen. Wal Mart und MCX tun sich mit ihrem Vorgehen m.E. ohnehin keinen Gefallen. Den Kunden vorzuschreiben, welche Bezahlvariante man einsetzen kann oder darf, ist nicht wirklich ein Zeichen überbordender Kundenorientierung :-)

  • Ralf Keuper

    19.11.14 (17:07:38)

    Sehe ich genauso. Manche, längst nicht alle technischen Innovationen, setzen sich mittlerweile sehr viel schneller durch, als es in den Zeiten der Industriegesellschaft noch der Fall war. Steven Johnson berichtet in seinem Buch "Wo gute Ideen herkommen" von der 10/10-Regel aus der Unterhaltungselektronik, wonach es zehn Jahre braucht, um einen Standard, eine Plattform zu etablieren und weitere zehn, um ein breites Publikum zu finden. Bespiele sind der DVD-Player, HDTV und der Desktop-Computer. Mittlerweile hat sich das Verhältnis laut Johnson auf 1/1 reduziert, d.h. es braucht in bestimmten Bereichen nur noch ein Jahr um einen Standard zu entwickeln und ein weiteres, um ein ein größeres Publikum zu erreichen. Als Beispiel nennt Johnson Youtube. Die Regel könnte in etwa auch für Apple Pay oder andere mobile Bezahlverfahren gelte. Persönlich gehe ich stark davon aus. Irgendwann ist, wie Sven sagt, der "Drops gelutscht", oder im Beratersprech: Das "window of opportunity" zugeschlagen und es kann lange dauern, bis sich ein neues öffnet.

  • Fritz

    19.11.14 (18:08:40)

    Die Umfragen bestätgen wieder einmal, dass Geldangelegenheiten mit besonderen Ängsten und einem erhöhten Bedarf an Vertrauenswürdigkeit verbunden sind. Die Umfragen können dabei nur den gegenwärtigen Stand des Vertrauens abfragen, sagen aber über die Zukunft gar nichts aus. Man sollte nie glauben, dass sich Gewohnheiten, denen die Menschen vertrauen und die letztlich auch keine gravierenden Nachteile haben, von heute auf morgen ändern. Das dauert ein paar Jahre, bis auch die breite Masse verstanden hat, dass ein Smartphone als Bezahlsystem mehr Sicherheit bieten kann als jedes Bargeld und jede EC-Karte. Sobald sich das herumspricht, wird sich die Windrichtung drehen. Dabei wird Apple nicht der entscheidende Spieler im Markt sein, einfach weil der Marktanteil von Apple nicht sonderlich groß ist. Eine OS-übergreifende Lösung mit einem vertrauenswürdigen Absender könnte eventuell in D den Markt dominieren, aber Banken in D denken über Zukunftsthemen ja immer besonders gründlich und sorgfältig nach ;)

  • Martin Weigert

    19.11.14 (18:14:20)

    Danke für eure Kommentare und die gute Diskussion soweit. Persönlich bin ich auch ein Anhänger des bargeldlosen Zahlen und freue mich darauf, wenn ich künftig nicht mal mehr meine Geld- oder Kreditkarte mit mir herumschleppen muss. Ich bin nur aktuell für Deutschland aufgrund der beschriebenen Sachlage nicht sonderlich optimistisch, dass es schnell dazu kommt. Mit dem Vergleich zum iPhone oder iPod hab ich meine Probleme. Aus folgenden Gründen: - iPod und iPhone waren Produkte, Apple Pay ist ein Dienst, der weitaus stärker von Netzwerkeffekten abhängt. - Bei der Einführung von iPod und iPhone war die Zahl der involvierten Parteien und Stakeholder geringer als bei Apple Pay. - Apple Pay ist für das Gros der Konsumenten ein massiver Bruch mit alten Gewohnheiten. iPod und iPhone brachten zwar auch viele Neuerungen mit sich, aber hatten entweder ein massives, unmittelbares Alleinststellungsmerkmal (tausend Songs in deiner Tasche) oder behielten die Kernfunktionalität bei (beim iPhone: Telefonie, SMS), um Nutzer quasi die Freiheit zu lassen, ihre Gewohnheiten langsam anzupassen. Apple Pay hat nichts davon, dafür aber auf der Contra-Seite eine Reihe von (teils diffusen, teils mit etwas Empathie durchaus nachvollziehbaren Gegenargumenten). - Apple anno 1999 und 2007 ist nicht Apple 2014. Damit will ich nicht sagen, dass das Unternehmen heute zu weniger im Stande ist. Aber nur weil etwas zweimal geklappt hat, bedeutet dies nicht, dass sich dies immer wiederholen lässt. Erst recht wenn man bedenkt, dass das Unternehmen heute von einem anderen CEO gelenkt wird - der bei 100 Entscheidungen nicht 100 Mal die gleiche Beschlüsse fassen würde wie sein Vorgänger. Abschließend vielleicht nochmal der Verweis auf meinen letzten Satz aus dem Artikel. Nur damit hier keine Missverständnisse entstehen. "In ein paar Jahren ist Deutschland vielleicht reif für Apple Pay. Momentan jedoch kann davon keine Rede sein."

  • Martin Weigert

    19.11.14 (18:29:12)

    Benedikt, solange damit aber kein Pflicht zum Austausch verbunden ist, ändert das auf kurze Sicht nicht viel. Dass NFC sich im Laufe der Jahre stärker verbreiten wird, das möchte ich nicht in Frage stellen. Die Behauptung, dass Händler zustimmen müssen, mache ich gar nicht, oder? Oder interpretierst du das aus dem Satz: "Apple Pay ist so konzipiert, dass individuelle Partnerschaften zwischen Apple, Banken und Händlern geschlossen werden"? Da das tatsächlich missverständlich aufgefasst werden kann, werde ich dies anders formulieren.

  • Stefan Dahlmann

    20.11.14 (00:47:46)

    Ich sehe für Apple Pay schon gute Chancen, dass dieses nach Deutschland kommt und dort auch eine weite Verbreitung finden wird mit der Zeit. Dazu sollte mann sich nur mal die iPhone 6 und 6 Plus Verkäufe in Deutschland ansehen. Ich warte mittlerweile schon 4 Wochen auf mein bestelltes iPhone 6. Wie ich erfahren habe, ist es bei vielen/allen Mobilfunkunternehmen vergriffen. Es wird sehr stark nachgefragt. Außerdem hat Apple schon öfter Märkte und die Gewohnheiten und die Bedürfnisse der Menschen nachhaltig verändert. Ich denke da nur an den iPod und das iPhone. Dazu kommt das iPad als Tablet. Mann kann auch die Spracheingabe Siri nennen. Um nicht missverstanden zu werden ich bin Plattformoffen und verwende auch gerne Microsoft oder Google Produkte/Software. Aber Apple hat es in der Vergangenheit immer wieder geschafft neue Märkte und Produktarten zu definieren bzw. zu entwickeln, die dann jeder haben wollte. Außerdem ist der NFC Transponder auch nichts so besonderes und neues mehr, dass jeder Angst davor haben muss. Ich hatte beruflich schon vor über 10 Jahren mit NFC Transpondern und Lesegeräten zu teuen auch für die Praktische Anwendung in Deutschland und Weltweit. Mir würde es gut gefallen zukünftig mit dem iPhone bezahlen zu können. Da auch Debit Karten unterstützt werden vom System Apple Pay, sehe ich eine gute Möglichkeiten EC Karten (z.B. MeastroCard) für Apple Pay zukünftig zu nutzen. Die Sparkassen und auch Volks- und Raifeisenbanken wollen ja gerne Apple Pay zukünftig unterstützen. Auch z.B. Rewe soll darüber nachdenken Apple Pay Zahlungen zuzulassen. Außerdem soll Mastercard NFC Terminels in Geschäften für die Zukunft vorschreiben und VISA will mit Apple Apple Pay nach Europa bringen. Ich gehe davon aus, dass erste Apple Pay Zahlungen in Deutschland 2015 möglich werden.

  • Bernd Monitor

    20.11.14 (08:17:41)

    Halte den Artikel leider auch für eine Fehleinschätzung. a) die hygienischen Vorteile von Bargeldlosem Bezahlen sind im Foodsektior immens (pizzabude - uberall wo Essen und Geld angefasst wird) b) in einer Stadt wie Berlin sind manchmal nur 20 % der Kunden "Deutsche". Der Rest sind Reisende-die wollen bargeldlos bezahlen. Der Handel wird sich anpassen.

  • Struppi

    20.11.14 (10:15:16)

    Wieder mal eine Diskussion zwischen den unterschiedlichen "Nutzungskonzepten". In meinem Bekanntenkreis (Ü40 + deren Kinder meist um 20) nutzen viele entweder kein Smartphone oder als Telefon mit "Facebook Anschluss" oder als Telefon mit "Reiseführer". Aber z.b. online Banking ist absolut verpöhnt und viele haben schon schlechte Erfahrungen gemacht, insofern sie betrogen wurden. Sei es durch skimming oder einfach fehlerhafte Abuchungen. D.h. für viele Menschen ist der bargeldlose Zahlungsverkehr zum einen nicht mit dem Internet in Verbindung zum anderen sie fürchten sich davor. So läßt sich vermutlich auch die gesunkene Zustimmung erklären, da die viele von Betrug zu mindet in den Medien immer mehr thematisiert wurden und die Menschen sich überfordert fühlen. Ich würde diese Einstellung einfach ein gesundes Misstrauen nennen. Viele sehen einfach nicht die Notwendigkeit ein bewährtes System gegen ein mit Risiken behaftetem zu tauschen. Zumal für die meisten Menschen auch kein Vorteil erkennbar ist. Es gibt die EC Karte und Automaten stehen auch an jeder Ecke, wozu brauche ich ein weiteres kompliziertes System?

  • Christian

    20.11.14 (19:00:31)

    Mich erstaunt dieser unerschütterliche "Optimismus" auch immer wieder. In EUropa haben wir es bis heute nicht geschafft, ein unbares Zahlungsmittel zu schaffen, das so universell verwendbar ist wie Bargeld. Bin gerade in BE/FR unterwegs und würde liebend gern weniger Cash verwenden. Aber nein, eine deutsche Kreditkarte ist längst nicht an jeder französischen Tankstelle willkommen, in manchen Geschäften wird meine Girocard akzeptiert, anderswo macht's ein Automat nur mit meiner Maestro-Karte. Solange solche eigentlich doch recht simplen Dinge nicht recht funktionieren, mach' ich mir keine Gedanken darum, ob ich auch die nächste "Geht-vielleicht-oder-auch-nicht"-Alternative zu Barem sofort ausprobieren muss. ;)

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